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22.05.2017

Ex- und Importe steigen in Bosnien und Herzegowina

Knapp 30% der Ausfuhren vor Ort veredelte Waren / Besonders intensive Beziehungen mit der EU / Von Jan Triebel

Sarajewo (GTAI) - Der Außenhandel von Bosnien und Herzegowina legte 2016 weiter zu. Die Exporte zogen im Vorjahresvergleich um fast 5% an. Der Zuwachs der Importe beschränkte sich auf knapp 2%. Die Struktur der Warenströme blieb unverändert: Die Bezüge aus dem Ausland prägten Erdöl, Pkw und Textilien; die Ausfuhr dominierten Möbel, Schuhe und Metallwaren. Etwa 62% der Importe stammten 2016 aus der EU, wohin im Gegenzug annähernd 72% der Exporte gingen. Deutschland ist wichtigster Handelspartner des Landes.

Der Aufwärtstrend der bosnisch-herzegowinischen Gesamtwirtschaft, der 2016 bereits das vierte Jahr in Folge anhielt, geht zu einem guten Teil auf das Konto einer ebenso fortwährenden Belebung im Außenhandel. Vorläufigen Hochrechnungen zufolge wuchs das Bruttoinlandsprodukt des Westbalkanstaats 2016 real um 2,3%. Mit einem vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) geschätzten Plus von 2,8% wird sich der Expansionskurs der bosnisch-herzegowinischen Wirtschaft voraussichtlich 2017 fortsetzen. In diesem Zusammenhang rechnet das WIIW für die Exporte des Landes mit einem Zuwachs von 4,8%, für die Importe von 4,0%.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm 2016 der Umsatz im Warenaustausch mit dem Ausland um 2,9% auf umgerechnet 13,07 Mrd. Euro zu. Laut vorläufigen Ergebnissen der Statistikagentur für den Gesamtstaat Bosnien und Herzegowina (Agencia za statistiku BiH; AZS) zufolge stiegen die Exporte um 4,8% auf 4,81 Mrd. Euro; die Importe legten nur moderat um 1,8% auf 8,25 Mrd. Euro zu. Das höher ausfallende Plus der Ausfuhren sorgte dafür, dass der Passivsaldo der Handelsbilanz um gut 2% nachgab. Mit 3,44 Mrd. Euro blieb dieser aber weiterhin recht hoch.

Erdöl wichtigstes Importgut, Möbel bei den Exporten vorne

Nahezu alle wichtigen Einfuhrgüter erzielten 2016 überschaubare Zuwächse, was auf die allgemein recht robuste Nachfrage lokaler Abnehmer zurückzuführen ist. Dazu zählen auch Erzeugnisse, die überwiegend zur Weiterverarbeitung bestimmt sind wie die Positionen andere Metallwaren, Eisen und Stahl sowie Garne, Gewebe und fertiggestellte Spinnstofferzeugnisse. Der wertmäßige Rückgang bei den bosnisch-herzegowinischen Bezügen von Erdöl war 2016 dem anhaltend niedrigen Preisniveau auf den Weltmärkten geschuldet. Dennoch fiel der Lieferanteil dieser Warengruppe an den Gesamtimporten mit 8,5%, nach 9,6% im Jahr zuvor, weiterhin am höchsten aus. Dahinter steuerten Straßenfahrzeuge 2016 einen Beitrag von 6,9% (2015: 6,5%) bei.

Auch exportseitig ging es für die meisten Hauptausfuhrgüter des Landes 2016 aufwärts. Waren der Sparte Möbel und Teile davon festigten weiter ihre Position als stärkster Umsatzbringer. Ihr Lieferanteil belief sich 2016 auf 10,5% (2015: 10,0%). Der Bedeutung nach folgten Schuhe, deren Beitrag zu den Gesamtexporten mit 6,9% gegenüber 2015 unverändert blieb.

Entwicklung der Ein- und Ausfuhr von Bosnien und Herzegowina nach wichtigen Warengruppen (in Mio. Euro)
SITC-Warengruppe 2010 2012 2015 2016 1) Veränderung 2016/15 (in %) 2)
Import, darunter: 6.961,9 7.798,8 8.104,9 8.259,1 1,8
.33 Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren 905,8 1.179,9 774,7 701,9 -9,4
.78 Straßenfahrzeuge 358,3 429,7 526,9 566,0 7,4
.65 Garne, Gewebe, fertiggestellte Spinnstofferzeugnisse 225,9 231,0 346,7 363,1 4,7
.69 Andere Metallwaren 220,4 247,3 317,3 331,9 4,6
.77 Andere elektrische Maschinen, Apparate, Geräte etc. 279,9 255,4 298,6 322,9 8,1
.74 Maschinen, Apparate etc. für verschiedene Zwecke 219,7 251,4 291,4 303,1 4,0
.67 Eisen und Stahl 248,7 247,5 267,8 285,4 6,6
.54 Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 218,3 246,1 270,6 278,5 2,9
Export, darunter: 3.627,9 4.017,9 4.595,1 4.814,6 4,8
.82 Möbel und Teile davon; Bettausstattungen, Sprungrahmen und ähnliche Waren 323,1 383,0 457,9 503,4 9,9
.85 Schuhe 207,4 239,3 318,8 334,2 4,8
.69 Andere Metallwaren 205,6 236,9 287,2 327,5 14,0
.24 Kork und Holz 174,2 206,4 269,2 289,3 7,5
.89 verschiedene bearbeitete Waren 82,8 139,1 225,5 269,5 19,5
.67 Eisen und Stahl 218,0 297,7 245,2 220,4 -10,1
.84 Bekleidung 127,4 138,0 203,1 211,4 4,1
.52 Anorganische Chemikalien 81,6 121,5 180,8 203,0 12,3

1) vorläufig; 2) Abweichung durch Rundung

Quellen: Agencia za statistiku BiH (Statistikagentur für Bosnien und Herzegowina), auf Basis von Erhebungen der Uprava za indirektno oporezivanje Bosne i Hercegovine (UIO; Verwaltung für indirekte Besteuerung), Centralna banka Bosne i Hercegovine (Zentralbank von Bosnien und Herzegowina); Berechnungen von Germany Trade & Invest

Angaben der Statistikagentur AZS zufolge machten Waren, die 2016 bei der Einfuhr mit dem Ziel der Weiterverarbeitung vor Ort deklariert wurden, wertmäßig 10,8% des gesamten Importaufkommens aus. Im Jahr davor sind es noch 11,3% gewesen, im Jahr 2008 annähernd 14%. Entsprechend sind die Schwankungen in dieser Kategorie in den letzten Jahren überschaubar ausgefallen.

Anders sieht es auf Seiten der Ausfuhren aus: Im Jahr 2008 war noch nahezu die Hälfte aller ins Ausland abgehenden Lieferungen statistisch als "Export nach lokaler Be-/Verarbeitung" erfasst worden. In der Folgezeit ging der diesbezügliche Anteil schrittweise zurück und lag 2016 noch bei 29,5% (2015: 31,5%). Es ist aber relativ sicher, dass Bosnien und Herzegowina für zahlreiche ausländische Akteure auch langfristig als Standort mit den Attributen "Lohnveredlung" und "verlängerte Werkbank" bedeutsam bleiben wird.

Anhaltend starke Fokussierung des Warenaustauschs auf EU-Märkte

Mit Blick auf die geografische Herkunft und Bestimmung der Waren gilt die EU weiterhin als die wichtigste Bezugsquelle der Importe wie auch als Hauptzielrichtung der Exporte. Auf Seiten der Wareneinfuhren belieferte die EU-28 den bosnisch-herzegowinischen Markt 2016 mit einen Anteil von 62,0% - eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte. Im Gegenzug nahmen die EU-Mitgliedsstaaten als Handelspartner von Bosnien und Herzegowina zuletzt 71,5% aller für das Ausland bestimmten Erzeugnisse ab, was dem Anteil nach minimal weniger war als die 71,8% im Jahr 2015.

Deutschland war 2016 für Bosnien und Herzegowina der wichtigste Handelspartner - gleichermaßen bei den Im- und Exporten. Der deutsche Beitrag zu den Einfuhren von Bosnien und Herzegowina betrug Angaben der amtlichen lokalen Statistik zufolge zuletzt 12,4%. Relativ dicht dahinter entfielen auf das zweitplatzierte Italien 11,8%. Es folgten die beiden Nachbarstaaten Serbien (11,3%) und Kroatien (10,0%) vor der VR China (6,8%) und Slowenien (5,2%).

Als bedeutendster Abnehmer bosnisch-herzegowinischer Waren erzielte Deutschland 2016 einen Anteil an den Ausfuhren von 15,7%. Darüber hinaus gingen Waren mit Ursprung in Bosnien und Herzegowina schwerpunktmäßig zuletzt nach Italien (12,0%), Kroatien (10,5%), Serbien (8,7%), Slowenien (8,6%) und Österreich (7,8%).

Entwicklung der Ein- und Ausfuhr von Bosnien und Herzegowina nach wichtigen Ländern (in Mio. Euro)
Land 2010 2012 2015 2016 *) Veränderung 2016/15 (in %)
Import insgesamt, darunter aus: 6.961,9 7.798,8 8.104,9 8.251,9 1,8
.Deutschland 728,6 882,4 978,7 1.022,0 4,4
.Italien 618,9 730,8 899,0 971,3 8,0
.Serbien 730,9 731,9 883,7 934,7 5,8
.Kroatien 1.052,7 1.126,1 855,4 827,1 -3,3
.VR China 335,2 417,4 558,2 558,3 0,0
.Slowenien 413,6 410,8 395,5 425,1 7,5
.Russland 608,0 763,8 465,3 362,0 -22,2
.Türkei 248,2 320,5 329,6 351,4 6,6
Exporte insgesamt, darunter nach: 3.627,9 4.017,9 4.595,1 4.814,6 4,8
.Deutschland 555,23 618,7 722,4 756,4 4,7
.Italien 440,7 480,2 621,2 578,3 -6,9
.Kroatien 547,4 595,7 473,0 503,8 6,5
.Serbien 457,5 363,0 394,1 420,7 6,7
.Slowenien 312,8 334,0 382,9 412,7 7,8
.Österreich 240,6 334,8 379,9 373,5 -1,7
.Türkei 41,8 93,5 181,3 205,1 13,1
.Montenegro 158,6 127,4 134,4 123,1 -8,4

*) vorläufig

Quellen: s.o.

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bosnien und Herzegowina Außenhandel / Struktur, allgemein

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