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14.08.2015

Investitionen von bis zu 80 Mrd. US$ in Indonesiens Petrochemie geplant

Pertamina baut neue und erweitert bestehende Raffinerien / Mehrere Projekte befinden sich in der Schwebe / Von Roland Rohde

Jakarta (gtai) - Laut Berechnung von Germany Trade & Invest befinden sich in Indonesiens petrochemischem Sektor Großvorhaben mit einer Investitionssumme von zusammengerechnet 68 Mrd. bis 80 Mrd. US$ in der Pipeline. Der Staatskonzern Pertamina will fünf seiner sechs Raffinerien modernisieren sowie mehrere neue Anlagen bauen. Ausländische Firmen planen derweil Komplexe zur Herstellung von Vorprodukten für die Kunststoffindustrie. Die Importabhängigkeit des Archipels nimmt trotzdem erst langfristig ab.

Indonesiens Verbrauch an Benzin und Diesel nimmt seit Jahren rasant zu. Der Autoverkehr zeichnet für einen Großteil des Anstiegs verantwortlich. Die Kfz-Neuzulassungen legten zwischen 2009 und 2014 gemäß Branchenverband Gaikindo um das Zweieinhalbfache auf 1,2 Mio. Einheiten zu. Die billigen Spritpreise beflügelten die Automobilkonjunktur, denn bis Ende 2014 subventionierte das Land großzügig die Kraftstoffe. Doch dann strich der neue Präsident, Joko Widodo, die Unterstützung radikal zusammen. Daraufhin fielen zwischen Januar und Juni 2015 die Kfz-Neuzulassungen um 18% im Vergleich zum Vorjahr.

Die Kraftstoffnachfrage reagiert allerdings recht unelastisch auf Preiserhöhungen, so dass der staatliche Öl- und Gaskonzern Pertamina - er betreibt die meisten Tankstellen im Lande - mit einem weiterhin wachsenden Konsum rechnet. Zwischen 2015 und 2025 soll der jährliche Benzinabsatz von 39.000 auf 77.000 t anwachsen. Für Diesel sagt das Unternehmen einen Anstieg von 34.000 auf 54.000 t voraus.

Der zusätzliche Bedarf müsse vor allem mit Hilfe von Importen gedeckt werden. Bereits 2014 konnten die einheimischen Raffinerien die Nachfrage nach Benzin und Diesel nur etwa zur Hälfte decken. Zudem waren sie nicht in der Lage, höherwertige Produkte wie Super herzustellen. Auch wenn wie geplant bis 2025 die Verarbeitungskapazitäten kräftig ausgebaut werden, bleibt das Land angesichts des steigenden Kraftstoffverbrauchs weiterhin in hohem Umfang auf Einfuhren angewiesen.

Stark steigende Polyethylen- und Polypropenimporte

Bei Vorprodukten für die Kunststoffindustrie können einheimische Anbieter laut Einschätzung der Indonesian Olefin and Plastic Industry Association ebenfalls aktuell nur etwa die Hälfte des landesweiten Verbrauchs decken. Zwar haben die Marktteilnehmer zwischen 2010 und 2014 mit Hilfe einer besseren Kapazitätsauslastung und kleinerer Investitionen den Ausstoß an Ethylen, Polyethylen, Propen und Polypropen leicht steigern können. Da jedoch der einheimische Konsum kräftig zunahm, erhöhte sich die Importabhängigkeit im vorliegenden Zeitraum weiter.

Überblick petrochemische Produkte in Indonesien (in t)
Jahr 2010 2012 2013 2014
Produktion
Ethylen 590.000 531.000 596.000 600.000
Propen 544.300 541.000 575.000 575.000
Polypropen 564.600 655.000 713.000 762.000
Polyethylen 586.300 689.400 654.900 673.800
Verbrauch
Ethylen 1.179.500 1.234.200 1.212.600 1.236.200
Propen 684.800 798.000 754.900 789.300
Polypropen 1.143.100 1.488.100 1.591.700 1.678.700
Polyethylen 1.006.000 1.315.500 1.348.500 1.416.500
Import
Ethylen 589.500 716.600 628.300 636.900
Propen 224.900 292.400 185.600 246.300
Polypropen 588.200 844.200 905.800 935.000
Polyethylen 510.800 731.100 782.900 821.800

Quelle: DATA Consult

Chandra Asri dominiert das Geschäft für Kunststoffvorprodukte. In vielen Sparten stellt der Konzern den einzigen einheimischen Anbieter dar. In der Vergangenheit baute er seine Kapazitäten kräftig aus und setzt auch weiterhin auf Expansion. So will er etwa den maximal möglichen Ausstoß an Ethylen zwischen 2014 und 2015/16 von 600.000 auf 860.000 t pro Jahr erhöhen. Bei Propen wird im vorliegenden Zeitraum eine Kapazitätserweiterung von 320.000 auf 460.000 t per anno anvisiert.

Pertamina betreibt hingegen vor allem Raffinerien zur Ölverarbeitung. Da seit 1995 keine neue Anlage mehr in Betrieb ging, bildete sich ein enormer Investitionsstau, der nun endlich aufgelöst werden soll. So beabsichtigt der Staatskonzern, seine Anlagen zusammen mit ausländischen Partnern zu modernisieren. Zudem peilt er - ebenfalls mit internationaler Hilfe - den Bau von neuen Raffinerien an.

Pertamina will bis 2025 etwa 50 Mrd. $ investieren

Für rund 25 Mrd. $ beabsichtigt Pertamina, fünf seiner sechs bestehenden Raffinerien bis 2025 zu erweitern. Daneben ist noch der Neubau von mindestens drei Anlagen mit einer Verarbeitungskapazität von 300.000 Barrel pro Tag für bis zu 30 Mrd. $ geplant. Für einige Vorhaben stehen die entsprechenden Partner bereits fest, für andere (alle Neubauprojekte) befindet sich das öffentliche Unternehmen noch auf der Suche.

Auch in der Düngemittelsparte befinden sich zahlreiche Vorhaben in Planung. Indonesiens Agrarsektor kann seinen Ausstoß durch einen verstärkten Einsatz von modernen Produkten noch merklich steigern. Doch auch hier besteht eine hohe Importabhängigkeit, die einheimische Anbieter wie Pupuk Indonesia reduzieren wollen. Zwischen 2014 und 2019 beabsichtigt das Unternehmen, seine Düngemittelproduktion um fast 50% zu steigern. Dafür nimmt es viele Milliarden US-Dollar in die Hand.

Nach Berechnungen von Germany Trade & Invest befanden sich Mitte 2015 im gesamten petrochemischen Sektor Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 68 Mrd. bis 80 Mrd. $ in der Pipeline. Selbst wenn nur die Hälfte der Projekte tatsächlich umgesetzt wird, ergibt sich damit immer noch eine stattliche Summe.

Petrochemische Vorhaben in Indonesien
Firma/Projektträger (Herkunftsland) Vorhaben Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand
Pertamina mit Aramco, Sinopec und JX Nippon Ausbau von fünf bestehenden Raffinerien. 25.000 Fertigstellung bis 2025.
Pertamina (Partner stehen noch nicht fest) Bau von drei Raffinerien, Kapazität: je 300.000 Barrel pro Tag. 21.000 bis 30.000 Fertigstellung bis 2022.
PTT Global Chemical (Thailand) mit Pertamina Bau einer Petrochemischen Anlage, Kapazität: 1,2 Mio. jato 7.000 bis 8.000 Joint Venture 2013 gegründet, Fertigstellung: 2020.
Honam Petrochemical (Korea, Rep.) Bau einer Anlage zur Herstellung von 900.000 jato Polyethylen 5.000 In Planung, Baubeginn verschoben.
Pupuk Indonesia Steigerung der Produktion von Düngemitteln von 12,9 Mio. auf 19 Mio. jato 4.000 bis 6.000 (Schätzung) Investitionsplan bis 2019.
Ferrostaal mit Chandra Asri (Indonesien) Bau eines Komplexes zur Herstellung von Methanol und anderen petrochemischen Stoffen. 2.000 Schwierigkeiten bei Gaslieferungen verzögern das Projekt.
LG International (Korea, Rep.) Bau eines Komplexes in Papua zur Herstellung von Methanol. 1.200 bis 1.300 Keine Angaben zum Zeitplan.
Chandra Asri (Indonesien) Bau einer Raffinerie, Kapazität: 2,5 Mio. jato Naphtha 740 Machbarkeitsstudie läuft, Baubeginn 2018.
Petrokemia (Indonesien) Bau einer Düngemittelfabrik, Kapazität: 640.000 jato 700 Baubeginn 2015, Fertigstellung 2017, Verzögerung wahrscheinlich.
Petrokemia Butadiene (Indonesien) mit Michelin Bau einer Fabrik für synthetische Kunststoffe, Kapazität: 120.000 jato 350 Baubeginn 2015, Inbetriebnahme 2017.

Quelle: Unternehmensangaben, Pressemeldungen, Germany Trade & Invest

Mehrere Projekte durchlaufen allerdings eine kritische Phase. So verschob die koreanische Honam-Gruppe Anfang 2015 den Bau eines petrochemischen Komplexes auf einen unbestimmten Zeitpunkt. Die Anlage sollte rund 5 Mrd. $ kosten. Auch die deutsche Ferrostahl kommt nicht recht vorwärts: Für eine geplante Anlage auf Papua konnte sich das Unternehmen bislang noch keine Gaszulieferungen sichern.

Importabhängigkeit nimmt mittelfristig nicht ab

Mittelfristig dürfte trotz der erwähnten Investitionen die Importabhängigkeit Indonesiens an Vorprodukten für die Kunststoffindustrie kaum abnehmen, weil der einheimische Verbrauch kräftig steigt. Das Marktforschungsunternehmen Data Consult erwartet, dass der Konsum an Polypropen und Polyethylen zwischen 2015 und 2016 um jeweils 10% sowie von 2016 bis 2019 um je 15% zulegen wird.

Einheimischer Verbrauch an Polyethylen und Polypropen (in Mio. t, Veränderung in %)
Jahr/Produkt Polyethylen Polypropen
2014 1,42 1,68
2015 1,55 1,84
2016 1,71 2,02
2017 1,97 2,32
2018 2,27 2,67
2019 2,61 3,07
Veränderung 2014 bis 2019 83,8 82,7

Quelle: Data Consult

(R.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Öl, Gas, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie

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