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14.07.2015

Indonesien lebt von seinen riesigen Rohstoffvorkommen

Regierung forciert Bau von Hüttenwerken / Archipel verfügt über große Gasreserven / Von Roland Rohde

Jakarta (gtai) - Seit Jahren hatte Indonesiens Regierung ein Exportverbot für unverarbeitete Mineralerze angekündigt, Anfang 2014 machte sie damit Ernst. Zum Glück hatten die Bergwerke massiv auf Halde produziert. Denn Japan und China sind auf die Metallzulieferungen angewiesen. Deshalb wollen die Firmen neue Hüttenwerke auf dem Archipel bauen. Die Investitionen in den Erdöl- und Gassektor dürften allerdings 2015 einbrechen. Die riesigen Schiefergasreserven bleiben vorerst im Boden. (Internetadresse)

Indonesiens Rohstoffsektor schaut auf ein extrem schwieriges Jahr 2014 zurück. So verbot die Regierung im Januar den Export von bestimmten unverarbeiteten Mineralerzen. Lange war dieser Schritt angekündigt worden, doch bis zum Schluss rechneten die Marktteilnehmer nicht damit, dass der Staat tatsächlich Ernst machen würde. Immerhin hatten die meisten Bergwerke kräftig auf Halde produziert.

Mit dem Exportverbot will die Regierung erreichen, dass neue Metallschmelzen gebaut werden und somit mehr Wertschöpfung in Inland bleibt. Zahlreiche in- und ausländische Firmen haben inzwischen entsprechende Pläne vorgelegt. Wenn diese nach Ansicht der indonesischen Seite ernsthaft verfolgt werden, könnten durchaus vorübergehende Ausnahegenehmigungen erteilt werden.

Den ausländischen Investoren bleibt im Prinzip nicht viel anderes übrig, als sich dem Druck zu beugen. Die Fahrzeugindustrie - aber auch andere Branchen - in Japan, Korea (Rep.) oder der VR China sind dringend auf die indonesischen Zulieferungen angewiesen. Sie beziehen traditionell große Mengen an Nickelerzen und Bauxit aus dem südostasiatischen Archipel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass aus diesen drei Ländern besonders viel Interesse am Bau von Hüttenwerken kommt.

Rohstoffausfuhren brachen 2014 ein

Vorläufig muss sich Indonesien jedoch infolge des Exportverbots mit Einnahmeverlusten abfinden. Diese schmerzen umso empfindlicher, als das Land trotz seines enormen Rohstoffreichtums seit 2012 Handelsbilanzdefizite einfährt. Im Jahr 2014 sank laut Aussagen des Handelsministeriums die Ausfuhr von Bergbauprodukten (ohne Erdöl und Gas) um 27% zum Vorjahr auf umgerechnet 23 Mrd. US$. Bauxit- und Nickelerzexporte, die 2013 noch bei 3 Mrd. $ gelegen hatten, kamen zwischen Februar und Dezember 2014 praktisch völlig zum Erliegen.

Manche große Bergbauunternehmen spielen daher auf Zeit. Sie versuchen, die Errichtung von Metallschmelzen so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Regierung werde angesichts des Leistungsbilanzdefizits Ausnahmegenehmigungen erteilen. Diese Kalkulation wurde nicht enttäuscht. So erhielten PT Freeport und PT Newmont 2015 entsprechende Bewilligungen für ihre Kupferausfuhren.

Die Regierung kann sich eine derartige Großzügigkeit durchaus leisten, denn die Liste der angekündigten Investitionsvorhaben ist lang. Praktisch wöchentlich sickern entsprechende Pläne an die Öffentlichkeit durch. Laut dem indonesischen Industrieministerium befanden sich Anfang 2015 insgesamt 27 Schmelzhüttenvorhaben mit einem Investitionsvolumen von 35 Mrd. $ in der Pipeline.

Die Stimmung im Kohlebergbau war 2014 kaum besser als im Mineralerzsegment, da die Weltmarktpreise für Kohle eingebrochen waren. Indonesien mauserte sich in den vergangenen Jahren zu einem führenden Branchenexporteur und -förderer. 2013 belief sich der landesweite Ausstoß laut dem Ministry of Energy and Mineral Resources auf rund 450 Mio. t. Gegenüber 2003 kam dies einer Zunahme um das Fünffache gleich. 2014 soll die Fördermenge nur minimal auf 458 Mio. t gestiegen sein. Für 2015 wird ein Rückgang auf 425 Mio. t erwartet. Viele Bergwerke schränken angesichts der niedrigen Preise ihren Betrieb ein.

Die Kohleausfuhren summierten sich 2013 gemäß dem Ministerium auf 328 Mio. t. Dem standen entsprechende Einfuhren von 110 Mio. t gegenüber. Die wertmäßigen Branchenexporte sanken laut Zentralbank trotz einer Mengensteigerung zwischen 2012 und 2014 von umgerechnet 26 Mrd. auf 21 Mrd. $. Indonesische Kohle geht zu zwei Dritteln nach Asien. Sie ist für ihren niedrigen Schwefelgehalt bekannt und erfreut sich in Ländern wie Indien oder China, die mit einer hohen Luftbelastung kämpfen, großer Beliebtheit.

Bergwerke förderten wegen Exportverbots massiv auf Halde

Bei mehreren Mineralerzen gab es in jüngster Vergangenheit eine nochmals größere Zunahme der Fördermengen als bei Kohle, vor allem weil die Bergbauunternehmen angesichts des sich abzeichnenden Exportverbots seit 2010/11 massiv auf Halde produziert hatten. So legte die Nickelförderung zwischen 2004 und 2012 um das Siebzehnfache auf 36 Mio. t zu. Bei Bauxit gab es in dem vorliegenden Zeitraum eine Steigerung um den Faktor 19 auf knapp 25 Mio. t.

1) 2013; 2) 2011

Quelle: Nationales Statistikamt BPS, Angaben zur Kohle: Ministry of Energy and Mineral Resources

Insgesamt steuerte der Rohstoffsektor 2014 laut Angaben des nationalen Statistikamtes BPS 10,5% zur Entstehung des Bruttoinlandsproduktes bei. In den Jahren 2012 und 2013 lag die entsprechende Quote noch bei jeweils 11,8%. Der verhältnismäßig starke Rückgang ist vor allem auf die Schwäche des Erdöl- und Gassektors zurückzuführen. Seine Wertschöpfung nahm zwischen 2010 und 2014 um real 11% ab. Der klassische Bergbau konnte im selben Zeitraum ein Plus von 16% verbuchen.

Veränderung der Wertschöpfung im Rohstoffsektor (in % zum Vorjahr)
Jahr Insgesamt, davon Bergbau Erdöl und Gas
2009 4,5 10,9 0,1
2010 3,9 7,3 1,0
2011 1,6 3,4 -1,0
2012 1,6 6,6 -3,6
2013 1,4 5,3 -3,2
2014 -0,2 0,2 -2,6

Quelle: Nationales Statistikamt BPS

Auf absehbare Zeit wird der Rohstoffsektor seine dominierende Position in der indonesischen Volkswirtschaft beibehalten, möglicherweise sogar ausbauen. Die Ressourcen des Archipels sind immens und nur ansatzweise erschlossen. Die nachgewiesenen Bauxitvorkommen etwa belaufen sich laut Energieministerium auf 775 Mio. t. Hinzu kommen noch einmal Reserven im Umfang von 250 Mio. t. Bei Nickel summieren sich die Ressourcen auf über 2 Mrd. t.

Rohstoffvorkommen (in Mrd. t)
Rohstoff Ressourcen Reserven Insgesamt
Erze Metalle Erze Metalle
Gold 5.386,8 <0,1 4.231,3 <0,1 9.618,1
Kupfer 4.925,1 82,5 4.161,4 31,6 9.200,6
Silber 3.405,5 0,8 4.103,5 <0,1 7.509,8
Nickel 2.057,8 32,7 363,9 5,8 2.460,2
Eisensand 1.647,8 148,9 248,6 0,3 2.045,6
Eisenlaterit 1.462,4 591,8 106,0 24,2 2.184,3
Gold (alluvial) 1.455,1 <0,1 16,9 <0,1 1.472,0
Kobalt 1.142,7 1,4 n.V. n.V. 1.144,1
Titanlaterit 741,3 3,0 n.V. n.V. 744,3
Molybdän 685,0 0,2 n.V. n.V. 685,2
Bauxit 552,0 223,8 179,5 73,1 1.028,2
Eisen 393,2 206,1 2,2 1,4 602,9
Blei 363,3 10,5 1,6 0,6 376,0
Zinn 354,4 2,1 0,7 0,6 357,8
Platin 115,0 <0,1 n.V. n.V. 115,0
Titan (placer) 71,3 7,2 1,5 0,1 80,1
Quecksilber 32,3 <0,1 n.V. n.V. 32,3
Eisensediment 23,7 15,5 n.V. n.V. 39,2
Mangan 10,9 6,0 0,9 0,6 18,4
Chrom 7,4 3,2 n.V. n.V. 10,6
Zink 0,6 5,8 6,9 1,0 14,3

Quelle: Ministry of Energy and Mineral Resources

Auch im Öl- und Gassektor erscheinen die verfügbaren Ressourcen riesig. Jedoch wurde in den letzten Jahren viel zu wenig in die Erschließung neuer Felder investiert. Deshalb sank die Förderung zwischen 2000 und 2013 von über 500 Mio. auf nur noch 300 Mio. Barrel Öl. Seit 2008 ist das ehemalige OPEC-Mitglied Indonesien Nettoimporteur von Erdöl. Um 2020 wird zudem die geförderte Gasmenge (2013: 3 Bill. Kubikfuß) nicht mehr ausreichen, um den einheimischen Bedarf zu decken.

Die niedrigen Öl- und Gaspreise dürften Investitionsbereitschaft und Fördermengen kurzfristig weiter drücken. Doch langfristig wollen in- und ausländische Konzerne in Indonesien expandieren, denn der Archipel verfügt über umfangreiche Offshore-Vorkommen an Erdöl. Daneben existieren riesige Schiefergasreserven, die sich nach Schätzungen des Energieministeriums auf nahezu 600 Bill. Kubikfuß summieren.

Energiereserven Indonesiens (Stand: 2013)
Energieform nachgewiesen wahrscheinlich Insgesamt
Erdöl (in Mrd. Barrel) 3,7 3,9 7,6
Erdgas (konventionell, in Bill. Kubikfuß) 101,5 48,9 150,4
Schiefergas (in Bill. Kubikfuß) n.V. 574,0 574,0
Kohle (in Mrd. t) 120,5 31,4 151,9

Quelle: Ministry of Energy and Mineral Resources

Internetadresse:

Ministry of Energy and Mineral Resources (Energie- und Bergbauministerium)

Internet: http://www.esdm.go.id

(R.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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