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01.08.2017

Infrastrukturausbau im südlichen Afrika macht Fortschritte

Impulse durch groß angelegte Verkehrs- und Energieprojekte / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - Im südlichen Afrika fließen hohe Summen in die Infrastruktur. So betreiben die südafrikanischen Staatsunternehmen Transnet und Prasa große Investitionsprogramme für den Ausbau der Verkehrswege. Auch die Strecke des Gautrain zwischen Johannesburg und Pretoria wird verlängert. Mit der Transkalahari-Eisenbahn zwischen Botsuana und Namibia befindet sich ein überregionales Transportprojekt in der Planung. Südafrikas Programme für private Stromerzeuger bringen Bewegung in den Kraftwerksbau.

Südafrika verfügt mit seinem Schienennetz, den Flughäfen, Autobahnen und großen Seehäfen in Durban und Kapstadt über die mit Abstand am besten ausgebaute Verkehrsinfrastruktur im südlichen Afrika und ist die logistische Drehschreibe für die gesamte Region. Der mittelfristigen Haushaltsplanung zufolge sollen bis 2020 insgesamt rund 328 Mrd. Rand (R; circa 25,3 Mrd. US$; 1 R = circa 0,08 $) in den weiteren Ausbau des Transportbereichs investiert werden. Dominiert wird der Sektor durch die beiden Staatsbetriebe Transnet (Schienengüterverkehr und Häfen) sowie Prasa (Schienenpersonenverkehr).

Transnet will im Rahmen der Market Demand Strategy (MDS) bis 2026 Investitionen von rund 340 Mrd. R tätigen. Im Mittelpunkt steht der Schienenverkehr mit der Beschaffung neuer Lokomotiven sowie der Modernisierung von Elektrifizierung und Signaltechnik. Für den Rohstofftransport ist der Ausbau der Schwerlasttrassen in Planung. Der Kohlekorridor zum Verschiffungsterminal in Richards Bay soll in die Waterberg-Region verlängert werden, der Swazi Rail Link (19 Mrd. R) als Zusatzstrecke durch Swasiland fungieren.

Zum Manganexport entsteht für rund 20 Mrd. R eine Trasse von den Abbaustätten bei Hotazel nach Port Elizabeth, wo auch ein neues Verschiffungsterminal errichtet wird. Im Bereich der Seehäfen konzentrieren sich die Aktivitäten auf den Ausbau des Containerterminals in Durban, dessen Kapazität bis 2023 von 3,6 Mio. auf 5,3 Mio. TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) erhöht werden soll.

Mehr Strecken für den Personenschienenverkehr

Im Bereich des Personenschienenverkehrs hat Prasa bis 2026 ein Modernisierungsprogramm von 172 Mio. R aufgelegt. Die Maßnahmen umfassen neben der Erneuerung von Schienenflotte, Signaltechnik und Bahnstationen auch die Erweiterung des Streckennetzes, wie zum Beispiel den 120 km langen Moloto-Korridor nach Pretoria. Ein weiteres Großvorhaben betrifft den vom Bombela Konsortium betriebenen Gautrain-Schnellzug, der Johannesburg mit Pretoria verbindet. Eine Machbarkeitsstudie für vier neue Linien mit einer Gesamtlänge von 200 km wurde bereits erstellt.

Namibia und Botsuana wollen gemeinsam die Trans-Kalahari Eisenbahn realisieren. Die rund 1.500 km lange Trasse soll etwa 15 Mrd. $ kosten und Botsuana an den namibischen Tiefseehafen in Walvis Bay anschließen. Dort wird die Kapazität des Containerterminals um 400.000 TEU auf insgesamt 750.000 TEU erweitert. Nördlich des bestehenden Hafens soll zudem der umgerechnet rund 4,6 Mrd. $ teure SADC-Gateway-Port entstehen.

In die Schiene investiert auch Sambia. Die südafrikanische Logistikgruppe Grindrod will mit der 290 km langen North-West Railway (500 Mio. $) die Kupferminen bei Solwezi mit den Zentren des Kupfergürtels verbinden. Große Straßenbauprogramme wie Link Zambia 8000 kommen hinzu.

Das wichtigste Transportprojekt in Mosambik ist der Bau einer rund 500-km-Eisenbahnlinie von den Kohlefeldern der Tete-Provinz nach Macuse, wo ein neuer Tiefseehafen entstehen soll. Das Vorhaben wird durch das Unternehmen Italthai entwickelt, das bereits die portugiesische Mota-Engil sowie die China National Complete Engineering Corporation mit dem Bau der Schienentrasse (1,4 Mrd. $) beauftragt hat.

Öffnung der Strommärkte für private Energieerzeuger

Auch im Energiesektor bietet die Region des südlichen Afrika zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten. Südafrika betreibt eine Reihe von Ausschreibungsprogrammen für private Energieerzeuger. Sehr erfolgreich lief das Renewable Energy Independent Power Producer Procurement Programe (REIPPP); in bisher vier Bieterrunden wurden bereits 6.300 MW beschafft. Zuletzt geriet das Programm jedoch ins Stocken, da der staatliche Versorger Eskom den Abschluss weiterer Stromabnahmeverträge verzögert. Wann es zu einer fünften Ausschreibung kommt, ist noch nicht abzusehen.

Insgesamt sollen im Rahmen des REIPPP aber noch zusätzlich rund 5.000 MW vergeben werden. Auch langfristig besteht großes Ausbaupotenzial. Neue Entwürfe zur Energieplanung des Landes schlagen vor, im Zeitraum 2020 bis 2050 weitere 18 GW an Solar-PV und 37 GW aus Windkraft zu installieren.

Noch 2017 könnte ein Programm für 3.000 MW aus Gaskraft starten. Längerfristig könnten insgesamt 35.000 MW an Gaserzeugungskapazitäten neuinstalliert werden. Ein bereits laufendes Programm für Kohle umfasst zunächst 2.500 MW. Zusätzlich sollen 3.700 MW aus Kohlekraftwerken in Nachbarstaaten der Kaprepublik beschafft werden. Insbesondere in Botsuana und Mosambik befinden sich zahlreiche Projekte hierfür in der Planung.

Sambia setzt hingegen vor allem auf Wasserkraft. Für zahlreiche kleine und große Wasserkraftprojekte laufen bereits Machbarkeitsstudien in verschiedenen Regionen des Landes. Das größte Vorhaben ist Batoka Gorge mit 1.200 MW (6 Mio. $), ein Gemeinschaftsprojekt mit Simbabwe am Sambesi. Im Rahmen des Scaling Solar Projekts werden zusätzlich 600 MW Solar-PV von privaten Erzeugern eingekauft.

(He.St.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika, Sambia, Namibia, Botsuana, Südliches Afrika Transport und Verkehr, allgemein, Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Kraftwerksbau, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik

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