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12.07.2017

Irans Stahlindustrie blickt nach vorn

Produktion und Exporte deutlich gestiegen/ Kapazitäten sollen sich nahezu verdoppeln / Von Robert Espey

Teheran (GTAI) - Hohe Investitionen in die gesamte Wertschöpfungskette sollen bis 2025 zu einer Verdreifachung der Stahlerzeugung auf jährlich 55 Mio. t führen. Obwohl Irans Stahlproduktion seit 2016 wieder eine kräftige Aufwärtstendenz zeigt, liegt der Ausstoß weit unterhalb der Kapazitäten. Die in den vergangenen sechs Jahren geschrumpfte Inlandsnachfrage hat der Branche stark zugesetzt. Absatzerfolge im Ausland bringen derzeit Entlastung und auch auf dem lokalen Markt zeichnet sich nun eine Besserung ab.

Die Statistik des iranischen Stahlindustrieverbandes (Steel Iran) meldet für 2016/17 (iranisches Jahr 1395; 21.3. bis 20.3.) eine Steigerung der Rohstahlerzeugung (Slabs, Billets, Blooms etc.) um 11% auf 18,5 Mio. t. Die zur Iranian Mining Industries Development & Renovation Organization (IMIDRO) gehörenden staatlichen Stahlerzeuger konnten 2016/17 ihren Rohstahlausstoß nur um 5% auf 14,4 Mio. t erhöhen, die dem Privatsektor zugerechneten Unternehmen legten hingegen um 41% auf 4,0 Mio. t zu.

Im staatlichen Sektor schrumpfte 2016/17 die Produktion von Stahlerzeugnissen um 1% auf 11,3 Mio. t, davon entfielen 6,5 Mio. t auf warmgewalzte Coils (2015/16: 6,5 Mio. t), auf Bewehrungsstahl 2,1 Mio. t (2,1 Mio. t), auf kaltgewalzte Coils 1,4 Mio. t (1,2 Mio. t), auf Stahlträger 0,7 Mio. t (0,9 Mio. t) und auf beschichtete Coils 0,6 Mio.t (0,5 Mio. t). Der Privatsektor steigerte seinen Ausstoß um 15% auf 6,8 Mio. t, der Anteil von Bewehrungsstahl lag bei 4,6 Mio. t (2015/16: 4,1 Mio. t), es folgten mit jeweils 0,5 Mio. t kalt- und warmgewalzte sowie beschichtete Coils, die Stahlträgerproduktion betrug 0,2 Mio. t.

Stahlausfuhren nach Europa stark gestiegen

Irans Außenhandel mit Rohstahl und Stahlerzeugnissen entwickelte sich 2016/17 uneinheitlich. Sowohl die Ex- als auch die Importe von Stahlerzeugnissen gingen deutlich zurück (Exporte: -16% auf 1,8 Mio. t, Importe: -31% auf 2,9 Mio. t). Die Einfuhren von Rohstahl legten zwar um 44% zu, bewegten sich aber mit nur 0,2 Mio. t auf niedrigem Niveau. Der Export von Rohstahl verdoppelte sich auf 3,7 Mio. t.

Die iranischen Stahllieferungen nach Europa seit sind 2014 sprunghaft gewachsen. Nach Angaben der European Steel Association (Eurofer) ist Iran in der EU zum siebtgrößten Drittland-Stahlanbieter aufgestiegen. Eurofer zufolge lieferte Iran 2013 lediglich 0,1 Mio. t Stahl in die EU, rund 1,1 Mio. t waren es 2016.

Die Steigerung der Ausfuhren ist ein zentraler Bestandteil der Entwicklungsplanung der iranischen Regierung für den Stahlsektor. Als Ziel für 2025 wird ein Export von 20 Mio. bis 25 Mio. t genannt. Branchenkenner bewerten eine solche Erhöhung als sehr ambitioniert.

Irans Kapazitäten steigen deutlich, viele neue Projekte

Einer aktuellen Studie der iranischen Foolad Technic International Engineering Company (http://www.fooladtechnic.ir/fa/web/) zufolge ist Irans nominale Rohstahlkapazität zwischen 2014/15 und 2016/17 von 22,5 Mio. auf 29,8 Mio. t gestiegen. Im laufenden Jahr 2017/18 sollen weitere 4,8 Mio. t hinzukommen. Die Auslastung lag 2016/17 bei nur 62% und könnte 2017/18 trotz eines prognostizierten Produktionsanstiegs von über 10% aufgrund der erwarteten Fertigstellung zusätzlicher Kapazitäten weiter sinken.

Seit Lockerung der Iran-Sanktionen Anfang 2016 gibt es Verhandlungen mit führenden ausländischen Anlagenbauern über Projekte zur Modernisierung und zum Ausbau der iranischen Stahlindustrie. Derzeit sind Projekte mit einer Investitionssumme von geschätzten 10 Mrd. bis 15 Mrd. US$ im Gespräch (einschließlich Eisenerzgewinnung). Bei einigen Vorhaben sind die Planungen weit fortgeschritten beziehungsweise schon abgeschlossen. Zumeist ist aber ungeklärt, wie die Finanzierung erfolgen soll.

Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der Washingtoner Iran-Politik. Ein neues Sanktionsgesetz steht kurz vor Verabschiedung durch den US-Kongress und die Trump-Administration prüft, ob das mit Iran geschlossene Atomabkommen amerikanischen Sicherheitsinteressen entspricht. Erst im Herbst dürfte größere Klarheit über die zukünftige Ausrichtung der amerikanischen Iran-Politik bestehen.

Deutsche Technologie gefragt

Die deutsche SMS Group arbeitet an mehreren Projekten. Bei der Bilanzpressekonferenz im Juni erklärte Burkhard Dahmen, Vorsitzender der Geschäftsführung: "Im Iran hingegen sehen wir nach der jetzt vollzogenen Präsidentenwahl und der damit weiter schrittweisen Öffnung des Landes Chancen, in absehbarer Zeit unseren Beitrag bei der Modernisierung und dem Neuaufbau der Stahlindustrie leisten zu können. So haben wir hier erst jüngst zu fünf Anlagenprojekten sogenannte Vorverträge mit iranischen Kunden abschließen können. Voraussetzung für die Realisierung dieser Vorhaben ist jedoch die Bereitstellung von langfristigen Krediten durch den Bankensektor an die iranischen Hüttenwerke."

Bereits im Januar 2016 hat SMS mit der staatlichen Hormozgan Steel Company (Bandar Abbas) eine Vereinbarung zur Verdopplung der Brammenkapazität auf 3 Mio. t/Jahr unterzeichnet. Masoud Haratain, der Chef des iranischen Stahlunternehmens erklärte, das Projekt werde von Italien finanziert. Der Auftrag soll offensichtlich an die Mailänder SMS-Tochter SMS Innse S.p.A. gehen. Informationen zum aktuellen Projektstand liegen nicht vor. Das 2011 in Betrieb genommene Stahlwerk wurde unter Beteiligung von SMS gebaut, eine Erweiterung auf 3 Mio. t ist bereits beim Bau der Anlage eingeplant worden.

Mit Khayyam Steel (Neyshabour) konnte SMS im Juli 2016 ein Abkommen über eine Anlage zur Herstellung von Rohstahlblöcken (Kapazität: 0,5 Mio.t/Jahr) schließen. Anlässlich des Besuchs des damaligen Wirtschaftsministers Gabriel in Teheran im Oktober 2016 wurde eine Vereinbarung über die Lieferung von zwei Rohrwalzwerken unterschrieben. Dann im Februar 2017 folgte ein Vertrag mit dem größten iranischen Stahlunternehmen, Mobarakeh Steel, über ein 400 Mio. US$ Projekt zur Erweiterung der Produktionskapazität um 3,5 Mio. t. SMS wies allerdings darauf hin, auch dieses Vorhaben stehe unter Finanzierungsvorbehalt.

Italien sehr aktiv

Anfang 2016 hat Italiens Danieli Absichtserklärungen über neue Projekte in Iran im Wert von über 6 Mrd. US$ unterzeichnet. Gespräche mit IMIDRO über neue gemeinsame Projekte liefen schon seit 2015. Danieli ist seit 1980 in Iran aktiv und will sich an einem geplanten 2 Mrd. US$ Joint Venture (Persia Metallics) beteiligen. Das Gemeinschaftsunternehmen will ein Werk zur Herstellung von Eisenerzpellets mit einer Jahreskapazität von 6 Mio. t bauen. Ferner plant Danieli, für insgesamt 4 Mrd. US$ Maschinen und Ausrüstungen an verschiedene iranische Stahl- und Aluminiumhersteller zu liefern. Danieli plant, an Mobarakeh Steel eine Anlage zur Fertigung von Stahlblechen zu verkaufen, Khorasan Steel soll mit neuester EAF-Technologie (Electric Arc Furnance) versorgt werden.

ArcelorMittal will sich ebenfalls in Iran engagieren. Auch die spanische Sarralle Group, Süd-Koreas Pohang Iron and Steel Company (POSCO) und INTECO (Österreich) arbeiten an neuen Iran-Projekten.

Investitionen in Eisenerzgewinnung und Herstellung von Pellets

Nach Berechnungen von Foolad Technic muss Iran bei einer angestrebten Rohstahlerzeugung von 55 Mio. t die Eisenerzförderung auf 168 Mio. t ausweiten. Daraus müsste Eisenerzkonzentrat zur Herstellung von 87 Mio. t Pellets erzeugt werden, die dann zu 57 Mio. t Eisenschwamm (DRI, Direct Reduced Iron) verarbeitet würden.

Gegenwärtig verfügt Iran bei Eisenerz über eine Förderkapazität von etwa 80 Mio. t, Projekte für zusätzliche 50 Mio. t sind in der Planung, teilweise schon in der Implementierungsphase. Bei Konzentrat liegt die Kapazität aktuell bei 44 Mio. t, rund 26 Mio. t sind in Planung. Die Konzentrat-Produktion betrug 2016/17 aber nur 36,4 Mio. t (2015/16: 30,4 Mio. t), größter Hersteller ist die Golegohar Mining and Industrial Company (2016/17: 12,1 Mio. t). Die Produktionskapazität der existierenden Pelletswerke beträgt 30 Mio. t, weitere 60 Mio. t sind anvisiert.

(R.E.)

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Iran Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Hochöfen-, Gießerei- und Walzwerksprodukte

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