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12.06.2017

Irans Abfallwirtschaft hat Modernisierungsbedarf

Geringe Recyclingquoten / Private Investoren für WTE-Projekte gesucht / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Irans Abfallwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten nur geringe Fortschritte erzielt. Die kommunale Müllverwertung beschränkt sich im Wesentlichen auf ein begrenztes Recyceln organischer Stoffe. In einigen Städten sammeln die kommunalen Entsorgungsfirmen auch andere Wertstoffe, aber die Recyclingquoten bewegen sich auf niedrigem Niveau. Zur Modernisierung des Abfallsektors sollen private Investoren gewonnen werden. WTE-Projekte erhalten attraktive Einspeisevergütungen. (Kontaktanschrift)

Die Datenlage zur Entwicklung der iranischen Abfallwirtschaft ist schwierig, selbst die Statistiken der zuständigen Stadtverwaltungen basieren häufig auf (teilweise vagen) Schätzungen. Nach Kalkulationen der Tehran Waste Management Organization (TWMO) lag 2015/16 (iranisches Jahr: 21.3. bis 20.3.) das landesweite Aufkommen von Siedlungsmüll (Haushaltsabfälle und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle) bei etwa 18 Mio. t, davon entfielen auf städtische Regionen fast 80% (14 Mio. t). Die städtische Bevölkerung produzierte mit jährlich 245 kg pro Kopf über 30% mehr Müll als die ländliche. Der Anteil der hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle am Siedlungsabfall wird auf 25 bis 30% geschätzt.

Teheran: Zusammensetzung der Siedlungsabfälle 2016 1)

Abfallkategorien Gewerbeabfälle (in t/Tag) 2) Gewerbeabfälle (Anteile in %) Haushaltsabfälle (in t/Tag) Haushaltsabfälle (Anteile in %)
Insgesamt 2.250 100,0 5.950 100,0
.Nahrungsmittel 3) 929 41,3 4.123 69,3
.Pappe 286 12,7 244 4,1
.Papier 272 12,1 327 5,5
.Brot 198 8,8 262 4,4
.Plastiktüten 119 5,3 190 3,2
.Duroplaste 74 3,3 155 2,6
.Glass 61 2,7 113 1,9
.PET-Flaschen 43 1,9 71 1,2
.Holz 36 1,6 24 0,4
.Eisen 34 1,5 65 1,1
.Stoffe 29 1,3 71 1,2
.Gartenabfälle 27 1,2 30 0,5
.Sondermüll 27 1,2 149 2,5
.Thermoplaste 25 1,1 36 0,6
.NE-Metalle 23 1,0 24 0,4
.Gummi 18 0,8 18 0,3
.Schaumstoffe 18 0,8 12 0,2
.Tetra Pak 9 0,4 18 0,3
.Leder 5 0,2 6 0,1
.Andere Abfälle 20 0,9 12 0,2

1) Schätzungen; 2) nur hausmüllähnliche Gewerbeabfälle; 3) ohne Brot

Quellen: Tehran Waste Management Organization, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die zum Innenministerium gehörende Municipal and Rural Management Organization (MRMO) schätzt das Siedlungsmüllaufkommen höher als die TWMO, auf etwa 20 Mio. t. Im Durchschnitt produziere jeder Iraner täglich 700 g Müll, so Ali Nozarpour, der bei der MRMO für kommunale Angelegenheiten zuständig ist. Nur 3,2 Mio. t Wertstoffe würden recycelt, so Nozarpour.

Die großen Städte trugen 2015/16 zum Siedlungsmüllaufkommen mit über 5,6 Mio. t bei, so die Schätzung der TWMO. Allein in der Hauptstadt Teheran waren es über 2,9 Mio. t, es folgten Mashad mit 0,7 Mio. t sowie Tabriz, Isfahan, Karaj und Shiraz mit jeweils 0,4 Mio. t, Ahvaz mit 0,3 Mio. t und Qom mit 0,2 Mio. t.

Recyclingquoten sollen deutlich steigen

Iran strebt eine deutliche Steigerung der Recyclingquoten an. Als Zielgrößen bei Siedlungsabfällen werden 60% für organische Abfälle und 40% für Festmüll genannt. Diese Recyclingquoten sollten schon 2015/16 erreicht sein, aber die aktuellen Werte liegen weit unter den Zielmarken. Nach TWMO-Kalkulationen wurden 2015/16 in den städtischen Regionen etwa 25% der organischen Abfälle recycelt (kompostiert) und 9% des Festmülls, für das gesamte Land werden 15 beziehungsweise 7% geschätzt.

Die Recyclingquoten in den großen Städten sind sehr unterschiedlich. Den TWMO-Schätzungen zufolge war 2015/16 die Hauptstadt mit einer Quote von 16% Recycling-Spitzenreiter, auf immerhin 14% kam Isfahan, mit deutlichem Abstand folgten Mashad (9%), Shiraz (5%), Tabriz (4%), Ahvaz (3%), Qom (2%) und Karaj (1%). Die genannten Recyclingquoten beziehen sich auf die Wertstoffmengen, die auf den Deponien aussortiert werden.

Die Wertstoffsammlung (Papier, Pappe, Plastik etc.) staatlicher und privater Firmen bei den Müllerzeugern ist in den genannten Recyclingquoten nicht erfasst. Beispielsweise hat die Stadt Teheran eine Organisation gegründet, die Papier und Pappe sammelt. Die Organisation betreibt Annahmestellen, aber verfügt auch über Fahrzeuge, die in regelmäßigen Touren verschiedene Stadtbezirke abfahren. Auch gibt es in einigen Teheraner Stadtbezirken "blaue Container" für die Sammlung von Plastik.

Bei der Wertstoffsammlung dominiert aber der private beziehungsweise informelle Sektor. Die sogenannten "Mülldiebe" fahren täglich die städtischen Müllcontainer, in denen die Haushalte ihren Abfall entsorgen, ab und sortieren Wertstoffe aus. Die gesammelten Wertstoffe werden von überwiegend privaten Recyclingfirmen aufgekauft. Zu diesem Sektor der Abfallwirtschaft sind keine belastbaren Daten verfügbar.

Das Beispiel Teheran

Die Stadt Teheran sammelt Siedlungsabfälle unsortiert, von den genannten begrenzten Aktivitäten bei Papier, Pappe und Plastik abgesehen. Die städtischen (zumeist offenen) Müllcontainer werden täglich geleert und dann zur zentralen Mülldeponie, dem Arad Kouh Komplex bei Kahrizak (60 km südöstlich von Teheran), transportiert. Es gibt zwölf Abfalltransferstationen. Die Deponie wurde 1976 in Betrieb genommen und nimmt derzeit täglich etwa 7.500 t auf, davon sind über 90% Siedlungsabfälle, zusätzliche 100 t sind Krankenhausabfälle sowie 600 t Industriemüll und verschiedene andere Abfälle.

Der Großteil des angelieferten Mülls kommt ohne Bearbeitung direkt auf die Deponie. Die Recyclingaktivitäten konzentrieren sich auf die Aussortierung kompostierbarer Stoffe. Im Arad Kuh Komplex existiert seit 1998 ein Kompostierungswerk mit heute 14 Sortierbändern und einer Kapazität von 500 t pro Schicht.

Seit 2016 arbeitet im Arad Kuh Komplex eine wesentlich von der VR China finanzierte 3 MW Waste to Energy (WTE) Müllverbrennungsanlage, die über eine Tageskapazität von 200 t verfügt. Es gibt Planungen für zwei Ausbaustufen, letztlich wird eine Kapazität von 3.200 t (2 x 1.600 t) angestrebt. Die Investitionen sollen private Firmen übernehmen. Östlich von Teheran, in AbaIi, betreibt die Kian Group eine 2 MW Biogasanlage (Tageskapazität: 300 t).

Förderung von Biogas und Müllverbrennung

Iran sucht private Investoren für weitere WTE-Kraftwerke (Müllverbrennung, Deponiegas, Biogas- und Kompostieranlagen) sowie für Recyclingprojekte. Der Bau privater WTE-Anlagen wird im Rahmen des staatlichen EE-Programms (Erneuerbare Energien) durch attraktive, für 20 Jahre garantierte Einspeisetarife gefördert. Nach Angaben der Renewable Energy and Energy Efficiency Organization (Suna) betreibt der Nicht-Regierungssektor derzeit (Stand Mai 2017) fünf kleine WTE-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 10,6 MW.

Iran: Aktive WTE-Anlagen nicht-staatlicher Betreiber *)

Betreiber (Anlagentyp) Standort (Stadt, Provinz) Leistung (in MW) Inbetriebnahme
Municipality of Mashhad (Deponiegas) Mashhad, Khorasan Razavi 0,6 September 2009
Niroo Sabin Aria (Deponiegas) Shiraz, Fars 1,1 September 2009
Kian Group (Biogas) Abali, Tehran 1,9 k.A.
Water and Waste Water Management Company of Tehran (Biogas, Klärschlamm) Rey, Tehran 4,0 Oktober 2010
Tadbir Tosee Salamat (Verbrennung) Kahrizak, Tehran 3,0 Januar 2016

*) kommunale Betreiber werden auch als "non-governmental" klassifiziert

Quelle: Renewable Energy and Energy Efficiency Organization (Suna)

Für zwei neue Biogas-Projekte mit insgesamt 4 MW wurden Genehmigungen erteilt. Der aktuelle Einspeisetarif sieht für die Nutzung von Deponiegasen eine Vergütung von 2.700 Rial pro kWh (1 Euro = 42.500 Rial) vor, bei Biogasanlagen (Nutzung von landwirtschaftlichen Abfällen, Klärschlamm etc.) sind es 3.500 Rial und bei Müllverbrennungsanlagen 3.700 Rial. Die in Rial gezahlten Vergütungen werden jährlich an die Inflations- und die Euro-Wechselkursentwicklung angepasst (Adjustment Formula).

Pressemeldungen zufolge hat das Energieministerium im März 2017 mit einer tschechischen Firma den Bau einer 40 Mio. US$ teuren 20 MW WTE-Anlage (Müllverbrennung, 350 t/Tag) in der nördlichen Provinz Gilan (am Kaspischen Meer) als BOT-Projekt (Build Operate Transfer) vereinbart.

Kontaktanschrift:

Tehran Waste Management Organization

Mr. Moradikia (Research Projects Management)

Opposite Mahdiye Hospital, Fadaeean Street, Shoush Ave.

Tehran, Iran

Tel.: 0098 912 68 49 337

E-Mail.: s.moradikia@gmail.com, Internet: http://pasmand.tehran.ir

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Umwelttechnische Anlagen, Abfallentsorgung, Recycling, Waste to Energy

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

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‎+49 (0)228 24 993-234

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