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22.01.2016

Kanada will Milliarden in Ausbau seiner Häfen investieren

Schiffsverkehr dürfte sich durch Freihandelsabkommen erhöhen / Von Boris Alex

Toronto (gtai) - Kanada erwartet für die kommenden Jahre einen deutlichen Anstieg des Seefrachtaufkommens. Um dies bewältigen zu können, müssen die Häfen des Landes modernisiert und ausgebaut werden. Allein die Provinz Quebec will bis 2030 rund 1,3 Mrd. Euro in seine Binnenhafen-Infrastruktur investieren. Auch an Kanadas Ost- und Westküste ist eine Reihe von Vorhaben in der Pipeline. In Vancouver ist der Bau eines vollautomatischen Containerterminals für gut 1 Mrd. Euro geplant. (Kontaktanschriften)

Die Association of Canadian Port Authorities (ACPA) schätzt den Investitionsbedarf für Häfen auf etwa 6 Mrd. kanadische Dollar (kan$; 3,8 Mrd. Euro; 0,63 Euro = 1 kan$). Die im Herbst 2015 abgewählte konservative Regierung hatte in ihrem Investitionsprogramm jährlich 5 Mrd. kan$ für Infrastrukturprojekte versprochen. Die nun amtierende Liberal Party unter Premierminister Justin Trudeau will die Ausgaben für den Ausbau der Infrastruktur sogar auf 10 Mrd. kan$ pro Jahr verdoppeln. Davon könnten auch der Schiffsverkehr und der Hafenbau profitieren.

Den Großteil der Investitionen dürften aber die Provinzen stemmen - allen voran Quebec, das 2015 seinen Langfristplan für die Schifffahrt vorgestellt hat. Im Rahmen der "Maritime Strategy" soll der Ausbau der Schiffslogistik-Infrastruktur entlang dem Sankt-Lorenz-Strom unterstützt werden. Ziel sei es, die Provinz zur wichtigsten Seefrachtdrehscheibe im Osten von Nordamerika zu entwickeln. Bis 2030 sollen rund 9 Mrd. kan$ an öffentlichen und privaten Investitionen für entsprechende Projekte bereitgestellt werden.

Provinz Quebec will 2 Mrd. kan$ in seine Hafeninfrastruktur investieren

Um das wachsende Handelsaufkommen bewältigen zu können, werden bis 2025 allein 2 Mrd. kan$ für den Ausbau der Hafeninfrastruktur benötigt, so eine Schätzung des zuständigen Ministeriums Secrétariat aux Affaires Maritimes. Die Regierung will in den kommenden fünf Jahren Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 500 Mio. kan$ finanzieren. Davon sind 200 Mio. kan$ für intermodale Hafenprojekte und 300 Mio. kan$ für eine verbesserte Anbindung der Häfen ans Schienen- und Straßennetz vorgesehen.

Für den Aufbau von multimodalen Logistikhubs in Contrecoeur und Vaudreuil-Solange im Großraum Montreal sind bis 2020 insgesamt 400 Mio. kan$ eingeplant. Die Provinzregierung möchte zudem gemeinsam mit der Privatwirtschaft Industriezonen in den Häfen entlang dem Sankt-Lorenz-Strom etablieren. Dort sollen sich künftig Exportunternehmen aus der verarbeitenden Industrie ansiedeln. Das Ministerium hofft, bis 2030 private Investitionen in Höhe von 2,4 Mrd. kan$ aktivieren zu können. Mit einem 300 Mio. kan$ schweren "Economic Development Fund" können die Projekte zudem mit öffentlichen Geldern kofinanziert werden.

Bereits heute befindet sich eine Reihe von Hafenbauprojekten in der Provinz in der Pipeline beziehungsweise im Bau. Das größte Einzelvorhaben ist die Erweiterung des Binnenhafens in der Provinzhauptstadt Quebec. Im Rahmen des Projektes "Beauport 2020" soll der bestehende Hafendamm um 610 m verlängert und die Fahrrinne an den Anlegeplätzen von derzeit 11,5 auf 16 m Wassertiefe ausgebaggert werden (http://www.portquebec.ca/en/projects/a-propos-du-port/developpement/projets-davenir/agrandissement-secteur-beauport). Darüber hinaus ist eine bessere Anbindung des Hafenabschnitts an das Straßen- und Schienennetz geplant. Die Kosten für das Vorhaben werden auf insgesamt 530 Mio. kan$ geschätzt.

Im Hafen von Trois-Reviers befindet sich ein neuer Mehrzweckterminal bereits im Bau. Dadurch soll sich die Umschlagkapazität von derzeit 4 Mio. t pro Jahr auf 7 Mio. t erhöhen. Die Kosten für den 23.000 qm großen Terminal sowie zwei neue Lagerhallen veranschlagt die Hafenbehörde auf 50 Mio. kan$. Auch der Port de Montréal - nach Vancouver der zweitgrößte Hafen des Landes - expandiert. Hier wird derzeit für rund 72 Mio. kan$ das Umschlagvolumen des Containerterminals von 1,4 Mio. auf 2,1 Mio. TEU ausgebaut. Der Hafen will damit auf einen Anstieg des Containerverkehrs nach Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU vorbereitet sein.

Hafenneubau auf Vancouver Island befindet sich noch im Planungsstadium

Auch der Containerterminal in Saint John (New Brunswick) soll modernisiert werden, damit dort größerer Schiffe anlegen können und das steigende Frachtaufkommen abgewickelt werden kann. Der Hafen ist im Vergleich zu Montreal und Halifax zwar deutliche kleiner, wächst allerdings rasant. Zwischen 2012 und 2014 hat sich das Umschlagvolumen auf 90.000 TEU verdoppelt. Den Investitionsbedarf für den Ausbau des Hafens beziffert der Betreiber auf insgesamt 205 Mio. kan$.

Das mit Abstand ambitionierteste Hafenprojekt befindet sich allerdings zurzeit noch in einem sehr frühen Planungsstadium. In Port Albini auf Vancouver Island (British Columbia) soll ein vollautomatischer Containerterminal errichtet werden. Dieser soll in der Lage sein, Ultra Large Container Vessel mit einem Containervolumen von bis zu 22.000 TEU abzufertigen. Der Hafen soll über insgesamt fünf Anlegeplätze mit 20 Schiffskrananlagen und 43 Verladekranen verfügen. Die Kosten für den "Port Alberni Transshipment Hub" (PATH) werden auf rund 1,7 Mrd. kan$ geschätzt. Weitere Informationen sind abrufbar unter http://www.portalberniportauthority.ca/en/studies-reports.

Mehr Außenhandel angestrebt

Kanada will seinen Außenhandel in den nächsten Jahren weiter diversifizieren und das Exportvolumen deutlich steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, verhandelt das Land derzeit eine Reihe von bilateralen Freihandelsabkommen, die den Unternehmen den Zugang zu Märkten wie Indien, Japan und Singapur erleichtern soll. Daneben hat Kanada Abkommen mit der EU ("Comprehensive Economic and Trade Agreement", Ceta) sowie mit elf Pazifikanrainerstaaten ("Trans Pacific Partnership", TPP) ausgehandelt, die in den nächsten Jahren in Kraft treten dürften.

Kanada erhofft sich von den geplanten Freihandelsabkommen zusätzlichen Schub für Exportbranchen wie den Transportmittelsektor, die Agrar- und Nahrungsmittelbranche, die Forstwirtschaft und die chemisch-pharmazeutische Industrie. Zunächst muss aber die Logistikinfrastruktur auf den neuesten Stand gebracht werden. Engpässe sieht die kanadische Regierung unter anderem beim Schiffsverkehr. In den kommenden Jahren sollen daher Investitionen in Milliardenhöhe in die Modernisierung der wichtigsten See- und Binnenhäfen des Landes fließen.

Kontaktanschriften

Secrétariat aux Affaires Maritimes

Edifice H, Bureau 5.725, 875, Grande Allée Est, Québec, QC G1R 4Y8

Tel.: 001 418/646 08 42, Fax: -643 73 04

E-Mail: maritime@mce.gouv.qc.ca, Internet: https://strategiemaritime.gouv.qc.ca

Association of Canadian Port Authorities

1006 - 75 Albert Street, Ottawa, ON K1P 5E7

Tel.: 001 613/232 20 36 ext. 201, Fax: -232 95 54

E-Mail: wzatylny@acpa-ports.net, Internet: http://www.acpa-ports.net

(B.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Wasser-, Hafenbau, Schiffsverkehr / Häfen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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