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18.10.2016

Fachmesse MSV gibt Maschinenmarkt Tschechien neue Impulse

Zahl der Aussteller und Besucher deutlich gestiegen / Lösungen für Industrie 4.0 in Brno besonders gefragt / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Auf dem tschechischen Maschinenbaumarkt schreitet die Automatisierung und Vernetzung der Produktionsprozesse voran, viele Hersteller bieten entsprechende Produkte an. Das hat auch die jüngste Fachmesse MSV in Brno gezeigt, der wichtigste Branchentreff für Ausrüstungsgüter in Mittelosteuropa. Obwohl China das offizielle Partnerland war, buchten deutsche Aussteller die meisten Stände. Sie sind die bevorzugten Maschinenlieferanten Tschechiens.

Die internationale Maschinenbaumesse MSV, die alljährlich im südmährischen Brno stattfindet, ist ein verlässlicher Gradmesser für den Zustand der tschechischen Industrie. Am 58. Durchgang der Branchenschau (3. bis 7.10.16) nahmen über 1.700 Firmen teil und damit ein Zehntel mehr als im Vorjahr. Aus Deutschland kamen 274 Aussteller. Rund 80.000 Besucher strömten durch die Messehallen, so viel wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Grund ist der Aufschwung der tschechischen Wirtschaft; besonders die Industrie freut sich über hohe Wachstumsraten. Der Ausstoß des verarbeitenden Gewerbes ist zwischen Januar und August 2016 um 4% gegenüber der Vorjahresperiode gewachsen. Der Orderzuwachs betrug 5%. Besonders positiv entwickeln sich die Fahrzeugindustrie, Möbelhersteller und Metallverarbeiter.

Die Konjunkturentwicklung sorgte für gute Stimmung bei den deutschen Ausstellern der MSV. Wälzlagerspezialist Schaeffler war erstmals seit fünf Jahren wieder in Brno dabei. "Wir wollten den Kunden unsere Aktivitäten im Bereich Industrie 4.0 zeigen", so Zdenek Totek, Geschäftsführer von Schaeffler CZ. Gefragt seien vor allem Lösungen zur Wartung und Überwachung der Produktionsprozesse. Sensoren an den Lagern etwa messen direkt den Zustand der Maschinen und ermöglichen auch Ferndiagnosen. Der Manager war mit der Resonanz auf der Messe zufrieden. Die Zahl der Besucher sei wieder gestiegen, "wenn auch noch nicht auf das Niveau von vor zehn Jahren." Von den Wälzlagerherstellern waren nur wenige auf der MSV vertreten, bedauert Totek.

Schaeffler-Tochter INA hat im ostböhmischen Lanskroun bereits ein großes Werk. Dort produzieren 800 Beschäftigte Werkzeuge und Ersatzteile für die Schaeffler-Fabriken in ganz Europa. Im nur 23 km entfernten Svitavy entsteht zurzeit für fast 100 Mio. Euro eine zweite Produktionsstätte. Ab 2017 sollen dort Wärme-Management-Module für die Fahrzeugindustrie herstellt werden und 1.000 Arbeitsplätze entstehen.

Auch der Lörracher Hersteller von Metallbearbeitungsmaschinen, Kaltenbach, bewertete die MSV 2016 positiv. Es war die "beste Messe seit drei Jahren", so der Geschäftsführer für Tschechien, Rastislav Suchon. "Wir haben viele konkrete Anfragen für Projekte bekommen." Zu den Besuchern zählten auch potenzielle Kunden aus der Slowakei, der Ukraine oder aus Slowenien. Gefragt waren besonders Band- und Kreissägen für den Stahl- und Maschinenbau. Die mögliche Digitalisierung und Vernetzung der Produktionsprozesse sieht Suchon als wichtigen Wettbewerbsvorteil von Kaltenbach. Inzwischen gehöre eine Fernüberwachung der Maschinen für Servicezwecke zum Standard. "Es gibt hier in Tschechien auch viele lokale Hersteller von Sägemaschinen. Da wir im High-End-Bereich unterwegs sind, werden an uns ganz andere Anforderungen an Produktivität und Präzision gestellt."

Auch Gebrauchtmaschinen sind gefragt

Bedarf besteht in Tschechien ebenso an gebrauchten Ausrüstungen, bestätigt Herbert Schmidt von Gläsener + Schmidt, einem Vertriebshaus für Werkzeugmaschinen. Sein Unternehmen war in diesem Jahr erstmals auf der MSV. "Wir haben die Gelegenheit genutzt, uns am bayerischen Gemeinschaftsstand zu präsentieren", so der Geschäftsführer. Mittelosteuropa sei schon länger ein wichtiger Markt für Gläsener + Schmidt. "Kunden sind vor allem Maschinenbauer, Metallverarbeiter und Kfz-Zulieferer." In Brno hat das Unternehmen auch für sein CNC-Outletcenter bei München geworben, wo bekannte Hersteller von Werkzeugmaschinen Auslaufmodelle oder Fabrikate mit kleineren Fehlern verkaufen. Dafür sollen nun tschechische Kunden geworben werden.

Auch das Deggendorfer Unternehmen Ewab Engineering hat über den bayerischen Gemeinschaftsstand den Sprung auf die MSV gewagt. "Letztes Jahr waren wir nur Besucher, dieses Mal wollten wir uns selbst präsentieren", erklärte Vertriebsmanager Martin Osmera. Das sei vor allem ein Signal an die bestehenden Kunden gewesen. Der zur Schweizer Ewab International AG gehörende Betrieb entwickelt Materialflusssysteme für große Volumina. In Tschechien hat Ewab bereits an Kunden in der Automobilindustrie wie Skoda oder Kolbenschmidt geliefert. "Auf den wachsenden Bedarf an Industrie 4.0-Lösungen sind wir vorbereitet", sagte Tschechien-Experte Osmera. "Die Steuerungen für unsere Anlagen kommen von Siemens."

Während auf der Maschinenbaumesse 2015 Industrie 4.0 als Sonderthema präsentiert worden war, zeigten 2016 viele Ausrüstungshersteller Technologien für die digitalisierte und vernetzte Produktion direkt an ihren Ständen. Industrieroboter, Sensoren und Netzwerktechnik sowie Anlagen für additive Fertigung (industrieller 3D-Druck) waren allgegenwärtig. Der südböhmische Maschinenbauer Kovosvit MAS zum Beispiel kündigte an, ab 2017 ins Geschäft mit 3D-Druck-Anlagen für Metallteile einzusteigen. Diese kombinieren vollwertige Schweiß- und Fräsvorgänge ("Hybrid Manufacturing"). Die Technik sollen weltweit nach Unternehmensangaben nur rund 60 Hersteller beherrschen. Kovosvit MAS hat die Maschinen mit der Prager Technischen Hochschule CVUT entwickelt. Sie können bei der Produktion von Kleinserien, Prototypen oder Ersatzteilen für Flugzeugmotoren und Kraftwerksturbinen zum Einsatz kommen.

Einheimische Hersteller setzen auf additive Fertigung

Im Bereich additive Fertigung ist auch die oberpfälzische FIT AG unterwegs, die in Tschechien am Hersteller von CNC-Technik und Kamerasystemen, 4ISP, beteiligt ist. Das Unternehmen hat auf der MSV nach eigenen Angaben Verträge für 25 Mio. Tschechische Kronen (Kc; rund 920.000 Euro) abgeschlossen und zwölf Maschinen verkauft. In Modletice bei Prag plant 4ISP, bis Ende 2017 einen Showroom für über 50 Typen von CNC-Industrielasern, Fräsen und anderen Geräten aufzubauen.

Die Verkaufsaussichten für komplexe und ausgeklügelte Maschinen verbessern sich. Für 2017 erwartet die Regierung einen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen um knapp 3%. Nach dem überdurchschnittlich guten Vorjahr sind die tschechischen Maschinenimporte im 1. Halbjahr 2016 jedoch zum Teil erheblich gesunken. Bei wichtigen Positionen wie Werkzeugmaschinen gingen die Einfuhren um ein Viertel zurück. Der Import von Holzbearbeitungsmaschinen schrumpfte sogar um fast die Hälfte. Gut entwickelt hat sich dagegen der Bedarf an Fördertechnik, Pumpen und Kompressoren sowie an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen.

Einfuhr ausgewählter Maschinen nach Tschechien (in Mio. Euro)
SITC-Position / Maschinenbezeichnung 2014 2015 1. Halbjahr 2016 Veränderung *)
723, 728.3 / Bau- und Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 439,3 542,4 290,4 2,0
.aus Deutschland 175,5 195,4 109,9 1,2
724 / Textil- und Ledermaschinen 229,9 288,4 116,4 -22,5
.aus Deutschland 145,0 173,2 71,5 -23,5
725,726/ Druck- und Papiermaschinen 230,3 228,1 67,5 -44,3
.aus Deutschland 78,2 100,6 27,8 -41,7
727, 745.27 / Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 144,9 173,3 97,4 6,5
.aus Deutschland 37,0 56,4 26,6 -2,2
728.12, 728.44 / Holzbearbeitungsmaschinen 63,1 90,9 25,2 -44,3
.aus Deutschland 25,9 37,1 10,3 -45,7
728.42 / Kunststoff- und Gummimaschinen 167,7 194,2 82,5 -10,7
.aus Deutschland 87,0 75,4 33,8 0,1
731, 733, 735 / Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 715,2 857,9 304,8 -28,1
.aus Deutschland 355,9 382,7 144,4 -23,6
742, 743.1 / Pumpen, Kompressoren 1.130,5 1.187,5 628,0 6,0
.aus Deutschland 731,7 680,6 341,3 -4,6
744 / Fördertechnik 612,9 679,7 353,7 5,1
.aus Deutschland 272,4 287,7 170,2 20,7

*) 1. Halbjahr 2016 gegenüber 1. Halbjahr 2015 in %

Quelle: Eurostat

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Robotik und Automation

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