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19.02.2015

Frankreichs Städte wollen smart, mobil und nachhaltig sein

Pilotprojekte setzen nachhaltige Ideen in der Stadtentwicklung um / Innovative Umwelttechnik gefragt / Von Marcus Knupp

Paris (gtai) - Immer mehr französische Städte wollen zur Ville durable werden - also einer nachhaltigen Stadt. Eine Chance auch für Unternehmen aus Deutschland, die innovative Umwelttechnik und andere Technologien liefern. Lyon, Nizza und Bordeaux sind Vorreiter, wenn es um eine smarte, mobile und nachhaltige Stadtentwicklung geht (Internetadresse; aus "markets International", Ausgabe Dezember 2014).

Confluence - Zusammenfluss - bezeichnet nicht nur die Vereinigung der beiden Flüsse Rhone und Saone in Lyon. Auf der Halbinsel zwischen den Strömen entsteht ein neues Stadtviertel gleichen Namens. Als Quartier durable - nachhaltiges Stadtviertel - soll es ein Schaufenster für eine Vielzahl von Technologien sein, die die Smart Community der Zukunft kennzeichnen. Positivenergiehäuser, Smart Grids zur Steuerung von Energieverbrauch und durch erneuerbare Energien gespeiste Elektroautos sind zentrale Elemente des Projekts. Aus der Taufe gehoben wurde der Plan Ville durable mit dem Umweltprogramm Grenelle de l'environnement 2008. Das Konzept kreist um drei Bereiche: An erster Stelle steht ein schonender Umgang mit Ressourcen, eine möglichst geringe Umweltbelastung und die Anpassung an den Klimawandel. Zweite Säule ist die Lebensqualität sowohl im Hinblick auf die urbane Umgebung als auch auf Dienstleistungen wie Gesundheit, Bildung und Transport. Dritter Punkt ist die Einbettung der Städte oder Viertel in ihr kulturelles, wirtschaftliches und geografisches Umfeld.

Kompetenzzentrum Advancity fördert nachhaltige Stadtentwicklung

Vielerorts fließen die Konzepte für eine umweltfreundliche Stadt bereits seit ein oder zwei Jahrzehnten in die Planungen für Stadterweiterungen oder Sanierungsgebiete ein, etwa im Rahmen der Agenda 21. Die Ergebnisse sind vor Ort sichtbar bei der Nutzung erneuerbarer Energien in lokalen Wärmenetzen, der verbesserten Abfallentsorgung, neuen Straßenbahnnetzen und Car-Sharing-Projekten oder energieeffizient gestalteten Ökoquartieren. Das Kompetenzzentrum Advancity in Marne-la-Vallée, einem Vorort von Paris, fördert die Entwicklung neuer Lösungen für eine nachhaltige Stadt.

Vorreiter bei der Umsetzung sind neben Lyon die Städte Nizza und Bordeaux mit jeweils anderen Schwerpunkten. Der Großraum Bordeaux rechnet in den nächsten zwanzig Jahren mit rund 100.000 zusätzlichen Einwohnern. Platz finden sollen sie möglichst in nachhaltig gestalteten Vierteln wie dem Ecoquartier Ginko, das seit 2012 bewohnt ist. Zu den Merkmalen gehören Niedrigenergiehäuser, eine eigene Energieversorgung auf Basis von Biomasse und Fotovoltaik, die Mischung von Wohnen und Einkaufen, um kurze Wege zu ermöglichen, eine fußgänger- und fahrradgerechte Gestaltung sowie die schnelle Anbindung an das Stadtzentrum per Straßenbahn.

Nizza baut einen "Boulevard connecté"

Nizza setzt in Sachen Smart City Maßstäbe. Unter dem Titel Boulevard connecté hat die Stadt den Boulevard Victor Hugo mit zahlreichen Sensoren ausgestattet: Autofahrer können direkt zum nächsten freien Parkplatz geleitet werden und dort mit dem Smartphone bezahlen. Straßenlaternen bleiben im energiesparenden Stand-by, wenn keine Bewegung in ihrer Umgebung festgestellt wird. Mülleimer tun ihren Füllungsgrad kund, um überflüssige Müllwagenfahrten zu vermeiden. Messgeräte übermitteln neben der Temperatur und der Luftfeuchte auch die Luftqualität, die Helligkeit und das Geräuschniveau ihrer Umgebung.

Einen anderen Akzent setzt die Hafenstadt La Rochelle. Auf einem alten Militärgelände entsteht eine energieeffiziente Gewerbezone mit sehr geringen CO2-Emissionen, die vor allem Unternehmen der Umwelttechnik anziehen soll. Mit der Integration von Gewerbe, Wohnen und Dienstleistungen sowie einem Ausbildungs- und Technologiezentrum schafft die Stadt ein erweitertes Ecoquartier.

Der Stein ist ins Rollen gebracht. Immer zahlreicher werden die Planungen nachhaltiger Stadtviertel im ganzen Land, eingebettet in zunehmend anspruchsvolle Visionen. So will etwa Paris den Anteil erneuerbarer Energien verdreifachen, rund 100.000 Quadratmeter Dächer und Terrassen begrünen, neue Viertel frei von CO2-Emissionen und Restabfällen gestalten, intermodale Transportlösungen und urbane Logistik weiterentwickeln. Die Recyclingrate der Haushaltsabfälle soll bis 2020 von 15 auf 65% steigen. Viel zu tun also und damit steigender Bedarf an Umwelttechnologien, die gerade auch deutsche Anbieter im Programm haben.

Internetadresse:

Weitere Informationen über die Ville-durable-Aktivitäten:

Internet: http://bit.ly/1xNrcBf

Quelle: "markets - Das Magazin für Märkte und Chancen", Ausgabe 6/2014 (01.12.2014). Nähere Informationen zum Heft und zur Abo-Bestellmöglichkeit unter http://www.gtai.de/markets. Ein kostenloses Probeheft kann per E-Mail an markets@gtai.de angefordert werden.

(S.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein

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