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08.03.2016

Deutsche Marktposition in Israel 2015 geschwächt

Währungsrelationen komplizieren Bewertung / Bessere Nutzung des Marktpotenzials möglich / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (gtai) - Die israelische Wareneinfuhr aus Deutschland lag 2015 mit 3,8 Mrd. US$ um 18,1% unter dem Vorjahresstand. Allerdings sieht die Statistik in Euro weitaus weniger dramatisch aus. Zudem können die Zahlen auch das gestiegene Potenzial anderer Märkte für deutsche Produkte widerspiegeln. Nach Auffassung der israelisch-deutschen Industrie- und Handelskammer könnten deutsche Firmen Marktchancen in Israel dennoch besser nutzen. Die Rahmenbedingungen dafür sind günstig.

Das Jahr 2015 war durch eine Schrumpfung der israelischen Warenbezüge aus Deutschland gekennzeichnet. In laufenden Dollarpreisen ging die Einfuhr aus der Bundesrepublik um 18,1% zurück.

Bei der Bewertung der Zahlen sind jedoch vor allem zwei Faktoren zu berücksichtigen. Erstens nahm die israelische Wareneinfuhr im Jahr auch insgesamt ab (-14,4%). Zweitens wurde der Dollarwert der Lieferungen aus Deutschland wie aus anderen Ländern der Euro-Zone durch die Abwertung der europäischen Währung gegenüber dem US-Dollar geschmälert. In jedem Fall lässt sich aus einem schwächeren Jahresergebnis auf keine negative Trendwende schließen.

Israelische Wareneinfuhr 2005 bis 2015
Jahr Einfuhr im Mrd. US$ davon: aus Deutschland Deutscher Importmarktanteil
2005 45,0 3,0 6,6
2006 47,8 3,2 6,9
2007 56,6 3,5 6,2
2008 65,2 3,9 6,0
2009 47,4 3,4 7,1
2010 59,2 3,7 6,2
2011 73,5 4,6 6,2
2012 73,1 4,6 6,3
2013 72,0 4,7 6,5
2014 72,3 4,7 6,4
2015 62,0 3,8 6,1

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik, diverse Ausgaben, Zentralamt für Statistik

Importmarktanteile gesunken

Indessen ist auch nicht zu übersehen, dass die Importe aus der Bundesrepublik bei Industriegütern viel stärker als die Gesamtimporte dieser Kategorie nachgaben. Das wird sichtbar, wenn Warenkategorien, die für deutsche Wirtschaft irrelevant sind, herausgerechnet werden. So sind die Einfuhren von Mineralprodukten 2015 um 40,7% gesunken. Auch die Einfuhr von Diamanten, die bei den deutschen Lieferungen ebenfalls keine Rolle spielen, erlitt mit einem Minus von 25,9 % einen Einbruch. Ohne diese beiden Positionen gaben die israelischen Warenimporte nur um 5,0% nach - weniger als ein Drittel der Einbußen, den die Importe aus Deutschland erlitten haben.

Zudem ist die Schrumpfung der Warenbezüge aus der Bundesrepublik mit der 2015 etwas schwächeren Wirtschaftsentwicklung Israels allein nicht zu erklären. Beispielsweise nahmen die Lieferungen deutscher Maschinen und Ausrüstungen inklusive Elektroindustrie (HS-Abschnitt XVI) um 13,1% ab, obwohl die Maschineninvestitionen der israelischen Wirtschaft real leicht steigen konnten.

Die Gesamteinfuhr von Kfz wiederum gab zwar um 18,7% nach, doch brachen die Importe aus Deutschland mit 36,2% ein. Dagegen gingen die deutschen Anteile an der Chemie- und der Kunststoffeinfuhr in geringerem Umfang zurück.

Führende Positionen der Importe aus Deutschland, 2005 bis 2015 (ausgewählte Jahre, Mio. US$)
Jahr Alle Waren Chemie Kunststoff Maschinen, Elektrogüter Kfz Optik, Foto-technik, Mess- u. Kontroll- technik, Medizin-technik
2005 2.986 492 185 1.040 459 229
2010 3.677 644 238 1.249 501 266
2011 4.567 778 294 1.562 725 362
2012 4.622 761 314 1.439 897 330
2013 4.668 777 334 1.359 822 386
2014 4.652 746 322 1.488 733 384
2015 3.810 664 277 1.293 468 323
Ver. 2015/14 in % -18,1 -11,0 -14,0 -13,1 -36,2 -15,9
Deutscher Importmarktanteil 2014 6,4 11,7 10,6 10,4 11,0 17,9
Deutscher Importmarktanteil 2015 6,1 11,0 10,2 8,4 8,6 14,8

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik, diverse Ausgaben, Zentralamt für Statistik

Rückgang trotz Euro-Abwertung

Der spürbare Rückgang der Importe aus Deutschland wurde trotz der Währungsrelationen verzeichnet, die eigentlich für mehr, und nicht weniger Einfuhren aus der Eurozone sprachen. Mit einem jahresdurchschnittlichen Wechselkurs von 4,31 Neue Schekel (NIS) je Euro war die europäische Gemeinschaftswährung um 9,3% billiger als im Vorjahr.

Allerdings konnten auch andere Länder den schwachen Euro nicht in Markterfolge in Israel umsetzen. Zwar konnten etwa die Niederlande ihre Lieferungen in Dollarpreisen mit einem Plus von 0,1% immerhin halten, während die Importe aus Frankreich um 2,9% stiegen, doch hatten Belgien, Italien und Spanien weniger Erfolg.

Der Lieferwert der aus den USA kommenden Waren 2015 knickte um 5,6% ein. China konnte seinen Lieferwert mit einem Rückgang um 3,8% relativ gut halten, während die Schweiz kräftigere Einbußen zu verzeichnen hatte. Nach diesen Ländern belegte Deutschland Rang vier der Lieferantenliste.

Führende Lieferländer 2015
Land Einfuhr 2015 (Mio. US$) Veränderung 2015/14 in %
USA 8.081 -5,6
China 5.768 -3,8
Schweiz 4.426 -14,7
Deutschland 3.810 -18,1
Belgien 3.275 -14,2
Italien 2.491 -10,5
Türkei 2.446 -8,9
Niederlande 2.422 0,1
Vereinigtes Königreich 2.272 -2,7
Indien 1.881 -16,1

Quelle: UN Comtrade Database

Außenhandelskammer weist auf Chancen hin

Nach Auffassung der Israelisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (AHK Israel) deutet das Ergebnis von 2015 darauf hin, dass deutsche Unternehmen Marktchancen in Israel nicht in ausreichendem Maße nutzten. Die Zahl deutscher Exporteure, die den israelischen Markt neu beträten, sei gering. Auch wenn dies allein den 2015 verzeichneten Rückgang der Warenbezüge aus Deutschland nicht zu erklären vermöge, so sei festzustellen, dass viele deutsche Firmen das Nachfragepotenzial der relativ beständig wachsenden israelischen Wirtschaft nicht ausschöpften.

Deutscher Handelsüberschuss bleibt hoch

An dem traditionell hohen Überschuss, den Deutschland im Warenhandel mit Israel erzielt, hat sich auch 2015 kaum nichts geändert. Mit 1.435 Mio. US$ lagen die israelische Exporte in die Bundesrepublik um 17,0% unter dem Vorjahresergebnis und deckten nur 36,7% der Warenimporte aus Deutschland. Dieser Deckungsgrad war mit dem Vorjahresstand von 37,1% nahezu identisch. Mit einem Minus von 37,0% gaben die israelischen Lieferungen von Produkten der Chemieindustrie nach Deutschland besonders stark nach. Bei Waren des Maschinenbaus und der Elektroindustrie (HS-Abschnitt XVI) fiel der Rückgang israelischer Exporte in die Bundesrepublik relativ gemäßigt aus.

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Export, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein

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