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18.09.2017

Geld fließt in Ghanas marodem Wassersektor nur spärlich

"Lavender Hill"-Abwasseraufbereitung in Betrieb / Zuständigkeiten in neuem Ministerium gebündelt / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - In Ghana ist die Notwendigkeit von Investitionen im Wasser- und Abwasserbereich groß. Allerdings fließt zu wenig Geld in diese Bereiche. Beide Sektoren sind wenig kommerziell strukturiert und genießen politisch nur begrenzte Priorität. Dennoch dürfte es auch bei geberfinanzierten Projekten weiterhin regelmäßig zu Liefer- und Beratungsmöglichkeiten kommen. Beobachter hoffen auf zunehmende Aktivitäten des Privatsektors. Einschlägige deutsche Unternehmen sind in Ghana bislang kaum präsent.

Insbesondere im rasch wachsenden Großraum Accra-Tema dürften sich in Ghana in den kommenden Jahren kontinuierlich Geschäftschancen für ausländische Unternehmen auftun. Im Rahmen von geberfinanzierten Projekten zur Wasserver- und -entsorgung gibt es immer wieder Liefer- und Beratungschancen. Vor allem die für die städtische Wasserversorgung zuständige Ghana Water Corporation (GWC) dürfte in Kooperation mit ausländischen Gebern investieren.

Da bei Frisch- und Abwasser weitreichende Mängel vorliegen, ist die Palette der zu erwartenden Maßnahmen breit. Vor allem die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank (African Development Bank; AfDB) sowie die niederländische Regierung engagieren sich in diesen Bereichen.

Eines der größten längerfristig angelegten Projekte ist derzeit das von der Weltbank mit 150 Millionen US-Dollar finanzierte Greater Accra Metropolitan Area (GAMA) Sanitation and Water Project. Alleine etwa 50 Prozent des Geldes sollen an die GWC fließen. Neue Projekte in dem Sektor haben die AfDB sowie die VR China angekündigt. Zuletzt gab es auch Meldungen, dass die VR China 2 Milliarden US$ für den Abwasserbereich bereitstellen wolle.

Chinesen haben Abwasserentsorgungsanlage "Lavender Hill" gebaut

Bereits mit chinesischer Unterstützung fertiggestellt wurde die Abwasseraufbereitungsanlage "Lavender Hill" in Accra. Das vom ghanaischen Müllentsorger Zoomlion betriebene Werk reinigt seit Januar 2017 das mit Lkw aus den zahlreichen Klärgruben angelieferte Abwasser. Zuvor hatten die Entsorger die Kloake ungereinigt ins Meer gekippt. "Lavender Hill" ist die derzeit einzige voll funktionsfähige Kläranlage in Ghana. Auch Städte wie Kumasi, Takoradi oder Tamale benötigen dringend derartige Anlagen, denn bislang werden dort die Fäkalien ebenfalls mehr oder weniger unkontrolliert abgekippt. Immer wieder kommt es aufgrund dieser Verhältnisse in den Städten Ghanas zu Cholera-Epidemien.

Private Aktivitäten sind rar im Wasser- und Abwasserbereich. Seit 2016 betreibt die spanische Abengoa eine Meerwasserentsalzungsanlage in Nungua nahe Accra. Kritisiert wird an diesem Projekt indes, dass das produzierte Wasser anscheinend zu einem viel zu hohen Preis an GWC verkauft wird. Vereinzelt investieren größere Hotels, wie das Labadi Beach Hotel und das Golden Tulip Hotel in Accra in eigene Abwasserentsorgungsanlagen.

Ghana Water kann aus eigener Kraft nicht investieren

In der Wasserversorgung besteht Investitionsbedarf bei der Instandhaltung der maroden städtischen Netze sowie bei deren Ausbau. Auch ein effizienteres Management der GWC bei der Rechnungsstellung sehen Experten als dringend an, da dem Unternehmen hier hohe Einnahmen entgehen. Die Einnahmeverluste haben neben technischen und administrativen auch politische Gründe. So bezahlen die Regierungsinstitutionen nichts für Wasser. Zudem wird der Wasserpreis niedrig gehalten, um Unruhe in der Bevölkerung zu vermeiden. In den Haushalten kommen zunehmend Prepaid-Zähler, bei denen die Verbraucher im Voraus Guthaben kaufen müssen, zum Einsatz.

GWC ist aus eigener Kraft nicht in der Lage zu investieren. Nachdem bis 2014 Experten der niederländischen Vitens und des Johannesburger Wasserversorgers Rand Water bei der GWC tätig waren und nach Lösungen für eine Umstrukturierung suchten, wurde unter anderem die Teilprivatisierung empfohlen. Dies jedoch lehnt die ghanaische Regierung bis heute ab. Ob die neue Regierung einer Privatisierung offener gegenüber steht, bleibt abzuwarten.

Aufgrund fehlender Abwassergebühr ist die Kommerzialisierung der Abwasserentsorgung derzeit nahezu unmöglich. Dementsprechend gering ist die Motivation für Investitionen in diesem Bereich. Ein Kanalisationsnetz existiert selbst in Accra nicht. Ausschließlich Regenwasser fließt über offene Kanäle an den Straßenrändern ins Meer. Mit Fäkalien angereichertes Abwasser wird in Klärgruben geleitet, welche von Zeit zu Zeit entleert werden müssen. Diese Dienstleistung wird in Ghana komplett von privaten Unternehmen abgewickelt, größtenteils Kleinbetrieben, die ein paar hierfür geeignete Lkw haben.

Einschlägige deutsche Unternehmen sind in Ghana nicht präsent

Für Unternehmen aus Deutschland bietet der Wasser- und Abwassersektor vor allem Beratungs- und Lieferchancen. Präsent sind deutsche Unternehmen aus diesen Bereichen in Ghana jedoch nicht. Bei einigen Projekten sind Ingenieurbüros wie Fichtner aktiv. Dies ist unter anderem der Fall beim AfDB-finanzierten Sogakope-Lomé-Transboundary-Water-Project, in dessen Rahmen Trinkwasser aus dem durch Ghana verlaufenden Volta-Fluss entnommen und per Pipeline in die etwa 150 Kilometer entfernte togoische Hauptstadt Lomé transportiert werden soll.

Die deutschen Unternehmen können zwar hochwertige Komponenten und Lösungen im Bereich Wassermanagement anbieten. Benötigt werden auf afrikanischer Seite jedoch Unternehmen, die Gesamtkonzepte ausarbeiten können und auch in der Lage sind, Finanzierungslösungen einzubringen. Dies bietet die deutsche Wirtschaft Branchenkennern zufolge in Afrika selten. Über derartige Unternehmen im Bereich Umweltmanagement verfügen hingegen die Niederlande mit Vitens oder Frankreich mit Véolia. Sie arbeiten eng mit den Versorgern zusammen und eröffnen Komponentenlieferanten zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

Hoffnung auf Impulse durch neue Regierung

Ob die seit Anfang 2017 amtierende Regierung unter Präsident Nana Akufo-Addo für einen Aufschwung in den Bereichen Wasser und Abwasser sorgen wird, kann zur Jahresmitte 2017 noch nicht prognostiziert werden. Direkt nach Amtsantritt wurde das speziell dafür zuständige Ministry of Sanitation and Water gegründet. Bislang waren das Ministry of Local Government (Dezentralisierung) sowie das Ministry of Water, Housing and Works zuständig. Das neue Ressort befindet sich noch im Aufbau, aber im Idealfall können die Kontrolle und Weiterentwicklung der Sektoren nun gebündelter vonstattengehen als zuvor. Derzeit verantwortlich ist Minister Joseph Kofi Adda.

(C.E.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ghana können Sie unter http://www.gtai.de/ghana abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Umwelttechnische Anlagen, Mess- und Regeltechnik, Labortechnik, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

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Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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