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17.04.2018

In Macau rollt der Rubel wieder

Wirtschaftswachstum 2017 bei fast 12 Prozent / Einfuhren steigen auf 10 Milliarden US$ / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Die Konjunktur Macaus (SVR) steht und fällt mit dem äußerst volatilen Spielbankgeschäft. Die Wachstumsraten gleichen daher einer Achterbahnfahrt. Eine exakte Prognose ist so gut wie unmöglich. Insgesamt ging es aber in den letzten fünfzehn Jahren steil bergauf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich real verdreifacht. Das freut auch ausländische Firmen, denn die ehemalige portugiesische Kolonie muss praktisch alles importieren. (Kontaktadressen)

Auf die Frage, welche Volkswirtschaft die reichste Asiens sei, antworten viele mit Japan oder Singapur. Wer schlau sein will, bringt das ölreiche Brunei ins Spiel. Tatsächlich liegen alle falsch, denn der Titel steht dem winzigen Macau zu. Sein BIP pro Kopf (zu laufenden Preisen) belief sich 2017 laut dem einheimischen Statistikamt auf fast 78.000 US-Dollar (US$).

Eine weitere Frage lautet: Welches ist das größte Glücksspielparadies der Welt? Auch hier tippen die meisten daneben, indem sie fast ohne zu zögern Las Vegas nennen. Tatsächlich, der Leser wird es schon ahnen, steht der Stadt am Perlflussdelta der Titel zu. Ihre Kasinoeinnahmen übertreffen diejenigen der US-amerikanischen Wüstenstadt um ein Vielfaches.

Macau genießt Status einer Sonderverwaltungsregion

Das Quiz ist noch nicht zu Ende: Ist Macau eigentlich eine chinesische Stadt wie jede andere oder gibt es Besonderheiten? Nur wenige wissen: Sie genießt wie das benachbarte Hongkong den Status einer Sonderverwaltungsregion (SVR), der umfassende Autonomie garantiert. Nach der Rückgabe durch die Portugiesen an die Volksrepublik China 1999 blieb das koloniale Rechtssystem weitgehend unangetastet. Auch die Grenze und die eigene Währung Pataca existieren noch.

Wer zum ersten Mal nach Macau kommt, dem wird schnell klar, dass die Stadt hauptsächlich vom Spielbankgeschäft lebt. Ein Kasino (mit angehängtem Riesenhotel) reiht sich ans andere. Ein Blick auf die Statistik bestätigt den Eindruck: Die Glücksspieleinnahmen steuerten 2017 zu fast einem Drittel zur BIP-Entstehung bei. Einschließlich der ergänzenden Leistungen des Tourismussektors ergibt sich sogar eine Quote von nahezu 50 Prozent.

Doch jeder weiß, dass das Kasinogeschäft ökonomisch und sozial seine Schattenseiten hat. Es handelt sich vor allem um ein sehr zyklisches Business. Die Grafiken zum Wirtschaftswachstum Macaus gleichen daher der Strecke einer Achterbahnfahrt. Zweistellige Zuwachsraten folgen auf ebenso hohe Konjunktureinbrüche, und dies oft innerhalb von nur zwei Jahren.

Zwischen 2009 und 2013 boomt die Wirtschaft. Zahlreiche riesige Kasinobauprojekte führten zu einer BIP-Zunahme von real bis zu über 30 Prozent per anno. Doch danach kam das böse Erwachen. In Folge der Antikorruptionskampagne in der VR China blieben viele spiel- und ausgabefreudige Gäste aus dem benachbarten Festland weg. Das Statistikamt verzeichnete für 2015 einen Rückgang der realen Wirtschaftsleistung von ganzen 18 Prozent.

Wirtschaft wuchs 2017 um real fast 12 Prozent

Doch rascher als erwartet hat sich das Blatt gewendet. Chinesen sind dafür bekannt, schnell die entsprechenden Schlupflöcher zu finden und so kehrten 2017 viele Besucher wieder in die Spielsäle zurück. Die Anzahl der registrierten ausländischen Touristenankünfte stieg laut den offiziellen Statistiken um gut 5 Prozent auf 33 Millionen an. Das BIP legte in Folge um real fast 12 Prozent zum Vorjahr zu.

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Unterm Strich waren in den letzten fünfzehn Jahren die Aufschwungsphasen wesentlich länger und ausgeprägter als die Abschwungsperioden. Daher konnte Macau sein Bruttoinlandsprodukt zwischen 2002 und 2017 real um den Faktor drei steigern. Es dürfte weltweit kaum eine zweite Volkswirtschaft geben, die einen solch kometenhaften Aufstieg genommen hat.

Konkrete Wachstumsprognosen sind angesichts der extremen statistischen Ausschläge schwierig. Landeskenner erwarten, dass sich 2018 die Konjunktur - ähnlich wie in Hongkong - leicht abschwächen könnte. Die Touristenankünfte sind allerdings in den ersten beiden Monaten des Jahres um 8 Prozent gestiegen. Bei den Übernachtungsgästen, die in der Regel mehr ausgeben, betrug das Wachstum sogar 11 Prozent. Das spricht wiederum für eine Beschleunigung des Aufschwungs.

Bevölkerung sieht Casinoboom mit gemischten Gefühlen

Wieviel vom Wirtschaftsboom Macaus der letzten fünfzehn Jahre kam tatsächlich bei der Bevölkerung an? Ein Großteil des verdienten Geldes dürfte direkt in die Taschen der Kasinobesitzer geflossen sein. Insofern sind die Rekord Pro-Kopf-Einkommen mit einer gehörigen Portion Vorsicht zu genießen.

Macau im Überblick (2017)
Bevölkerung (in Mio.) 1) 0,7
BIP (in Mrd. US$) 2) 53,4
BIP pro Kopf (in US$) 2) 77.600
Importe (in Mrd. US$) 10,0
Exporte (in Mrd. US$) 1,5
Wirtschaftswachstum (real, in %) 11,6
Arbeitslosenquote (in %) 3) 1,9
Ausländische Touristenankünfte (in Mio.) 32,6

1) Zum Jahresende; 2) Zu laufenden Preisen; 3) Für Dezember 2017 bis Februar 2018

Quelle: Statistikamt Macau

Um einen Job muss sich allerdings niemand Sorgen machen. Der Arbeitsmarkt ist praktisch leergefegt und kann nur mit Hilfe von Einwanderern aus dem benachbarten chinesischen Festland ausreichend versorgt werden. Das zeigen auch die offiziellen Zahlen: Im Dreimonatszeitraum Dezember 2017 bis Februar 2018 belief sich die durchschnittliche Erwerbslosenquote auf 1,9 Prozent. Spätestens ab Werten von unter 3 Prozent sprechen Volkswirte von Vollbeschäftigung.

Als zyklisch erweist sich in Macau nicht nur das Spielbankgeschäft, sondern auch - allerdings weniger stark ausgeprägt - der Außenhandel. Da es praktisch kein verarbeitendes Gewerbe mehr gibt, muss das Las Vegas Asiens alle Güter im Ausland einkaufen. Einzelne Bauprojekte können die Einfuhren anschwellen und nach Beendigung wieder abflauen lassen. Nachdem die Importe der SVR 2016 noch zweistellig zurückgegangen waren, legten sie 2017 um 6 Prozent auf 10 Milliarden US$ zu.

Einfuhren bestehen zu drei Vierteln aus Konsumgütern

Die Einfuhren bestanden 2017 zu über 70 Prozent aus Konsumgütern einschließlich Kraftfahrzeugen. Dabei machten Nahrungsmittel und Getränke mit knapp 1,6 Milliarden US$ die größte Position aus. Auf Rang zwei und drei folgten Textilien/Bekleidung und Mobiltelefone mit rund 800 Millionen beziehungsweise mehr als 600 Millionen US$. Die Importe von Pkw und Motorrädern summierten sich lediglich auf gut 200 Millionen US$.

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Die Einfuhren aus Deutschland beliefen sich 2017 auf rund 220 Millionen US$. Gegenüber dem Vorjahr sind sie damit um gut 6 Prozent gestiegen. Sie liegen damit aber immer noch um 40 Prozent unterhalb dem Niveau von 2014. Grund dafür war ein starker Rückgang der Kraftfahrzeugzulassungen und -importe im vorliegenden Zeitraum. Der Sektor wird traditionell von deutschen Anbietern dominiert.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadressen Anmerkung
Statistics and Census Service http://www.dsec.gov.mo/home_enus.aspx (Startseite); http://www.dsec.gov.mo/PredefinedReport.aspx?ReportID=26 (Einfuhren nach Warenkategorie); http://www.dsec.gov.mo/PredefinedReport.aspx?ReportID=25 (Einfuhren nach Lieferländern) Statistikamt SVR Macau

(R.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Macau, SVR Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Konjunktur, allgemein

Kontakt

Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

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