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30.11.2015

Kirgisische Wirtschaft wächst dank höherer Goldförderung

Goldproduktion legt in ersten drei Quartalen 2015 um 41% zu / Geldtransfers der Arbeitsmigranten / Von Fabian Nemitz

Bischkek (gtai) - In den ersten zehn Monaten 2015 ist die kirgisische Wirtschaft real um 4,8% gewachsen. Die zentralasiatische Republik profitierte von der höheren Produktion an der Goldmine Kumtor. Sinkende Geldtransfers der Arbeitsmigranten belasten die Kaufkraft der Bevölkerung. Seit August 2015 ist Kirgisistan vollwertiges Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion. Dank Finanzierung durch internationale Geber bieten sich Geschäftschancen im Stromsektor sowie der Verkehrs- und kommunalen Infrastruktur.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kirgisistans ist in den ersten zehn Monaten 2015 real um 4,8% gewachsen. Der Anstieg geht zu großen Teilen auf die höhere Produktion an der Goldmine Kumtor zurück. Doch auch ohne Berücksichtigung der Lagerstätte weist das BIP im genannten Zeitraum ein Plus von 4,0% auf.

Laut Angaben des kanadischen Unternehmens Centerra Gold legte die Goldförderung an Kumtor von Januar bis September 2015 um 41% auf rund 390.000 Unzen zu. Dies führte zu einem Anstieg der Industrieproduktion um real 8,2%. Im genannten Zeitraum kam die Goldmine auf einen Anteil von 45,4% am gesamten Industrieausstoß. Ohne Berücksichtigung der Lagerstätte weist Letztere nur ein Plus von 0,8% auf.

Wachstumsimpulse kamen in den ersten zehn Monaten 2015 auch von der Landwirtschaft (+6,3%), dem Groß- und Einzelhandel (+6,0%) und der Bauwirtschaft (+5,7%). Schwach zeigten sich die Bruttoanlageinvestitionen (+1,6%).

Für das Gesamtjahr 2015 erwartet die kirgisische Regierung in ihrer Prognose vom Juni 2015 ein Wachstum des BIP von 1,8%, für 2016 bis 2018 ein durchschnittliches Plus von 3,9% pro Jahr. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarten eine ähnliche Entwicklung.

Allerdings sehen Beobachter in den hohen Wachstumszahlen für 2015 einen Widerspruch zur gefühlten Lage im Land. Kirgisistan leidet stark unter der Wirtschaftskrise in Russland und Kasachstan, wo rund 1 Mio. kirgisische Arbeitsmigranten leben. Deren Geldüberweisungen sind die wichtigste Devisenquelle des Landes. Im Jahr 2014 erreichten allein die durch die Nationalbank erfassten Zahlungen einen Umfang von 30% des BIP des Landes. In den ersten neun Monaten 2015 gingen die Transfers um 25,3% auf knapp 1,3 Mrd. US$ zurück. Allerdings sind Arbeitnehmer aus Kirgisistan seit dem Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) lokalen Arbeitskräften in den anderen Mitgliedsstaaten gleichgestellt.

Wirtschaftliche Entwicklung 2014 bis 2017 (reale Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum in %)
2014 2015 1) 2016 1) 2017 1)
BIP 3,6 1,8 4,1 3,4
Einfuhr (cif) 2) -4,2 -21,1 3) 1,2 1,7
Bruttoanlageinvestitionen 24,9 1,6 4) 9,3 10,5
Groß- und Einzelhandel 7,7 6,0 4) 5,0 5,3

1) Prognosen; 2) nominale Veränderung; 3) Januar bis August 2015; 4) Januar bis Oktober 2015

Quellen: Nationales Statistikkomitee, Regierungsangaben

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2014 2015 1)
BIP (nominal, Mio. US$) 7.402 7.158
BIP pro Kopf (US$) 1.256 1.198
Bevölkerung (Mio.) 2) 5,90 5,98
Wechselkurs (1 US$ = ... Kirgisistan-Som (K.S.)) 53,766 69,698 3)

1) Prognosen; 2) jeweils zum 1.1.; 3) Stand: 31.10.15

Quellen: IWF, Deutsche Bundesbank

Investitionen wachsen 2015 nur schwach

Nach einem Anstieg um real 24,9% im Jahr 2014 hat sich das Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen in den ersten zehn Monaten 2015 auf 1,6% verlangsamt. Von 2016 bis 2018 rechnet die kirgisische Regierung mit einem Anstieg der Investitionen um rund 10% pro Jahr. Angesichts der Schwäche der kirgisischen Wirtschaft spielen internationale Geberorganisationen und ausländische Staaten (vor allem Russland und VR China) eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Projekten. Geschäftschancen bieten Vorhaben in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur sowie dem Strom- und Wassersektor. Weitere Kreditaufnahmen könnte in den kommenden Jahren aber die steigende Auslandsverschuldung des Staates erschweren, die nach Einschätzung des IWF Ende 2015 ein Niveau von 60% des BIP erreichen wird (2014: 53,0%).

Um die negativen Folgen des Beitritts zur EAWU abzufedern, stellt Russland Kirgisistan 1 Mrd. $ im Rahmen des kirgisisch-russischen Entwicklungsfonds zur Verfügung. Die Gelder sollen für Projekte etwa in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, dem Bergbau und der Textilindustrie genutzt werden. Zudem sollen sie Kirgisistan bei der Umorientierung der Wirtschaft weg vom Warenreexport, hauptsächlich aus der VR China, hin zu eigener Produktion und Wertschöpfung unterstützen.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Realisierungs-zeitraum Durchführer /Anmerkungen
Wasserkraftwerk Kambar-Ata-1 (1.860 MW) rund 3.000 2013 bis 2022 Elektritscheskije Stanzii (http://www.energo-es.kg) und Inter RAO (Russland)
Gaspipeline Kirgisistan-VR China 1.200 2013 bis 2016 Bau einer Gaspipeline von Turkmenistan in die VR China; Länge auf kirgisischem Territorium 215 km
Investitionen in Ausbau und Erneuerung der Gasnetze 750 bis 2030 Gazprom (Russland)
Wasserkraftwerkskaskade am Oberlauf des Naryn (238 MW) 728 2013 bis 2019 Werchne-Narynskije Gidroelektrostanzii (http://www.narynhydro.kg)
Bau eines Werks zur Produktion von Ferrosilicium-Alluminium in Tasch-Kumyr 100 2014 bis 2017 Posco (Korea, Rep.); Inbetriebnahme der 1. Stufe (50.000 t/Jahr) Ende 2015 geplant
Bau von vier Kleinwasserkraftwerken (65 MW) 80 k. A. GEEN General Energy (http://www.geen.eu)
Eisenbahnstrecke VR China-Kirgisistan-Usbekistan k. A. k. A. Finanzierung: VR China; Streckenverlauf noch unklar; geschätzte Kosten laut einer Machbarkeitsstudie von 2012: bis zu 6,5 Mrd. US$
Erschließung der Goldlagerstätte Dsherui k. A. k. A. Wostok-Geoldobytscha (Russland)

Quelle: Pressemeldungen

Groß- und Einzelhandel wächst trotz rückläufiger Geldtransfers 2015

In den ersten zehn Monaten 2015 sind die Umsätze im Groß- und Einzelhandel real um 6,0% auf umgerechnet knapp 5,0 Mrd. $ gewachsen. Der Anstieg ist erstaunlich angesichts gesunkener Geldtransfers der Arbeitsmigranten und weniger Möglichkeiten zum Verdienst im Reexport von Waren auf die Märkte der EAWU.

Neben sinkenden Transfers lasten die Inflation (Januar bis Oktober 2015: 7,1%) und der Wertverlust der lokalen Währung auf der Kaufkraft der Bevölkerung. Laut Statistikamt lag der durchschnittliche Bruttomonatslohn in den ersten zehn Monaten 2015 umgerechnet bei 203 $. Das waren real 1,0% mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Impulse für den Konsum könnten 2016 von steigenden Geldüberweisungen der Migranten kommen. Die Weltbank erwartet einen Anstieg auf gut 1,9 Mrd. $ (Prognose für 2015: 1,7 Mrd. $).

Importe sinken 2015 um ein Fünftel

Die Wareneinfuhr Kirgisistans ist in den ersten acht Monaten 2015 um 21,1% gesunken. Einen heftigen Einbruch verzeichneten die Importe von Fahrzeugen (-61,4% auf 181 Mio. $) und Textilien (-34,2% auf 132 Mio. $). Dagegen hielten sich die Einfuhren von Maschinen und Ausrüstungen relativ stabil (-5,5% auf 359 Mio. $). Die wichtigsten Lieferländer Kirgisistans im Zeitraum Januar bis August 2015 waren Russland (Anteil: 33,9%), die VR China (21,4%), Kasachstan (16,3%), die Türkei (4,2%) und Deutschland (2,9%).

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes fielen die deutschen Lieferungen nach Kirgisistan in den ersten acht Monaten 2015 um 24,5% auf 38,8 Mio. Euro (2014: -5,7% auf 81,5 Mio. Euro).

Die Exporte gingen im Zeitraum Januar bis August 2015 um 3,0% zurück. Einen hohen Zuwachs verzeichnete die Goldausfuhr (+40,5% auf 479 Mio. $), auf die 52% der gesamten Warenausfuhr entfiel. Rückläufig waren die Exporte von Nahrungsmitteln, Textilien und mineralischen Produkten. Wichtigste Abnehmerländer waren die Schweiz (Anteil: 43,1%), Kasachstan (18,6%), die VAE (8,1%), Russland (7,9%), Usbekistan (4,9%) und die Türkei (3,8%).

Außenhandel Kirgisistans (Angaben in Mio. US$; Veränderung in %)
2013 2014 Januar bis August 2015 Veränderung *)
Einfuhr 5.987,0 5.734,7 2.720,7 -21,1
Ausfuhr 2.006,8 1.883,7 917,3 -3,0
Handelsbilanzsaldo -3.980,2 -3.851,0 -1.803,4 -28,0

*) Januar bis August 2015 im Vergleich zu Januar bis August 2014

Quelle: Nationales Statistikkomitee

(N.M)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kirgisistan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Geld / Preise / Inflation / Währung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Wirtschaftspolitik, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein

Kontakt

Verena Saurenbach

Wirtschaft

‎+49 228 24 993 283

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