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11.03.2016

Irans Downstream-Industrien auf Expansionskurs

Raffinerien erfordern hohe Investitionen / Petrochemie soll Kapazitäten verdreifachen / Von Robert Espey

Teheran (gtai) - Neben der Steigerung der Öl-und Gasförderung gehört der Ausbau der Downstream-Industrien zu den Prioritäten der iranischen Wirtschaftsplanung. Das Wachstum des Raffineriesektors und der Petrochemie soll auch wesentlich zur Erhöhung der iranischen Ausfuhren beitragen. Die Realisierung der zahlreichen, teilweise schon begonnenen Milliardenprojekte ist in Kooperation mit ausländischen Investoren und Technologielieferanten geplant. Auch Unternehmen aus Deutschland zeigen großes Interesse.

Der neue, noch nicht verabschiedete Fünfjahresentwicklungsplan (2016/17 bis 2020/21; iranische Jahre: 21.3 bis 20.3) sieht Investitionen in Höhe von 15 Mrd. US$ allein zur Modernisierung der bestehenden iranischen Raffinerien vor, so Ölminister Bijan Zanganeh. Im nachgelagerten Petrochemiesektor kalkuliert der Plan mit jährlichen Investitionen von durchschnittlich 12 Mrd. US$. Ein solches Investitionsniveau werde eine große Zahl von Arbeitsplätzen schaffen, erklärt der Minister.

Raffineriekapazitäten bislang nur leicht gestiegen

Irans Raffineriekapazitäten zeigten in den letzten Jahren kein wesentliches Wachstum. Zwischen 2010 und 2013 hatten die neun Raffinerien der National Iranian Oil Company (NIOC) unverändert eine Kapazität von insgesamt 1,72 Mio. bpd (barrel per day). Maßnahmen zur Kapazitätserhöhung bei bestehenden Anlagen brachten 2014 eine Steigerung auf 1,78 Mio. bpd. Die beiden größten Raffinerien des Landes stehen in Abadan (0,40 Mio. bpd) und Esfahan (0,38 Mio. bpd), es folgen die Anlagen in Bandar Abbas (0,28 Mio. bpd), Teheran (0,25 Mio. bpd), Arak (0,24 Mio. bpd) und Täbris (0,11 Mio. bpd).

Der Regierungsplanung zufolge sollen die Raffineriekapazitäten innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre auf 3,2 Mio. bpd steigen. Mit dem Bau einer 2,8 Mrd. US$ teuren Raffinerie zur Verarbeitung von 0,5 Mio. bpd bei der Gasförderung anfallender Kondensate ist in Bandar-e Siraf am Persischen Golf begonnen worden. Die Anlage soll für den Export 0,27 Mio. bpd Naphtha, 0,14 Mio. bpd Diesel, 0,04 Mio. bpd Kerosin und 0,03 Mio. bpd LPG (Liquified Petroleum Gas) erzeugen. Iran hat 2014/15 rund 0,2 Mio. bpd Kondensate exportiert, mittelfristig sind 1 Mio. bpd angestrebt. Langfristig sollen aber alle Kondensate in Iran weiterverarbeitet werden.

Der Raffineriedurchsatz lag 2012 und 2013 mit 1,78 Mio. bpd beziehungsweise 1,89 Mio. bpd oberhalb der nominalen Kapazität, mit 1,77 Mio. bpd wurde 2014 ein Auslastungsgrad von leicht unter 100% erreicht. Es wurden 2014 unter anderem 0,59 Mio. bpd Destillate, 0,34 Mio. bpd Benzin sowie 0,10 Mio. bpd Kerosin produziert. Die Raffinerien konnten 2014 Irans Bedarf an Ölerzeugnissen vor allem bei Benzin und Kerosin nicht decken. Der Import von Raffinerieerzeugnissen wird für 2014 mit 0,04 Mio. bpd angegeben.

Im Januar 2016 wurde mit Italiens Saipem eine Absichtserklärung zur Modernisierung der Raffinerien Täbris (Kapazität: 110.000 bpd; Inbetriebnahme 1978) und Shiraz (40.000 bpd; 1973) unterzeichnet. Ferner ist eine Kooperation bei zwei Pipeline-Projekten IGAT 9 und 11 (Iran Gas Trunk Line) vereinbart worden.

Viele Petrochemie-Projekte warten auf Investoren

Irans petrochemische Industrie baute ihre Kapazitäten zwischen 2005/06 und 2010/11 von 20,4 Mio. auf 51,1 Mio. t aus, die Produktion expandierte von 15,7 Mio. auf 40,2 Mio. t. In den letzten vier Jahren wurden die Kapazitäten um etwa 9 Mio. auf 60 Mio. t (2014/15) erweitert, der Ausstoß stieg auf 44,4 Mio. t, für 2015/16 werden etwa 46 Mio. t erwartet. Zwölf Petrochemieprojekte sollen 2015/16 die Gesamtkapazität des Sektors um 6 Mio. t /Jahr erhöhen. Bis 2021 ist ein Kapazitätsausbau auf 130 Mio. t und bis 2025 auf 180 Mio. t angestrebt. Die aktuelle Produktionskapazität verteilt sich auf 48 petrochemische Anlagen. Wichtige Produkte der iranischen Petrochemie sind Methanol, Ethylen, Polyethylen, Propylen, Polypropylen, Ammoniak und Harnstoff.

Gemäß Informationen der National Petrochemical Company (NPC) gibt es derzeit in der Petrochemie über 70 nicht abgeschlossene Projekte, deren Fertigstellung zu einer Kapazitätserhöhung auf 120 Mio. t führen würde. Die notwendigen Investitionen werden mit 36 Mrd. US$ beziffert. Ausländische Investoren sollen hier eine zentrale Rolle spielen. Der NPC zufolge gibt es bereits Gespräche unter anderem mit Linde und Japans Mitsui & Co. Ferner berichtete NPC, zwei deutsche Firmen seien bereit, in Irans Petrochemie insgesamt 12 Mrd. Euro zu investieren.

Nach Angaben der für Projekte zuständigen NPC-Direktorin, Marzieh Shahdaei, sollen bis Ende 2015/16 drei Petrochemieprojekte entlang der "West Ethylene Pipeline" in Mahabad (Produkte: HDPE, LLDPE), Kordestan (LDPE) und Khoramabad/Lorestan (HDPE, LLDPE) fertiggestellt werden. Die Vorhaben werden Irans PE-Kapazität um 0,9 Mio.t /Jahr erhöhen. Nach ursprünglicher Planung sollten die Projekte bereits 2011 in Produktion gehen. Der Baufortschritt bei der 2. Phase der "West Ethylene Pipeline", die von Kermanshah nach Täbris verläuft, wird mit 80% angegeben, die 1. Phase soll weitgehend abgeschlossen sein.

Im 1963 gegründeten Marvdasht Petrochemical Complex (Shiraz) sollen 2015/16 neue Anlagen zur Herstellung von Ammoniak und Harnstoff mit einer Kapazität von insgesamt 1 Mio. t den Betrieb aufnehmen, dies ist Irans 7. Harnstoff-Ammoniak Projekt. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll im Morvarid Petrochemical Complex (Asaluyeh; seit 2010) eine 550.000 t MEG-Anlage (Mono Ethylene Glycol) in Produktion gehen. Auch Irans 11. Olefin Anlage, die in Asuluyeh als 2. Phase der Kavian Petrochemical Company realisiert wird, steht kurz vor der Fertigstellung. Das Olefin-Projekt verfügt über eine Kapazität von 1 Mio. t/Jahr Ethylen.

Andere Projekte mit geplanter Fertigstellung bis Ende 2015/16 sind unter anderem ein Polystyrene-Projekt der Takht-E Jamshid Petrochemical Company in Mahshahr (Kapazität: 48.000 t/Jahr; Styrene Butadiene Rubber/SBR, Polybutadiene Rubber/PBR), eine zweite MDI/HCI-Anlage (Methylene diphenyl diisocyanate, Hydrochloric Acid) der Karoon Petrochemical Company in Mahshahr mit einer Jahreskapazität von 85.000 t, ein PVC-Projekt der Hegmataneh Petrochemical Industry Company (48.000 t/Jahr) in Hamedan sowie die 3. Phase von Pardis Petrochemical (Harnstoff, Ammoniak; 1,8 Mio. t/Jahr) in Asuluyeh. Weitere 60 Projekte befinden sich in der Durchführungsphase, darunter allerdings nur wenige mit einem Baufortschritt von mehr als 30%. Mit weniger als 15% wird der Projektfortschritt bei über 40 Vorhaben angegeben.

Petrochemische Exporte steigen

Neben dem Ölsektor ist die petrochemische Industrie der wichtigste Exporteur des Landes. Die Ausfuhren petrochemischer Erzeugnisse erreichten 2011/12 mit 19,3 Mio. t einen ersten Höhepunkt, sanktionsbedingt folgten Rückgänge auf 15,6 Mio. (2013/14) und 12,8 Mio. t (2013/14). Durch die Anfang 2014 erfolgte Aussetzung der für die Petrochemieausfuhr geltenden Sanktionen sind die Exporte wieder stark gestiegen. Gemäß Angaben der Petrochemical Commercial Company (PCC) lieferte Iran 2014/15 insgesamt 25 Mio. t petrochemische Produkte ins Ausland, die 14 Mrd. US$ einbrachten, für 2015/16 werden 18 Mrd. US$ prognostiziert.

Iran: Ausfuhren von organischen chemischen Erzeugnissen sowie Kunststoffen 2014 (in Mio. US$)
HS-Position Bezeichnung Wert
29 Organische chemische Erzeugnisse 3.945
29.05 Acyclische Alkohole etc. 1.537
29.02 Cyclische Kohlenwasserstoffe 1.496
29.01 Acyclische Kohlenwasserstoffe 379
29.09 Ether, Etheralkohole, Etherphenole etc. 273
29.32 Heterocyclische Verbindungen, nur mit Sauerstoff als Heteroatom 123
39 Kunststoffe und Waren daraus 4.851
39.01 Polymere des Ethylens, in Primärformen 3.246
39.17 Rohre, Schläuche etc. 241
39.24 Haushalts- oder Hauswirtschaftsartikel etc. 196
39.23 Transport- oder Verpackungsmittel etc. 189
39.02 Polymere des Propylens etc. in Primärformen 179

Quellen: Trade Promotion Organisation of Iran, International Trade Center, UN Comtrade

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Export, Petrochemie

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