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27.04.2016

Deutschland verliert in Tschechien Marktanteile bei Autoteilen und Maschinen

Asiatische Hersteller aus China und Korea steigern ihre Verkäufe / Bei Ausrüstungen auch Konkurrenz aus der Slowakei / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Tschechiens Einfuhren werden dominiert von Lieferungen aus Deutschland. Das liegt auch an der starken Investitionstätigkeit im Nachbarland. Besonders beim Import von Fahrzeugen und Maschinen ist der Anteil deutscher Hersteller hoch. Allerdings wird es immer schwieriger, diese Position zu halten. Wettbewerber aus Mittelosteuropa sowie besonders aus der VR China waren zuletzt sehr erfolgreich. Die Niederlande sind bei Arzneimitteln und Medizintechnik ein wichtiger Anbieter.

Deutsche Premiummarken profitieren vom Neuwagenboom

Das Jahr 2015 war für Tschechiens Automobilbranche ein Jahr der Rekorde. Die Inlandsproduktion ist um 4% auf 1,3 Mio. Fahrzeuge gestiegen. Der Absatz von Neuwagen im Inland legte um ein Fünftel auf 230.000 Fahrzeuge zu.

Die Nachfrage der Automobilindustrie und der Autokäufer belebte so den Außenhandel mit Kfz und Zubehörteilen. Der Einfuhrwert der entsprechenden SITC-Kategorie 78 stieg 2015 um 17% auf 12,2 Mrd. Euro. Davon entfielen fast 40% auf Deutschland. Zweitwichtigstes Herkunftsland war Polen (1,1 Mrd. Euro) vor Korea (Rep.) mit 0,9 Mrd. Euro. Auch bei Kfz-Teilen der Kategorie 784 war Deutschland mit 3,0 Mrd. Euro Liefervolumen führender Hersteller. Allerdings sind die Einfuhren von Komponenten aus Korea (Rep.) mit 27%, Rumänien (50%) und aus der VR China (42%) deutlich schneller gestiegen als aus Deutschland (9%).

Die großen deutschen Teileproduzenten haben eigene Fertigungsstätten in Tschechien. Sie erweitern stetig ihre Kapazitäten, wie aktuell zum Beispiel INA in Svitavy oder Schott in Lanskroun. Zugleich drängen immer mehr chinesische Teilehersteller ins Land, um hier eine Produktion aufzubauen.

Bei Pkw führen deutsche Hersteller ebenfalls die Einfuhrstatistik an. Tschechien importierte 2015 Autos für 3 Mrd. Euro (+31% zum Vorjahr). Davon entfielen 1,2 Mrd. Euro auf Deutschland, dessen Marktanteil sich auf nahezu 40% vergrößerte - sechs Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Zweitgrößter Pkw-Lieferant war Österreich, weil viele Hersteller ihr Exportgeschäft in Mittelosteuropa von Wien aus steuern. Dahinter folgen Spanien und Frankreich, auf die 2015 jeweils 7% des Einfuhrwertes bei Automobilen entfielen.

Anteile der wichtigsten Lieferländer an den Importen von Kfz und Kfz-Teilen (in %) 1)
2000 2010 2015 Veränderung 2015/14 2)
Deutschland 45,9 37,6 35,3 17,8
.Pkw 3) 36,1 32,9 39,5 56,9
Polen 2,4 10,8 11,5 12,6
.Pkw 3) 2,2 3,9 1,8 -2,3
Slowakei 2,6 7,5 8,4 22,0
.Pkw 3) 1,1 5,9 4,0 10,2
Korea (Rep.) 0,8 3,0 5,9 23,8
.Pkw 3) 4,0 0,9 1,9 4,4
Österreich 4,0 4,5 5,1 34,2
.Pkw 3) 1,0 8,8 11,9 31,4

1) erfasst sind die SITC-Positionen 78, 778, 773 sowie Kfz- Motoren aus SITC 713 (713.2); 2) Veränderung des Lieferwertes 2015 im Vergleich zu 2014 in %; 3) SITC 781

Quelle: Eurostat (Datenbestand am 29.3.16)

Einfuhren an Medikamenten steigen wegen guter Kaufkraftentwicklung

Tschechien hat eine starke Chemieindustrie, die vor allem Grundchemikalien herstellt. Bei Spezialprodukten ist das Land auf Importe angewiesen. Immerhin 11% aller Einfuhren entfielen 2015 auf chemische Erzeugnisse. Das entsprach einem Volumen von 14,3 Mrd. Euro (SITC 5). Die größte Einfuhrposition waren Arzneimittel mit einem Wert von 3,68 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Medikamentenimporte dank der guten Kaufkraftentwicklung um 7%. Tschechien ist aber auch ein interessanter Standort für Reexporte von Arzneiwaren, die wegen des lokalen Referenzpreissystems zu den billigsten in der EU gehören. Für Pharmahändler ist es attraktiv, die Importware in die Nachbarländer weiter zu verkaufen.

Deutschland ist traditionell das bevorzugte Herkunftsland für Medikamente. Ein Fünftel der Importe kam 2015 von dort (730 Mio. Euro). Dahinter folgen die Niederlande. Frankreich konnte seine Stellung im Vorjahr ebenso ausbauen wie die Slowakei.

Neben Arzneimitteln sind Kunststoffe in Primärformen (Lieferwert 2015: 2,8 Mrd. Euro), sonstige Kunststoffe (1,9 Mrd. Euro) sowie Reinigungsmittel und Kosmetika (1,3 Mrd. Euro) wichtige Einfuhrgüter der chemischen Industrie.

Anteile der wichtigsten Lieferländer an den Importen chemischer Erzeugnisse 1) (in %)
2000 2010 2015 Veränderung 2015/14 2)
Deutschland 33,5 31,4 32,1 4,8
.medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 3) 19,6 19,6 19,9 3,8
Polen 3,8 6,2 7,2 8,6
.medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 3) 0,5 2,4 2,7 -0,6
Niederlande 4,7 6,9 7,1 13,4
.medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 3) 4,7 8,5 9,0 2,0
Frankreich 6,8 5,7 6,0 15,4
.medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 3) 12,6 8,7 8,6 19,1
Slowakei 7,5 5,3 5,7 21,7
.medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 3) 7,1 4,0 4,4 28,6

1) SITC 5; 2) Veränderung des Lieferwertes 2015 im Vergleich zu 2014 in %; 3) SITC 54

Quelle: Eurostat (Datenbestand am 29.3.16)

Maschinen zur Metallbearbeitung 2015 besonders gefragt

Das Industrieland Tschechien hat einen hohen Bedarf an Ausrüstungsgütern. In den SITC-Gruppen 72 bis 74 betrug das Einfuhrvolumen 2015 rund 10,9 Mrd. Euro, 11% mehr als im Vorjahr. Deutschlands Anteil ist erstmals seit vielen Jahren unter die Marke von 45% gerutscht. Besonders die VR China, aber auch slowakische Lieferanten sorgen für Konkurrenz. Die Importe aus Deutschland sind mit knapp 5% nicht einmal halb so schnell gewachsen wie das gesamte Einfuhrvolumen. Hersteller aus Österreich legten um 17% zu, aus der Slowakei um 11% und aus der VR China um 30%.

Wichtigste Maschinengruppe beim Import ist die SITC-Position 74 (Maschinen, Apparate und Geräte für verschiedene Zwecke, unter anderem Heiz- und Kühltechnik, Pumpen, Hebetechnik, Wälzlager). Sie hatte 2015 einen Anteil von knapp zwei Dritteln an den Maschineneinfuhren (6,7 Mrd. Euro). Ein höheres Wachstum gab es bei Metallbearbeitungsmaschinen, deren Importe um 18% anstiegen. Ebenfalls stark gefragt waren Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke, zu denen Landtechnik und Baumaschinen gehören. Ihr Einfuhrwert kletterte um 14% auf fast 3,1 Mrd. Euro.

Für Bedarf an importierten Ausrüstungsgütern sorgt auch der gut aufgestellte Maschinenbau. Die Branche ordert viele Komponenten und Werkzeugmaschinen und hat eine hohe Exportquote. Das Ausfuhrvolumen in den SITC-Positionen 72 bis 74 stieg 2015 um über 8% auf 14,2 Mrd. Euro. Ein Drittel davon geht nach Deutschland.

Anteile der wichtigsten Lieferländer an den Importen von Maschinen 1) (in %)
2000 2010 2015 Veränderung 2015/14 2)
Deutschland 47,2 45,9 42,4 4,6
Italien 9,9 8,2 8,1 7,0
Österreich 4,8 5,3 5,3 17,3
VR China 0,5 3,8 5,1 29,6
Slowakei 2,6 3,7 4,2 11,4

1) SITC 72 bis 74; 2) Veränderung des Lieferwertes 2015 im Vergleich zu 2014 in %

Quelle: Eurostat (Datenbestand am 29.3.16)

Krankenhäuser investieren weiter in neue Medizintechnik

Tschechiens Krankenhäuser erleben dank der EU-Fonds einen Modernisierungsschub. Medizinische Abteilungen werden erweitert oder erneuert, die Ausstattung mit Diagnose- und Behandlungstechnik verbessert. Für 2015 beziffert Eurostat das Importvolumen an Medizintechnik auf 870 Mio. Euro (+17% zum Vorjahr). Gegenüber dem Jahr 2000 vergrößerte sich der Einfuhrwert um das Dreieinhalbfache.

Deutschland stellt ein Drittel der Medizintechnikimporte und konnte seine Position 2015 (+25%) ausbauen. Zweitwichtigstes Herkunftsland sind die Niederlande (+9%) vor Belgien (+20%) und den USA (+10%). Die VR China rutschte 2015 erstmals in die Top 10 der größten Lieferanten von Medizintechnik (+36% auf 22 Mio. Euro). Auffallend war der Zuwachs bei den Importen aus Polen, die sich auf fast 20 Mio. Euro verdoppelten.

Anteile der wichtigsten Lieferländer an den Importen von Medizintechnik 1) (in %)
2000 2010 2015 Veränderung 2015/14 2)
Deutschland 28,3 32,6 36,8 25,4
Niederlande 4,1 13,9 15,7 8,5
Belgien/Luxemburg 1,1 5,8 7,2 19,5
USA 22,8 6,7 5,6 10,1
Frankreich 3,4 4,6 3,7 34,5

1) SITC 774, 872, 8996; 2) Veränderung des Lieferwertes in %

Quelle: Eurostat (Datenbestand am 29.3.16)

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Chemische Industrie, allgemein, Medizintechnik, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Export, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein

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