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15.10.2015

In den baltischen Staaten steigt die Nachfrage nach deutscher Medizintechnik

Geringe Fertigungstiefe erfordert Importe / Operationelle Programme der EU fördern Investitionen / Von Marc Lehnfeld

Berlin (gtai) - Die Medizintechnikbranche in den baltischen Staaten wächst bis 2019 stark, das geht aus jüngsten Prognosen hervor. Noch ist die inländische Fertigungstiefe aber gering, so dass die Importe überproportional zulegen. Dabei gehört Deutschland für alle drei Staaten zu den wichtigsten Herkunftsländern von medizintechnischen Gütern. Deutsche Unternehmen haben Estland bereits als Produktionsstandort entdeckt. (Internetadressen)

Auch in den nächsten Jahren gehören die baltischen Staaten zu Europas Wachstumsmärkten in der Medizintechnik. Die Analysten von Espicom Business Intelligence erwarten für Litauen mit einer Zunahme von etwa 4,4% im Jahresdurchschnitt von 2014 bis 2019 die stärkste Steigerung im Baltikum. Der litauische Absatz von zahnmedizinischen Produkten könnte sogar um etwa 6,8% jährlich steigen. Für Lettland und Estland prognostiziert Espicom ein jahresdurchschnittliches Wachstum von 2,8 respektive 2,3%. Dabei wird in Lettland die bildgebende Diagnostik mit einem Plus von 4,9% per anno besonders stark zulegen. In Estland kommt die Zahntechnik im Prognosezeitraum auf ein jährliches Plus von 3,4%.

Hohe EU-Förderung für medizintechnische Anschaffungen

Die drei baltischen Staaten haben in den operationellen Programmen der EU-Förderung für die Periode 2014 bis 2020 Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswesens aufgenommen, die auch zu einer hohen Nachfrage von Medizintechnik führen werden. In Estland wird ein operationelles Programm der EU-Förderung im nationalen Gesundheitsplan für die Jahre von 2009 bis 2020 konkretisiert. Das estnische Sozialministerium plant unter anderem die medizinische Versorgung der schrumpfenden Bevölkerung sicherzustellen, indem regionale Kompetenzzentren geschaffen werden.

Bis 2023 sollen in Estland etwa 12 regionale Krankenhäuser und 35 Gesundheitszentren modernisiert werden. Die Maßnahmen umfassen auch Nachfolgeprojekte für die bereits erfolgte Renovierung des nordestnischen Regionalkrankenhauses und der Universitätsklinik in Tartu. Insgesamt erhält die estnische Regierung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) etwa 202,3 Mio. Euro für die Verbesserung des Gesundheitswesens.

Das operationelle Programm "Wachstum und Beschäftigung" der lettischen Regierung will mit einem Ausbau der Gesundheitsversorgung die Lebenserwartung der Bürger, die zu den niedrigsten in der EU gehört, verbessern. Das Programm zielt vor allem auf eine höhere Behandlungsqualität bei kardiovaskulären und onkologischen Erkrankungen sowie auf eine bessere Versorgung in den ländlichen Regionen ab. Es wird mit etwa 225,2 Mio. Euro aus dem EU-Regionalfonds finanziert.

Auch Litauen widmet sich der Verbesserung des Gesundheitssystems in einem von der EU unterstützten operationellen Programm. Die litauische Regierung und die EU werden zwischen 2014 und 2020 etwa 371,2 Mio. Euro in den sozialen Wohnungsbau und in den Ausbau und die Modernisierung von Gesundheitszentren in den Regionen investieren. Damit möchte Litauen - so wie Estland und Lettland - die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum verbessern und bis 2023 etwa 200 Gesundheitszentren ausbauen.

Estland, Lettland und Litauen sind Importmärkte

Die drei baltischen Staaten produzieren ihren Bedarf an Medizintechnik nur in geringem Umfang selbst. Selbst wenn es viele Branchenunternehmen gibt, in Litauen sind fast 300 registriert, bleibt das Fertigungsniveau so gering, dass die Staaten auf Importe angewiesen sind. In Lettland beispielsweise werden etwa 84% der Nachfrage über Einfuhren gedeckt, berichtet Espicom Business Intelligence. Die Importe kommen überwiegend aus den westlichen Ländern.

Branchendaten zur Medizintechnik in Estland, Lettland und Litauen (2013) *)
Estland Lettland Litauen
Unternehmen 81 73 297
Beschäftigte 1.019 580 3.103
Umsatz (in Mio. Euro) 66,4 18,5 117,0

*) Medizintechnik umfasst die Herstellung von Bestrahlungs- und Elektrotherapiegeräten und elektromedizinischen Geräten sowie die Herstellung von medizinischen und zahnmedizinischen Apparaten und Materialien

Quellen: Eurostat, Estnisches Statistikamt, Lettisches Statistikamt, Litauisches Statistikamt

Deutschland ist für alle drei baltischen Länder eine wichtige Bezugsquelle von medizintechnischen Produkten. Für Lettland und Estland ist Deutschland sogar das wichtigste Lieferland.

Steigende Medizintechnikproduktion in Estland und Litauen

Die baltischen Staaten sind für ausländische Unternehmen nicht nur als Absatzmärkte, sondern auch als Produktionsstandort interessant: Der britische Hersteller von Beatmungsgeräten Intersurgical forscht und produziert seit mehr als drei Jahrzehnten im litauischen Ort Pabrade. Auch deutsche Unternehmen sind vertreten: Otto Bock fertigt in Tallinn Prothesen, Karl Storz Videoendoskope. Durch den Aufbau eigener Produktionsstätten erwirtschaften Litauen und Estland einen Außenhandelsüberschuss bei medizintechnischen Gütern.

In allen drei Staaten sind die Medizintechnikexporte zwischen dem Vorkrisenjahr 2008 und dem Jahr 2014 im Jahresdurchschnitt zweistellig gewachsen. Für Litauen und Estland ist Russland immer noch der wichtigste Absatzmarkt. Lettland exportierte 2014 mehr Medizintechnik nach Belarus als nach Russland, das den zweiten Rang belegt.

Außenhandelsdaten zur Medizintechnik in den baltischen Staaten (2014) *)
Estland Lettland Litauen
Import (2014, in Mio. Euro) 84,9 103,3 273,7
.Veränderung im Vergleich zu 2013 (in %) -4,1 -3,6 +27,2
.deutscher Anteil (2014, in %) 26,5 34,8 16,5
.jahresdurchschnittliches Wachstum (2008-2014, in %) 5,4 1,2 13,0
Export (2014, in Mio Euro) 99,2 78,3 308,7
.Veränderung im Vergleich zu 2013 (in %) -3,5 2,0 35,5
.deutscher Anteil (2014, in %) 34,9 5,7 4,0
.jahresdurchschnittliches Wachstum (2008-2014, in %) 10,2 12,2 23,5

*) medizintechnische Güter umfassen die SITC-Codes 774, 741.83, 785.31, 785.36, 872, 899.6

Quellen: Eurostat, Estnisches Statistikamt, Lettisches Statistikamt, Litauisches Statistikamt

Weitere Informationen zur Medizintechnik und weiteren Branchen in den baltischen Staaten bietet die regelmäßig bei Germany Trade & Invest erscheinende Publikationsreihe "Branche kompakt", die nach kurzer Registrierung kostenlos im Internet abgerufen werden kann (Internet: http://www.gtai.de/branche-kompakt).

Internetadressen:

AHK Baltische Staaten

Internet: http://www.ahk-balt.org

Estland:

Sotsiaalministeerium (Sozialministerium)

Internet: http://www.sm.ee

Terviseamet (Gesundheitsamt)

Internet: http://www.terviseamet.ee

Tervise Arengu Instituut (Nationales Institut zur Gesundheitsentwicklung)

Internet: http://www.tai.ee

Eesti Haigekassa (Krankenversicherungsfonds)

Internet: http://www.haigekassa.ee

Ravimiamet (Staatliche Agentur für Medikamente)

Internet: http://www.ravimiamet.ee

Eesti Arstide Liit (Estnischer Ärzteverband)

Internet: http://www.arstideliit.ee

Eesti Arst (Fachzeitschrift)

Internet: http://www.eestiarst.ee

Lettland:

Veselibas ministrija (Gesundheitsministerium)

Internet: http://www.vm.gov.lv

Nacionalis veselibas dienests (Nationaler Gesundheitsdienst)

Internet: http://vec.gov.lv

Veselibas inspekcija (Nationaler Gesundheitsdienst)

Internet: http://vec.gov.lv

Veselibas inspekcija (Gesundheitsinspektion)

Internet: http://www.vi.gov.lv

Zalu valsts agentura (Staatliche Medikamentenagentur)

Internet: http://www.zva.gov.lv

Latvijas medicinas portals (Branchenportal (auf Lettisch))

Internet: http://www.medicine.lv

Litauen:

Lietuvos Respublikos Sveikatos Apsaugos Ministerija (Gesundheitsministerium)

Internet: http://www.sam.lt

Valstybine ligoniu kasa (Staatlicher Patientenfonds, Krankenkasse)

Internet: http://www.vlk.lt

Higienos institutas (Hygiene-Institut)

Internet: http://www.hi.lt

Valstybine akreditavimo sveikatos prieziuros veiklai tarnyba (Staatliche Agentur für Akkreditierungen im Gesundheitswesen)

Internet: http://www.vaspvt.gov.lt

Lietuvos sveikata (Litauens Gesundheit; Portal mit Gesundheitsinformationen)

Internet: http://www.lsveikata.lt

(M.L.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Estland, Lettland, Litauen, Baltische Staaten Medizintechnik, allgemein, Elektromedizin, Dentalmedizin

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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