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11.09.2015

Italien setzt weiter auf erneuerbare Energien

Fördermittel gekürzt / Neue Schwerpunkte / Kleinanlagen und Dienstleistungen rücken in den Fokus / Von Robert Scheid

Mailand (gtai) - Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt in Italien voran. Nachdem die Fördermittel gekürzt worden sind, hat sich der Markt aber stabilisiert. Die Fotovoltaik bietet nach wie vor Potenzial, gesunkene Modulkosten, hohe Strompreise und die starke Sonneneinstrahlung sind die Gründe dafür. Wind- und Wasserkraft locken Investoren, jedoch ist der Markt für Biomasseanlagen gesättigt. Gute Geschäftschancen bieten sich spezialisierten Anbietern von Dienstleistungen.

Italien hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte beim Ausbau von erneuerbaren Energien gemacht. Ende 2014 lag die installierte Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Quellen bei 49.482 MW. Damit rangiert das Land weltweit auf Platz 6 und in Europa hinter Deutschland auf Platz 2. Im Jahr 2014 konnte Italien laut Netzbetreiber Terna bereits 21,2% des Primärenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen speisen. Bezogen auf den Stromverbrauch lag der Anteil bei 37,5%. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien hat der Konsumrückgang in den Krisenjahren seit 2008 dazu beigetragen, dass Italien die europäischen Klimaschutzziele bereits teilweise erreicht hat.

Vor allem zwischen 2010 und 2012 sind die Investitionen in neue Anlagen rasch gestiegen. Davor lag die installierte Kapazität bei circa 30.000 MW. Großzügige Anreize, insbesondere für die Installation von Fotovoltaik-Anlagen und - wenn auch in geringerem Umfang - für Windparks, haben 2011 zu einem Investitionsboom geführt. Vor diesem Hintergrund hat die italienische Regierung die Förderung von erneuerbaren Energien zurückgefahren und neue Schwerpunkte gesetzt.

Der Markt hat sich dann auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert. Einer Studie der Energy & Strategy Group zufolge wird das Investitionsniveau in den kommenden Jahren relativ konstant bleiben. Für den Zeitraum 2016 bis 2020 sagt der Renewable Energy Report Neuinstallationen im Umfang von 420 bis 720 MW pro Jahr voraus. Der überwiegende Anteil entfällt auf die Fotovoltaik.

Stromerzeugungskapazitäten in Italien 2014 (netto, Anteil in %)
GW Anteil
Insgesamt 121,8 100,0
.Kohle/Öl/Gas 68,5 56,3
.Atomkraft 0 0,0
.Erneuerbare Energien, davon 53,3 43,7
..Wasserkraft 22,0 18,1
..Fotovoltaik 18,7 15,4
..Wind 8,7 7,1
..Biomasse 3,1 2,5
..Geothermie 0,8 0,7

Quelle: Terna, Energy & Strategy Group

Neuinstallierte Kapazitäten in Italien (MW)
2014 2015* 2016-2020* (MW pro Jahr)
Erneuerbare Energien 696 630-730 420-720
..Fotovoltaik 385 400-500 300-600
..Wind 131 110 50
..Biomasse 107 50 -
..Wasserkraft 74 70 70

*) Prognosen

Quelle: Energy & Strategy Group

Fotovoltaik bietet weiterhin Ausbaupotenzial

Weltweit kommt Italien - gemessen an der installierten Kapazität - hinter Deutschland, der VR China und Japan auf dem vierten Platz. Im Jahr 2011 konnte Italien mit Neuinstallationen von Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 9.370 MW Deutschland von dem weltweiten Spitzenplatz verdrängen. Im Jahr 2012 gehörte Italien mit einer neuinstallierten Kapazität von 5.582 MW noch zu den weltweiten Spitzenreitern. Im darauffolgenden Jahr waren es weitere 2.655 MW. Nach dem Auslaufen von Förderprogrammen im Jahr 2014 kamen nur noch 696 MW hinzu.

Nach wie vor gibt es aber Steuernachlässe für neue Solaranlagen, auch die Produktion von Strom für den örtlichen Verbrauch wird gefördert. Vor diesem Hintergrund ist die Investition in kleine Solaranlagen auf Dächern weiter attraktiv. Hinzu kommt, dass die Modulkosten gesunken und die Strompreise hoch sind. Auch Sonnenstrahlung ist intensiv. Insgesamt ist die durchschnittliche Anlagengröße 2014 stark zurückgegangen, auf Solar-Dachanlagen unter 20kW entfielen 59% der neuinstallierten Kapazität, weitere 25% auf Anlagen mit 21 bis 200 kW. Die Investitionssumme für die Segmente lag bei 477 respektive 116 Mio. Euro, was 90% der Gesamtinvestitionen in neue Fotovoltaikanlagen entspricht. Für 2015 erwarten Experten Installationen auf Vorjahresniveau. Bis 2020 werden Prognosen zufolge fast nur kleine Dachanlagen mit einer jährlichen Kapazität von 300 MW hinzukommen.

Durch die hohe Zahl der installierten Anlagen bietet der Dienstleistungsbereich weiterhin Geschäftschancen. Im Jahr 2014 wurden mit der Instandhaltung von Anlagen 358 Mio. Euro umgesetzt, hinzu kamen Versicherungsprämien von 215 Mio. Euro. Gleichzeitig drängen immer mehr Dienstleistungsangebote auf den Markt und die Wartungspreise sinken. Spezialisierte Anbieter von Gesamtlösungen gewinnen an Bedeutung.

Ausbau der Windkraft zurückgeschraubt

Der Ausbau der Windkraft hat sich zwischen 2008 und 2012 relativ konstant entwickelt. In diesen Jahren kamen jeweils neue Anlagen mit einer Kapazität von 850 MW bis 1.350 MW hinzu. Anschließend ging der Ausbau 2013 auf 400 MW Neuinstallationen und 2014 auf 107 MW zurück. Insgesamt lag die installierte Kapazität Ende 2014 bei 8.657 MW. Damit rangiert Italien weltweit auf Platz neun, in Europa hinter Deutschland, Spanien, Großbritannien und Frankreich auf dem fünften Platz. Im vergangenen Jahr wurden 152 Mio. Euro in neue Anlagen investiert, weitere 149 Mio. Euro in die Instandhaltung von bestehenden Windparks, 35 Mio. Euro flossen in Versicherungsdienstleistungen.

Für das laufende Jahr werden Installationen im Umfang von circa 110 MW erwartet, davon entfallen 90 MW auf Anlagen von über 5 MW, weitere 20 MW in den Bereich Kleinwind. Ohne neue Förderprogramme sollen bis 2020 jährlich etwa 50 MW hinzukommen, davon 15 MW von Kleinwindanlagen.

Konstante Nachfrage nach kleinen Wasserkraftanlagen

Die Wasserkraft ist nach wie vor die wichtigste erneuerbare Quelle. Italien verfügte Ende 2014 über eine Erzeugungskapazität von 18.374 MW. Strom aus Wasserkraft wird überwiegend in den Gebirgsregionen im Norden des Landes gewonnen. Mit Ausnahme einiger Kleinvorhaben gilt das Potenzial als erschöpft. Im Jahr 2014 sind überwiegend Anlagen mit einer Dimension von weniger als 1 MW hinzugekommen, damit ist die Erzeugungskapazität um 74 MW gestiegen, nach einem Plus von 69 MW in 2013. Bürokratie ist das wichtigste Hindernis für den weiteren Ausbau der Wasserkraft. Die Genehmigungsverfahren sind in jede Region unterschiedlich und können bis zu 7 Jahre dauern.

Zahl der Biomassekraftwerke sinkt

Die Stromerzeugungskapazität aus Biomasse hat sich zwischen 2011 und 2014 von 1.986 MW auf 3.147 MW erhöht. 2014 kamen lediglich 131 MW hinzu. Knapp 1.500 MW entfallen auf Biogasanlagen, circa 1.000 MW auf Pflanzenöl-Anlagen und weitere 700 MW auf Anlagen für Biomasse aus Agroforstsystemen. In diesem Bereich bestehen bereits Überkapazitäten, da die Preise für die benötigten Rohstoffe hoch sind.

Für das kommende Jahr erwarten Experten den Abschluss von bereits begonnenen Projekten mit einem Umfang von etwa 50 MW. Anschließend werden sogar Schließungen von Anlagen nicht ausgeschlossen. Die Gesamtkapazität des Segments soll bis 2020 von gegenwärtig 3,1 GW auf 2,8 GW sinken.

(R.J.S)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, sonst. erneuerb. Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie, Strom-/Energieerzeugung, Solarthermie, alternative Energien

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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