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16.03.2016

Italienische Großbanken setzen auf Fintech

Öffentliche Verwaltung hinkt beim Thema Digitalisierung hinterher / Von Robert Scheid

Mailand (gtai) - Die Digitalisierung der italienischen Wirtschaft ist in der Finanzwelt noch nicht weit entwickelt, kommt aber - was die Fintechs betrifft - gut voran. Gleichzeitig gewinnt das Onlinegeschäft vor allem im Tourismus und in der Modebranche an Bedeutung. Im Gegensatz dazu ist die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung rückständig, hier versucht die Regierung unter Ministerpräsident Mateo Renzi auf nationaler Ebene mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Die Digitalisierung des Finanzwesens ist in Italien unterentwickelt. Immerhin gibt es mehr als 17 Mio. Online-Banking Kunden, Tendenz steigend. Was die Weiterentwicklung betrifft haben die beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo das Thema auf der Agenda. Unicredit ist mit dem StartLab Accelerator für Fintech Start-up Unternehmen aktiv, Intesa hat durch die Kooperation mit dem Accelerator Startupbootcamp London und New York im Visier.

Die Zahl der Fintech Start-ups ist in Italien noch gering und konzentriert sich vor allem im Norden und im Zentrum des Landes. Insgesamt gibt es rund 100 Fintechs. Bei Startupitalia! ist unter https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=zMhTlwlMFxxg.k9r4i_Vfvp7M eine Karte mit einer kurzen Beschreibung der Unternehmen nachzulesen. Auch die Finanzierung von Fintechs ist in Italien schwierig, weil die Venture Capital Szene unterentwickelt ist.

Die wichtigsten Fintech Start-ups sind MoneyFarm und Satispay. MoneyFarm ist mit 16 Mio. Euro Venture Capital finanziert worden und arbeitet bereits in Großbritannien. Auch Satispay konnte 8 Mio. Euro Venture Capital akquirieren. Die Firma baut das Geschäft in Italien aus und plant einen Markteinstieg in Großbritannien und Deutschland. Auch P2P Zahlungsanbieter Jiffy soll bald nach Deutschland kommen.

Tourismus- und Modebranche setzen auf E-Commerce

Das Onlinegeschäft im B2C Bereich gewinnt in Italien an Boden, ist jedoch im Vergleich zu den europäischen Nachbarn weniger entwickelt und bietet großes Wachstumspotenzial. Nach Angaben des Mailänder Polytechnikums lag der Umsatz des Onlinehandels 2015 bei 16,6 Mrd. Euro und verzeichnet seit 2009 jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich.

Im Dienstleistungsbereich macht der Tourismus mit 7,8 Mrd. Euro die Hälfte der Onlineverkäufe aus. Danach folgen Versicherungen (7,5% Marktanteil) und andere Dienstleistungen (5,5%). Für Produkte steht die Informatik- und Elektronikbranche (13%) an erster Stelle, danach folgt die Modebranche (9%). Bücher und Lebensmittel haben noch einen geringen Anteil, verzeichnen aber schnelle Wachstumsraten. 2016 hat Amazon einen schnellen Lieferdienst für Lebensmittel in Italien eingeführt.

Die Italiener kaufen immer mehr im Internet ein, ein entsprechendes italienisches Angebot fehlt, deshalb steigen die Onlineimporte. Gleichzeitig exportierte Italiens Onlinehandel im Jahr 2015Produkte im Wert von 3 Mrd. Euro. Auch im internationalen Verkauf liegen Tourismus und Mode weit vorne.

Die führenden E-Commerce Anbieter in Italien sind eine Mischung aus einerseits internationalen Plattformen wie Ebay, Amazon und Zalando und andererseits italienischen Herstellern (Dolce&Gabbana, Campari, Diesel) und Multibrand-Kanälen (Yoox Net-a-Porter, LuisaViaRoma).

Entwicklung des E-Commerce-Umsatzes (in Mio. Euro)
2010 2012 2014 2015
Insgesamt - - - -
B2B k.A. k.A. k.A. k.A.
B2C 8.012 11.002 14.374 16.611

Quelle: Politecnico di Milano

Im B2B Bereich gibt es bisher keine Statistik zur Entwicklung, allerdings kam Italien 2014 in einer Studie von Roland Berger zu diesem Thema auf dem letzten Platz in Europa.

Der Alltag junger Italiener läuft auf Social-Media Plattformen

Insbesondere junge Italiener nutzen die digitale Kommunikation. Der Alltag läuft auf zahlreichen Social-Media Plattformen wie Facebook, Twitter, LinkedIn, Whatsapp und Instagram ab. Bei Unternehmen hat die Nutzung von neuen Kommunikationskanälen nur begrenzt durchgesetzt. Am weitesten ist der B2C Bereich, insbesondere in der Modebranche. Hier werden moderne Kanäle benutzt, um die letzten Trends und Veranstaltungen (wie etwa die Mailänder Modewoche) bekannt zu machen.

Im B2B Geschäft hinkt Italien hinter anderen europäischen Staaten hinterher. Zahlreiche Kleinunternehmen haben nicht genug Ressourcen, um eine professionelle Social Media Präsenz aufzubauen. Die ältere Unternehmer-Generation kennt viele Technologien gar nicht. Es gibt noch immer viele Unternehmen, die keine eigene Webseite haben.

In kaum einem Land wird das Mobiltelefon so intensiv benutzt wie in Italien. Apps wie Whatsapp sind sehr weit verbreitet und werden oft nicht nur privat, sondern auch für Geschäftszwecke benutzt.

Digitale Kommunikation
2012 2014 2015
Anteil Internetnutzer (in % der Einwohner) 53 58 60
Festnetz-Breitband-Anschlüsse (in % der Einwohner) 42 51 53
Mobile Breitband-Anschlüsse (in % der Einwohner) 15 32 35

Quellen: ISTAT, Eurostat

Öffentliche Verwaltung führt Akten noch in Papierform

Die italienische Regierung erkennt seit Jahren den gravierenden Rückstand bei der Digitalisierung der Verwaltung. Akten werden meist noch in Papierform geführt, Homepages der öffentlichen Verwaltungsstellen sind teilweise sehr veraltet. Die junge Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versucht Vorbild zu sein, nutzt Social Media Plattformen und kommuniziert mit Powerpoint-Folien. Doch der Widerstand in vielen Behörden ist hoch. Hinzu kommt, dass Finanzmittel für die Umsetzung einer Digitalisierungs-Strategie in Behörden fehlen.

Nach Angaben der Italian Smart Cities Datenbank wurde bis dato 114 Mio. Euro für die Modernisierung und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung auf kommunaler Ebene investiert. Die Initiativen reichen von Cloud Computing bis hin zur Verbesserung von Transparenz und Dienstleistungen der öffentlichen Institutionen.

(RJS)

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