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18.05.2018

Elektromobilität Spanien: Produktpalette wächst

Mercedes startet 2018 mit Elektro-Van / Von Miriam Neubert (April 2018)

Madrid (GTAI) - Sechs rein elektrische Kraftfahrzeugmodelle, ein Hybrid, Motorräder und Motorroller - Spanien hat als Fertigungsstandort von Elektrofahrzeugen einiges zu bieten. In Zukunft wird es noch mehr. Einen Zugewinn für die Opelfabrik in Figuerelas bildet ab 2020 der neue Corsa, erstmals auch in elektrischer Version. Gut ist auch die Nachricht über den Verbleib der Produktion des Ford Mondeo in Valencia, inklusive des Hybrid-Modells. (Kontaktadressen)

Spanien ist der größte Nutzfahrzeug- und zweitgrößte Pkw-Hersteller in der Europäischen Union (EU). In beiden Segmenten werden auch Fahrzeuge mit elektrischer Antriebskomponente hergestellt. Zur Drucklegung lagen die Zahlen für 2017 noch nicht vor. Doch wurden 2016 erstmals mehr als 10.000 Elektrofahrzeuge produziert. Der Verband der Hersteller von Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen ANFAC meldete die Herstellung von 9.257 batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Das waren 18,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen 1.370 Hybride (ohne Plug-in; HEV), ebenso viele wie 2015. Nur 6 Prozent der reinen Elektrofahrzeuge blieben im heimischen Markt.

Bislang dominiert die Produktion leichter E-Nutzfahrzeuge. Diese werden für die Auslieferung von Produkten zum Endkunden, der sogenannten letzten Meile, vor allem in Stadtzentren populärer und profitieren vom Internethandel. Nissan stellt seit 2014 in Barcelona den Kastenlieferwagen e-NV200 her, seit 2017 in neuer Serie mit größerer Reichweite.

PSA Peugeot Citroën produziert im galizischen Vigo die Kleintransporter Citroën Berlingo und Peugeot Partner samt ihrer elektrischen Varianten. Mercedes hat in Vitoria-Gasteiz die einige Jahre ruhende Produktion des elektrischen Lieferwagens eVito (früher Vito E-Cell) wiederaufgenommen, zunächst in kleiner Zahl. Ab Mitte 2018 soll die Auslieferung beginnen.

Anpassung der Pkw-Palette an den elektrischen Trend

Seit 2012 rollen aus Valladolid die Twizys, elektrische Zweisitzer von Renault, in alle Welt. Da Strom als Antrieb nun ernsthaft im Kommen ist, planen auch weitere in Spanien fertigende Pkw-Hersteller die entsprechende Anpassung ihrer Modellpalette. Ein elektrisches Debut kündigte SEAT auf seiner Bilanzpressekonferenz in Madrid im März 2018 an. Ab 2020 soll ein ausschließlich batteriebetriebenes Modell mit 500 Kilometern Reichweite im deutschen Zwickau gefertigt werden. Ein Jahr früher startet die Produktion eines Plug-in-Hybriden (PHEV) am spanischen Standort Martorell.

Bislang produziert einzig Ford ein Hybrid-Modell in Spanien. Die Ende 2014 angelaufene Produktion des Mondeo Hybrid (HEV) in Valencia wird ausgebaut. Ob die an das Werk vergebene Herstellung der neuen Generation des SUV Kuga ebenfalls mit einer hybriden oder elektrischen Version einhergeht, bleibt abzuwarten. Bereits fest steht, dass der im Februar 2018 gemeldete Zuschlag der neuen Generation des Opel Corsa an das Werk in Figuerelas (Zaragoza) ab 2020 eine vollelektrische Version beinhaltet.

Inländische Produktion von Elektrofahrzeugen und Komponenten
Hersteller, Standort Produktportfolio Anmerkungen
PSA Group, Vigo Citroën Berlingo, Peugeot Partner (E-Versionen)
Nissan, Barcelona e-NV200 Produktion seit 2014
Renault, Valladolid Twizy Produktion seit 2012
Mercedes Benz, Vitoria eVito 2018 Wiederaufnahme der Produktion des Vito E-Cell in der neuen Version eVito (zunächst 400 Fahrzeuge)
Ford, Valencia Mondeo Hybrid (HEV)
Mahle Nagares, Motilla del Palancar, Valencia Steuerungs- und Leistungselektronik auch für E-Mobilität Nagares wurde 2017 vom deutschen Zulieferunternehmen Mahle übernommen
Carbures, El Burgo de Osma, Kastilien-León Komponenten aus Kohlenstofffasern für elektrische Autos, Busse, Motorräder Patentierter Multi-Einspritzprozess soll Kostenvorteile gegenüber Metallkomponenten bringen

Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest

Elektrobusse aus dem Baskenland

Für seinen batterieelektrischen, 18-Meter-Gelenkbus "ie tram" wurde der baskische Bushersteller Irizar in Spanien mit den Preisen Bus des Jahres 2018 und Ökologisches Industriefahrzeug 2018 ausgezeichnet. Stromspeicher, Softwareentwicklung, Kommunikation zwischen den Fahrzeugen aber auch zwischen Fahrzeug und Infrastruktur werden Firmenangaben zufolge innerhalb der Gruppe entwickelt. Im Mai 2018 eröffnet Irizar e-mobility im baskischen Aduna eine Produktionsanlage für Elektrobusse, elektrische Kommunalfahrzeuge, Systeme und Komponenten. Die Investition betrug 75 Millionen Euro. Das Unternehmen bietet europäischen Städten personalisierte Elektromobilitätslösungen an und hat wichtige Aufträge aus dem Ausland erhalten.

Spaniens Produktion elektrischer Motorräder, Scooter und Quads hat vor allem in Katalonien seine Basis mit Firmen wie Scutum, Torrot, Volta und Rieju.

Zulieferer kommen aus der breitaufgestellten Kfz-Teilebranche, der Elektro- und der Verbundstoffindustrie. So hat das deutsche Kfz-Zulieferunternehmen Mahle mit dem Kauf der spanischen Elektronik-Gruppe Nagares 2017 seine Kompetenz für Elektromobilität ausgebaut. Carbures wiederum, einstiger Spin-Off der Universität Cádiz, ist als Spezialist für Strukturen aus Kohlenstofffasern und Verbundstoffen ursprünglich ein Zulieferer der Luftfahrtindustrie, beliefert aber inzwischen auch die E-Autoindustrie.

Batterie-Projekte mit industriellem Anspruch

Die Aktivitäten in der Batterieentwicklung betreffen vor allem die Forschung, teilweise im Übergang zur industriellen Fertigung. Nach fünf Jahren technologischer Entwicklungsarbeit an leichten Lithium-Ionen Batterien will der katalanische Start-up Millor Battery 2018 eine Serienproduktion ihrer Akkumulatoren für elektrische Fahrräder, Motorräder, Lkw und Busse in Cerdanyola del Vallés bei Barcelona beginnen. Schlüsselpartner des Projekts ist das Technologiezentrum Centro Tecnológico Eurecat, ein bedeutendes Batterielabor Spaniens.

Die junge, auf Energiespeicherung spezialisierte Gesellschaft Albufera Energy Storage koordiniert ein europäisches Projekt, das eine neue Aluminium-Schwefel-Batterie entwickeln will (Salbage: Sulfur-Aluminium Battery with Advanced Polymeric Gel Electrolytes). Es wird als Forschungsidee im Frühstadium im Rahmen von Horizont 2020 durch das Programm FET Open (Future and Emerging Technologies) gefördert und läuft von November 2017 bis Oktober 2020.

Schlagzeilen machte im Frühjahr 2016 die Firma Grabat mit der Ankündigung, Batteriezellen mit Polymeren aus dem Werkstoff Graphen (ultradünne Schicht aus Kohlenstoffatomen mit hervorragender Leitfähigkeit) industriell herstellen zu wollen. Unternehmensangaben zufolge soll das nun im Laufe 2018 der Fall sein. Standort ist Yecla (Murcia). Strategischer Partner ist die chinesische Chint Electric.

Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie im Bereich Elektromobilität in Spanien (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitions-summe Projektstand Anmerkungen
PSA Group, Opel España/E-Opel k.A. Januar 2018 Projekt genehmigt 2020 soll die erste Elektroversion des Opel Corsa auf den Markt kommen.
SEAT/Plug-in-Hybrid k.A. Ankündigung im Frühjahr 2018 Neue Generation des Seat León ab 2019 auch als PHEV
Torrot/Fabrik für urbanes elektrisches Leichtfahrzeug mit drei Rädern, Cádiz 12,0 Januar 2018: Meldung über Ansiedlung in der Zona Franca von Cádiz; Ziel ist, die Anlage im Herbst 2018 zu eröffnen Spaniens größter Motorradhersteller plant Fahrzeug mit 150 km Reichweite
Thunder Power/F+E-Zentrum für E-Fahrzeuge 80,0 Ankündigung Frühjahr 2017, Umsetzung geplant 2018 Nächster Schritt des Unternehmens mit Sitz in Hong Kong könnte eine Produktion in Katalonien sein
Carbures/Erweiterung Komponentenwerk 10,0 Ankündigung März 2018 Neue Linie für Verbundstoffteile für die Kfz-Industrie

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in Spanien finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-spanien

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Spanien finden Sie unter: http://www.gtai.de/Spanien

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación Española de Fabricantes de Automóviles y Camiones (Anfac) http://www.anfac.com Verband der Hersteller von Automobilen und Nutzfahrzeugen
Asociación Española de Fabricantes de Equipos y Componentes (SERNAUTO) http://www.sernauto.es Verband der Hersteller von Kfz-Ausrüstungen und -Komponenten
Asociacion empresarial de pilas, baterías y almacenamiento eléctrico http://aepibal.org/actualidad/ Unternehmensverband für Batterien und elektrische Speicherung

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

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