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17.05.2018

Deutschland hat seine Position als wichtigstes Lieferland Schwedens ausgebaut

Deutschland hat seine Position als wichtigstes Lieferland Schwedens ausgebaut

Aus deutscher Sicht 2017 starkes Exportplus bei Fördertechnik, Wellen und Kurbeln / Von Heiko Steinacher

Bonn (GTAI) - Schweden ist für deutsche Lieferanten ein attraktiver Auslandsmarkt. Der Wert der schwedischen Importe aus Deutschland ist größer als der aus ganz Asien, Amerika, Afrika und Ozeanien zusammen. Ebenso wie die Gesamteinfuhr des nordischen Landes nahmen Bezüge aus Deutschland 2017 um fast 9 Prozent zu. Die wichtigsten deutschen Exportgüter nach Schweden sind Maschinen, Kfz und -Teile, chemische Erzeugnisse sowie Elektrotechnik.

Schwedens Wirtschaft legte 2017 real um circa 2,4 Prozent zu. Im Jahr 2018 soll sie um 2,0 bis 2,5 Prozent zulegen. Die Wachstumsimpulse kommen zu einem erheblichen Teil vom Export, der vom schwachen Außenwert der schwedischen Krone gestützt wird. Wie schon in den vorangegangenen drei Jahren hat die heimische Währung 2017 gegenüber dem Euro nochmals abgewertet, diesmal im Schnitt um knapp 2 Prozent. Der Import hat 2017 um rund 5 Prozent zugenommen. 2018 dürfte die Dynamik mit 4 bis 5 Prozent etwas niedriger ausfallen.

Außenhandel Schwedens (in Mio. Euro; reale Veränderung in %) 1)
2016 2017 Veränderung 2017/2016 2)
Importe 127.512 136.356 8,8
Exporte 125.960 135.608 9,5
Handelsbilanzsaldo -1.552 -747 -51,0

1) Waren; Wechselkurse: 2015: 1 Euro = 9,3535 Schwedische Kronen (skr); 2016: 1 Euro = 9,4689 skr; 2) Veränderung auf Basis der Ursprungswerte in skr

Quelle: auf Grundlage von Daten von Statistiska centralbyran (SCB)

Außenhandel nach Handelspartnern

Deutschland ist für Schweden das wichtigste Lieferland

Deutschland konnte 2017 seinen Anteil von knapp 19 Prozent an den gesamten schwedischen Warenexporten halten. Damit ist Deutschland das mit Abstand wichtigste Lieferland Schwedens. Andere große Liefernationen wie Norwegen, Dänemark und das Vereinigte Königreich haben dagegen leicht an Boden verloren. Ausnahmen bilden die Niederlande, die ihren Lieferanteil seit 2012 (etwa 7 Prozent) im letzten Jahr auf fast 9 Prozent ausbauen konnten, sowie Belgien (von 4 auf knapp 5 Prozent).

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Außenhandel nach Warengruppen

Deutsches Lieferplus bei Hebe- und Fördereinrichtungen

In der Importstruktur des nordischen Landes dominieren traditionell Produkte der Metall verarbeitenden Industrie, wo schwedische und deutsche Unternehmen stark miteinander in Wettbewerb stehen (vor allem Maschinen, Kfz und -Teile, Elektrotechnik). Denn auch in Schweden gibt es viele große, global ausgerichtete Unternehmen wie Atlas Copco, Sandvik, SKF, Volvo, Scania, Elektrolux oder Eriksson. Darüber hinaus exportiert Deutschland in großem Umfang chemische Erzeugnisse nach Schweden.

Im Jahr 2017 lieferte Deutschland gut ein Viertel aller Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge, die Schweden im Ausland bezogen hat. In diesem Bereich sind die Einfuhren des Vereinigten (?)Königreichs am höchsten, da viele der importierten Waren für die Herstellung von Ausfuhrgütern benötigt oder reexportiert werden.

Zwar erzielt Schweden mit Erzeugnissen des Maschinen- und Anlagenbaus traditionell Ausfuhrüberschüsse, im bilateralen Handel mit Deutschland überwiegen aber die Bezüge von dort bei weitem. Der Import von Maschinen und Anlagen ist 2017 um knapp 9 Prozent auf circa 12,9 Milliarden Euro gestiegen; die Dynamik der Lieferungen aus Deutschland (+8 Prozent) lag nur leicht unter dem Durchschnitt. Auffällig war das 2017 aus deutscher Sicht große Exportplus bei Hebe- und Fördervorrichtungen (+30 Prozent), Wellen und Kurbeln (+19 Prozent) sowie Pumpen (+8 Prozent). Die schwedischen Importe von spanabhebenden Werkzeug- und landwirtschaftlichen Maschinen aus Deutschland sind dagegen um je rund 10 Prozent gesunken.

Rund die Hälfte der Kfz-Teile bezieht Schweden aus Deutschland

Auch im Handel mit Kfz-Teilen ist Deutschland Schwedens wichtigstes Lieferland. Etwa die Hälfte der gesamten schwedischen Importe von Branchenprodukten (2017 gut 6,9 Milliarden Euro) stammten aus deutschen Landen. Die Einfuhr von Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen aus Deutschland ist 2017 um gut 10 Prozent auf 70 Millionen Euro angestiegen. Ein stattliches Plus um 9 Prozent auf knapp 69 Millionen Euro verbuchten 2017 in Schweden auch Beleuchtungs- und Signalgeräte Made in Germany.

Deutsches Ausfuhrplus nach Schweden bei Kunststoffen

Die schwedische Chemieindustrie ist auf Importe angewiesen. Deutschland ist mit einem Anteil von fast einem Fünftel das bedeutendste Lieferland von Chemikalien und chemienahen Produkten. Deutsche Anbieter sind in allen wesentlichen Segmenten des Marktes gut positioniert. Nach einem Rückgang um rund 2 Prozent im Vorjahr stiegen die Importe von Chemikalien und chemienahen Produkten aus Deutschland 2017 um fast 8 Prozent, wobei der Zuwachs bei Kunststoffen in nichtprimärer Form (14 Prozent) besonders stark war. Weitere wichtige Bezugsländer sind die Niederlande, Dänemark, Belgien, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Norwegen. Schwedens Chemiebranche ist selbst stark exportorientiert.

Die Brancheneinfuhren sind 2017 um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Einen deutlichen Zuwachs mit fast 11 Prozent verzeichneten die deutschen Lieferungen von Kunststoffen nach Schweden. Auf solche Erzeugnisse entfällt mehr als ein Viertel der Branchengesamteinfuhr. Hier ist Deutschland der wichtigste Lieferant vor Belgien und den Niederlanden. Leicht rückläufig (-1 Prozent) waren 2017 die schwedischen Bezüge von medizinischen und pharmazeutischen Produkten aus Deutschland.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
SITC-Code 2012 2017
Elektronik 75, 76, 776 25.215 25.399
Vorerzeugnisse 6 16.909 18.734
Fertigerzeugnisse 8 14.344 17.174
Straßenfahrzeuge 78 11.127 16.486
Chemische Erzeugnisse 5 14.697 14.892
Mineralische Brennstoffe 3 20.699 13.730
Maschinen 71-74 12.397 12.902
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 10.093 12.791
Elektrotechnik 77 minus 776 5.988 7.495
Rohstoffe 2 4.223 3.799
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.794 3.355
Getränke/Tabak 1 1.136 1.427
Tierische/pflanzliche Öle 4 529 661
Sonstiges 9 225 328

Quelle: Eurostat

Auch als Abnehmerland steht Deutschland für Schweden an Nummer eins

In umgekehrter Richtung ist Deutschland für schwedische Lieferanten auch das wichtigste Abnehmerland. Mit knapp 11 Prozent Anteil an der Gesamtausfuhr hat es Norwegen (rund 10 Prozent) im Jahr 2016 als größte Exportdestination Schwedens erstmals leicht überflügelt und diese Position 2017 behauptet. Dahinter folgten Finnland, die USA, Dänemark und das Vereinigte Königreich. Nach Deutschland exportiert Schweden vor allem Metallwaren, Papiererzeugnisse, Maschinen, chemische Produkte, Kfz, Elektrotechnik und Telekommunikation.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
SITC-Code 2017 2012
Elektronik 75, 76, 776 27.398 29.655
Vorerzeugnisse 6 24.060 25.318
Maschinen 71-74 19.113 19.919
Straßenfahrzeuge 78 19.009 13.029
Chemische Erzeugnisse 5 16.548 14.788
Fertigerzeugnisse 8 11.634 11.725
Mineralische Brennstoffe 3 9.407 13.505
Rohstoffe 2 8.870 8.944
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 7.381 5.543
Elektrotechnik 77 minus 776 6.049 5.996
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.405 1.400
Getränke/Tabak 1 1.000 907
Tierische/pflanzliche Öle 4 272 210
Sonstiges 9 2.512 3.116

Quelle: Eurostat

Hemmnisse, die speziell den Handel zwischen Deutschland und Schweden erschweren, sind laut Untersuchungen der Deutsch-Schwedischen Handelskammer (http://www.handelskammer.se) unter Unternehmen aus beiden Ländern neben der Währungsentwicklung (Schweden ist nicht Mitglied der Eurozone) unter anderem Sprach- und Kommunikationsbarrieren, steuerrechtliche und verwaltungstechnische Unterschiede sowie Verschiedenheiten im Geschäftsgebaren.

Weitere Informationen zu Schweden finden Sie unter http://www.gtai.de/schweden

(S.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Außenhandel / Struktur, allgemein

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