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14.03.2018

Elektromobilität Österreich: Produzenten rüsten sich für die Zukunft

Jaguars I-Pace wird in Graz gebaut / Von Axel Simer (März 2018)

Wien (GTAI) - Österreich ist ein Land ohne eigene Automarke. Allerdings sind einige große Unternehmen als Teile- und Komponentenlieferanten aktiv, beispielsweise Bosch oder BMW. Mit Magna-Steyr existiert zudem ein erfahrener Auftragsproduzent. Dieser wird ab 2018 den ersten batterieelektrisch betriebenen Jaguar produzieren. (Kontaktadressen)

In Österreich sind 150 Unternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten in der Fahrzeugindustrie tätig. Insgesamt hängen rund 370.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobilwirtschaft und deren Zulieferern ab. Mit einem Auslandsumsatz von 14 Milliarden Euro ist diese zudem die zweitwichtigste Exportbranche Österreichs. Themen wie E-Mobilität, Digitalisierung, innovative Technologien, autonomes Fahren oder CO2-Emissionen zwingen die gesamte Branche zum Umdenken.

Kfz-Industrie ist ein bedeutender Industriezweig in Österreich

Die Branche sieht sich selbst als äußerst innovativ. Jährlich werden in Österreich durchschnittlich 348 Patente im Bereich Automotive angemeldet. Damit kommt eine von 67 Automobil-Innovationen weltweit aus dem Alpenland. Nach Deutschland ist Österreich auf 100.000 Einwohner gerechnet das zweitinnovativste Autoland in Europa. "Gerade in den Bereichen Elektromobilität und neue Materialien ist die heimische Forschung sehr stark. Im Bereich E-Car wurden in den vergangenen fünf Jahren nicht weniger als 233 Patente angemeldet", so eine Studie von Roland Berger Österreich.

Die gesamte Branche ist allerdings abhängig von den Strategien und Ausrichtungen ausländischer Hersteller, denn in Österreich gibt es keine nationalen OEM (Original Equipment Manufacturer). Im Mittelpunkt der Branche steht zum einen die Endmontage von Magna Steyr, die derzeit für BMW, Mercedes und Jaguar arbeitet. Zum anderen dominieren die Branche einige Tier-1-Zulieferer, die Teile exklusiv für einzelne OEM fertigen, umgeben von einem über die Branchengrenzen hinaus verzweigten Zuliefernetzwerk. Dazu zählen auch Unternehmen der Elektronik- und Kunststoffindustrie.

Mit dem Konzept Mila Plus hat Magna Steyr ein eigenes Plug-in-Hybrid-Fahrzeug (PHEV) entwickelt. Der zweisitzige Sportwagen wurde auf dem Genfer Automobilsalon 2015 präsentiert, ging jedoch nicht in die Serienfertigung. Am 1. März 2018 lieferte Magna Steyr den ersten Jaguar I-Pace aus, der nun in einem eigens für dieses Modell gebauten Werk produziert wird. Für den österreichischen Hersteller verbinden sich große Hoffnungen mit dem batterieelektrisch angetriebenen Jaguar. Schließlich tritt er als direkter Konkurrent zu Tesla an - mit vergleichbarer Leistung und 480 Kilometern Reichweite.

Inländische Produktion von Fahrzeugen und Komponenten
Hersteller (Internetadresse) Produktportfolio Anmerkungen/Umsatz 2016, in Mio. Euro
BMW Motoren, http://www.bmwgroup-werke.com/steyr Benzin- u. Dieselmotoren, Motor u. Getriebeteile Produktion 2017 über 1,3 Mio. Motoren/3.900
Magna Steyr, http://www.magna.com Fertigt Jaguar I-Pace, BMW 5er-Reihe, Mercedes-Benz G-Klasse; Tanksysteme; Entwicklungsdienstleistungen Produktion 2017 75.000 Fahrzeuge/2.300
AVL List, http://www.avl.com Antriebsstränge; Motorprüfstände Hauptsächlich für Benzin- u. Dieselmotoren/1.400
Bosch, http://www.bosch.at Kompetenzzentrum Antriebstechnik 1.200
MAN Trucks & Bus, http://www.truck.man.eu/at Leichte und mittlere Lkw, Fahrerhäuser 1.200
Polytec, http://www.polytec-group.com Kunststoffteile, z.B. Batterieabdeckungen, Batteriekonsolen k.A.
W. Schwarzmüller, http://www.schwarzmueller.com Anhänger, Container 340
Fronius, http://www.fronius.com Batterieladetechnik Ladetechnik macht 5% vom Umsatz aus/230
Opel Wien, http://www.opel-wien.at Getriebe, Motoren 190
Kreisel Electric, http://www.kreiselelectric.com Akkus; Prototypen 2014 gegründet, 2017 erster Fertigungsbetrieb

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Für viele andere Hersteller liegt die Elektromobilität noch weit in der Zukunft, was die Produktion anbelangt. So bemerkt beispielsweise Klaus-Peter Fouquet, Präsident der Robert Bosch AG Österreich, im Gespräch mit GTAI, dass sich das Bosch Kompetenzzentrum Antriebstechnik natürlich auch mit elektrischen Antrieben befasse, aber keine konkreten Projekte verfolge.

Für das Grazer Unternehmen AVL List, den weltweit größten unabhängigen Entwickler und Tester von Antriebssträngen und Motorenprüfständen, gilt Ähnliches. Das Gros seines Umsatzes generiert der Motorspezialist noch mit Benzin- und Dieseltechnik, doch hat die AVL auch bereits elektrische Antriebsstränge für Pkw und Lkw entwickelt.

Schwarzenegger wirbt für Österreich

Liebling der Presse ist indes ein erst 2014 gegründetes Unternehmen, das eigene Akkus für den Pkw-Betrieb entwickelt und sich selbst als weltführendes Unternehmen in der Batterietechnologie bezeichnet: Kreisel Electric. Für besonderes Aufsehen sorgte eine im Herbst 2017 publikumswirksam inszenierte Kapitalbeteiligung von Patrick Knapp-Schwarzenegger, Neffe des weltberühmten Österreichers Arnold Schwarzenegger. Letzterer ließ es sich nicht nehmen, vor laufender Kamera im von Kreisel gebauten Prototypen der Mercedes G-Klasse von einem "Traumauto" zu sprechen. Kreisel baut Prototypen vor allem für deutsche Hersteller wie VW, Porsche, Audi und Mercedes.

Last but not least: Im Oktober 2017 meldeten österreichische Zeitungen, dass Tesla einen Produktionsstandort in Europa suche und dass Österreich beziehungsweise Magna Steyr in der engeren Wahl sei.

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in Österreich finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-oesterreich

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Österreich finden Sie unter: http://www.gtai.de/oesterreich

(A.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

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