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06.08.2015

Kanadische Provinz Quebec legt zwei Investitionsprogramme auf

"Plan Nord" soll Rohstoffindustrie im Norden der Provinz fördern / "Maritime Strategy" zielt auf Entwicklung der Schifffahrtslogistik

Toronto (gtai) - Die Regierung der kanadischen Provinz Quebec hat zwei milliardenschwere Investitionsprogramme auf den Weg gebracht. Im Rahmen des "Plan Nord" sollen die rohstoffreichen Gebiete im Norden wirtschaftlich entwickelt werden. Zudem sind umfassende Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und die Energieversorgung geplant. Die "Maritime Strategy" zielt darauf ab, den Sankt-Lorenz-Strom zum wichtigsten Schiffslogistikdrehkreuz an der nordamerikanischen Ostküste zu entwickeln. (Kontaktanschrift)

Die Regierung von Quebec möchte mit Investitionen in Milliardenhöhe die wirtschaftliche Entwicklung der Provinz langfristig sichern. Im Mittelpunkt steht die Neuauflage des "Plan Nord", eines regionalen Förderprogramms, das in ähnlicher Form bereits im Jahr 2011 initiiert worden war, aber wegen eines Regierungswechsels seitdem auf Eis lag. Die derzeit amtierende liberale Regierung unter Ministerpräsident Philippe Couillard hatte im April 2015 einen modifizierten "Plan Nord" vorgestellt.

Mit Hilfe des Investitionsprogramms soll die dünn besiedelte Region nördlich des 49. Breitengrades wirtschaftlich entwickelt werden. Das Gebiet mit 1,2 Mio. qkm macht fast drei Viertel der gesamten Fläche der Provinz aus und verfügt über große Rohstoffvorkommen, die allerdings bislang kaum entwickelt wurden. Der "Plan Nord" könnte bis 2035 private und öffentliche Investitionen von insgesamt 50 Mrd. kanadischen Dollar (kan$; rund 35 Mrd. Euro; 0,70 Euro = 1 kan$) anziehen, so die Hoffnung der Regierung.

Davon wollen die öffentliche Hand und der staatliche Energieversorger Hydro Quebec 22 Mrd. kan$ beisteuern, der Rest soll vom Privatsektor geschultert werden. In der ersten Projektphase bis zum Jahr 2020 werden insgesamt 1,3 Mrd. kan$ in Infrastrukturprojekte sowie den Aufbau einer One-Stop-Agency als zentrale Anlaufstelle für potenzielle Investoren fließen. Die Regierung hofft, damit private Investitionen in Höhe von 22 Mrd. kan$ aktivieren zu können.

Die zuständige Planungsbehörde hat sechs Schlüsselsektoren identifiziert, die im Rahmen des Plan Nord gefördert werden. Allen voran die Rohstoffindustrie, auf die sich der Großteil der Investitionen konzentrieren dürfte. Im Norden Quebecs befinden sich große Erz-, Metall- und Minerallagerstätten, darunter von Nickel, Kobalt, Zink, Eisenerz, Gold und Ilmenit. Hinzu kommen bislang nicht erschlossene Vorkommen an Lithium, Diamanten, Graphit und seltenen Erden. Laut Societe du Plan Nord gab es 2013 insgesamt 236 Explorationsvorhaben in der Region.

Plan Nord soll der Bergbauindustrie in Quebec neuen Schwung verleihen

Allerdings hat sich die Dynamik im kanadischen Rohstoffsektor aufgrund der schwachen Nachfrage und der sinkenden Preise auf dem Weltmarkt in den letzten drei Jahren deutlich abgeschwächt. Es ist daher fraglich, ob es der Provinzregierung gelingt, mit dem Plan Nord die Bergbauunternehmen zu einem stärkeren Engagement in Quebec zu bewegen. Zuletzt wurden eine Reihe von Vorhaben gestoppt, darunter eine Eisenerzmine in Bloom Lake im Norden der Provinz. Das Unternehmen Cliffs Natural Resources hatte diese 2011 für rund 4 Mrd. kan$ übernommen, sieht aber aufgrund der niedrigen Preise für Eisenerz keine Möglichkeit, die Mine gewinnbringend zu betreiben.

Um den Unternehmen ein Engagement schmackhaft zu machen, möchte sich die Provinz künftig auch mit eigenen Kapitalbeteiligungen in Bergbauprojekten engagieren. Für entsprechende Vorhaben wurde der "Capital Mines Hydrocarbon Fund" aufgelegt und mit 500 Mio. kan$ ausgestattet. Die Beteiligungen sollen ausschließlich für Projekte nördlich des 49. Breitengrades zur Verfügung stehen. Zuständig für den Fonds ist die Rohstoffbehörde Ressources Quebec.

Ein weiterer Schwerpunkt des Plan Nord ist die Energieversorgung in der dünn besiedelten Region. Bislang kommen dort vor allem Dieselgeneratoren zum Einsatz. Allerdings soll der Energiebedarf künftig aus alternativen Quellen - vor allem Wind und Biomasse - sowie Erd- und Flüssigerdgas gedeckt werden. Eine zuverlässige Energieversorgung soll auch den Bergbauunternehmen als zusätzlicher Anreiz für ein verstärktes Engagement dienen. Denn die Strom- und Wärmeerzeugung macht rund ein Drittel der Betriebskosten der Minenbetreiber aus, so eine Berechnung des Bergbauministeriums.

Bau neuer Straßen- und Schienenverbindungen geplant

Das größte Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist allerdings die mangelhafte Transportinfrastruktur. Bislang gibt es nur wenige Straßen und keine Schienenverbindungen zu den Rohstofflagerstätten im Norden Quebecs. Die wenigen existierenden Transportwege müssen daher ausgebaut und neue Straßen und Güterzugtrassen errichtet werden, um die geförderten Rohstoffe auch abtransportieren zu können. Gleichzeitig müssen die Umschlagkapazitäten im Frachthafen Sept-Iles erweitert und die Hafeninfrastruktur an die Bedürfnisse der Bergbauunternehmen angepasst werden.

In einem ersten Schritt sollen die beiden Hauptverkehrsverbindungen in der Region, die Highways 138 und 389, verlängert und ausgebaut werden. Darüber hinaus ist der Bau einer Güterzugstrecke vom Hafen Sept-Iles zu den Rohstoffabbaugebieten sowie der Ausbau der Regionalflughäfen im Gespräch. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur. In den kommenden Jahren soll die Region an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Im Haushalt für das Fiskaljahr 2015/2016 (1.4. bis 31.3.) wurden insgesamt 200 Mio. kan$ für Infrastrukturprojekte eingeplant.

Neben dem Plan Nord hat die Regierung von Quebec noch ein weiteres Investitionsprogramm aufgelegt. Im Rahmen der "Maritime Strategy" soll der Ausbau der Schiffslogistikinfrastruktur entlang dem Sankt-Lorenz-Strom unterstützt werden. Ziel sei es, die Provinz zur wichtigsten Seefrachtdrehscheibe im Osten von Nordamerika zu entwickeln. Geplant sind unter anderem multimodale Logistikhubs in Contrecoeur und Vaudreuil-Solange im Großraum Montreal. Die Regierung hofft, private und öffentliche Investitionen in Höhe von 9 Mrd. kan$ für entsprechende Projekte aktivieren zu können.

Kontaktanschrift:

Société du Plan Nord

900, Boulevard René-Lévesque Est, bureau 720, Québec, QC G1R 2B5

Tel.: 001 418/643 18 74, Fax : -643 36 60

E-Mail: information@spn.gouv.qc.ca, Internet: http://plannord.gouv.qc.ca

(B.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Transport und Verkehr, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Schiffsverkehr / Häfen, alternative Energien

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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