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07.08.2015

Indonesiens Außenhandel befindet sich im freien Fall

Importe und Exporte sinken auch im Jahr 2015 weiter / Umsätze deutscher Firmen bleiben nicht verschont / Von Roland Rohde

Jakarta (gtai) - Für Indonesiens Außenwirtschaft hatte der neue Präsident, Joko Widodo, eigentlich einen Umschwung angekündigt. Nachdem die Warenexporte zwischen 2011 und 2014 stetig zurückgegangen waren, sollten sie 2015 um ganze 25% zulegen. Doch die hochfliegenden Pläne waren bereits im Sommer des Jahres Makulatur. So sanken die Ausfuhren im 1. Halbjahr um 12%, die Einfuhren gingen sogar um 18% zurück. Die einheimischen Unternehmen kauften deutlich weniger Maschinen im Ausland.

Der Außenhandel bleibt für Indonesiens Politiker das große Sorgenkind. Zwischen 2011 und 2014 gingen die Warenexporte kontinuierlich zurück und ein Ende des Abwärtstrends zeichnet sich immer noch nicht ab. Zudem fährt das Land trotz seines Rohstoffreichtums seit 2012 Handels- und Leistungsbilanzdefizite ein. Die indonesische Rupiah rutschte in Folge im Frühjahr 2015 auf einen historischen Tiefststand.

Doch die Exportwirtschaft konnte von der schwachen Währung nur bedingt profitieren. Die Ausfuhren des Archipels bestehen überwiegend aus Rohstoffen und wenig verarbeiteten Primärgütern wie Palmöl oder Kautschuk. Für diese gelten weltweit einheitliche Preise, welche sich aktuell auf einem niedrigen Niveau befinden. Zudem sank die indonesische Förderung beziehungsweise Produktion in vielen Sparten.

In den letzten Jahren wurde sehr wenig in die Erforschung neuer Ölvorkommen investiert. Die existierenden Felder generieren nur noch sinkende Mengen. Schon vor geraumer Zeit hat sich das einstige OPEC-Land zum Nettoimporteur von Rohöl und Kraftstoffen gewandelt. Die Öl- und Gasausfuhren sanken zwischen Januar und Juni 2015 laut nationalem Statistikamt BPS um 36% gegenüber dem Vorjahr auf rund 10 Mrd. US$.

Die Außenwirtschaft leidet zudem unter dem zum Januar 2014 in Kraft getretenen Exportverbot für unverarbeitete Mineralerze. Die Regierung will mit dieser Regelung mehr Wertschöpfung im Land ansiedeln. Tatsächlich haben viele Unternehmen die Errichtung von Hüttenwerken angekündigt beziehungsweise bereits mit deren Bau begonnen. Doch vorübergehend muss sich das Land mit Einnahmeverlusten abfinden.

Bereits 2014 sanken die Exporte von Bergbauprodukten gemäß BPS um über ein Viertel zum Vorjahr. In den ersten beiden Quartalen 2015 betrug der Rückgang nur noch 10%, unter anderem weil die Behörden vorübergehende und mengenmäßig beschränkte Ausfuhrgenehmigungen für bestimmte Erze (in Rohform) erteilt hatten.

Industriegüterausfuhren legen zu

Die Ausfuhren von Industriegütern befinden sich derweil im Aufwind. So profitiert beispielsweise der Textilsektor von der schwachen Währung und den im Vergleich zu Konkurrenten wie der VR China immer noch niedrigen Löhnen. Immer mehr Firmen verlagern aktuell Fertigungsschritte aus dem "Reich der Mitte", das zusätzlich mit einer massiven Aufwertung des Renminbi zu kämpfen hat, in echte "Billiglohnländer".

Zwar gehen viele Investoren lieber gleich nach Vietnam oder Myanmar. Doch einige zieht es auch nach Indonesien. Wie ein in Hongkong (SVR) ansässiger deutscher Unternehmer berichtete, kann der Archipel mit seinem riesigen Inlandsmarkt punkten. So verlagern heute immer weniger Firmen ihre Fertigung aus reinen Kostengesichtspunkten. Zwischen 2010 und 2014 steigerten daher die indonesischen Schuhersteller laut Handelsministerium ihre Auslandsumsätze um zwei Drittel auf über 4 Mrd. $.

Noch erfolgreicher war die Schmuckindustrie. So verzeichnete die Behörde für den vorliegenden Zeitraum einen Anstieg der Branchenausfuhren um mehr als das Dreifache auf 4,6 Mrd. $. In den ersten sechs Monaten 2015 legten die Schmuckexporte gemäß nationalem Statistikamt noch einmal um nahezu ein Drittel zu.

Doch insgesamt spielt das verarbeitende Gewerbe Indonesiens gemessen an Ausstoß und Exporttätigkeit immer noch eine vergleichsweise unbedeutende Rolle. Daher kann es auch den starken Rückgang der Auslandsumsätze des Primärsektors allenfalls ein wenig abfedern. So sanken die gesamten Warenausfuhren des Landes gemäß BPS im 1. Halbjahr 2015 trotz steigender Industriegütereinfuhren um ganze 12% auf rund 78 Mrd. $.

Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit Ausfuhren in Höhe von weniger als 160 Mrd. $. Das ist für ein derart bedeutendes Land - über 250 Mio. Einwohner, größte Volkswirtschaft Südostasiens - ein äußerst geringer Wert. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 exportierte die chinesische Stadt Shenzhen (Bevölkerung: 11 Mio.) laut zuständiger Provinzregierung Waren im Wert von 284 Mrd. $. Zudem bestanden ihre Ausfuhren fast ausschließlich aus Industriegütern, vielfach sogar aus Hightech-Produkten.

Warenimporte sinken, Regierung setzt Zollsätze herauf

Bei den Importen stellte sich derweil ein beinahe schon dramatischer Rückgang ein. Sie sanken laut BPS in den ersten beiden Quartalen 2015 um ganze 18% auf 74 Mrd. $. Bis zum Dezember wird nur noch ein Wert von etwa 150 Mrd. $ erwartet. Da die Regierung zudem im Sommer 2015 die Einfuhrzollsätze für bestimmte Waren kräftig heraufsetzte, steht dem Erreichen eines Handelsbilanzüberschusses nichts mehr im Weg.

Indonesiens Außenhandel (in Mrd. US$)
Jahr Exporte Importe Überschuss/Defizit 1)
2008 137,0 129,2 7,8
2009 116,5 96,8 19,7
2010 157,8 135,7 21,9
2011 203,5 177,4 26,1
2012 190,0 191,7 -1,7
2013 182,6 186,6 -4,0
2014 176,3 178,2 -1,9
2015 2) 155,0 bis 160,0 Um 150,0 5,0 bis 10,0

1) Rundungsfehler; 2) Hochrechnung

Quelle: Nationales Statistikamt BPS

Doch eine derart merkantilistische Sichtweise greift zu kurz, denn die Einfuhren des Landes bestehen zu über 90% aus Maschinen, Anlagen sowie Rohstoffen und Vorprodukten. Sie werden vielfach dringend benötigt, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Gehen die entsprechenden Importe zurück, folgt oftmals eine sich abschwächende Konjunktur beziehungsweise eine nachlassende Investitionstätigkeit.

Indonesien Wareneinfuhren nach Verwendungszweck (in Mrd. US$, Veränderung und Anteil an Gesamteinfuhr in %)
Kategorie 2014 1. Halbjahr 2015 Veränderung 1. Hj. 2015 / 1. Hj. 2014 Anteil 1. Hj. 2015
Rohstoffe, Vorprodukte und Hilfsgüter 136,2 55,9 -18,8 75,6
Investitionsgüter 29,3 12,6 -15,0 17,1
Konsumgüter 12,7 5,4 -13,8 7,3
Insgesamt 178,2 73,9 -17,8 100,0

Quelle: Statistikamt BPS

Indonesien muss nahezu seine gesamte Fertigungstechnologie im Ausland einkaufen. Im Jahr 2014 beliefen sich die Maschinen- und Anlageneinfuhren der HS-Zolltarifposition 84 gemäß BPS auf rund 26 Mrd. $, ein Minus von 5% zu 2013. Im 1. Halbjahr 2015 verstärkte sich der Abwärtstrend deutlich: Die entsprechenden Importe sanken um 14%.

Nur wenige Einfuhrkategorien im Plus

In einigen Güterkategorien gab es jedoch Zuwächse, so beispielsweise bei Schiffen. Indonesien soll nach dem Willen des Präsidenten zur "globalen maritimen Achse" aufsteigen. Zu diesem Zweck sollen zahlreiche neue Schiffsverbindungen ins Leben gerufen sowie die Anzahl der verkehrenden Frachter und Fähren merklich erhöht werden.

Indonesiens Einfuhr nach Warengruppen (in Mrd. US$, Veränderung in %)
HS-Zolltarifposition Warenbezeichnung 2014 1. Hj. 2015 Veränderung 1. Hj. 2015 / 1. Hj. 2014
84 Maschinen und Anlagen 25,8 11,3 -13,6
85 Elektronik und Elektrotechnik 17,2 7,9 -11,4
39 Kunststoffe und Kunststoffprodukte 7,8 3,5 -9,2
87 Kraftfahrzeuge 6,3 2,8 -13,9
73 Waren aus Eisen oder Stahl 4,3 1,9 -11,6
23 Tierfutter und Rückstände der Lebensmittelindustrie 3,3 1,5 -6,2
17 Zucker und Süßwaren 1,6 0,8 -17,9
12 Ölsamen und ölhaltige Früchte 1,5 0,8 -21,4
89 Schiffe und andere Wasserfahrzeuge 1,2 0,7 37,2

Quelle: Statistikamt BPS

Vom schwachen Importgeschäft sind alle wichtigen Lieferländer betroffen. Der Platzhirsch China konnte jedoch seine Führungsposition ausbauen, denn seine Umsätze in Indonesien schrumpften laut BPS im 1. Halbjahr 2015 nur um 3%. Japan, der wichtigste Anbieter von Fertigungstechnologie, musste derweil ein Minus von 17% einstecken. Für Deutschland betrug der Rückgang 14%.

Indonesiens Hauptlieferländer (in Mrd. US$, Veränderung und Lieferanteil in %) *)
Land 2014 1. Hj 2015 Veränderung 1. Hj 2015 / 1. Hj 2014 Anteil 1. Hj 2015
VR China 30,5 14,7 -3,0 24,2
Japan 16,9 7,2 -17,1 11,8
Singapur 10,2 4,2 -18,1 6,9
Thailand 9,7 4,2 -16,2 6,8
USA 8,1 4,0 -8,2 6,5
Korea (Rep.) 7,8 3,4 -14,7 5,6
Malaysia 5,8 2,6 -13,1 4,3
Australien 5,5 2,5 -4,3 4,2
Deutschland 4,1 1,8 -14,0 3,0
Taiwan 3,6 1,7 -7,8 2,8
Indien 3,6 1,5 -24,4 2,4

*) Ohne Erdöl- und Gaseinfuhren

Quelle: Nationales Statistikamt BPS

(R.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

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