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07.03.2017

Iran baut Kraftwerkskapazitäten aus

Atomenergie im Fokus / Internationale Partner gesucht / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Iran will in den nächsten zehn Jahren seine Kraftwerkskapazitäten um bis zu 50 GW erweitern. Obwohl auch Erneuerbare Energien an Bedeutung gewinnen sollen, wird der Kapazitätsausbau im Wesentlichen durch Nutzung von Gas und Atomenergie erfolgen. Die notwendigen Milliardeninvestitionen werden von privaten Kraftwerksbetreibern erwartet. Der Staat will sich als Investor zurückziehen, ausländische Partner werden gesucht.

Die Regierungsplanung in Iran sieht bis 2025 eine Steigerung der Kraftwerkskapazitäten um durchschnittlich 5 GW pro Jahr auf über 120 GW vor. Die Kraftwerkskapazitäten in Iran haben sich seit 2009/10 um 30% auf aktuell nominal 75 GW erhöht.

Eine neue Statistik des Energieministeriums gibt für 2015 die Zahl der Kraftwerke mit 115 an. Auf 19 Dampfturbinenkraftwerke entfielen 2015 etwa 20 GW, auf 40 Gasturbinenkraftwerke 25 GW, auf 14 kombinierte GuD-Kraftwerke (Gas- und Dampfturbinen) 17 GW, auf 37 Wasserkraftanalgen 10 GW und auf das Atomkraftwerk in Bushehr 1 GW. Die Kapazitäten der Wind- und Solaranlagen summieren sich auf 250 MW, ein 2015 novelliertes Erneuerbare-Energien-Gesetz soll Investitionen stimulieren, Ziel sind 5 GW bis 2021

Die zusätzlichen Stromkapazitäten sollen nicht nur den wachsenden nationalen Bedarf decken, sondern es ist auch eine Ausweitung der Stromexporte vorgesehen. Die Stromlieferungen in Nachbarländer expandierten zwischen 2010/11 und 2013/14 von 6.707 Mio. auf 11.409 Mio. kWh, aber gingen 2014/15 um 11,7% auf 10.073 Mio. kWh zurück. Irans Strombezüge aus dem Ausland zeigen in den letzten Jahren keinen Wachstumstrend: Mit 3.656 Mio. kWh lagen die Importe 2014/15 auf dem Niveau von 2011/12.

Größte Stromverbraucher sind die verarbeitende Industrie und private Haushalte

Das Energieministerium geht mittelfristig von einem jährlichen Anstieg der Spitzenlast um rund 5% aus. Im Zeitraum 2009/10 bis 2014/15 erhöhte sich die Spitzenlast um insgesamt 36,2% von 37,7 auf 51,3 GW, für 2015/16 werden 53,6 GW gemeldet, rund 67 GW werden 2020/21 erwartet. Zwischen 2009/10 und 2014/15 ist die Stromerzeugung um insgesamt 25% auf 276 Mrd. kWh gestiegen, 2015/16 waren es 282 Mrd. kWh. GuD-Kraftwerke hatten 2014/15 einen Anteil an der Stromerzeugung von geschätzten 64%, Dampfturbinenkraftwerke kamen auf 31%, die restlichen 5% entfielen auf Wasserkraftwerke, das Atomkraftwerk in Bushehr, Dieselgeneratoren und Erneuerbare Energien.

Jeweils etwa ein Drittel des Stromverbrauchs entfallen auf die verarbeitende Industrie und die privaten Haushalte, gefolgt von der Landwirtschaft (17%), staatlichen Verbrauchern (9%) und dem nicht-industriellen Gewerbe (7%).

Neben neuen Kraftwerken soll ein Teil des geplanten Kapazitätszuwachses durch den Umbau wenig effizienter Gasturbinenkraftwerke in GuD-Kraftwerke entstehen. Die für die Umwandlung vorgesehenen Gasturbinenkraftwerke verfügen über eine Leistung von insgesamt 16 GW, die zusätzlichen Dampfturbinen erhöhen die Kapazität um 7 GW.

Es werden aber auch weiter reine Gasturbinenkraftwerke gebaut. Von den zehn thermischen Kraftwerken, die 2015/16 in Produktion gehen sollen, sind acht Gasturbinenkraftwerke und nur zwei GuD-Anlagen. Ein derzeit im Umbau befindliches Kraftwerk ist die Urumieh Power Plant in West Aserbaidschan. Für 600 Mio. US$ werden die sechs installierten Gasturbinen durch drei 162 MW Dampfturbinen ergänzt, die Leistung der erweiterten Anlage steigt dadurch auf 1.350 MW.

Atomkraft wird zur Kapazitätserweiterung beitragen

Atomkraft soll wesentlich zur geplanten Kapazitätserweiterung beitragen. Als erstes iranisches und erstes Atomkraftwerk in der MENA-Region ging 2013 die von Russlands Atomstroyexport in Bushehr gebaute 1 GW Anlage (Reaktortyp: VVER V-446) in den kommerziellen Betrieb (seit 2011 mit Teilleistung am Netz).

Das Kernkraftwerk in Bushehr wurde 1974 als nationales Prestigeprojekt unter Shah Mohammad Reza Pahlavi begonnen. Der Auftrag zum Bau von zwei Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 1.300 MW ging an Siemens. Als es infolge der islamischen Revolution (1979) zu einem Baustopp kam, war das Projekt zu etwa 85% fertiggestellt. Während des Iran-Irak-Krieges (1980 bis 1988) wurden die Anlagen durch irakische Bombenangriffe stark beschädigt. Siemens stand nach Ende des Krieges für die Fertigstellung (bzw. den Wiederaufbau) der Anlagen nicht zur Verfügung. Mit Russland wurde dann 1995 der Bau eines Leichtwasserreaktors am Standort des aufgegebenen Siemens-Projekts vereinbart.

Russland soll in Bushehr vier weitere 1 GW Reaktoren bauen, ein Abkommen über zwei Reaktoren (Bushehr-2 und Bushehr-3) wurde im November 2014 in Moskau unterzeichnet. Mit dem Bau der beiden Reaktoren wurde im September 2016 begonnen, die Kosten werden mit 10 Mrd. US$, die Bauzeit mit zehn Jahren angegeben. In einem frühen Planungsstadium sind Bushehr-4 und Bushehr-5. Teheran diskutiert mit Russland auch über vier Reaktoren an anderen Standorten. Pläne für ein 360 MW Atomkraftwerk in Darkhovain sind auf Eis gelegt worden. Gemäß einem 2005 veröffentlichten (aus heutiger Sicht unrealistischen) Konzept sollten bis 2025 in Iran Atomkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 GW arbeiten.

Zwei weitere Atomkraftprojekte wurden im Juli 2015 von der Atomic Energy Organization of Iran (AIOI) vorgestellt: Am Golf von Oman (Makran Küste) sollen zwei 100 MW Kernkraftwerke gebaut werden. Mit der VR China wird über den Bau von zwei Atomkraftwerken diskutiert.

Hohe lokale Wertschöpfung im Kraftwerksbau angestrebt

Der Staat will sich als Investor aus der Stromwirtschaft weitgehend zurückziehen. Das Energieministerium will neue staatliche Investitionen in Kraftwerke vermeiden. Es sieht die den Staat als Regulator. Für neue GuD-Kraftwerke soll möglichst das BOO-Betreibermodell (Build Own Operate) gewählt werden. Der Staat garantiert die Gasversorgung und bietet einen langfristigen Stromabnahmevertrag an.

Iran strebt auch im Kraftwerksbau eine möglichst hohe lokale Wertschöpfung an. Der wichtigste nationale Player im Kraftwerkssektor ist die 1993 gegründete, heute börsennotierte Mapna Gruppe. Der größte Mapna-Anteilseigner mit 47,7% ist Saba Power and Electricity Industries, zu Saba gehören unter anderem 39 regionale Stromversorger. Mapna ist Irans führender Hersteller von Kraftwerkstechnik (Turbinen, Generatoren etc.) und hat bislang Kraftwerkprojekte mit einer Gesamtkapazität von 35 GW abgeschlossen. Mapna ist auch in den Bereichen Öl, Gas, Petrochemie und Schieneninfrastruktur tätig.

Im März 2016 hat Siemens mit Mapna zwei Verträge und eine Absichtserklärung unterzeichnet. Dazu erklärt Siemens: "Zum einen wird Mapna im Rahmen einer Lizenzvereinbarung Siemens F-Klasse-Gasturbinen im Iran produzieren. Die Kooperation der beiden Unternehmen umfasst die Lieferung von mehr als 20 Gasturbinen sowie der dazugehörigen Generatoren in den nächsten zehn Jahren. Als erstes Projekt der Lizenzvereinbarung unterzeichneten beide Unternehmen einen Vertrag für das Kraftwerksprojekt Bandar Abbas. Siemens wird dafür zwei F-Klasse-Gasturbinen und Generatoren liefern.." In der Absichtserklärung wird auch vereinbart, einen Plan für die Erweiterung und Optimierung des iranischen Stromversorgungssystems zu entwickeln. Die erste Turbine (SGT5-4000F) für Bandar Abbas wurde im September 2016 verschifft.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft, alternative Energien

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