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08.08.2017

Irans Gasproduktion expandiert kräftig

South Pars macht große Fortschritte / Ausschreibung neuer Projekte angekündigt / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Nach Lockerung der Sanktionen Anfang 2016 hat Iran die seit 2010 sanktionsbedingt schleppende Entwicklung des Gassektors deutlich beschleunigen können. Die wieder zulässige Beschaffung notwendiger Ausrüstungen ermöglicht die Fertigstellung vieler Gasprojekte sowie Ersatzbeschaffungen für bestehende Anlagen. Iran wird 2017/18 zehn Entwicklungsphasen des großen South Pars Gasfeldes in Betrieb nehmen. Mit einem von Frankreichs Total geführten Konsortium wurde ein Großprojekt vereinbart.

Irans Gasförderung stieg 2016/17 (iranisches Jahr 1395: 21.3.16 bis 20.3.17) auf 882 Mio. cbm/Tag, so offizielle Angaben. Bis Ende 2017/18 sollen etwa 1 Mrd. cbm erreicht werden. Die Steigerung wird im Wesentlichen durch die Inbetriebnahme weiterer Entwicklungsphasen des South Pars Gasfeldes, des größten iranischen Gasfeldes, möglich. Die Entwicklung der South Pars Vorkommen (Reserven: 14.000 Mrd. cbm) im Persischen Golf findet in 24 Phasen statt. Die South Pars Phasen 1 bis 10 gingen im Zeitraum 2004 bis 2009 mit einer Förderkapazität von insgesamt 275 Mio. cbm/Tag in Produktion. Noch vor Lockerung der Sanktionen starteten 2015/16 drei weitere Phasen (12, 15 und 16) mit einer Kapazität von über 130 Mio. cbm.

Abschluss aller South Pars Phasen bis 2021

Bis Ende 2017/18 will Iran 23 der 24 South Pars Phasen in Betrieb genommen haben. Allerdings verfügen die zehn 2017/18 hinzukommenden Phasen noch nicht über die geplanten Endkapazitäten. Nach vollem Ausbau sollen alle 23 Phasen eine Gesamtkapazität von etwa 735 Mio. cbm/Tag erreichen. Bei der für 2021 erwarteten Fertigstellung der Phase 11 soll South Pars insgesamt 785 cbm/Tag Gas und 1 Mio. bpd (barrel per day) Kondensate fördern können. Neben aufbereitetem Gas und Kondensat für den lokalen Verbrauch oder zum Export soll South Pars jährlich 10 Mio. t LNG (Liquefied Natural Gas), 9 Mio. t Ethan sowie Propan, Butan und Sulfur liefern.

Der Auftrag zur Entwicklung der Phase 1 (Kapazität: 25 Mio. cbm/Tag) ging 1997 an das zur National Iranian Oil Company (NIOC) gehörende Unternehmen Petropars, als ausländischer Partner war Samsung C&T beteiligt; die Inbetriebnahme erfolgte Ende 2004. Die ebenfalls 1997 vergebenen Phasen 2 und 3 (insgesamt 50 cbm/Tag) wurden von TotalFinaElf (Partner: Gazprom und Petronas/Malaysia) durchgeführt und bereits 2003 abgeschlossen.

Die Phasen 4 und 5 (50 Mio. cbm/Tag) wurden von Italiens Eni zusammen mit Petropars realisiert (Inbetriebnahme: 2005), die Phasen 6 bis 8 (100 cbm/Tag) von, Norwegens Statoil mit Petropars (2008). Die Phasen 9 und 10 (50 Mio. cbm/Tag) führte Koreas GS mit der lokalen Oil Industries Engineering and Construction Company (OIEC) sowie der Iranian Offshore Engineering and Construction Comapnay (IOEC) durch, Fertigstellung war 2009.

Die Phasen 12 bis 24 mit einer Gesamtkapazität von 460 Mio. cbm/Tag wurden beziehungsweise werden ohne ausländische Hauptauftragnehmer durchgeführt. Zu den beteiligten lokalen Firmen/Organisationen gehören neben Petropars, OIEC und IOEC unter anderem die Iranian Marine Industrial Company (Sadara), Mapna, Arak Machinary, Aria Naft Shahab, Petro Sina Aria, Petro Peydar Iranian, die Industrial Development & Renovation Organization of Iran (IDRO), die Saff Engineering and Management Company, Industrial Projects Management of Iran (IPMI), der Iran Shipbuilding & Offshore Industries Complex (ISOICO), die Iranian National Drilling Company und Dana Kish Drilling.

Neustart bei South Pars Phase 11

Die Realisierung der Phase 11, die vor allem LNG liefern soll, war sanktionsbedingt zeitweise zum Stillstand gekommen. Total hatte sich aufgrund amerikanischen Drucks 2008 aus dem Projekt zurückgezogen und es wurde 2010 die China National Petroleum Corporation (CNPC) beauftragt. Meinungsverschiedenheiten mit der CNPC führten 2013 zu einer Übernahme des Projekts durch Petropars.

Im Juli 2017 erfolgte nach langen Verhandlungen eine Neuvergabe der Phase 11 an ein Konsortium bestehend aus Frankreichs Total (50,1%), der CNPC (30%) und Petropars (19,9%). Total hatte zunächst wegen möglicher neuer US-Sanktionen gezögert.

Das Investitionsvolumen für South Pars 11 wird mit 4,8 Mrd. US$ veranschlagt. Total will zunächst 1 Mrd. US$ beisteuern. Angesichts der unkalkulierbaren Washingtoner Iran-Politik erklärte Total CEO Patrick Pouyanne, man müsse mit einer gewissen Unsicherheit leben. Das 1 Mrd. US$ Risiko sei aber gerechtfertigt, weil dadurch ein riesiger Markt geöffnet werde. Das Risiko möglicher neuer oder die Reaktivierung alter US-Sanktionen sei berücksichtigt.

In South Pars 11 ist eine Förderung von 50 Mio. cbm/Tag geplant. Für das Projekt kommt das neue Vertragsmodell, der "Iranian Petroleum Contract" (IPC), zur Anwendung. Demnach würde das französisch-chinesisch-iranische Konsortium das Gasfeld entwickeln und anschließend mindestens 20 Jahre betreiben.

Neue Gasprojekte mit ausländischen Partnern in Vorbereitung

Weitere Gasfelder sollen zur Entwicklung an internationale Konsortien vergeben werden. Dazu gehören die Gasvorkommen Farzad A und B, Kish, North Pars, Golshan und Ferdowsi, Aghar, Halegan, Sefied-Baghoun, Sefied-Zakhour, Dey und Karun Bangetan.

Iran hat insgesamt 34 ausländische Unternehmen zugelassen, die sich um Öl- und Gasprojekte bewerben dürfen. Als Ergebnis eines Präqualifikationsverfahrens veröffentlichte die NIOC im Januar 2017 zunächst eine Liste mit 29 Firmen. Als westeuropäische Unternehmen sind dabei: CEPSA (Spanien), DNO (Norwegen), ENI (Italien), Maersk Oil (Dänemark), OMV (Österreich), Schlumberger (Niederlande), Shell (Niederlande), Total (Frankreich) und die BASF-Tochter Wintershall.

Auch zugelassen sind unter anderem Gazprom, die CNPC, die China Petroleum & Chemical Corporation (Sinopec), Japans Inpex, die Korea Gas Corporation (KOGAS), ONGC Videsh (Indien) oder Malaysias Petronas. Im Juni 2017 wurde die Liste um die russischen Firmen Gazprom Neft, Rosneft, Tatneft und Zarubezhneft sowie die State Oil Company of Azerbaijan Republic (Socar) erweitert.

ENI hat im Juni 2017 mit der NIOC eine Absichtserklärung über die Durchführung von Studien zur Entwicklung des Kish Gasfeldes sowie der 3. Phase des Darkhovin Ölfeldes unterzeichnet. Das Kish Gasfeld wurde 2006 entdeckt, es verfügt über Reserven von 1.900 Mrd. cbm. Mit der Entwicklung des Feldes wurde 2012 begonnen. In einer ersten Entwicklungsphase sind eine Förderung von 25 Mio. cbm/Tag und 11.000 bpd Kondensat vorgesehen.

Im Mai 2017 hat Gazprom eine Grundsatzvereinbarung über eine mögliche Beteiligung an der Entwicklung von drei Gasfeldern (Kish, Farzad B, North Pars) unterschrieben. Pressemeldungen zufolge erwägt Wintershall eine Kooperation mit Gazprom. Wintershall hat im April 2016 eine Absichtserklärung über Studien in Iran unterzeichnet, dabei soll es sich um vier Ölfelder in West-Iran handeln.

Am Farzad B Gasfeld ist auch Indiens ONGC Videsh Ltd. interessiert. Von indischen Unternehmen wurde das Gasfeld 2012 entdeckt. ONGC Videsh präsentierte im Juli 2017 das Angebot, in das Gasfeld 6 Mrd. US$ zu investieren und weitere 5 Mrd. US$ in den Bau einer LNG-Anlage. Das LNG wäre für den indischen Markt bestimmt.

Das North Pars Gasfeld (Reserven: 1.330 Mrd. cbm) ist schon seit 1967 bekannt, wurde aber bislang noch nicht entwickelt. Ein mit der China National Oil Corporation (CNOC) geschlossener Vertrag ist 2011 wieder aufgehoben beziehungsweise ausgesetzt worden. Das Golshan Gas Feld (677 Mrd. cbm) wurde 2007 entdeckt, die Ferdowsi Vorkommen (108 Mrd. cbm) bereits 1965.

Starke Ausweitung der Gasexporte geplant

Die wachsende Gasförderung wird nur in geringem Umfang zur lokalen Versorgung der privaten Haushalte, der Industrie und der Kraftwerke benötigt, der Großteil soll in den Export gehen. Offiziellen Prognosen zufolge könnte Iran 2021 etwa 365 Mio. cbm/Tag exportieren, derzeit sind es weniger als 40 Mio. cbm/Tag. Neben dem Export per Pipeline soll das Gas als LNG weltweit vermarket werden. Zusätzlich zur geplanten South Pars LNG Produktion ist beispielsweise vorgesehen, die gesamte Förderung des North Pars Gasfeldes als LNG zu exportieren. Langfristig plant Iran eine LNG-Exportkapazität von 40 Mio. t/Jahr.

(R.E.)

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