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23.11.2017

Infrastrukturprojekte bieten weltweit Chancen

Hoher Modernisierungs- und Investitionsbedarf / GTAI-Studie analysiert Erfolgsfaktoren / Von Martin Kalhöfer

Bonn (GTAI) - Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr der Bedarf an Infrastruktur. Jedes Jahr werden laut McKinsey weltweit 2,5 Billionen US$ in den Ausbau von Infrastruktur investiert. Germany Trade and Invest analysiert in 15 Ländern geplante Projekte und Rahmenbedingungen. Ein direkter Vergleich zwischen den Ländern und Subsektoren erleichtert es deutschen Unternehmen, Chancen und Risiken für die zukünftige Beteiligung abzuschätzen. (Internetadresse)

Deutsche Unternehmen bieten viele passende Lösungen an, dennoch sind sie an internationalen Infrastrukturprojekten oft nur am Rande beteiligt. Die Gründe sind vielfältig: Die internationale Konkurrenz ist groß, Preise spielen eine wichtige Rolle, und viele Aufträge gehen an Generalunternehmen, während deutsche Mittelständler oft Spezialanbieter sind. Laut Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau reagieren die Unternehmen darauf. Sie bauen ihre Kompetenzen im Risiko- und Projektmanagement aus. Auch die Verantwortlichkeit des Anlagenbaus für Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter sowie für den Umweltschutz nimmt nach Angaben des Verbandes an Bedeutung zu.

Unterschiedliche Trends in Industrie und Schwellenländern

Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Beteiligung bei internationalen Großprojekten oft mit besonderen Herausforderungen verbunden. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Trends: In Entwicklungs- und Schwellenländern muss erst noch grundlegende Infrastruktur geschaffen werden. Gerade in diesen Ländern steigen Bevölkerung und Urbanisierung oft sehr stark. Der Nachholbedarf bei Straßen oder Schienen, Häfen, Energie- und Wasserversorgung oder Abfallentsorgung ist enorm. So sollen in Indien etwa 300 Millionen Menschen noch ohne Stromversorgung sein. Das Energieministerium verfolgt das ambitionierte Ziel, bis 2022 sämtliche Bürger mit Strom zu versorgen. Die Behörde Central Electricity Authority (CEA) erwartet von 2017 bis 2022 einen Ausbau um 4.340 Megawatt (MW) bei Gaskraftwerken, 15.330 MW bei Wasserkraftanlagen, 2.800 MW bei Atomkraftwerken und 115.326 MW bei Projekten zu erneuerbaren Energien. In Indonesien will die Regierung auf den größten Inseln ein durchgehendes Autobahnnetz schaffen. Eines der ehrgeizigsten Projekte ist der Bau einer rund 2.700 Kilometer langen "Toll Road" auf Sumatra. Im Bereich Schifffahrt sollen bis 2019 rund 52 Milliarden US$ in die maritime Infrastruktur fließen. Für 24 strategische Hafenprojekte sind dabei 18 Milliarden US$ vorgesehen.

Aber auch in Industrieländern gibt es großen Modernisierungs- und Investitionsbedarf. In den USA beispielsweise hält die American Society of Civil Engineers (ASCE) bis 2025 Infrastrukturausgaben von insgesamt rund 4,5 Billionen US$ für erforderlich. China plant milliardenschwere Projekte im In- und Ausland. Die Volksrepublik tritt dabei auch international mit kombinierten Finanzierungs- und Bauleistungen als starker Konkurrent auf, wie die gigantische Seidenstraßeninitiative für 1 Billion US$ zeigt. In der Europäischen Union besteht großer Modernisierungsbedarf. So sind in Frankreich in den kommenden zehn Jahren insgesamt 46 Milliarden Euro für Modernisierungen im Eisenbahnnetz vorgesehen, und nach dem neuen Energiewendegesetz soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 32 Prozent steigen.

Solche Projektvolumina werfen die Frage nach der Finanzierung auf. Vor allem in Entwicklungsländern verfügen die Regierungen oft nicht über ausreichende finanzielle Mittel. Neben staatlichen und internationalen Gebern wie der Weltbank werden private Finanzierungsmodelle immer wichtiger. Bisher stellen Public Private Partnerships nur drei Prozent der Investitionen, die Tendenz ist steigend. Geberfinanzierte Projekte bieten Transparenz und sichere Rahmenbedingungen. Dadurch lassen sich beispielsweise in Subsahara-Afrika Risiken für beteiligte Firmen abfedern.

Qualität und Servicekompetenz für deutsche Unternehmen entscheidend

Deutschen Unternehmen bieten sich vielfältige Beteiligungschancen. Ihr Know-how ist bei komplexen Spezialaufgaben, in der Planung und Bauüberwachung, aber auch für die Zulieferung von Ausrüstung gefragt. Neben der Qualität werden besonders Beratungs- und Servicekompetenz geschätzt. Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen ist die Beteiligung bei internationalen Großprojekten oft mit besonderen Herausforderungen verbunden.

Oliver Badde, Geschäftsführer der international tätigen Thost Projektmanagement GmbH betont: "Unternehmen sollten bei Auslandsprojekten das Leistungsangebot unbedingt auf die notwendigen Funktionen beschränken und Kriterien wie Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Rentabilität herausstellen. Pragmatisches Herangehen und Kooperationen sind wichtige Aspekte, um erfolgreich zu sein."

Vergleich von Schwerpunktsektoren in 15 Ländern

Germany Trade & Invest analysiert in der Online-Publikation "Internationale Infrastrukturprojekte" die Geschäftschancen in 15 ausgewählten Ländern (Ägypten, Argentinien, China, Frankreich, Indien, Indonesien, Iran, Kasachstan, Nigeria, Polen, Rumänien, Spanien, USA, VAE, Vietnam). Ein Vergleich zwischen Ländern und den Subsektoren Verkehr, Energie, IKT, Umwelt und landesspezifischen Schwerpunktsektoren erleichtert es deutschen Unternehmen, Chancen und Risiken abzuschätzen. https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Trends/infrastruktur.html

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie begleitet darüber hinaus strategische Auslandsprojekte und unterstützt Unternehmen durch politische Flankierung und kombinierte Finanzierungsangebote. Geschäftsstelle Strategische Auslandsprojekte: http://www.bmwi.de

(M.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten, Nigeria, China, Indien, Indonesien, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam, Frankreich, Kasachstan, Polen, Rumänien, Spanien, USA, Argentinien, Welt Bauwirtschaft, allgemein, Planung / Consulting, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Luftverkehr / Flughäfen, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Schienenverkehr, Schiffsverkehr / Häfen, Straßenverkehr, Hochbau

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