Suche

11.10.2018

Ecuador lanciert Initiativen zum Recycling

Kunststoffindustrie importiert Rohstoffe / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Ecuador startet Initiativen zur Reduzierung und Wiederverwendung von Kunststoffen, Reifen und Altöl. Die erweiterte Herstellerverantwortung steht ganz am Anfang.

In Ecuador entstehen bei steigendem Verbrauch von Kunststoffen Initiativen zur Vermeidung und Wiederverwendung. Industrie und Verbände beklagen dabei die Abwesenheit einer Politik, welche die Kreislaufwirtschaft konsequent fördert. Wegen der mangelnden Klarheit führen einige Gemeinden Initiativen ohne technische Unterstützung durch, kritisiert der Kunststoffverband Aseplas (Asociación Ecuatoriana de Plásticos).

Guayaquil will Einwegprodukte verbieten

Als aktuelles Beispiel nennt Aseplas-Präsident Alfredo Hoyos die Stadt Guayaquil, die eine Verordnung plant, um die Herstellung und den Verkauf von Einwegprodukten komplett zu verbieten. Guaranda, die Hauptstadt der Provinz Bolívar, schließt sich einer Initiative auf den Galapagosinseln an. Dort gehören die einmalige Flora und Fauna zum Weltnaturerbe der UNESCO. Nachdem die Nutzung durch Landwirtschaft und Fischerei sowie das Betreten der Inseln und Befahren der Gewässer seit langer Zeit streng reglementiert sind, wird nun auch der Einsatz von Plastiktüten eingeschränkt. In Guaranda suchte Ecuadors mittlerweile zurückgetretener Umweltminister Tarsicio Granizo das Gespräch mit den informellen Händlern und der Getränkeindustrie. Die informellen Händler verkaufen die meisten Plastiktüten in Guaranda.

Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoffen liegt in Ecuador bei 20 Kilogramm, in Lateinamerika bei 40 bis 50, in Europa dagegen bei 140 Kilogramm. Laut der Umfrage "Información ambiental en los hogares 2016" (Umweltinformationen zu den Haushalten 2016) der Statistikbehörde INEC verwenden etwa 19 Prozent der Bevölkerung beim Einkauf Stofftaschen oder anderes wiederverwendbares Material und nur knapp 2 Prozent einen Korb oder Wagen, 80 Prozent bevorzugen Plastiktüten.

Biologisch abbaubare Schalen für Fastfood im Pilotprojekt

Die Biotechnologin Mireya Sislema will die Einwegbehälter von Fastfood-Ketten ersetzen. Sie arbeitet mit den Blättern von Bijao und Bananen, mit einem ersten Versuch im Projekt "Bijaoplatos desechables 100 Prozent biodegradables". Die Bijao-Pflanze, die in den amerikanischen Tropen wächst, wird in einigen Ländern verwendet, um weiche Nahrungsmittel mit Fleischfüllung wie Tamales zu verpacken.

Altöl entsorgen einige Unternehmen in der Kanalisation und kontaminieren dadurch das Abwasser, das auch in die Lagunen gelangt. Verschiedene Gemeinden und private Unternehmen recyceln Altöl, um die Verschmutzung von Flüssen und anderen Wasserquellen zu verhindern.

In Ibarra gibt es Standorte, an denen Altöl aus Kfz recycelt wird. Andere verwenden das Öl als Brennstoff. Das Unternehmen Etapa verkauft das Altöl nach der Aufarbeitung an die Firma Unión Cementera Nacional (UCEM) in Chimborazo, die es als Brennstoff verwendet, so Juan Carlos Castro, Abteilungsleiter für Industrieabfälle. Auch die Unión Andina de Cementos (UNACEM) verbrennt Altöl zur Zementherstellung.

Altöl und Reifen im Fokus

Altes Speiseöl und ähnliche Reste kauft die in Quito ansässige Firma Arc y Pieper unter anderem Restaurants, Hotels und Thunfischfarmen ab. Nach der Filtrierung wird ein Teil davon in die Niederlande exportiert, wo es in Biodiesel umgewandelt wird. Nach Daten von Arc y Pieper entstehen in Ecuador pro Jahr 54 Millionen Liter Altöl. Es gibt keine Studie zum Gesamtvolumen des Altöls, das gesammelt wird.

In Ecuador werden pro Jahr 2,4 Millionen Reifen entsorgt. Viele von ihnen enden am Straßenrand, auf unbebauten Grundstücken oder in Gewässern. Derzeit müssen Importeure und Hersteller bis zu 35 Prozent ihrer Reifen recyceln. Das Umweltministeriums (Ministerio del Ambiente) genehmigte im Sommer 2018 das System zur integralen Behandlung gebrauchter Reifen Seginus (Sistema Ecuatoriano de Gestión Integral de Neumáticos Usados). Das System soll die erweiterte Herstellerverantwortung stärken, welche die Behandlung und Weiterverwendung der Abfälle vorsieht.

Seginus übernimmt die Sammlung, den Transport und die Endlagerung der Reifen. Das verarbeitete Material wird verwendet, um Kraftstoffe sowie Gummi etwa für Parks, Plätze, Turnhallen und das Handwerk zu gewinnen. Laut Seginus-Chef José Javier Guarderas sollte vorgeschrieben werden, dass für Straßen verwendeter Asphalt zu einem bestimmten Prozentsatz recyceltes Reifenmaterial enthält. Jacinto Monserrate, Manager bei Seginus, hofft, einen Großteil der Recycelware an Zementunternehmen zu verkaufen.

Der Kunststoffverband Aseplas tritt der zunehmenden Kritik an den Produkten seiner Mitgliedsfirmen entgegen. Laut Präsident Alfredo Hoyos arbeitet die Industrie daran, recycelte Materialien in die Produktion zu integrieren. Als Beispiele nennt er die Lebensmittelbranche und hierbei vor allem Abdeckungen für den Transport sowie Verpackungen.

Ecuadors Kunststoffsektor importiert Vorprodukte

Laut Statistiken von Aseplas besteht der Kunststoffsektor aus rund 600 Unternehmen, von denen 120 dem Verband angehören. Die Produzenten sind hauptsächlich in Guayaquil ansässig. Die Industrie erwirtschaftet mit etwa 1,2 Milliarden US-Dollar (US$) gut ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts und produziert rund 500.000 Tonnen. Behälter wie Flaschen, Tanks, Kannen und Säcke machen davon 67 Prozent aus, Rohre, Schläuche und anderes Zubehör für den Bau weitere 18 Prozent.

Obwohl die Industrie fast alle Rohstoffe importieren muss, exportieren einige Kleinunternehmen mit ein bis neun Angestellten recycelte Plastikpellets oder Polypropylen. PVC für die Rohrherstellung etwa beschaffen die Firmen aus dem Ausland. Die meisten Rohre werden für öffentliche Infrastrukturarbeiten verwendet, was vorübergehende Schwankungen der Produktion und Einfuhr erklärt. Asiplas prognostiziert einen Rückgang der Rohstoffimporte.

Kunststoffimporte sind unumgänglich: Arturo Sánchez von der Firma Flexiplast und zweiter Geschäftsführer bei Asiplas, betont, dass eine komplexe Infrastruktur nötig sei, um Folien aus Kunststoffharz herzustellen. Flexiplast investiert jährlich durchschnittlich 3 Millionen US$ in Maschinen und Technologie.

Die Ortiz-Gruppe produziert Artikel für die Küche sowie Helme, Werkzeugkästen, Siebe und eine Vielzahl anderer Produkte. Sie investierte 2017 laut dem Direktor für Entwicklung Andrés Tapia circa 3,5 Millionen US$ in den Kauf von Formen und Injektoren für ihre Marke Consuplast. Aus Asien und Europa hat Ortiz 2017 etwa 80 Formen importiert, mit denen vor allem Spielzeug hergestellt wird.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ecuador können Sie unter http://www.gtai.de/ecuador abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ecuador Abfallentsorgung, Recycling, Kunststoffe und Gummi

Funktionen

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

Kontakt

Jutta Kusche

‎+49 228 24 993 419

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche