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14.11.2017

Kasachstan will Nahrungsmittelfertigung ausbauen

Produktion soll bis 2021 um rund 1 Mrd. US-Dollar wachsen / Deutsche Maschinen und Anlagen sind gefragt / Von Verena Saurenbach

Almaty (GTAI) - Die kasachische Regierung setzt bei Nahrungsmitteln auf weniger Importe und mehr eigene Produktion: Milliarden sollen bis 2021 in die Entwicklung der Branche fließen. Denn trotz großen landwirtschaftlichen Potenzials ist das Land bisher stark auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Deutschland bildet das wichtigste Lieferland von Maschinen für die kasachische Nahrungsmittelindustrie. Auf einer Branchenmesse in Almaty waren deutsche Unternehmen gut vertreten. (Internetadressen)

Weniger Importe, mehr eigene Produktion, steigende Exporte: Kasachstan hegt große Pläne für seine Nahrungsmittelindustrie. Nahrungsmittel im Wert von 600 Millionen US$ sollen bis 2021 zusätzlich ausgeführt werden, gleichzeitig die Importe um 400 Millionen US$ sinken. Absatzchancen sieht die Regierung unter anderem in Russland, der VR China und Indien.

Ein neues Exportzentrum für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie wird das Rückgrat der Exportpolitik bilden. Für die Umsetzung aller im Regierungsprogramm zur Entwicklung des Agrarindustriekomplexes 2017 bis 2021 festgesetzten Ziele wurden Ausgaben in Milliardenhöhe angekündigt: 2.374,2 Milliarden Tenge (etwa 7 Milliarden US$; 1 US$ = rund 323,20 Tenge; Durchschnittskurse der Nationalbank von Januar bis September 2017).

Deutschland ist beliebtestes Herkunftsland von Nahrungsmittelmaschinen

Obwohl sich die Regierung das Thema Importsubstitution auf die Fahnen geschrieben hat, profitieren auch ausländische Unternehmen von den Plänen. Denn soll die einheimische Produktion gesteigert werden, müssen mehr Maschinen und Anlagen aus dem Ausland eingeführt werden. Der Maschinenbau in Kasachstan ist nur schwach ausgeprägt.

Gut für deutsche Maschinenbauer, denn seit 2014 steht Deutschland auf Platz eins der Lieferländer von Nahrungsmittelmaschinen - gefolgt von China, Italien und Russland. Allerdings ist die Einfuhr von Nahrungsmittelmaschinen auf US-Dollar-Basis stark eingebrochen, 2016 um über 40 Prozent im Vergleich zu 2015, von deutschen Maschinen sogar um 61 Prozent.

Einfuhr von Nahrungsmittelmaschinen nach Kasachstan (in Mio. US$)
HS-Code Warenbezeichnung 2015 2016 Davon aus Deutschland (2016)
8438.10 Maschinen für Back- oder Teigwaren 23,5 22,7 4,3
8438.20 Maschinen u.a. zum Herstellen von Süßwaren 1,6 2,8 1,8
8438.30 Maschinen u.a. zum Herstellen von Zucker 1,6 0,05 0,0
8438.40 Brauereimaschinen und Brauereiapparate 1,2 0,03 0,0
8438.50 Maschinen u.a. zum Verarbeiten von Fleisch 17,8 7,3 0,8
8438.60 Maschinen u.a. zum Verarbeiten von Früchten 0,5 0,8 0,0
8438.80 Maschinen zum Herstellen von Lebensmitteln, a.n.g. 18,9 3,8 1,4
8438.90 Teile von Maschinen für die Lebensmittelindustrie 2,4 1,9 0,2
8479.20 Maschinen, Apparate u.a. zum Gewinnen von Ölen 6,8 3,0 1,6

Quelle: UN Comtrade

Messe Agroworld zieht deutsche Unternehmen an

Dass die deutsche Wirtschaft Chancen in der kasachischen Ernährungswirtschaft sieht, zeigt auch das Interesse an der Messe Agroworld Anfang November in Almaty. Insgesamt zehn Unternehmen waren auf dem deutschen Gemeinschaftsstand vertreten, der Großteil nahm zum wiederholten Mal an der Messe teil. Die angebotenen Produkte reichten von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen über Anlagen zur Kühlung und Lagerung bis hin zu Rohprodukten und Zusätzen für die Nahrungsmittelindustrie.

Die meisten Unternehmen sind in Kasachstan schon gut vertreten, einige von ihnen verfolgen ganz aktuell Projekte. So plant die Firma Plattenhardt + Wirth den Bau eines Kühllagers in Almaty. Über 5.000 Tonnen Äpfel sollen dort gelagert werden. Nach Aussage des Leiters der Münchner Niederlassung des Unternehmens, Ingolf Mayer, sind in Kasachstan bereits mehrere Kühllager von Plattenhardt + Wirth in Betrieb. Das letzte Objekt in Kasachstan wurde in den Jahren 2013 und 2014 für die Firma "Fresh Fruit Kazakhstan" in Almaty gebaut. Rund 3.700 Tonnen Obst und Gemüse können hier gekühlt werden.

Auch der deutsche Hersteller von Geflügelkäfigen Specht-Ten Elsen hat in Kasachstan schon einige Aufträge erhalten. In der größten Geflügelfabrik des Landes im Gebiet Akmola sind Anlagen der deutschen Firma im Einsatz. Hier produziert das Unternehmen KazGerKus etwa 300 Millionen Eier pro Jahr. Auch bei der Fabrik des Produzenten Pawlodar-Kus, die im Oktober 2016 in Pawlodar eröffnet wurde, wurden Anlagen von Specht installiert. Die Produktion liegt in der ersten Stufe bei bis zu 63 Millionen Eiern pro Jahr. Die Gesamtkosten des Werkes werden auf etwa 1,5 Milliarden Tenge (etwa 4,6 Millionen US$) geschätzt.

Deutsche Unternehmen sind aber nicht nur als Techniklieferanten aktiv, sondern sie investieren auch in Kasachstan. Pressemeldungen zufolge plant der Fleischproduzent Baumann den Bau eines Werks zur Verarbeitung von Lammfleisch im Gebiet Almaty. Der Geschäftsführer des Unternehmens hat mit dem stellvertretenden Leiter der Gebietsverwaltung hierfür im Oktober 2017 eine Absichtserklärung unterzeichnet. In dem Werk sollen in einer ersten Stufe 15.000 Tonnen Lammfleisch pro Jahr verarbeitet werden. Die Kosten werden auf 21 Millionen US$ veranschlagt.

Lebensmittelindustrie steigert Produktion

Bereits heute leistet die Lebensmittelindustrie einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Kasachstans. Nach der Metallindustrie ist sie zweitwichtigster Sektor im verarbeitenden Gewerbe und steht für rund ein Fünftel der Produktion in der verarbeitenden Industrie. Im Jahr 2016 wurden Nahrungsmittel und Getränke im Wert von rund 5,0 Milliarden US$ produziert.

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verbuchte der Sektor Wachstumsraten. Nach einem realen Wachstum um 0,8 Prozent im Jahr 2015 konnte die Produktion von Nahrungsmitteln 2016 um 4,2 Prozent gesteigert werden. Für 2017 geht die Regierung von einem realen Produktionszuwachs um 4 Prozent aus, von 2018 bis 2022 sollen im Durchschnitt etwa 6 Prozent pro Jahr mehr hergestellt werden.

Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion in Kasachstan (in Mio. US$, reale Veränderung in Prozent) 1)
2015 2016 Januar bis September 2017 2) Reale Veränderung Januar bis September 2017/Januar-September 2016
Getränke 961,3 743,5 699,5 4,5
Nahrungsmittel, darunter 4.990,9 4.234,8 3.367,1 5,3
.Fleisch und Fleischwaren 679,3 595,3 475,6 6,2
.Fisch und Meeresfrüchte 53,4 41,2 38,7 20,0
.Obst und Gemüse 380,3 307,7 250,8 3,3
.Fette/Öle 397,0 352,6 272,0 11,6
.Milchprodukte 834,1 659,1 567,8 -2,0
.Mehl, Stärke 1.113,1 898,6 665,2 9,8
.Back- und Konditoreiwaren 750,5 572,7 467,5 -0,4
.andere Nahrungsmittel 647,9 704,5 533,9 -2,7
.Tierfutter 135,3 103,1 95,6 27,6

1) Umrechnung nach dem Jahresdurchschnittskurs der Bundesbank, Januar bis September 2017 Durchschnittskurse der kasachischen Nationalbank; 2) vorläufige Angaben

Quelle: Agentur für Statistik, Kasachstan

Trotz seines großen landwirtschaftlichen Potenzials ist Kasachstan auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Das Land führt in großem Maße Obst und Gemüse, Genussmittel, Milchprodukte und Fleisch ein. Der Import von Obst- und Gemüsekonserven summierte sich beispielsweise im Jahr 2015 auf etwa 98.700 Tonnen und betrug 84 Prozent des Inlandsverbrauchs. Das Branchenprogramm für die Agrarindustrie bis 2021 zielt darauf ab, Importe mit einheimischer Produktion zu substituieren. So soll bei Obst- und Gemüsekonserven die Produktion von heute etwa 24.000 Tonnen auf 56.000 Tonnen bis 2021 mehr als verdoppelt werden.

Ein Interview mit Dr. Diethard Rudert vom Deutsch-Kasachischen Agrarpolitischen Dialog zu den Chancen und Grenzen des neuen Agrarprogramms finden Sie hier: http://www.gtai.de/MKT201707178004

Messeinformationen

Messe WorldFood/AgroWorld Kazakhstan/KazUpack

Ort: Almaty, Messegelände Atakent

Nächster Termin: November 2018

Internet: http://www.worldfood.kz

Informationen zur deutschen Beteiligung auf der Messe bietet folgende Website: http://www.worldfood.german-pavilion.com.

Informationen über die Auslandsmesseprogramme des Bundes und der Bundesländer können unter folgender Website eingeholt werden: (http://www.auma.de).

(VESA)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Messen und Ausstellungen

Kontakt

Verena Saurenbach

Wirtschaft

‎+49 228 24 993 283

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