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13.03.2018

Die Schweiz macht Tempo beim 5G-Netzstandard

Mobilfunkfrequenzen sollen bereits 2018 vergeben werden / Von Karl-Heinz Dahm

Bonn (GTAI) - Der schweizerische Mobilfunkriese Swisscom hat angekündigt, bereits 2018 mit der Einführung des 5G-Mobilfunknetzes starten zu können. Damit würde der ursprüngliche Zeitplan um zwei Jahre vorgezogen. Mit der Vergabe der nötigen Frequenzen durch den Bund wird im 2. Halbjahr 2018 gerechnet. Die 5G-Einführung erfordert eine zügige Modernisierung der Mobilfunkinfrastruktur. Der Ständerat hat sich im März gegen eine Lockerung der strengen Strahlenschutzverordnung ausgesprochen. (Kontaktadressen)

Der Netz-Chef des schweizerischen Mobilfunkunternehmens Swisscom, Heinz Herren, hat Ende Februar 2018 gegenüber der Presse überraschend angekündigt, 5G bereits 2018 - anstatt wie ursprünglich geplant 2020 - einführen zu wollen. Die rasche Verfügbarkeit des ultraschnellen 5G-Netzstandards hat für den Wirtschaftsstandort Schweiz höchste Priorität. Mit Blick auf die Nachbarländer möchte das Land den Anschluss an die digitale Zukunft nicht verlieren, gilt doch 5G als Schlüsseltechnologie für die Industrie 4.0. Zudem stößt der aktuelle 4G-Standard in der Schweiz bereits jetzt an Kapazitätsgrenzen.

Damit wäre die Schweiz weltweit eines der ersten 5G-Länder. Grund für den vorgezogenen Start ist laut Herren, dass die Standardisierung der 5G-Technologie schneller vorangekommen sei als erwartet. Außerdem habe der Swisscom-Zulieferer für Netzwerkkomponenten, das schwedische Unternehmen Ericsson, signalisiert, die nötigen Bauteile und Software für den Netzausbau liefern zu können.

Swisscom will schnelle Einführung des 5G-Standards

Swisscom treibt in der Schweiz die Einführung des 5G-Mobilfunkstandards voran. Gemeinsam mit Ericsson und einem Partner aus der Forschung, der Ecole Polytechnique Federale (EPFL) in Lausanne, wurde 2016 das Programm "5G for Switzerland" ins Leben gerufen. Das Programm hat zum Ziel, gemeinsam mit Partnern aus der Industrie Pilotprojekte mit 5G-Technologie durchzuführen. Versuche laufen zum Beispiel mit dem schweizerischen Medizintechnikunternehmen Ypsomed. Das Unternehmen nutzt den 5G-Netzstandard für Industrie 4.0-Anwendungen.

Der 5G-Standard wird für die vernetzte industrielle Produktion, die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) oder das Internet der Dinge IoT (Internet of Things) künftig überall dort unabdingbar, wo eine superschnelle Datenübertragung und extrem kurze Reaktionszeiten gefordert sind. 5G ermöglicht eine Datenübertragung in Echtzeit, das heißt im Millisekundenbereich. Dies ist Voraussetzung für zum Beispiel autonomes Fahren, beziehungsweise vernetzten Verkehr. Dabei soll der Energieverbrauch laut Experten um ein Vielfaches niedriger sein, als bei der bisherigen 4G-Technologie.

Konkurrenten stehen in den Startlöchern

Durch das Vorpreschen der staatsnahen Swisscom ist Bewegung in die Schweizer Mobilfunkszene geraten. Auch die Konkurrenten Sunrise und Salt sehen jetzt Handlungsbedarf, hatten doch beide Mobilfunkanbieter für die Einführung des ultraschnellen 5G-Netzes ebenfalls 2020 anvisiert. Neben Swisscom hatten auch Sunrise und Salt in der Vergangenheit erfolgreiche Tests mit der 5G-Technologie durchgeführt. Auch haben beide Unternehmen Partnerschaften mit Netzausrüstern geschlossen. Salt kooperiert mit Nokia aus Finnland und Sunrise arbeitet mit dem chinesischen Netzausrüster Huawei zusammen.

Lizenzvergabe für Funkfrequenzen im Herbst 2018

Bevor Firmen und Privatkunden vom 5G-Netz profitieren können, müssen die Betreiber der Mobilfunknetze zunächst entsprechende Lizenzen erwerben. Die Lizenzvergabe könnte nach Einschätzung von Swisscom bereits im 2. Halbjahr 2018 erfolgen. Im März will die Schweizer Telekom-Regulierungsbehörde ComCom darüber befinden, wie die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard vergeben werden. Das heißt, ComCom muss entscheiden, ob sie die Lizenzen gegen einen festgelegten Preis direkt zuteilt, ob es einen sogenannten Kriterienwettbewerb oder eine Auktion geben wird. Im Herbst 2018 soll dann die Vergabe realisiert werden. In den meisten europäischen Ländern war es bislang üblich, Mobilfunkfrequenzen mittels Auktionen zu vergeben.

Im November 2017 hatte der schweizerische Bundesrat den sogenannten Nationalen Frequenz-Zuweisungsplan (NaFZ) verabschiedet und damit den Weg für die Vergabe von 5G-Mobilfunkfrequenzen freigemacht. Es handelt sich dabei laut der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) um Frequenzen in den Bändern 700 Megahertz, 1.400 Megahertz und 3.500 bis 3.800 Megahertz. Zusätzlich werde ein Block mit 2.600-Megahertz-Frequenzen angeboten.

Der Bundesrat hatte Ende 2017 die Konzessionsgebühren für den Erwerb der 5G-Mobilfunkfrequenzen gesenkt und die "Verordnung über die Gebühren im Fernmeldebereich (GebV-FMG)" entsprechend angepasst. Die Anpassung ist seit Januar 2018 in Kraft. Informationen dazu erteilt das Bundesamt für Kommunikation BAKOM)

Netzinfrastruktur muss ausgebaut werden

Die Einführung der 5G-Technologie erfordert einen zügigen Ausbau der bestehenden Netzinfrastruktur. Die Wirtschaft macht Druck und fordert die Regierung auf, dafür die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft und das Beratungsunternehmen EY haben in ihrem "Weißbuch Mobilfunkkommunikation als Schlüsselfaktor der Digitalisierung" verschiedene Handlungsfelder definiert. Darunter unter anderem eine Anpassung der im Vergleich zum Ausland unverhältnismäßig hohen Grenzwerte für Strahlenschutz. Diese würden den Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur erschweren.

"Mit der Anpassung der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) könnten einerseits die Grenzwerte für Mobilfunkantennen gelockert und andererseits die Rahmenbedingungen für den Bau von Anlagen vereinfacht werden" lautet die Empfehlung von Economiesuisse und EY. Verglichen mit den von der EU festgelegten Grenzwerten sowie den Grenzwerten der WHO seien diejenigen in der Schweiz bis zu zehnmal restriktiver. Der Ständerat hatte sich daraufhin mit dem Thema befasst, jedoch in einer knappen Abstimmung am 5. März 2018 gegen eine Lockerung der Strahlenschutzverordnung gestimmt.

Swisscom will Mitte März 2018 die erste 5G-Antenne in Ittigen testweise in Betrieb nehmen. Ende 2018 soll das Mobilfunknetz dann, nach eigenen Angaben, punktuell mit 5G-Technologie erschlossen sein. Als erstes soll der Ausbau in den Städten beginnen. Für die Gesamtschweiz ist die Abdeckung 2020 geplant. Private Nutzer müssen sich noch gedulden. Die ersten 5G-fähigen Smartphones sollen voraussichtlich erst ab 2020 auf den Markt kommen. Laut Swisscom soll es aber im laufenden Jahr bereits erste 5G-fähige Geräte geben, wie Router oder USB-Sticks, die einen drahtlosen Zugang ins Internet ermöglichen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom http://www.comcom.admin.ch/comcom/de/home.html Konzessions- und Regulierungsbehörde im Fernmeldebereich
Bundesamt für Kommunikation BAKOM http://www.bakom.admin.ch/bakom/de/home.html Bereitet Entscheidungen der ComCom vor
economiesuisse http://www.economiesuisse.ch Dachverband der Schweizer Wirtschaft

(K.D.)

Mehr Informationen über die Schweiz finden Sie unter http://www.gtai.de/schweiz

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweiz Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Robotik und Automation, Digitalisierung

Karl-Heinz Dahm Karl-Heinz Dahm | © GTAI

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