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09.03.2018

Frankreich kann bei Industrie 4.0 in der Softwareentwicklung punkten

Geringer Automatisierungsgrad und veralteter Maschinenpark behindern die Digitalisierung / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Das Thema Industrie 4.0 genießt auch in Frankreich einen hohen Stellenwert. Allerdings sind die Hürden für Unternehmen zum Teil höher als in Deutschland. So ist der Automatisierungsgrad in der Industrie gering und der Maschinenbau schwach entwickelt. Gleichzeitig ist das Land stark in der Softwareentwicklung und verfügt über eine innovative Startup-Szene mit einem Schwerpunkt in der Datenanalyse und Simulationstechnik. (Kontaktadressen)

Aufgrund des schleichenden Niedergangs der Industrie in den vergangenen Jahren wird die Digitalisierung in Frankreich als potenzieller Heilsbringer angesehen. Das verarbeitende Gewerbe kam in Frankreich 2016 noch auf einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 11,2 Prozent gegenüber 25,7 Prozent in Deutschland. Durch Produktivitätsgewinne soll die Digitalisierung helfen, die inländische Wertschöpfung in der Industrie zu sichern. So ist etwa die Firmengruppe Upperside von der herkömmlichen Herstellung von Zahnprothesen zum 3D-Druck übergegangen. Damit konnte sie Angesichts starker Konkurrenz aus Ostasien ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihr Überleben sichern. Die Firma JPB stellt seit 2017 in einer hochautomatisierten neuen Fabrik Motorteile für Flugzeuge her, nachdem zunächst die ganze Produktion nach Polen ausgelagert worden war.

Trotz derartiger Erfolgsgeschichten ist der Sprung in die digitalisierte Zukunft in französischen Firmen häufig noch schwieriger als in Deutschland. Zunächst sind Automatisierungsgrad und Robotereinsatz geringer. Nach Daten des Robotikverbandes IFR (International Federation of Robotics) zählt Frankreich 132 Roboter je 10.000 Industriearbeiter gegenüber 309 in Deutschland. Frankreich verfügt durchaus über moderne, stark automatisierte Industriesektoren wie die Luftfahrt und die Automobilindustrie. Dafür ist in anderen Industriezweigen der Automatisierungsgrad eher schwach ausgeprägt.

Industrie investiert in Modernisierung des Maschinenparks

Hinzu kommt, dass der Maschinenpark in Frankreich stark veraltet ist. Der Maschinenbauverband FIM (Federation des industries mecaniques) beziffert das durchschnittliche Alter der Anlagen mit 17 bis 19 Jahren, gegenüber 9 Jahren in Deutschland. Der Verband registriert seit 2016 stärkere Modernisierungsbemühungen in der Industrie. So wurden 2016 laut IFR in Frankreich mit 4.200 Robotern rund 39 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr, gegenüber einem Plus von 16 Prozent weltweit. Im Jahr 2017 könnten es laut IFR 10 Prozent mehr gewesen sein.

Die Automatisierung gilt als notwendiger erster Schritt zur Digitalisierung. Dabei stellt die schwache Ausprägung des Maschinenbaus in Frankreich einen Nachteil dar. Den Industrieunternehmen fehlt die Nähe zu den Ausrüstern, von denen vielfach die notwendigen Innovationen für eine digitalisierte Fabrik ausgehen.

Daher sieht das Land seine Stärken auch eher im Softwarebereich. "Wir sind vielleicht nicht führend in der Robotik. Aber am Ende eines Roboterarms steckt Software" sagt Nicolas Dufourcq, Generaldirektor der Entwicklungsbank Bpifrance. Tatsächlich gilt Frankreich vor allem aufgrund der guten Mathematikausbildung in Schulen und Hochschulen als besonders stark in der Softwareentwicklung. Das Unternehmen Dassault will seine Software für Industrie-4.0-Anwendungen als Standard durchsetzen und gilt als Zugpferd der Branche. Viele Innovationen kommen aus der regen Startup-Szene, mit besonderen Stärken in Simulationstechnik, Datenanalyse (Big Data) und damit verbunden bei der vorausschauenden Instandhaltung (Predictive Maintenance).

Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Firmen

Als schwierig gilt die Zusammenarbeit der Startups mit herkömmlichen Industrieunternehmen. In Frankreich existiert ein kulturell stark verankertes Konkurrenzdenken. Konsultationsmechanismen, ähnlich der deutschen Plattform Industrie 4.0, sollen die Zusammenarbeit unter Startups, etablierten Firmen, Forschungsclustern, Verbänden und staatlichen Einrichtungen vorantreiben.

Erst 2015 wurde der Zusammenschluss "Alliance Industrie du Futur" gegründet. Unter der neuen Regierung wurde im Oktober 2017 mit "french fab" und einem Logo mit einem blauen Origami-Hahn neben einer Art Dachmarke auch eine weitere Plattform geschaffen. Sie soll helfen, das Image der französischen Industrie international etwas zu entstauben. Im Inland soll das aufpolierte Image zudem helfen, dem Facharbeitermangel in der französischen Industrie entgegenzuwirken.

Die Digitalisierung wird auch staatlich gefördert. Der Think Tank "France Strategie" hat 2016 in einer Studie 62 Förderprogramme gezählt. Inzwischen sind es nicht weniger geworden. Gemäß eines Wahlkampfversprechens von Präsident Emanuel Macron wurde Anfang 2018 ein Innovationsfonds von 10 Milliarden Euro geschaffen. Die Dividenden sollen Innovationen finanzieren, aber nicht über zusätzliche Programme sondern über bestehende, erfolgreich Fördermaßnahmen, um die Gelder zu konzentrieren.

Kontaktadressen:

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Alliance Industrie du Futur http://www.industrie-dufutur.org Industrieplattform zur Digitalisierung in der Industrie
La French Fab http://www.lafrenchfab.fr Dachmarke für Industrie 4.0

(P.B.)

Weitere Informationen über Frankeich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

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Frankreich Software / EDV-Dienstleistungen

Karl-Heinz Dahm Karl-Heinz Dahm | © GTAI

Kontakt

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‎+49 228 24 993 274

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