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17.11.2017

In Indonesien gewinnen Kleinwagen Marktanteile

Quartalszahlen bestätigen Trend zu günstigeren Modellen / China fordert mit erstem Pkw japanische Vormachtstellung heraus / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Die indonesischen Autokäufer gucken stärker auf das Portemonnaie als bisher. Das bestätigen die Pkw-Verkaufszahlen für das 3. Quartal 2017 mit einem Trend zu weniger Pferdestärken unter der Motorhaube in einem insgesamt leicht rückläufigen Markt. Davon können die japanischen Hersteller profitieren. Doch zum ersten Mal droht ihnen im Unter- und Mittelklassesegment Konkurrenz. Denn das chinesische Modell Wuling Confero gibt auf den Straßen des Archipels sein Debüt. (Kontaktadresse)

In Indonesien verstärkt sich der Trend zu kleineren Autos. Denn in den ersten drei Quartalen 2017 waren knapp 30 Prozent aller verkauften Pkw Kleinwagen mit einem Hubraum von unter 1.200 Kubikzentimeter. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es nur 24 Prozent gewesen. Insgesamt wurden 3,3 Prozent weniger Pkw verkauft. Das lässt für das Gesamtjahr 2017 etwa 820.000 Pkw-Verkäufe prognostizieren.

Automobilverkäufe nach Segmenten (in Einheiten, Veränderung in %)
Segment 2016 2017 1) Veränd. 2017/2016 1)
Pkw insgesamt 857.004 601.220 -3,3
.bis 1.200 ccm 2) 223.708 175.103 16,6
.von 1.201 bis 1.500 ccm 480.338 318.982 -10,5
.von 1.501 bis 2.500 ccm (Diesel) bzw. 3.000 ccm (Benzin) 150.765 105.921 -6,9
.über 2.500 ccm (Diesel) bzw. über 3.000 ccm (Benzin) 2.193 1.214 -24,3

1) Zeitraum Januar bis September; 2) steuerbefreite Kleinwagen

Quelle: Gaikindo

Die Zahl der verkauften Kleinwagen steigerte sich von Januar bis September 2017 um 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein Grund dafür: Im Jahr 2013 hatte die Regierung Anreize für sogenannte Low-Cost Green Cars (LCGC) beschlossen. Ausgenommen von der Luxussteuer sind demnach alle in Indonesien mit einem Local-Content-Anteil von mindestens 84 Prozent hergestellten Automobile mit einem Hubraum unter 1.200 Kubikzentimeter (bei Dieselmotoren unter 1.500 Kubikzentimeter) und einer Minimalreichweite von 20 Kilometern pro Liter.

Von dieser Regulierung profitieren vor allem die japanischen Hersteller, die in diesem Segment praktisch über ein Monopol verfügen. Doch das wird nun erstmals herausgefordert. Denn im August 2017 gab das chinesische Modell Wuling Confero, das vor den Toren Jakartas zusammengesetzt wird, sein Debüt. Die Jakarta Post beschwört bereits einen "Autokrieg auf Indonesiens Straßen". Aggressiv ist jedenfalls der Preis des Wuling: Der Siebensitzer, der allerdings nicht als LCGC zählt, kostet in der Basisausführung weniger als 10.000 US-Dollar (US$) und bietet sich so als günstiges Familienauto an.

Allerdings sind indonesische Autokäufer markenbewusst. Selbst koreanische Modelle haben es trotz jahrelanger Marktpräsenz noch immer schwer, auch weil ihr Wiederverkaufswert geringer ist als der von japanischen Wagen. Wuling will schon in diesem Jahr 80.000 Autos produzieren und sukzessive die Modellpalette erweitern.

Deutsche Hersteller verteidigen Premiummarkt

Aber noch haben die japanischen Hersteller den indonesischen Mittel- und Unterklassemarkt fest im Griff: Auf sie entfallen mehr als 95 Prozent der Gesamtverkäufe. Die deutschen Marken besitzen eine ähnliche Stellung im Luxussegment. Sie setzen zwischen 5.000 und 10.000 Autos im Jahr ab und haben einen Marktanteil von unter 1 Prozent. Die absoluten Zahlen sind zu gering, um aus ihnen Trends ablesen zu können.

Verkäufe deutscher Pkw in Indonesien (in Einheiten)
Marke 2015 2016 2017 1)
BMW 2.700 2.506 1.941
Mercedes-Benz 3.863 4.001 1.246 2)
Volkswagen 605 597 360
Audi 204 88 49

1) Zeitraum Januar bis September; 2) seit Mai werden keine Verkaufszahlen gemeldet

Quelle: Gaikindo

Indonesien entwickelt sich als größter Automarkt in der ASEAN und zweitgrößter Produzent (hinter Thailand) auch zu einem Exporthub. Die japanischen Hersteller führten laut Statistiken des indonesischen Verbandes der Automobilhersteller, Gaikindo, in den ersten neun Monaten 2017 insgesamt 170.000 Autos buchstäblich in alle Welt aus, vor allem in andere ASEAN-Länder und die Golfstaaten, aber in kleineren Stückzahlen auch auf den indischen Subkontinent und nach Afrika sowie Mittel- und Südamerika. Hinzu kommen 64.000 komplette Bausätze (CKD - Completely Knocked Down) für die Nachbarstaaten der ASEAN sowie 60 Millionen Komponenten für den Weltmarkt.

Kampf um Treibstoffsubventionen

Das Verkehrsaufkommen in Indonesien wächst und wächst. Laut Statistikamt BPS hat sich die Zahl der registrierten Pkw in Indonesien in den vergangenen zehn Jahren auf 14,4 Millionen mehr als verdoppelt. Hinzu kommen über 100 Millionen Motorroller. Die Individualmobilität nimmt also weiter zu, während der öffentliche Nah- und Fernverkehr längst nicht im selben Maße wächst.

MKT201711168005.14

Im Rahmen dieser Entwicklung folgen die Steueranreize für Kleinwagen nicht nur ökologischen, sondern auch ökonomischen Motiven. Denn Indonesien ist Nettoimporteur von Treibstoffen, die obendrein noch subventioniert werden, um ärmeren Menschen Mobilität zu ermöglichen. Für 2017 hat das Finanzministerium 3,4 Milliarden US$ dafür eingeplant. Die endlosen Staus in den Städten kosten die Volkswirtschaft also enorme Summen.

Präsident Joko Widodo hatte nach seinem Amtsantritt den Ölpreisverfall dazu genutzt, um die über viele Jahre hinweg politisch hart umkämpften Treibstoffsubventionen 2015 um drei Viertel abzubauen. Allerdings muss sich die Politik angesichts der ungebremst zunehmenden Automobilverkäufe auf einen weiter steigenden Bedarf an Benzin und Diesel einstellen.

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Gabungan Industri Kendaraan Motor Indonesia (Gaikindo) http://www.gaikindo.or.id Webseite des Verbandes der indonesischen Automobilindustrie

(FMA)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Personenkraftwagen (Pkw)

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Frank Malerius

Wirtschaft

‎+49 228 24 993 209

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