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01.09.2015

Indonesiens Maschinenimporte befinden sich im Sinkflug

Rupiah-Schwäche macht Einfuhren merklich teurer / Deutschland konnte 2014 seine Lieferquote erhöhen / Von Roland Rohde

Jakarta (gtai) - Die sich abschwächende indonesische Konjunktur macht sich auch im Maschinen- und Anlagenbau bemerkbar. Allerdings nicht so sehr bei den wenigen einheimischen Branchenunternehmen, sondern vor allem bei den Importeuren. Deren Einfuhren gingen zwischen 2012 und 2014 um 9% auf 24 Mrd. US$ zurück. Das ist gemessen am Zehnjahresvergleich aber immer noch ein stolzer Wert. Im Jahr 2015 dürfte sich der Abwärtstrend verstärken, denn den Abnehmern fehlt das Geld für Neuanschaffungen.

In Indonesien gibt es laut nationalem Statistikamt BPS gerade einmal 300 mittlere und größere Maschinenbauunternehmen. Die meisten von ihnen können ohne ausländischen Joint-Venture-Partner nur einfache Anlagen herstellen. Daher muss der Archipel schätzungsweise 90% seiner benötigten Fertigungstechnologie importieren.

Die entsprechenden Einfuhren sind in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, da sich die indonesische Wirtschaft in einem langfristigen Aufwärtstrend befand. Zwischen 2004 und 2014 legte das reale Bruttoinlandsprodukt gemäß BPS durchschnittlich um knapp 6% per anno zu. Die Maschinenimporte (SITC-Zolltarifpositionen 71 bis 74) vervierfachten sich laut UN Comtrade im selben Zeitraum auf gut 24 Mrd. US$. Das indonesische Statistikamt kommt für 2014 (auf Basis der HS-Position 84) sogar auf einen Wert von fast 26 Mrd. $.

Maschinen- und Anlageneinfuhren gingen 2012 bis 2014 um 9% zurück

Allerdings trübt sich die Allgemein- sowie die Branchenkonjunktur seit Sommer 2013 merklich ein. Das mit umfangreichen Rohstoffvorkommen gesegnete Land verzeichnete infolge gefallener Weltmarktpreise für Erze, Kohle oder Palmöl sinkende Exporterlöse. Die Rupiah verlor in Folge rapide an Wert zum US-Dollar, so dass auch die Einfuhren zurückgingen. Das Wirtschaftswachstum fiel 2014 auf 5%, für 2015 zeichnet sich ein weiterer Rückgang auf 4,5% ab. Zwischen 2012 und 2014 schrumpften daher die Maschinen- und Anlagenimporte sowohl laut UN Comtrade als auch gemäß BPS um 9%.

Indonesiens Maschinen- und Anlageneinfuhren (in Mrd. US$) 1)
Jahr Wert
2004 6,1
2006 7,1
2008 16,2
2010 18,3
2011 22,8
2012 26,5
2013 25,1
2014 24,2
2015 2) 21,5 bis 22,0

1) SITC-Zolltarifposition 71 bis 74, 2) Prognose von Germany Trade & Invest

Quelle: UN Comtrade

Die Unternehmen können sich neue Maschinen nicht mehr so einfach leisten, da sie im Prinzip jede Anschaffung aus dem Cashflow bezahlen müssen. Die indonesischen Banken vergeben kaum Kredite an Privatunternehmen. Da 2015 die allermeisten Branchen mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen haben, dürfte die Investitionsbereitschaft weiter abnehmen. Wie das nationale Statistikamt im Sommer bekanntgab, sanken die Maschinen- und Anlageneinfuhren (HS-Position 84) in den ersten beiden Quartalen 2015 um13,5% im Vergleich zum Vorjahr auf 11,3 Mrd. $.

Allerdings könnte es im 2. Halbjahr zu einer leichten Belebung der Branchenkonjunktur kommen, die vor allem vom Tiefbausektor ausgeht. Die Regierung modernisiert für viele Milliarden US-Dollar die veraltete Infrastruktur. Sie erhöhte das entsprechende Investitionsbudget in 2015 um zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Viele Projekte kommen aufgrund der ineffizienten Bürokratie zwar nur zögerlich voran. Dennoch soll im Herbst 2015 nach dem Willen von Präsident Joko Widodo der Baustart zahlreicher geplanter Vorhaben erfolgen.

VR China, Japan und Deutschland 2014 wichtigste Lieferländer

Die meisten Maschinenimporte Indonesiens kommen traditionell aus Japan. Allerdings verdrängte die VR China 2013 das Land auf Rang zwei. In 2014 konnte sie ihren Vorsprung weiter ausbauen. Während die japanischen Zulieferungen zwischen 2012 und 2014 um rund ein Viertel auf 5,2 Mrd. $ zurückgingen, konnten die Chinesen einen Zuwachs von 9% auf 6,1 Mrd. $ verzeichnen.

Auch die deutschen Anlagenbauer konnten ihre Position merklich verbessern. Auf der Rangliste der wichtigsten Zulieferländer kletterte Deutschland zwischen 2012 und 2014 vom 5. auf den 3. Platz. Insgesamt legten die indonesischen Maschineneinfuhren "made in Germany" im vorliegenden Zweijahreszeitraum um 8% auf 1,8 Mrd. $ zu. Das entsprach einer Lieferquote von 7,5%.

Indonesiens Maschineneinfuhren nach Lieferländern (in Mio. US$) 1)
Land / Jahr 2012 2013 2014
VR China 5.570,5 5.798,4 6.075,9
Japan 6.955,2 5.728,3 5.166,4
Deutschland 1.681,9 1.587,9 1.821,6
Singapur 2) 1.686,5 1.656,0 1.577,5
USA 1.895,0 1.604,7 1.452,6
Italien 789,3 911,8 999,9
Malaysia 834,2 871,7 922,7
Korea (Rep.) 1.176,6 1.275,7 900,4
Vereinigtes Königreich 370,7 278,9 237,8
Australien 354,2 230,3 234,3
Frankreich 360,2 280,4 180,5
Niederlande 176,9 213,1 166,8

1) SITC-Zolltarifposition 71 bis 74, 2) teilweise Reexporte, genauer Anteil ist nicht bekannt

Quelle: UN Comtrade

In den verschiedenen Maschinenbausparten fallen die Lieferquoten allerdings recht unterschiedlich aus. So erfreuen sich etwa deutsche Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen großer Beliebtheit: Die Einfuhren beliefen sich 2014 auf nahezu 270 Mio. $, das entspricht einer Quote von 25%. Bei Werkzeugmaschinen betrug der Anteil derweil nur knapp 2%.

Indonesiens Maschinen- und Anlageneinfuhren aus Deutschland (in Mio. US$, Lieferquote in %)
SITC Warenbezeichnung 2014 Lieferquote *)
727, 745.27 Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen 267,9 25,1
723, 728.3 Bau- u. Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 237,6 8,8
711 bis 718 Kraftmaschinen und Motoren 157,3 3,4
744 Fördertechnik 116,7 7,6
724 Textil- u. Ledermaschinen 104,5 11,1
728.42 Kunststoff- u. Gummimaschinen 90,0 13,2
742, 743.1 Pumpen, Kompressoren 70,8 4,4
725, 726 Druck- u. Papiermaschinen 59,3 5,0
731, 733, 735 Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 21,1 1,8

*) Einfuhren aus Deutschland im Vergleich zu den Gesamteinfuhren der jeweiligen Sparte

Quelle: UN Comtrade

Der Markt für Universalmaschinen befindet sich in Indonesien in einem harten Konkurrenzkampf. Chinesische Anbieter haben aufgrund ihrer wesentlich günstigeren Preise vor allem den Japanern in den letzten Jahren Marktanteile abgenommen. Doch das Blatt dürfte sich 2015 wenden, denn der Renminbi ist an den US-Dollar gebunden und hat stark gegenüber der Rupiah aufgewertet, während der japanische Yen unverändert schwach blieb.

Japaner bieten Kunden oft günstige Finanzierung an

Deutsche Firmen bieten vor allem Spezialmaschinen an. In dieser Sparte spielt der Preis nicht immer die wichtigste Rolle. Sie konkurrieren überwiegend mit Wettbewerbern aus Japan, Italien oder den USA. Japanische Firmen haben gegenüber ihren westlichen Konkurrenten einen erheblichen Vorteil: Sie können, da sie oftmals zu einem großen Konzern mit eigener Bank gehören, eine günstige Finanzierung anbieten.

Deutsche Maschinenbauer können und wollen das vielfach nicht. Trotzdem sind sie damit nicht gleich aus dem Rennen. Denn viele Kunden verfügen über ausreichende finanzielle Reserven, um Neuanschaffungen aus dem Cashflow zu bezahlen. In Indonesien liegen die Gewinnmargen nämlich nach übereinstimmender Aussage fast aller Marktteilnehmer auf einem außerordentlich hohen Niveau.

(R.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Werkzeugmaschinen, Bau- und Baustoffmaschinen, Sonstige Maschinen und Anlagen

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