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23.11.2016

Gute Perspektiven in den meisten Sparten der US-Chemieindustrie

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Dynamik im Plastiksegment / Bau größter Raffinerie im Land seit 40 Jahren geplant / Von Christian Janetzke (September 2016)

San Francisco (GTAI) - Die Auslieferungen der US-Chemieindustrie sollen 2017 kräftig zulegen. Im Agrarchemikaliensegment befinden sich zahlreiche Anlagen zur Düngerproduktion in der Bau- beziehungsweise Planungsphase. Vor allem die expandierende Bauwirtschaft treibt den Absatz von Farben und Lacken an. Mit dem "Toxic Substances Control Act" wurde im Sommer 2016 ein elementares Gesetz zur Chemikalienregulierung reformiert. Die Kunststoffproduktion soll in den kommenden Jahren deutlich anziehen.

Laut Prognosen des American Chemistry Council (ACC) zur Jahresmitte 2016 soll der Auslieferungswert (Inlandsabsatz und Exporte) von chemischen Produkten 2016 um 2,9% auf 819,9 Mrd. US$ zulegen. Zu Jahresbeginn erwartete der ACC ein noch um rund 1 Prozentpunkt höheres Wachstum. Exportorientierten Branchenunternehmen macht die schwache Auslandsnachfrage kombiniert mit einem starken US-Dollar zu schaffen. Zudem entwickelte sich die US-Industriekonjunktur im 1. Halbjahr 2016 in den USA bei weitem nicht so positiv wie von vielen Analysten zum Jahreswechsel 2015/16 erwartet wurde. Die Kapitalinvestitionen des Sektors sollen 2016 allerdings kräftig anziehen. Der ACC prognostiziert ein Wachstum um 10,4% auf 48,1 Mrd. US$.

Im Jahr 2017 sollen die Auslieferungen um 6,1% zulegen. Vor allem eine anziehende Industrieproduktion und in Folge dessen steigende Investitionen in chemische Erzeugnisse dürften Impulse liefern, so der Branchenverband.

Agrarchemikalien legen zu

Bei Pestiziden, Düngemitteln und anderen Agrarchemikalien legten die Auslieferungen in den ersten fünf Monaten 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um insgesamt 7,7% auf 24,6 Mrd. US$ zu, so das U.S. Census Bureau.

Mit der US-Landwirtschaft dürfte die bedeutendste Abnehmerbranche ihre Ausgaben für Agrarchemikalien 2016 leicht reduzieren. Laut dem U.S. Department of Agriculture sollen die Nettoeinkommen der Landwirte um circa 3% auf 54,8 Mrd. US$ und somit das niedrigste Niveau (nicht-inflationsangepasst) seit 2002 fallen.

Der ACC erwartet bei Pflanzenschutzmitteln 2016 und 2017 Produktionszuwächse im Land von 3,1 beziehungsweise 4,3%. Der Bedarf an Pestiziden von US-Haushalten zur Verwendung in Haus und Garten dürfte in den kommenden Jahren zunehmen. Das anhaltende Wachstum bei den Wohnungsbaubeginnen sowie das steigende Angebot an gebrauchsfertigen Produkten in praktischen Verpackungen soll die Nachfrage nach Mitteln für die Rasen- und Gartenpflege antreiben, so Analysten von Freedonia.

Im Bereich häuslicher Anwendungen dürfte das steigende Bewusstsein angesichts der durch Insekten übertragbaren Krankheiten für einen vermehrten Absatz entsprechender Pestizide sorgen. Die besten Perspektiven sehen Analysten bei Insektiziden, die relativ wenige toxische Inhaltsstoffe enthalten. Im Herbizid-Segment werden Produkten, die auf spezifische Gräser zugeschnitten sind, gute Absatzpotenziale bescheinigt.

Nachfrage nach Pestiziden für die Verwendung in Haus und Garten (in Mio. US$)
Branchen 2015 2020 Veränderung *)
Nachfrage insgesamt 2.070 2.410 3,1
.Insektizide 1.170 1.360 3,1
.Herbizide 735 855 3,1
.Fungizide 80 95 3,5

*) durchschnittliche jährliche Veränderungsrate 2015 bis 2020 in %

Quelle: Freedonia

Die USA sind im Bereich Dünger ein Nettoimporteur. Im Jahr 2015 standen Einfuhren im Wert von 7,9 Mrd. US$ rund 4,4 Mrd. US$ an Exporten gegenüber. Die Importabhängigkeit dürfte sich laut Analysten mittelfristig deutlich reduzieren. Die Produktion von Düngemitteln im Land soll nach Angaben des ACC 2017 mit 7,9% kräftig zulegen. Im Jahr 2016 steht der Produktionsstart bei drei Megaprojekten für Ammoniak zur Herstellung von Düngerprodukten an, berichtet das Informationsportal "Ammonia News". Der Düngemittelhersteller CF Industries Holdings schloss im Frühjahr 2016 den Baus einer neuen Anlage zur Herstellung von Harnstoff-Ammoniumnitrat (UAN) in seinem Komplex in Donaldsonville (Louisiana) ab. Mit dem Projekt steigt die Gesamtkapazität der CF Industries Holdings in Donaldsonville von 2,4 Mio. auf 4.2 Mio. t.

Agrarunternehmen expandieren

Zahlreiche weitere Unternehmen planen in den nächsten Jahren Anlagen zur Produktion von Agrarchemikalien. Im Mai 2016 kündigte der Rohstoffhändler Phibro in Kooperation mit einer Investorengruppe an, eine Kohlevergasungsanlage in West Terre Haute (Indiana) erwerben zu wollen. Diese soll für rund 450 Mio. US$ zur Ammoniakproduktionsstätte umgebaut werden. Mitte 2018 soll die Bauphase abgeschlossen sein. Angaben zur Kapazität der Anlage machte das Unternehmen bislang nicht. Russlands größter Hersteller von Mineraldünger, die EuroChem Group, plant in Louisiana ein Investment von rund 1,5 Mrd. US$ für eine Anlage zur Produktion von Ammoniak und Harnstoff, berichtet "Ammonia Industry". Das US-Unternehmen Cronus Chemicals hat den Produktionsstart für eine Düngeranlage zur Produktion von Ammoniak sowie granuliertem Harnstoff nahe der Stadt Tuscola (Illinois) von 2016 auf 2017 verschoben. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 1,9 Mrd. US$.

Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer verkündete im Herbst 2016 nach einem monatelangen Poker die rund 66 Mrd. US$ schwere Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto. Die Monsanto-Aktionäre sowie zahlreiche Behörden müssen dem Deal allerdings noch zustimmen. Die CF Industries Holdings gab im Mai 2016 bekannt, die Übernahme von Produktionsanlagen des niederländischen Konkurrenten OCI in Nordamerika sowie Europa platzen zu lassen. Als Grund gab das Unternehmen die 2016 verschärften Regelungen bei einer "Steuerinversion" des US-Finanzministeriums an. Bei einer Inversion wird der Firmensitz in ein Land mit niedrigeren Steuern verlegt, in diesem Falle hatte CF Industries die Niederlande auserkoren.

Kfz-Produktion treibt Absatz von Farben und Lacken an

Der Aufwärtstrend bei den Auslieferungen von Farben, Beschichtungen und Klebstoffen setzte sich in den ersten fünf Monaten 2016 mit einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um insgesamt 9,0% auf 18,5 Mrd. US$ fort. Die Einfuhren von Farben und Beschichtungen beliefen sich von Januar bis Mai 2016 auf circa 0,5 Mrd. US$ (+5,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).

Der Marktforscher Standard & Poor's erwartet bei der Produktion von Farben und Lacken in den USA kurz- und mittelfristig jährliche Zuwächse zwischen 1,0 und 2,0%. Der ACC prognostiziert bei Beschichtungen für 2016 und 2017 Zuwächse des Outputs von 1,6 beziehungsweise 3,0%.

Von dem wichtigsten Abnehmer, dem Bausektor, sind weiterhin bedeutende Impulse zu erwarten. Die Entwicklung auf dem expandierenden Häusermarkt ist für Anbieter von Farben und Lacken von tragender Bedeutung. Die Zahl der Wohnungsbaubeginne soll laut Analysten 2016 um circa 8,0% auf rund 1,2 Mio. zulegen. Bei Renovierungen und Reparaturen stehen die Zeichen laut dem Joint Center for Housing Studies der Harvard University ebenfalls auf Wachstum. Demnach werden entsprechende Ausgaben im 3. Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahresquartal annualisiert um 8,6% zulegen. Im Folgequartal soll der Zuwachs auf das Jahr hochgerechnet bei circa 9,7% notieren.

Laut dem Consultingunternehmen Kusumgar, Nerlfi & Growney belief sich der US-Verbrauch von Beschichtungen 2015 bei 8,4 Mrd. Pfund an Feststoffen im Wert von 26,6 Mrd. US$. Bis 2020 dürfte der Verbrauch laut gleicher Quelle durchschnittlich jährlich um circa 1,0% zulegen. Die mengenmäßige Nachfrage nach Industrielacken soll laut Freedonia im Zeitraum 2014 bis 2019 jährlich im Durchschnitt um 2,1% auf 584 Mio. Gallonen (1 Gallone = rund 3,785 l) zunehmen. Bei wasser- sowie pulverbasierten Beschichtungen ist laut dem Marktforscher in diesem Zeitraum von einem überdurchschnittlichen Zuwachs auszugehen. Vor allem der Bedarf an wasserbasierten Lacken, die keine oder wenig flüchtige organische Verbindungen enthalten, zieht an. Bei lösungsmittelbasierten Produkten soll die Nachfrage hingegen leicht zurückgehen.

Die Nachfrage nach Farbstoffen wird gemäß Freedonia zwischen 2014 und 2019 im Durchschnitt um 3,8% pro Jahr auf circa 7,5 Mrd. US$ zulegen. Auf Titandioxid basierende Produkte sollen laut gleicher Quelle in diesem Zeitraum das mit Abstand größte und zugleich am schnellsten wachsende Marktsegment darstellen.

Rund 950 Unternehmen produzieren in den USA Farben und Lacke, so der Marktforscher First Research. Der ACC erwartet im Beschichtungssegment in den kommenden Jahren eine Konsolidierung, vor allem unter kleinen und mittelgroßen Firmen. Laut gleicher Quelle ist der US-Markt stark konzentriert. Demnach generierten die 50 größten Unternehmen des Sektors 2015 rund 80% des Branchenumsatzes.

Gesetz zur Chemikalienregulierung reformiert

Mit dem "Toxic Substances Control Act" (TSCA) wurde im Sommer 2016 ein maßgebliches Gesetz zur Chemikalienregulierung reformiert. Umstritten waren die Vorschriften, unter welchen Rahmenbedingungen eine Chemikalie zugelassen, reglementiert oder verboten werden soll. Bei der bisherigen Prüfung musste die US-Umweltschutzbehörde EPA den wirtschaftlichen Nutzen gegen die Kosten durch mögliche Gesundheitsgefährdungen abwägen. In den letzten Jahren haben einzelne Bundesstaaten eigene Regelungen erlassen, um einen besseren Schutz vor toxischen Chemikalien zu bieten. Im Juni 2016 unterzeichnete US-Präsident Obama den "Frank R. Lautenberg Chemical Safety for the 21st Century Act". Das Gesetz sieht umfassende Sicherheitsüberprüfungen für neue wie auch für bestehende Chemikalien vor. Die EPA muss zukünftig ihre Entscheidungen ausschließlich im Hinblick auf das Risiko für die Öffentlichkeit treffen. Die American Coatings Association und zahlreiche Branchenunternehmen haben das Gesetz sehr begrüßt. Weitere Informationen finden sich unter http://www.americanchemistry.com/Policy/Chemical-Safety/TSCA.

Der mengenmäßige Output von anorganischen Chemikalien soll laut dem ACC 2016 und 2017 um 1,2 beziehungsweise 3,3% steigen. Die Produktionsvolumina bei Kunststoffen werden gemäß gleicher Quelle um 3,3 beziehungsweise 5,4% zulegen.

Kunststoffproduktion zieht deutlich an

Die Kunststoffindustrie profitiert in den USA von relativ günstigen Ausgangsstoffen (Erdgaskondensate). Laut dem ACC ist die Kunststoffproduktion in den USA 2015 um 2,4% auf circa 110,8 Mrd. Pfund gestiegen. Die höchste Zuwachsrate verbuchte der Verband bei Polyethylen hoher Dichte (HDPE) mit einem Plus von 7,3%. Im 1. Halbjahr 2016 zog der Output an Kunststoffen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,1% an. Aufgrund der insgesamt positiven Entwicklung in den meisten Abnehmerbranchen dürfte sich der positive Trend laut dem ACC im weiteren Jahresverlauf fortsetzen.

Die Automobilindustrie dürfte ihren Bedarf an Kunststoffen mittelfristig deutlich erhöhen. Im Jahr 2015 wurden in die in den USA und Kanada gefertigten Pkw sowie leichten Lkw circa 4,6 Mrd. Pfund an Kunststoffen und Polymer-Verbundstoffen im Wert von rund 6,1 Mrd. US$ verbaut, so der ACC. Marktexperten rechnen damit, dass Plastik in der Automobilproduktion zukünftig wesentlich häufiger für belastete Teile verwendet wird als bisher.

Die Nachfrage nach Kunststoffschaum wird laut dem Informationsportal "Plastics News" zwischen 2015 und 2020 im Durchschnitt um 2,3% pro Jahr auf 8,8 Mrd. Pfund wachsen. Die Verpackungsindustrie soll über diesen Zeitraum die wichtigste Abnehmerbranche bleiben und 2020 rund ein Drittel der Nachfrage auf sich vereinen. Starke Nachfrageimpulse sollen zudem von der Bauwirtschaft nach Schaumstoffdämmung ausgehen.

Die Polyethylen-Produktionskapazität dürfte mittelfristig anziehen. Nach Angaben der Fachzeitung "Petrochemcial Update" vom Mai 2016 sind an der US-Golfküste sieben Ethan-Cracker mit einer Gesamtkapazität von 8,75 Mio. metrischen t Ethylen pro Jahr im Bau. Laut gleicher Quelle dürften fünf von diesen Projekten bis Ende 2017 den Betrieb aufnehmen. Zudem befinden sich gemäß "Petrochemical Update" zehn weitere Anlagen zur Ethylenproduktion in den unterschiedlichsten Bau- beziehungsweise Planungsphasen, vorwiegend an der Golfküste.

Shell gab im Juni 2016 seine endgültige Entscheidung bekannt, nahe Pittsburgh einen Komplex zur Produktion von Polyethylen zu errichten. Nach Unternehmensangaben soll der Startschuss zum Bau zu Jahresbeginn 2018 erfolgen. Die Produktionskapazität soll sich auf rund 1,6 Mio. t Polyethylen pro Jahr sowie das Investitionsvolumen auf rund 3 Mrd. US$ belaufen. Der US-Chemiekonzern Axiall Corporation und die südkoreanische Lotte Chemical starteten im Juni 2016 mit dem Bau eines neuen Ethan-Crackers im US-Bundesstaat Louisiana. Der neue Komplex wird am Axiall-Standort in Lake Charles errichtet. Geplant ist eine Jahreskapazität von 1 Mio. t Ethylen. Rund 1,9 Mrd. US$ an Investitionen sind eingeplant. Der Komplex soll künftig die benachbarten Anlagen von Axiall zur Produktion von Vinylchlorid (VCM) sowie ein von Lotte Chemical am gleichen Standort geplantes neues Werk für Ethylenglycol (MEG) beliefern. Letztgenannte Produktionsstätte soll eine jährliche Produktionskapazität von rund 700.000 t MEG pro Jahr aufweisen.

BASF erklärte derweil im Sommer 2016, den Bau einer Anlage zur Umwandlung von Methan in Propylen bei Freeport (Texas) mit einer Kapazität von 475.000 t pro Jahr auf Eis zu legen. Nicht zuletzt das weltweit stark zunehmende Angebot an Propylen und in Folge dessen fallende Preise gab das Unternehmen gegenüber US-Medien als Grund für die Entscheidung an.

Auf dem Markt für Industriechemikalien waren im 1. Halbjahr zahlreiche Fusionen und Übernahmen zu verzeichnen. Im Juni 2016 kaufte beispielsweise die Westlake Chemical Corp. den Konkurrenten Axiall Corp. für rund 2,4 Mrd. US$ auf. Damit wird das Unternehmen laut Analysten zum zweitgrößten Polyvinylchlorid (PVC)-Hersteller im Land.

Petrochemie rückläufig

Im Zuge der geringen Erdölpreise ist die Rohölproduktion in den USA weiterhin rückläufig. Im Juni 2016 notierte sie mit durchschnittlich circa 8,6 Mio. Barrel pro Tag um 7,4% unter dem Niveau des Vorjahresmonats, so das American Petroleum Institute. Laut der U.S. Energy Information Administration (EIA) soll sich der Negativtrend im 2. Halbjahr 2016 und 2017 fortsetzen. Die Produktion von Erdgaskondensaten wird laut gleicher Quelle weiterhin zulegen. Im Juni 2016 lag der durchschnittliche Output bei rund 3,5 Mio. Barrel pro Tag (+6,8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum).

Erzeugung von Rohöl sowie Erdgaskondensaten (in Mio. Barrel pro Tag; Veränderung in %)
Segment 2015 2016 1) 2017 2) Veränderung 2016/2015 1) Veränderung 2017/2016 2)
Rohöl 9,43 8,60 8,19 -8,8 -4,8
Erdgaskondensate (Natural Gas Plant Liquids) 3,01 3,27 3,48 8,6 6,4

1) Schätzung; 2) Prognose

Quelle: EIA

Zu Jahresbeginn 2016 waren nach Angaben der EIA 139 produzierende Erdölraffinerien im Land zu verzeichnen. Zum Vorjahreszeitpunkt waren es 137 Anlagen. Die Gesamtkapazität notierte laut dem American Petroleum Institute im Juni 2016 bei rund 18,3 Mio. Barrel pro Tag, die durchschnittliche Kapazitätsauslastung lag bei 91,3% (2,7 Prozentpunkte niedriger als zum Vorjahreszeitpunkt).

Die Produktion der bedeutendsten raffinierten Erdölprodukte soll sich laut der EIA 2016 gegenläufig entwickeln. Während der Output an Benzin 2016 kräftig zulegen soll, ist bei Dieselkraftstoff von einem moderaten Rückgang auszugehen.

Nettoproduktion von ausgewählten raffinierten Erdölprodukten (in Mio. Barrel pro Tag)
Segment 2015 2016 *) 2017 *)
Benzin 9,78 10,00 10,09
Dieselkraftstoff 4,97 4,86 4,97
Kerosin 1,59 1,60 1,60
Rückstandsheizöle 0,42 0,41 0,42

*) Prognose

Quelle: EIA

Bei der Benzinherstellung war der Raffineriesektor im 1. Halbjahr 2016 trotz steigender Nachfrage mit Überkapazitäten konfrontiert. Branchenunternehmen gingen zur Jahresmitte teilweise dazu über, den Dieseloutput auf Kosten der Benzinproduktion hochzufahren.

Der Bau der größten Raffinerie im Land seit 40 Jahren schreitet voran. Die kalifornische Meridian Energy Group will im 2. Halbjahr 2016 in North Dakota eine Anlage errichten, die pro Tag 55.000 Barrel an Erdöl verarbeitet. Im Jahr 2019 soll der Produktionsstart erfolgen. Die Raffinerie will das Öl aus dem nahegelegenen ressourcenreichen Bakken-Feld beziehen. Die endgültige Genehmigung für das Projekt hat das Unternehmen allerdings noch nicht erhalten.

US-Raffinerien nehmen umfangreiche Investitionen vor

Laut dem Informationsportal "Oil & Gas Journal" werden die Kapitalinvestitionen von US-Raffinerien 2016 insgesamt um 8% auf etwa 14,6 Mrd. US$ zulegen. Laut gleicher Quelle nehmen Branchenunternehmen im Land umfangreiche Investitionen vor, um Regularien der EPA einhalten zu können. US-Raffinerien werden beispielsweise ab 2018 mit strengeren Standards bezüglich des Ausstoßes giftiger Emissionen konfrontiert. Aufgrund von Verletzungen von bereits bestehenden Emissionsregelungen haben sich die EPA sowie die Branchenunternehmen Tesoro Corp. und Par Hawaii Refining im Juli 2016 auf einen Vergleich geeinigt. Die beiden Unternehmen werden zusammengenommen rund 425 Mio. US$ in Ausrüstungen zur Begrenzung des Emissionsausstoßes in sechs ihrer Raffinerien investieren.

Die großen Raffineriezentren des Landes sind hauptsächlich auf die Verarbeitung mittlerer und schwererer Verbindungen ausgerichtet. Durch den US-Fracking-Boom der letzten Jahre ist es zu einem wachsenden Angebot an leichteren Ölsorten mit geringerer Dichte gekommen. Laut Marktexperten zeigen sich Raffinerien bislang zurückhaltend bei der Umrüstung ihrer Anlagen auf die Verarbeitung lokal gewonnener Rohstoffe.

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Chemische Industrie, allgemein, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie, Agrarchemikalien, Farben u. Lacke, Pigmente

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