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03.11.2015

Frankreichs Kunststoffbranche zielt auf Innovation

Wachsende High-Tech-Bereiche als Abnehmer / Anteil von Recyclingrohstoffen soll verdoppelt werden / Von Marcus Knupp

Paris (gtai) - Der Umsatz in der französischen Kunststoffindustrie ist in den letzten Jahren von einem Auf und Ab gekennzeichnet. Seit 2014 weist der Trend leicht nach oben, getragen von der anziehenden Autokonjunktur und gebremst durch die lahmende Bauwirtschaft. Für die Zukunft hofft die Branche auf neue Anwendungsbereiche, etwa im 3D-Druck, bei vernetzten Objekten oder neuen Arten der Verpackung. Deutschland war 2014 wichtigstes Lieferland für Kunststoff- und Gummimaschinen. (Kontaktanschrift)

Mit einem Umsatz von rund 28,8 Mrd. Euro hatte die französische Kunststoffindustrie 2014 einen Weltmarktanteil von circa 3,4% und steht nach der VR China, den USA, Deutschland, Japan und Italien auf dem sechsten Rang, wie der Fachverband Fédération de la Plasturgie et des Composites in seinem Jahresbericht "Panorama de la Plasturgie 2015" feststellt. Werden zu den 3.500 Unternehmen, deren Kerngeschäft die Kunststoffproduktion oder Verarbeitung ist, noch jene hinzugezählt, die sich neben ihrer Hauptbranche auch mit Kunststoffherstellung befassen, steigt die Zahl der Unternehmen auf 4.070 und der Jahresumsatz auf etwa 50 Mrd. Euro. Für 2015 rechnet der Verband mit rund 1% Wachstum.

Umsatz in der französischen Kunststoffindustrie (Mrd. Euro)
Jahr 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 *)
Umsatz 30,0 26,1 27,4 29,2 29,0 28,5 28,8 29,0

*) Schätzung

Quelle: Fédération de la Plasturgie et des Composites

Vom Gesamtabsatz an Kunststoffprodukten entfallen 29% auf technische Kunststoffteile und 25% auf Verpackungen. Produkte für die Bauwirtschaft kommen ebenso wie Platten, Folien, Rohre und Profile auf 18%, sonstige Kunststofferzeugnisse auf 10%.

Kunststoffprodukte werden von vielen Wirtschaftsbereichen nachgefragt. Fast 50% des Umsatzes der Kunststoffhersteller entfallen dabei auf nur drei Hauptabnehmerbranchen. Die wichtigste davon ist die Nahrungsmittelindustrie (19%) vor der Automobilindustrie (17%) und der Bauwirtschaft (12%), gefolgt von der Elektro- und Elektronikindustrie (11%) und dem Gesundheitssektor mit Arzneimitteln und Medizintechnik (10%). Für 2016 erwartet der Verband Zuwächse vor allem in der Auto- und der Nahrungsmittelindustrie sowie im Gesundheitsbereich. In der Bauwirtschaft dürfte sich die Nachfrage ebenso wie im Bereich Elektro/Elektronik stabilisieren.

Investitionen hinken hinterher

Die französische Kunststoffindustrie gehört zu den innovativsten weltweit, tut sich jedoch etwas schwerer mit der praktischen Umsetzung. In den letzten 5 Jahren wurden circa 7% aller Patente auf Kunststoffe und Verbundstoffe weltweit von französischen Unternehmen angemeldet, insgesamt haben diese rund 1.600 Patente eingereicht. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) haben sich von 2010 bis 2012 um 18% erhöht. Bis 2017 geht die Fédération de la Plasturgie von einem weiteren Anstieg um 23% aus, unterstützt unter anderem durch die Einrichtung eines Technologiezentrums (Centre Technique Industriel CTI), getragen von den Unternehmen).

Im Vergleich zu den wichtigsten europäischen Wettbewerbern Deutschland und Italien ist allerdings die durchschnittliche Investitionsquote der Unternehmen geringer. Eine der Ursachen - und Folgen - dieses Umstandes ist der ebenfalls geringere Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA). So sind etwa moderne Spritzgussmaschinen mit elektrischem Antrieb deutlich sparsamer im Energieverbrauch. In einer Befragung gaben 2015 aber immerhin 73% der Unternehmen an, kurzfristig investieren zu wollen. Besonders investitionsfreudig zeigten sich 2013 die Produktionssparten Verpackungsmittel und Vorprodukte (Platten, Folien, Rohre und Profile). Etwa 70% der Investitionen betrafen die Produktionsanlagen.

Struktur der französischen Kunststoffindustrie im Vergleich
Land Beschäftigte pro Unternehmen (Durchschnitt) Wertschöpfungsquote (in %) Gewinn (EBITDA, in %) Bruttoanlageninvestitionen in Bezug zur Wertschöpfung (in %)
Deutschland 51 28,9 6,7 11,4
Frankreich 37 28,4 5,3 9,1
Italien 14 23,9 7,7 11,8

Quelle: Fédération de la Plasturgie et des Composites

Die Kunststoffindustrie liefert zu 80% Vorprodukte für andere Branchen. Entsprechend wichtig sind Entwicklungen in anderen Bereichen für ihre Konjunktur. Branchenvertreter blicken hier recht optimistisch in die nähere Zukunft, da in vielen Wachstumsfeldern Kunststoffe eingesetzt werden und damit neue Nachfrage entsteht. Als Beispiele werden der 3D-Druck oder intelligente Verpackungen genannt, vernetzte Objekte mit gedruckten Schaltkreisen ebenso wie die LED-Technik oder medizinische Implantate. Über die Hälfte der Masse eines Flugzeugs vom Typ Airbus A350 besteht aus Kunst- oder Verbundstoffen (53%).

Deutschland wichtigster Partner

Die Rohmaterialien haben in der Kunststoffindustrie Frankreichs mit durchschnittlich 45% einen hohen Anteil am Produktionswert. 2014 waren dies überwiegend primäre Rohstoffe, also Erdöl- und Erdgasprodukte. Sie hatten einen Anteil von 86% an der Gesamtmenge, während zu 13% Recyclingmaterialien verwendet wurden und 1% biologischen Ursprungs war. Den Anteil von recycelten Rohstoffen will die Branche in den nächsten Jahren verdoppeln. Die wichtigsten Ausgangsmaterialien für die Kunststoffproduktion in Frankreich waren 2013 Polyethylen (17% LD und 13% HD), Polypropylen (18%), PVC (11%), PET (9%) und Polystyrol (8%).

Der Außenhandel mit Kunststoffen ist für Frankreich defizitär. Das liegt zum einen an der starken Konkurrenz asiatischer Wettbewerber, betrifft zum anderen aber auch den Austausch mit europäischen Partnern wie Deutschland und Italien.

Wichtigste Handelspartner Frankreichs für Kunststoffe 2014
Import Export
Rang Land Importwert (Mrd. Euro) Rang Land Exportwert (Mrd. Euro)
Insgesamt 11,2 Insgesamt 7,7
1 Deutschland 2,40 1 Deutschland 1,31
2 Italien 1,47 2 Belgien 0,73
3 China 1,15 3 Großbritannien 0,72
4 Belgien 1,00 4 Italien 0,68
5 Spanien 0,75 5 Spanien 0,63

Quelle: Fédération de la Plasturgie et des Composites

Deutschland war 2014 mit einem Anteil von 31,1% der wichtigste Lieferant von Kunststoff- und Gummimaschinen nach Frankreich. Insgesamt hat sich das Volumen der Einfuhren dieser Maschinenkategorien einschließlich Teilen in den letzten Jahren kaum verändert. Frankreich weist in dieser Warengruppe mit Exporten von 753 Mio. Euro im Jahr 2014 einen deutlichen Handelsbilanzüberschuss auf.

Einfuhr von Kunststoff- und Gummimaschinen nach Frankreich (Mio. Euro)
HS Warengruppe 2013 2014 Aus Deutschland 2014
8477.10 Spritzgießmaschinen 56,1 57,9 28,6
8477.20 Extruder 36,9 26,3 4,9
8477.30 Blasformmaschinen 28,1 11,5 2,2
8477.40 Vakuumformmaschinen und andere Warmformmaschinen 11,9 9,4 5,8
8477.51 Maschinen zum Formen oder Runderneuern von Luftreifen oder Luftschläuchen 4,6 3,0 0,7
8477.59 Andere Maschinen zum Formen, unter anderem Pressen 36,0 40,2 5,4
8477.80 Andere Maschinen und Apparate 65,1 65,6 15,5
8477.90 Teile 165,1 189,5 62,5
Insgesamt 403,8 403,3 125,6

Quelle: Eurostat

Kontaktanschrift:

Fédération de la Plasturgie et des Composites

125, rue Aristide Briand, 92300 Levallois-Perret

Tel.: 0033-(0)1 44 01 16 16; Fax: -(0)1 44 01 16 55

E-Mail: contact@fed-plasturgie.fr; Internet: http://www.laplasturgie.fr

(S.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Kunststoffe und Gummi, Verpackungen, Kunststoff- und Gummimaschinen

Karl-Heinz Dahm Karl-Heinz Dahm | © GTAI

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