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16.04.2018

Kenianer kaufen wieder mehr Kfz

Lokale Montage soll neue Impulse bringen / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Nach dreijähriger Talfahrt dürfte Kenia 2018 wieder mehr Kfz verkaufen. Die politischen Gemüter haben sich abgekühlt und ausländische Hersteller wollen verstärkt Bausätze in Kenia zusammenschrauben. Dabei wächst der Druck auf den Staat, eine lokale Montage stärker steuerlich zu begünstigen. Wichtiger Abnehmer ist die Regierung, die bereits zunehmend lokal zusammengesetzte Modelle least. Präsident Uhuru Kenyatta will in seiner Amtszeit die Kfz-Industrie maßgeblich stärken.

Vor 31 Jahren, 1977, liefen von den kenianischen Associated Vehicles Assemblers (AVA) die ersten Pick-ups vom Band: Toyota Hilux. Das Fahrzeug, ideal für Kenias holprige Straßen, wurde einer der großen Erfolge der kenianischen Kfz-Montageindustrie. Hintergrund der Entwicklung waren strikte Einfuhrrestriktionen für Fahrzeuge aus Fernost und dem Nahen Osten. Kenia wollte so der Branche einen Vorsprung geben, um sie wettbewerbsfähig und zu einem regionalen Exporteuer zu machen. In den besten Tagen konnten jährlich 10.000 neue Fahrzeuge zusammengeschraubt werden.

Damit war es dann aber vorbei, als Kenia 1993 die Vorschriften für den Import gebrauchter Fahrzeuge lockerte. Bereits 1998 war der Markt dermaßen mit billigen Second-Hand-Einfuhren aus Japan überschwemmt, dass eine Kfz-Montage in Kenia sogar vorrübergehend gestoppt werden musste. Die kenianischen Stückzahlen waren schlichtweg zu niedrig und die Produktionskosten viel zu hoch, als dass eine lokale Montage im Wettbewerb hätte mithalten können.

Zinsbremse kontraproduktiv

In den vergangenen Jahren wurde der Absatz von Neufahrzeugen, ob lokal zusammengesetzt oder komplett importiert, immer wieder von politischen Unwägbarkeiten (gewaltsame Auseinandersetzungen nach den Präsidentschaftswahlen) getroffen, was potenzielle Käufer verunsicherte. Hinzu kam eine staatlich verfügte Obergrenze für Kredite, zu deren niedrigen Sätzen viele Geldhäuser keine Kfz-Kredite vergeben wollten. Konnten 2015 noch 19.966 Neufahrzeuge verkauft werden, so waren es 2016 lediglich 13.869 Stück und 2017 bescheidene 11.044 Fahrzeuge. Nun sollte es aber wieder bergauf gehen, sagt Rita Kavashe, Vorsitzende der Kenya Motor Industry Association (KMI) und Chefin von Isuzu East Africa. Spekulationen zufolge, könnte zudem im September 2018 die Zinsbremse fallen und den Kreditmarkt, darunter vor allem den für Kfz, wiederbeleben.

Erste Zahlen für 2018 geben Kavashe recht. So wurden im Januar und Februar 2018 rund 2.600 mehr neue und gebrauchte Kfz verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, ein Plus von 24 Prozent. Und das obwohl der Durchschnittspreis für importierte Gebrauchtfahrzeuge mit etwa 1.000 US-Dollar (US$) pro Kfz kräftig gestiegen ist. Hintergrund ist eine neue Vorschrift, nach der nur noch Gebrauchte bis zu einem Alter von acht Jahren eingeführt werden dürfen.

Neue Impulse kommen derweil von internationalen Kfz-Herstellern, die im Rahmen langfristiger Strategien auf eine lokale Montage vor Ort setzen: Toyota kam 2015, Volkswagen importiert seit 2016 südafrikanische Bausätze des Modells Polo Vivo und die französische PSA-Gruppe setzt seit 2016 auf lokale Peugeot-Modelle. Anfang 2018 lief in Kenia der erste chinesische Foton vom Band und im Juni 2018 wollen die schwedischen Volo Trucks zusammen mit Necst Motors Kenya Ltd. in Mombasa eine neue, 25 Millionen US$ teure Montagelinie einweihen. Die indische Ashok Leyland will dem erklärtermaßen folgen.

Staat will leasen statt laufen

Hintergrund dieser Aktivitäten sind dem Vernehmen nach "unterstützende Zusagen" der kenianischen Regierung, die der lokalen Montage schrittweise steuerlich entgegenkommen will. Zudem soll die öffentliche Hand nicht mehr kaufen, sondern Modelle leasen. Damit werde sowohl die lokale Produktion gefördert als auch der öffentliche Haushalt geschont. So hatte vor etwa vier Jahren die lokale Presse nur leicht reparaturbedürftige Staatskarossen auf Parkplätzen gefunden, die vor sich hin rosteten. So eine Verschwendung soll nunmehr durch eine neue Leasing-Politik der öffentlichen Hand gestoppt werden, bei welcher der Vermieter die Wartungskosten übernimmt. Ob das alles so klappt, bleibt abzuwarten. Der lokale Motorhändler DT Dobie hat Mitte März 2018 angekündigt, die in seinen Werkstätten stehenden und der öffentlichen Hand gehörenden VW-, Nissan- und Mercedes-Fahrzeuge zu versteigen, weil die Reparatur- und Parkkosten nicht bezahlt würden - kein ermutigendes Zeichen.

Wenn es nach den Vorstellungen der kenianischen Montagebetriebe geht, sollte Kenia die Importe gebrauchter Fahrzeuge schlichtweg verbieten, damit die lokale Fertigung eine echte Chance bekommt. Dabei solle Kenia zuerst mit kommerziellen Fahrzeugen beginnen, fordert AVA-Manager Allan Olingo. Anders ginge es nicht, weil die kenianischen Arbeiter zu viel kosteten. "Wir sind teurer als Sri Lanka, die VR China und Indien", sagt Olingo. Den Importverboten von gebrauchten kommerziellen Fahrzeugen sollten dann solche für Pkw folgen. Dann käme auf einen montierten Lastwagen neun Pkw. Diesel- und andere Schadstoffemissionen sind in Kenia derweil noch kein Thema. Kenia schaffe aktuell schon das Euro-2-Level, sagt der AVA-Chef, schrittweise würden auch höhere Level erreicht werden. Euro-2 wurde in der EU 1996 eingeführt.

Die wichtigsten Kfz-Lieferländer Kenias (in Mio. US$) *)
2013 2014 2015 2016
SITC 781: Pkw
Japan 343 376 403 327
Großbritannien 133 85 61 46
VAE 30 50 30 16
Südafrika 9 14 7 15
Thailand 9 9 8 9
SITC 782: Lkw
Japan 166 218 208 150
VR China 34 118 42 34
Südafrika 54 66 56 33
Indien 35 48 56 22
Singapur 0 0 0 15
SITC 783: Busse
Großbritannien 58 46 59 36
Deutschland 37 23 51 18
VR China 29 27 28 15
Japan 11 10 7 5
Südafrika 2 2 6 5
SITC 784: Teile
VR China 35 41 53 50
Japan 24 32 26 16
Indien 11 13 12 13
VAE 33 25 16 10
Großbritannien 7 8 10 8

*) Sofern Angaben verfügbar. Basierend auf den Exportangaben der Partnerländer. Kenia veröffentlicht keine belastbaren aktuellen Außenhandelszahlen.

Quelle: Comtrade

Nach den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2017 für 24 Millionen Euro Straßen- und Landfahrzeuge der Warenverzeichnis-Nummer 87 nach Kenia, 22 Prozent weniger als 2016 und 66 Prozent weniger als 2015.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kenia können Sie unter http://www.gtai.de/kenia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen)

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