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07.02.2017

Irans Einfuhren zeigen Trend nach Europa

Noch kein Importboom / EU28 gewinnt Marktanteile / Deutsche Lieferungen expandieren kräftig / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Während der Sanktionszeit hat Iran seine Handelsbeziehungen zu Partnern in Asien stark ausgebaut. Heute kommt aus VR China etwa ein Viertel der iranischen Importe. Nach der Anfang 2016 erfolgten starken Lockerung der Sanktionen sind nun europäische Anbieter wieder verstärkt in Iran aktiv und verbuchen eine anziehende Nachfrage. Aber viele Unternehmen hatten mehr erwartet. Finanzierungsengpässe und die in vielen Branchen noch schwache Konjunktur lassen aber den Import nur langsam wachsen.

Die vor einem Jahr in Kraft getretenen Sanktionserleichterungen haben bislang noch nicht zu dem erwarteten Importboom geführt. Im Jahresverlauf 2016/17 (iranisches Jahr 1395; 21.3.16 bis 20.3.17) gingen die Einfuhren zunächst weiter zurück, aber in den letzten Monaten ist ein Anstieg zu verzeichnen.

Der iranische Zoll meldet für die ersten zehn Monate 2016/17 einen Anstieg der Einfuhren gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 3,2% auf 35,0 Mrd. US$ (cif). Als Hauptimportprodukte werden Mais (1,2 Mrd. US$), Sojabohnen (774 Mio. US$), Kfz-Teile (666 Mio. US$), Fahrzeuge mit einem Hubraum von 1,5 bis 2,0 l (626 Mio. US$) und Fahrzeuge mit einem Hubraum über 2,0 bis 2,5 l (536 Mio. US$) genannt.

Den Zollangaben zufolge mussten vier der fünf im Zehnmonatszeitraum wichtigsten Lieferanten Schrumpfungen hinnehmen: VR China (Exporte: 8,4 Mrd. US$; Veränderung: -1,3%), die Vereinigten Arabischen Emirate (vor allem Re-Exporte über Dubai; 5,5 Mrd. US$; -11,5%), Korea (Rep.; 2,8 Mrd. US$; -8,7%) und die Türkei (2,2 Mrd. US$; -11,0%). Auf dem 5. Rang lag Deutschland, hier gab es einen deutlichen Anstieg um 36,4% auf 2,0 Mrd. US$.

Iran: Außenhandel 2011/12 bis 2015/16 (in Mio. US$; Veränderung in %) 1)
2011/12 (1390) 2) 2012/13 (1391) 2) 2013/14 (1392) 2) 2014/15 (1393) 3) 2015/16 (1394) 3) Veränderung 1394/1393
Importe (fob) 78.027 68.734 63.584 65.079 52.419 -19,5
.Öl- und .Gaserzeugnisse 5.726 2.652 3.263 3.948 2.233 -43,4
.sonstige .Erzeugnisse 72.301 66.082 60.321 61.131 50.186 -17,9
Exporte (fob) 145.806 97.296 92.910 86.471 64.597 -25,3
.Öl und Gas 119.148 68.083 64.540 55.352 33.596 -39,4
.Nichtöl-.erzeugnisse 26.658 29.213 28.369 31.119 31.028 -0,3
Handelsbilanz-saldo 67.779 28.563 29.326 21.392 12.178 -43,1

1) jeweils iranische Jahre (21.3. bis 20.3.); 2) offizielle Angaben; 3) vorläufig

Quelle: Central Bank of Iran

Nach Zollangaben (cif-Werte, daher Abweichung zur Tabelle) erreichten die Einfuhren 2010/11 mit 64,5 Mrd. US$ einen Höhepunkt. Der Import sank in den folgenden drei Jahren bis auf 49,7 Mrd. US$ (2013/14), erholte sich 2014/15 deutlich auf 53,6 Mrd. US$. Ein erneuter Einbruch wurde 2015/16 verzeichnet (-23% auf 41,5 Mrd. US$). Im Gesamtjahr 2016/17 könnten 44 Mrd. US$ erreicht werden, ein im langjährigen Vergleich immer noch niedriger Wert, vor zehn Jahren wurden 41,7 Mrd. US$ registriert.

Deutschland legt deutlich zu

Auf Basis der von Eurostat veröffentlichten Daten für die ersten elf Monate 2016 ist für das Gesamtjahr ein Anstieg der deutschen Ausfuhren nach Iran gegenüber 2015 um etwa 25% auf 2,6 Mrd. Euro anzunehmen. Dieses Exportniveau liegt allerdings nur 8% über dem 2014 verbuchten Wert. Prognosen aus dem Frühjahr 2016, dass die deutschen Iran-Exporte in einigen Jahren auf 10 Mrd. Euro steigen könnten, erscheinen heute als zu optimistisch. Das 2016 erzielte Plus wurde wesentlich durch starke Zuwächse bei Maschinen und Anlagen, bei Mess-, Prüf-, Präzisions-, medizinischen und chirurgischen Instrumenten sowie bei Fahrzeugen und Teilen verursacht.

Deutschland: Ausfuhren nach Iran 2013 bis 2016 (in Mio. Euro)
HS Bezeichnung 2013 2014 2015 2016, 11 Monate
Insgesamt 1.840 2.380 2.050 2.270
84 Maschinen, Apparate etc., und Teile davon 470 661 576 685
90 Mess-, Prüf- oder Präzisionsinstrumente, medizinische/chirurgische Instrumente etc. 130 133 187 209
30 Pharmazeutische Erzeugnisse 246 219 210 182
87 Kraftwagen, Krafträder etc. und Teile davon und Zubehör 45 118 98 152
10 Getreide 241 571 254 148
85 Elektrische Maschinen, Apparate etc. 141 141 120 139
39 Kunststoffe und Waren daraus 43 54 50 70
38 Verschiedene Erzeugnisse der chemischen Industrie 39 39 53 69
55 Synthetische oder künstliche Spinnfasern 58 42 49 50
48 Papier und Pappe etc. 48 46 42 48

Quelle: Eurostat

Eurostat zufolge stiegen die deutschen Maschinen- und Anlagenlieferungen nach Iran in den ersten elf Monaten 2016 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 35% auf 685 Mio. Euro. Die größte Maschinengruppe waren Pumpen und Kompressoren (HS 84.14) mit 108 Mio. Euro, einen Großteil dürfte die Öl-, Gas- und petrochemische Industrie abgenommen haben. Für über 65 Mio. Euro wurden unter HS 84.22 erfasste Verpackungsmaschinen exportiert. Gasturbinen (HS 84.11) gingen für 45 Mio. Euro nach Iran, Armaturen und Ventile (HS 84.81) für 36 Mio. Euro.

Der deutsche Export von Mess-, Prüf-, Präzisions-, medizinischen und chirurgischen Instrumenten (HS 90) summierte sich auf 209 Mio. Euro, davon entfielen auf Medizintechnik 129 Mio. Euro. Die Lieferungen von pharmazeutischen Erzeugnissen lagen bei 182 Mio. Euro. Bei Kraftfahrzeugen und Teilen gab es einen starken Anstieg auf 152 Mio. Euro.

EU28: Ausfuhren nach Iran 2013 bis 2016 (in Mio. Euro)
Länder 2013 2014 2015 2016, 11 Monate
EU28 5.446 6.424 6.454 6.392
.Deutschland 1.840 2.380 2.050 2.270
.Italien 1.056 1.155 1.195 1.344
.Niederlande 265 390 469 660
.Frankreich 494 454 562 596
.Belgien 240 330 400 426
.Spanien 314 293 233 312
.Rumänien 115 83 183 290
.Österreich 185 222 288 240
.Dänemark 92 135 165 239
.Schweden 141 230 272 209
.Großbritannien 89 114 123 151

Quelle: Eurostat

Die EU28 Gruppe konnte in den ersten elf Monaten 2016 ihre Iran-Lieferungen nur um 10,8% auf 6,4 Mrd. Euro ausweiten. Die Zuwächse der einzelnen Länder waren sehr unterschiedlich. Unter den fünf führenden EU-Lieferanten konnte die Niederlande mit einem Anstieg um 57% auf 660 Mio. Euro das größte Plus verbuchen. Die als niederländische Exporte erfassten Ausfuhren stammen aber zu einem Großteil aus anderen Ländern (Rotterdam Effekt). Italiens Iran-Exporte expandierten um 28% auf 1,3 Mrd. Euro. Bei Frankreich waren es 19% auf 596 Mio. Euro, bei Belgien 15% auf 426 Mio. Euro (Antwerpen Effekt).

Asien liefert weniger, Japan ist Ausnahme

Nahezu alle großen asiatischen Lieferanten haben 2016 ein schrumpfendes Iran-Geschäft verzeichnet. Die wichtigste Ausnahme war Japan. In den letzten Jahren war Japan nur noch sehr schwach in Iran präsent und startete 2016 von einem sehr niedrigen Niveau. Die japanischen Exporte sanken von 2,1 Mrd. US$ (2010) auf 171 Mio. US$ (2013), rund 288 Mio. US$ waren es 2015. Für die ersten elf Monate 2016 meldet Japan nun fast eine Verdoppelung der Lieferungen auf 489 Mio. US$.

Ausfuhren wichtiger Lieferländer nach Iran 2011 bis 2015 (in Mio. US$)
2011 2012 2013 2014 2015 1)
VR China 14.762 11.599 14.037 24.340 17.831
Vereinigte Arabische Emirate 2) 14.219 16.209 17.866 17.035 10.814
EU28 14.593 9.480 7.233 8.522 7.154
.Deutschland 4.285 3.243 2.444 3.175 2.331
.Italien 2.590 1.808 1.402 1.536 1.325
Korea (Rep.) 6.068 6.257 4.481 4.162 3.731
Türkei 3.590 9.922 4.193 3.886 3.664
Indien 2.462 2.572 5.434 4.404 3.127
Brasilien 2.332 2.184 1.609 1.439 1.666
Russland 3.277 1.900 1.169 1.326 1.017
Japan 1.699 658 171 254 288
USA 233 251 308 187 282

1) der Wert der EU-Lieferungen 2015 in US$ wird stark durch die Wechselkursentwicklung beeinflusst; 2) vor allem Re-Exporte über Dubai

Quellen: Außenhandelsstatistiken der Lieferländer, UN Comtrade

Der chinesische Zoll registrierte in den ersten elf Monaten 2016 einen Rückgang der Ausfuhren nach Iran um 10% auf 14,6 Mrd. US$. Damit bleibt die VR China aber unangefochten der mit Abstand größte Lieferant der Islamischen Republik. Koreas (Rep.) Ausfuhren sanken 2016 nur um 0,4% auf 3,7 Mrd. US$. US-Firmen dürfen weiterhin nur wenige Produkte nach Iran liefern (Nahrungsmittel, Medizintechnik etc.) und 2016 gingen die Exporte um 35% auf 159 Mio. US$ (11 Monate) zurück.

(R.E.)

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Iran Export, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein

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