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22.10.2018

In Usbekistans Weinbranche bricht eine neue Ära an

Hersteller wollen bis 2021 die Produktion um zwei Fünftel steigern/ Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Die Regierung lockert Regelungen für die Produktion und den Verkauf von Wein und Spirituosen. Ausbauprojekte für 280 Millionen US-Dollar sollen den usbekischen Weinmarkt beleben.

Die zentralasiatische Republik Usbekistan nutzt ihr großes Potenzial in der Weinherstellung nur in einem bescheidenen Maße. Das soll sich künftig ändern. Die Regierung hat mehrere Initiativen für einen beschleunigten Ausbau der Branche auf den Weg gebracht. Hierzu zählen der Abbau bürokratischer Regelungen, die Förderung von Erneuerungs- und Ausbauprojekten sowie die Entwicklung des Weintourismus als Instrument der Direktvermarktung.

Branchengesellschaft baut integrierten Weinbau aus

Die Betriebe der Aktiengesellschaft O´zsharobsanoat, der zentralen Vereinigung für die Wein-und Spirituosenherstellung, haben sich für die Zukunft viel vorgenommen: Im Jahr 2021 wollen sie 29 Millionen Liter Wein produzieren. Dies entspricht einem Zuwachs um zwei Fünftel gegenüber 2017. Bei der Umsetzung dieses Ziels setzt die Gesellschaft auf den Ausbau eines integrierten Weinbaus, der alle Phasen der Produktion, von der Traubenerzeugung bis zur Herstellung von Weinen und anderen Traubenprodukten umfasst. Auch in der Sparte Spirituosen gibt es Modernisierungs- und Ausbaupläne.

Unter dem Dach von O´zsharobsanoat sind alle 61 usbekischen Hersteller von Wein und Spirituosen, vier Produzenten von Äthylalkohol, zwei Glasfabriken sowie zahlreiche Firmen für die Rohstoffbeschaffung und für den branchenbezogenen Groß- und Einzelhandel tätig. Am Stammkapital von 13 Betrieben für die Wein- und Spirituosenherstellung sind ausländischen Investoren beteiligt. Die Vereinigung untersteht dem Fachbereich des Ministerkabinetts der Republik Usbekistan, der für Investitionen, innovative Entwicklung, Frei- und Industriezonen sowie für Tourismus zuständig ist.

Hersteller erwarten für 2018 einen Handelsumsatz von 400 Millionen US-Dollar

Die Produzenten verfügen über Kapazitäten für die jährliche Verarbeitung von bis zu 216.000 Tonnen Weintrauben, die Produktion von 50 Millionen Liter Wein, 190 Millionen Liter Spirituosen, 2,8 Millionen Flaschen Schaumwein, 1,2 Millionen Liter Weinbrand sowie gut 70 Millionen Liter Äthylalkohol. Das Produktionssortiment umfasst rund 1.900 Spirituosenerzeugnisse, 344 Tisch- und Qualitätsweine sowie 20 Schaumweine.

Künftig sollen auch weltbekannte Weinsorten wie Chardonnay und Sauvignon Blanc (Weißweine) oder Pinot noir (Rotwein) die Produktpalette ergänzen. Für 2018 erwartet das Management von O´zsharobsanoat einen Einzelhandelsumsatz von umgerechnet knapp 400 Millionen US-Dollar (US$). Die Exporte sollen ein Volumen von 16,2 Millionen US$ erreichen. Der Umsatz von ins Ausland verkaufter Fertigerzeugnisse soll bei 1,2 Millionen US$ liegen. Davon ist die Ausfuhr von Verpackungsglas nicht mit eingerechnet.

Bis 2022 werden 57 Vorhaben realisiert

Die Betriebe der Gesellschaft O´zsharobsanoat investieren im Jahr 2018 bis zu 55 Millionen US$ in ihre Kapazitäten. Für die Jahre 2018 bis 2022 sind Projekte für insgesamt 280 Millionen US$ avisiert. Darunter gibt es 34 Vorhaben für die Selektierung, Maischung und Pressen der Weintrauben sowie den Ausbau von Keltereien, die den Wein vorrangig in Fässern herstellen. Weitere 23 Projekte sind bei der Abfüllung von Wein und Spirituosen sowie die Sektherstellung geplant. Vier Investitionsvorhaben stehen in der Produktion von wiederholt destillierten Äthylalkohol an.

Prognosen für die Produktion von Wein, Spirituosen und Äthylalkohol (in Mio. Liter) *)
Kennziffer 2017 (Ist) 2018 2021 Veränderung 2021:2017 (in %)
Wein 20,7 24,9 29,0 40,1
Wodka und Liköre 63,3 64,1 65,1 2,8
Weinbrand (in 1.000 Liter) 789,6 780,0 880,0 11,4
Sekt 0,4 0,6 1,1 83,0
Neutraler Äthylalkohol aus Weizen 71,0 71,1 72,7 2,4

*) Unternehmen der Gesellschaft O´zsharobsanoat

Quelle: Entwicklungsprogramm von O´zsharobsanoat

Regierung erlaubt Direktvermarktung

Als eine wesentliche Voraussetzung für den Ausbau der Weinproduktion gilt die im Frühjahr 2018 beschlossene Umstrukturierung bestehender Plantagen. Die Anbauflächen werden demnach zu größeren Einheiten von mindestens 100 Hektar zusammengefasst. Für die Produktion von Qualitätswein sollen entsprechend neue Anbauflächen zur Verfügung stehen. Bis zu 20.000 Hektar will die Regierung bereitstellen.

Die Besitzer der umstrukturierten Weingärten dürfen ab dem 1. Januar 2019 ihre produzierten Reben selbst verarbeiten. Damit erlaubt die Regierung den Weinbauern, mehr eigene Produktionen von Qualitätswein, Naturwein sowie Weinbrand auf den Markt zu bringen. Demnach dürfen sie ihre Produkte flaschenweise an private Kunden verkaufen und Weinverkostungen veranstalten. Der Weintourismus soll somit beschleunigt entwickelt werden.

Vorzüge für Produzenten und Verarbeiter von Qualitätsrebsorten

Produzenten und Verarbeiter von Qualitätsrebsorten gewährt die Regierung bis Ende 2024 Vorzugbedingungen. Sie zahlen keine Grundsteuer, können zinsgünstige Kredite für die Beschaffung von Investitions- und Verbrauchsgütern für den Weinbau erhalten und haben Anspruch auf einen zollfreien Import von Materialien, Zwischenprodukten und Pflanzenschutzmitteln, sofern diese im Inland nicht oder in unzureichendem Maße produziert werden. Der gewährte Kreditzinssatz entspricht dem bei der Kreditaufnahme geltenden Refinanzierungssatz der Zentralbank Usbekistans. Weitere Gesetzänderungen, die das Geschäft der Weinproduzenten erleichtern sollen, betreffen der Aufhebung der Lizenzierungspflicht für die Weinproduktion sowie die Abschaffung von Beschränkungen für die Weinwerbung.

Branchengesellschaft O´zsharobsanoat vergrößert Anbauflächen

Zudem will die Aktiengesellschaft O´zsharobsanoat ihre eigenen Flächen für den Rebanbau von heute etwa 6.000 Hektar auf 10.000 Hektar ausweiten. Dafür muss sich die Branchengesellschaft mit dem Staatlichen Komitee für Geologie abstimmen, um einen gute beschaffenen Boden und eine ausreichende Wasserversorgung zu erhalten. Zudem will die Gesellschaft bis 2021 ein Register für Qualitäts-Weinanbaugebiete schaffen.

Im Jahr 2017 wurden im Land mehr als 1,6 Millionen Tonnen Weintrauben geerntet. Hinter der Erntemenge standen jeweils zur Hälfe Farmerwirtschaften und private Nebenwirtschaften der Bevölkerung. Ein Drittel bis zwei Fünftel des jährlichen Aufkommens entfallen auf die Region Samarkand (2017: 617.000 Tonnen). Andere bedeutende Weinanbaugebiete sind die Verwaltungsgebiete Buchara (189.000 Tonnen), Fergana (150.200 Tonnen), Namangan (118.400 Tonnen) und Taschkent (111.800 Tonnen). In den letzten Jahren wurden vom jährlichen Gesamtaufkommen im Schnitt etwa 400.000 Tonnen einer Verarbeitung zugeführt.

Entwicklung der Anbauflächen und der Produktion von Weintrauben in Usbekistan
Kennziffer 2014 2015 2016 2017
Anbaufläche (in 1.000 ha) 128,9 128,3 131,2 114,5
.Rebfläche im Ertrag 119,4 118,7 122,4 103,6
Erntemenge (in 1.000 t) 1.441,2 1.579,3 1.735,8 1.625,5
.Bauernwirtschaften (private Nebenwirtschaften der Bevölkerung) 653,1 711,1 788,8 862,1
.Farmerwirtschaften (offiziell registrierte Agrarproduzenten 765,5 843,8 921,4 740,6
.Landwirtschaftliche Betriebe 22,6 24,5 26,6 22,8
Ertrag je Hektar (in Tonnen) 12,1 13,3 14,2 15,7
.Bauernwirtschaften (private Nebenwirtschaften der Bevölkerung) 17,5 18,9 20,0 22,6
.Farmerwirtschaften (offiziell registrierte Agrarproduzenten) 9,7 10,8 11,6 12,0
.Landwirtschaftliche Betriebe 8,2 7,8 8,0 6,1

Quellen: Ministerium für Landwirtschaft Usbekistans, Staatliches Komitee für Statistik Usbekistans

Kontaktadresse

O´zsharobsanoat AJ (Usbekische Weinindustrie AG)

Ansprechpartner Otabek Sadikovich Mustafaev, Vorstandsvorsitzender

Abay k-si 6, 100011 Taschkent/Usbekistan

T +99871 244 27 56, -244 06 37, - 244 39 47

F +99871 244 17 11, 244 50 54

rais@vinsanoat.uz, ved@vinsanoat.uz (Abt. Außenwirtschaft)

http://www.vinsanoat.uz.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Pflanzenproduktion, Getränke

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