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17.04.2018

Israelische Verbraucher kaufen immer mehr importierte Waren

Anteil der Industrieprodukte am Gesamtkonsum nimmt zu / Aussichten bleiben positiv / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Der Privatverbrauch nimmt in Israel beständig zu. Dabei steigen die Ausgaben für importierte Konsumgüter überdurchschnittlich schnell. Das hat nicht zuletzt mit dem zunehmenden Anteil von Industrieprodukten an den Gesamtausgaben israelischer Verbraucher zu tun: Der Importanteil auf dem Markt für industrielle Konsumgüter ist nämlich viel höher als bei anderen Konsumkategorien. Auch der steigende Wohlstand spielt eine wichtige Rolle bei den Kaufentscheidungen.

Dass der Privatverbrauch in Israel einen Aufwärtstrend aufweist, ist nicht weiter überraschend. Das jährliche Wirtschaftswachstum schwankt um die Dreiprozent-Marke, während die Bevölkerung durchschnittlich um 1,9 Prozent jährlich wächst. Das macht Israel zu einem Wachstumsmarkt - auch für ausländische Anbieter.

Für Marktteilnehmer aus dem Ausland ist dabei wichtig, dass die Nachfrage der israelischen Verbraucher nach importierten Produkten überdurchschnittlich schnell steigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist der steigende Anteil von industriellen Fertigprodukten am israelischen Verbrauchskorb, denn diese Kategorie weist den höchsten Importanteil an der Marktversorgung aus. Das geht aus einer Ende Februar 2018 von Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics) veröffentlichten Aufschlüsselung der Konsumausgaben für die Jahre 1995 bis 2016 hervor

Israel: Struktur der Konsumausgaben 2000 - 2016 (ausgewählte Jahre; in Prozent)
Jahr Dienstleistungen Immobilien Industrieerzeugnisse Treib- und Heizstoffe, Strom und Wasser Nahrungsmittel, Getränke, Tabak
2000 35,7 22,4 14,2 7,5 20,2
2005 34,4 23,2 14,1 7,6 20,7
2010 35,0 22,8 15,4 7,3 19,5
2016 34,2 22,0 17,8 7,0 19,0

Quelle: Privatverbrauch nach Wirtschaftszweigen 1995 - 2016, Zentralamt für Statistik, Februar 2018

Ausländische Industrieprodukte beherrschen den Konsummarkt

Der Anteil ausländischer Waren und Dienstleistungen am Gesamtverbrauch 2016 lag bei 18,3 Prozent. Bei industriellen Produkten, außer den separat erfassten Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak, waren es indessen 77,7 Prozent, Tendenz steigend.

Im Jahr 2016 lagen die Ausgaben der israelischen Verbraucher für importierte Waren und Dienstleistungen bei 32 Milliarden US$. In laufenden Dollarwerten war das gut viermal so viel als anderthalb Jahrzehnte zuvor. Drei Viertel der für ausländische Waren und Dienstleistungen getätigten Ausgaben entfielen auf Industrieerzeugnisse.

Israel: Konsumausgaben für importierte Industriegüter 2000 - 2016 (ausgewählte Jahre; Mrd. US$) *)
Jahr Konsumausgaben insgesamt Davon: für ausländische Waren und Dienstleistungen Konsumausgaben für Industriegüter Davon: für ausländische Industriegüter
2000 64,5 7,6 9,2 5,4
2005 72,8 8,8 10,3 6,2
2010 126,8 19,9 19,6 14,3
2016 175,1 32,0 31,2 24,2

*) Binnenpreisangaben, umgerechnet nach dem jahresdurchschnittlichen Wechselkurs

Quelle: Zentralamt für Statistik, Februar 2018; Berechnet nach Angaben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Veröffentlichung "Privatverbrauch nach Wirtschaftszweigen 1995 - 2016"

Importe von Konsumgütern steil angestiegen

Bei den Konsumausgaben für importierte Waren handelt es sich nicht um Importzahlen, sondern um den beim Kauf durch den Verbraucher getätigten Geldaufwand, der Verbrauchssteuern, etwaige Zölle, inländische Kosten wie Transport, Lagerung, Verpackung und dergleichen sowie der Gewinnmargen des Handels enthält. Wie die Importaufschlüsselung zeigt, unterscheidet sich die Systematik der Außenhandelsstatistik von der Systematik der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Dennoch zeigt auch die Außenhandelsstatistik, dass die Nachfrage nach importierten Konsumgütern in der betrachteten Zeitspanne eine imponierende Entwicklung durchgemacht hat. Die höchsten Zuwachsraten wurden bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak, Kleidung und Schuhen, Medikamenten und medizinischen Ausrüstungen sowie bei Waren für Freizeitgestaltung erzielt.

Israelische Einfuhr von Konsumgütern 2000 - 2017 (ausgewählte Jahre; Mio. US$)
Kategorie 2000 2005 2010 2016 2017
Insgesamt 4.498 5.330 8.690 13.335 13.664
1. Nahrungsmittel, Getränke und Tabak 841 1.043 1.987 2.364 2.637
2. Kleidung und Schuhe 628 866 1.437 2.088 2.220
3. Möbel und Haushaltsausrüstungen 1.017 1.056 1.425 2.462 2.605
4. Medikamente und medizinische Ausrüstungen 248 345 557 842 873
5. Kfz 948 985 1.212 2.412 1.885
6. Waren für Freizeitgestaltung 469 554 1.273 1.838 1.909
7. andere Konsumgüter 346 481 803 1.329 1.536

Wachstumsfaktoren auch künftig am Werk

Für die kommenden Jahre sind die Aussichten auf dem Importmarkt für Konsumgüter weiterhin positiv, aber der Wachstumsschub dürfte sich verlangsamen. So ist bei dem jetzt erreichten, hohen Importanteil auf dem Markt für industrielle Konsumgüter eine weitere dramatische Steigerung der Importquote nicht mehr zu erwarten.

Einen besonderen Blick verdient der Markt für Nahrungsmittel. Zwar ist der Anteil der für diesen Zweck verwendeten Konsumausgaben rückläufig, doch konnte die Nahrungsmitteleinfuhr, wie aus der Importstatistik hervorgeht, ebenfalls stark zunehmen. Das liegt nicht zuletzt am Wunsch der Verbraucher, neue Produkte auszuprobieren, ebenso wie an der steigenden Zahl der Verbraucher, die sich hochwertige Nahrungsmittel aus dem Ausland leisten können.

Wie die Zentralbank (Bank of Israel) im März 2018 feststellte, stärkt die niedrige Arbeitslosigkeit wiederum das Vertrauen der Verbraucher in die Arbeitsplatzsicherheit und erhöht damit ihre Konsumneigung. Im Februar 2018 lag die Arbeitslosenquote (saisonbereinigt) bei 3,8 Prozent. Der Index der Verbraucherzuversicht ist auf dem höchsten Stand in diesem Jahrzehnt.

Ein weiterer Aspekt ist die Technikbegeisterung israelischer Verbraucher. Sie sorgt für schnellen Modellwechsel bei Telekommunikations- und elektronischen Unterhaltungsgeräten. Mit der für die kommenden Jahre anvisierten Aufwertung des Datenübertragungsnetzes werden positive Impulse für die Beschaffung modernster Geräte dieser Kategorien einhergehen.

(S.T.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Import, Konsum / Konsumentenverhalten, Konsumgüterindustrie

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