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12.10.2015

IT-Sicherheit für deutsche Firmen in China ein Zukunftsthema

Neues nationales Sicherheitsgesetz könnte umfangreiche Eingriffsrechte in Unternehmen ermöglichen / Von Stefanie Schmitt

Beijing (gtai) - Beim Thema IT-Sicherheit scheiden sich in der VR China die Geister. Während die chinesischen Behörden vor allem auf den transportierten Inhalt abstellen, beklagen westliche Unternehmen Zensur und die verlangsamten Internetverbindungen. Trotz seiner Bedeutung wird dem Thema Datensicherheit nach wie vor zu wenig Beachtung geschenkt. Deutsche Unternehmen sehen bei ihrer Geschäftstätigkeit in China vor allem die Lösung von Personalfragen als Hauptherausforderung.

Mit der Digitalisierung der Wirtschaft - Stichwort Industrie 4.0 - und angesichts zahlreicher Berichte über erfolgreiche Hackerangriffe rücken Fragen der Datensicherheit im Internet zunehmend in den Mittelpunkt. Dies gilt nicht zuletzt für die VR China. Presseberichten zufolge haben verschiedene internationale Firmen aus Sorge vor IT-Spionage und Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen bereits bestimmtes Personal oder auch ganze Abteilungen ins Ausland verlagert. Generell wird die Gefahr von Cyber-Spionage durch gezielte Hackerangriffe allerdings nach wie vor unterschätzt.

Auch die chinesische Politik setzt andere Prioritäten. Dabei ist gegenüber dem geplanten neuen nationalen Sicherheitsgesetz, das gegenwärtig im zweiten Entwurf vorliegt, große Skepsis angebracht. Kritik bezieht sich vor allem auf die breite Palette an Themen, die als relevant für die nationale Sicherheit gelten sollen. Hierunter fallen die sozialistische Marktwirtschaft, das Finanzsystem, die ideologische Kontrolle, Cybersicherheit, Religionspolitik, Umwelt und soziale Spannungen. Damit könnte fast jede Handlung des öffentlichen Lebens als sicherheitsrelevant eingestuft werden, was umfangreiche Eingriffsrechte nicht nur in die Privatsphäre der Bürger, sondern auch in Unternehmen ermöglicht.

Schon heute werden bereits bestehende Gesetze weit ausgelegt. Beispielsweise ist die Verbreitung von "illegalen und schädlichen Informationen" sowie von "Gerüchten" strafbar. Hierzu zählte für die chinesische Internetpolizei auch die Berichterstattung über die Börsentalfahrt im August 2015, für die letztlich angesehene chinesische Wirtschaftsjournalisten verhaftet und mitverantwortlich gemacht wurden.

Tatsächlich könnte die VR China mit Blick auf seine digitale Infrastruktur durchaus ein mehr an Cybersicherheit gebrauchen, analysierte das Mercator Institute for China Studies (merics) angesichts gravierender Risiken durch Nichteinhaltung von Sicherheitsstandards in den Unternehmen und veralteter Steuerungssysteme etwa bei Staudämmen oder Kraftwerken. Hinzu kommt, dass die chinesische Regierung ausländische Software als potenzielle Gefährdung für die nationale Sicherheit betrachtet. Lokale Firmen sind daher angehalten, einheimische Software zu benutzen - selbst wenn diese nicht so leistungsfähig oder sicher sei wie westliche Angebote.

Personalfragen für deutsche Unternehmen prioritär

Die Hauptherausforderungen für deutsche Firmen liegen indessen laut Befragung "Business Confidence Survey 2015" der Deutschen Handelskammer in China klar im Personalbereich: im Finden qualifiziertenh Personals (82,4% nannten diesen Punkt als sehr wichtig oder wichtig), in den steigenden Lohnkosten (75,8%) sowie im Halten qualifizierten Personals (62,2%). Erst danach folgen Themen wie Wechselkursrisiken (59,1%), Bürokratie/administrative Hürden (57,2%), langsames Internet (56,6%), Internetzensur (51,8%), Protektionismus (48,2%), Rechtsunsicherheit und Schutz geistigen Eigentums (jeweils 48,1%).

Damit bleibt die Lösung von Personalfragen erfolgsentscheidend für die Tätigkeit deutscher Unternehmen in China. Grundsätzlich besteht ein eklatantes Missverhältnis zwischen den Qualifikationsanforderungen der Arbeitgeber und dem Arbeitskräfteangebot. Abgesehen von der schwierigen Suche nach inländischen Fachkräften, wird es neuerdings außerdem schwieriger, geeignete Expats in Führungspositionen zu finden.

Schuld daran sind neben den erheblich gestiegenen Lebenshaltungskosten (laut der Mercer-Lebenskostenstudie 2015 rangieren Shanghai und Beijing unter den teuersten Städten der Welt auf den Rängen sechs und sieben; 2014 noch zehn und elf) vor allem die massive Umweltbelastung, die vor allem Familien mit Kindern abschreckt. Nach einer Befragung der American Chamber of Commerce 2014 gaben 48% der befragten Firmen an, dass Führungskräfte wegen der schlechten Luftqualität nicht bereit seien, nach China umzuziehen.

(G.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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