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13.03.2018

Elektromobilität Vereinigtes Königreich: Regierung strebt Weltmarktführung bei Batterietechnik an

BMW Group will trotz Brexit ab 2019 den E-Mini produzieren / Von Annika Pattberg (Februar 2018)

London (GTAI) - Die britische Regierung strebt die Weltmarktführung bei der Batterieentwicklung an. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt sie ein 280 Millionen Euro schweres Förderprogramm bereit. Trotz des geplanten Brexit plant die BMW Group die Produktion einer Elektro-Version des Mini in England. Der Sport- und Luxuswagenhersteller Aston Martin arbeitet aktuell gleich an zwei E-Modellen. Geely (VR China) will nach dem Londoner Hybrid-Taxi nun auch einen Hybrid-Van herstellen. (Kontaktadressen)

Noch ist die japanische Firma Nissan mit ihrem Modell Leaf der einzige Hersteller, der auf den britischen Inseln reine Elektrofahrzeuge produziert. Allein im Jahr 2016 rollten im nordenglischen Sunderland 17.489 Exemplare des E-Kompaktwagens vom Band (2015: 14.840). Ein großer Teil davon wird in das EU-Ausland exportiert. Die Produktion der zweiten Generation des Leaf, die Ende 2017 angelaufen ist, soll zunächst am britischen Standort verbleiben.

Mehrere Hersteller produzieren Hybridmodelle, unter anderem Toyota. Das zu Geely (VR China) gehörende Unternehmen London EV Company stellt die ikonischen Londoner Taxis als Hybrid-Modelle (Range-Extender TX5) her. Jetzt plant die London EV Company auch einen Hybrid-Van (Range Extender).

Britische Produktion von Elektrofahrzeugen (auch Hybride) und Komponenten
Hersteller (Internetadresse) Produktportfolio Anmerkungen
Nissan Motor Manufacturing (UK) Ltd. (http://www.nissan.co.uk) Nissan Leaf Reines E-Modell, Produktion in Sunderland
Wrightbus (http://www.wrightsgroup.com) Hybrid-Doppeldeckerbusse für London Produktionsstandort: Ballymena, Nordirland
Arrival Ltd. (arrival.com) Elektrolieferwagen (E-Vans: 3,5 t, 6 t, 7,5 t) Produktion in Banbury/Oxfordshire; Kooperation mit der Royal Mail Group
Toyota (GB)Plc (https://www.toyota-europe.com/world-of-toyota/feel/operations/made-in-europe/manufacturing) Hybrid-Modell Toyota Auris Produktionsstätte: Burnaston/England
London EV Company Ltd., vormals London Taxi Company, (Geely, VR China) (http://www.levc.com) Hybrid-Taxi Modell TX5; geplant: E-Van Range Extender Produktionsstätte: Ansty Park/Coventry

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Nach und nach wollen alle anderen Hersteller mit reinen E- oder Hybrid-Modellen folgen. Die BMW Group UK bestätigte im Januar 2018 gegenüber Germany Trade & Invest, dass sie ab 2019 ein rein elektrisches Modell des Mini im BMW-Werk bei Oxford produzieren will. Die Antriebstechnik für den Dreitürer soll aus Dingolfing und Landshut zugeliefert werden.

Premium-Stromer geplant

Der Sport- und Luxuswagenhersteller Aston Martin plant gleich zwei Elektromodelle, die an zwei Standorten produziert werden sollen. Jaguar Land Rover kündigte im September 2017 an, alle ab 2020 vorgestellten Modelle ausschließlich mit elektrifiziertem Antriebsstrang anzubieten. Den ersten Schritt machte die zum indischen Konzern Tata gehörende Firma mit einem Plug-in-Hybriden auf Basis des Luxus-SUV Range Rover. Ein ausschließlich batteriebetriebenes Modell soll laut Presseberichten 2019 unter dem Namen Road Rover erscheinen. Bereits für Ende 2018 sind derweil erste Auslieferungen des batterieelektrischen Jaguar I-Pace mit bis zu 500 Kilometer Reichweite angekündigt.

Sogar der für elektrische Handtrocknergeräte und Staubsauger bekannte Elektrogerätehersteller Dyson plant ein Elektroauto. Das Vorhaben sorgt bereits seit Monaten für Aufsehen, da Dyson bekannte Führungskräfte großer Automobilunternehmen für sein Vorhaben abgeworben hat. Das Unternehmen will ausschließlich eigene Komponenten verwenden, heißt es. Unklar ist aber noch, ob das Modell in Asien oder auf britischem Boden produzieren werden soll.

Wichtige Investitionsprojekte im Bereich Elektromobilität im Vereinigten Königreich (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitions-summe Projektstand Anmerkungen
BMW Group UK/E-Mini k. A. Ab 2019 Produktionsstätte: Cowley/Oxford
Dyson/Elektro-Auto 2.228 Produktionsort noch unklar (Asien/Vereinigtes Königreich); geplanter Verkauf ab 2020 1.100 Mio. Euro für Design und Produktion und 1.100 Mio. Euro für die Batterieentwicklung
The Advanced Propulsion Centre (Universität von Warwick) 1.138 10-Jahresprogramm startete in 2013; Regierung und Industrie verpflichten sich mit je 562 Mio. Euro F&E für Niedrig-Emission-Antriebstechnik
Regierungsprogramm für Batteriedesign, -entwicklung und -produktion 280 Vierjahresprogramm "The Faraday Battery Challenge" wurde im Juli 2017 angekündigt Regierungsprogramm ist Teil des Industrial Strategy Challenge Fund, siehe Tabelle zum Förderprogramm
London EV Company Ltd.(Geely, VR China)/E-Van 27 In Planung London EV Company produziert bereits ein Hybrid-Taxi (Range Extender)
Aston Martin k. A. Geplanter Produktionsstart: 2019 Elektro-SUV (Produktionswerk in St. Athan/Wales); Sportlimousine ( Gaydon/Warwickshire)
Jaguar Land Rover k. A. Erstes Elektroauto 2018 Neue Modellreihen ab 2020 elektrifiziert

1 Euro = 0,8785 Pfund Sterling (£), Stand: 2.2.18

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mit 280 Millionen Euro zum Batterie-Weltmarktführer?

Zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich Batterietechnik gibt es zahlreiche privatwirtschaftliche und staatliche Initiativen. Die Regierung hat die Förderung des Automobilsektors und dabei insbesondere die Entwicklung von Batterietechnik zu einem Kernthema ihrer Industriestrategie gemacht, mit der sie versucht, die negativen wirtschaftlichen Effekte des Brexit aufzufangen. In ihrer Industriestrategie für den Automobilsektor schreibt die Regierung, sie strebe die Weltmarktführung bei Design, Entwicklung und Produktion von Batterietechnik an.

Um dies zu erreichen, stellt der Staat im Rahmen des nach dem englischen Wissenschaftler Michael Faraday benannten Batterie-Förderprogramms "The Faraday Battery Challenge" für einen Zeitraum von vier Jahren insgesamt 246 Millionen Pfund Sterling (£; 278 Mio. Euro; 1 Euro = 0,8785 £, Stand: 2.2.18) zur Verfügung. Das Programm ist in drei Unterprogramme unterteilt. Im Rahmen von "The Faraday Battery Challenge Innovate UK Programme" stellt die dem Wirtschaftsministerium unterstehende Agentur Innovate UK Unternehmen und Start-ups rund 100 Millionen Euro für innovative Projekte im Bereich Batterietechnik zur Verfügung. Jeweils etwa 90 Millionen Euro sind für das nationale Entwicklungszentrum für Batterieproduktion sowie für den Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungs-Campus gedacht.

Förderprogramm für Batterietechnik: The Faraday Batterie Challenge
Programmtitel Fördersumme in Mio. Euro Fördersumme in Mio. £ Anmerkung
The Faraday Battery Challenge Innovate UK Programme (Innovate UK ist eine Agentur des Wirtschaftsministeriums) 99 88 Bisher wurden knapp 46 Mio. Euro (40 Mio. £) für 27 innovative Projekte (z. B. Batterierecycling) bereitgestellt
The Faraday National Battery Manufacturing Development Facility 90 80 Partnerschaft zwischen Coventry, Warwickshire Local Enterprise Partnerships, der Universität von Warwick und Warwick Manufacturing Group
Faraday Institution im Harwell Science and Innovation Campus bei Oxford 88 78 F&E für Batterietechnik; Partnerschaft zwischen sieben Universitäten und Industrie
Insgesamt 278 246

1 Euro = 0,8785 £, Stand: 2.2.18

Quelle: https://www.gov.uk/government/publications/automotive-sector-deal

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt im Vereinigten Königreich finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-vk

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zum Vereinigten Königreich finden Sie unter: http://www.gtai.de/vereinigtes-koenigreich

Mehr zum aktuellen Stand der Brexit-Vorbereitungen finden Sie unter: http://www.gtai.de/brexit

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
The Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) https://www.smmt.co.uk Fachverband
Industrial Strategy. Automotive Sector Deal http://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/672824/automotive-sector-deal-double-pages.pdf Strategiepapier der Regierung für die Kfz-Industrie

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

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