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05.10.2017

Kolumbien verbessert seine Verkehrswege

Ausbau der Autobahnen, Flughäfen und Seehäfen kommt voran / Von Edwin Schuh

Bogotá (GTAI) - Kolumbiens Verkehrsinfrastruktur hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, investiert das Land derzeit so viel wie nie zuvor in seine Autobahnen, Häfen und Flughäfen. Auch das Megaprojekt der ersten Metrolinie in Bogotá dürfte in den nächsten Jahren realisiert werden. Die gesunkenen Einnahmen der Regierung aus dem Erdölsektor und der Odebrecht-Korruptionsskandal sorgten für Rückschläge, werden den Modernisierungsprozess jedoch nicht stoppen.

Im aktuellen Global Competitiveness Report des World Economic Forum steht Kolumbien bei der Transportinfrastruktur auf Platz 98 von 137 Ländern. Die Qualität der Straßen wird mit Rang 110 sogar noch schlechter eingestuft. Die Wirtschaft beklagt die hohen Transportkosten, so ist es deutlich billiger, einen Container von Hamburg nach Cartagena zu bringen als von dort weiter nach Bogotá. Unter der Führung der Nationalen Infrastrukturagentur ANI (Agencia Nacional de Infraestructura) sollen sich diese Zustände nun ändern.

Finanzierung geplanter Autobahnen noch offen

Rückgrat der aktuellen Infrastrukturoffensive ist das Autobahnprogramm "Vierte Generation (4G)". Es gehört mit Investitionen von rund 16,7 Milliarden US-Dollar (US$) zu den größten Infrastrukturprojekten in Lateinamerika. Insgesamt sollen über 7.000 Kilometer an Autobahnen gebaut oder ausgebaut werden, aufgeteilt in 31 Projekte im ganzen Land. Dafür, dass das Programm bereits 2012 startete, wurde bislang jedoch relativ wenig in die Tat umgesetzt. Zwar wurden alle Projekte vergeben, darunter an namhafte internationale Baufirmen wie Sacyr, Grupo Ortiz, Iridium (Spanien), Vinci (Frankreich), OHL (Chile), MECO (Costa Rica), Shikun Binui (Israel), Strabag (Österreich) oder Mota Engil (Portugal), zumeist in Konsortien mit kolumbianischen Bauunternehmen (detaillierte Informationen unter http://www.ani.gov.co/carreteras2).

Jedoch gibt es Probleme bei der Finanzierung der als Public-Private Partnerships (PPP) strukturierten Projekte. So wurde bislang erst bei acht Projekten die Finanzierung abgeschlossen. Zur Rettung wird nun frisches Kapital aus dem Ausland erhofft. Goldman Sachs, Sumitomo Mitsui, ING Capital und die französische Crédit Agricole haben sich bereits an Finanzierungen beteiligt. Der amerikanische Vermögensverwalter BlackRock gründete einen Infrastrukturfonds in Kolumbien und will mindestens drei 4G-Projekte finanzieren. Weitere ausländische Banken stehen in Verhandlungen. Bis Mitte 2018 soll die Finanzierung aller Projekte abgeschlossen sein und der Bau der Autobahnen dann zügig voranschreiten.

Ziel des Autobahnprogramms ist es, die großen Städte im Inland wie Bogotá, Medellín und Cali besser mit den Häfen an der Karibik- und Pazifikküste zu verbinden. Dies soll den aufwändigen und teuren Transport innerhalb des Landes erleichtern. Wichtige Strecken dafür sind beispielsweise die Pazifikverbindungen (Conexión Pacífico) 1 bis 3 und die Autobahnen ans Meer (Autopista al Mar) 1 und 2. Da Kolumbien von drei Andengebirgsketten durchzogen wird, beinhaltet das Autobahnprogramm zahlreiche Tunnels (Gesamtlänge 142 Kilometer) und Brücken (151 Kilometer). Dazu gehört auch der im Bundesland Antioquia geplante Toyo-Tunnel, welcher mit 10 Kilometern Kolumbiens längster Tunnel sein wird (Investitionen: 630 Millionen US$).

Straßen in ehemaligen Guerrilla-Zonen sollen verbessert werden

Ein deutlich kleiner dimensioniertes Straßenbauprojekt, jedoch von großer sozialer Bedeutung, ist das Programm "51/50 tertiäre Straßen für den Frieden" (51/50 Vías Terciarias para la Paz). Es sieht den Bau von jeweils 50 Kilometern an Straßen vor in den 51 Gemeinden, die in der Vergangenheit am stärksten von dem bewaffneten Konflikt mit der FARC-Guerilla betroffen waren. Der Staat war in diesen Gebieten viele Jahre nicht präsent, so dass ein großes Defizit in der Infrastruktur besteht. Für die Landbevölkerung sind diese Straßen wichtig, um ihre Agrarerzeugnisse zu den Märkten in den Städten zu bringen. Für die geplanten 2.550 Kilometer stellt die Regierung 17 Millionen US$ zur Verfügung (nähere Informationen und Ausschreibungen unter https://www.colombiacompra.gov.co/manuales-guias-y-documentos-tipo/vias-terciarias-para-la-paz-y-el-postconflicto).

Erste Metrolinie in Bogotá könnte Realität werden

Im öffentlichen Nahverkehr steht die erste Metrolinie in Bogotá ganz oben auf der Wunschliste. Nach zahlreichen Studien und Vorschlägen in den letzten Jahrzehnten ist diese so nah an der Realisierung wie wohl nie zuvor. Bogotá mit seinen geschätzten 8 Millionen Einwohnern gehört heute zu den wenigen Städten weltweit in dieser Größenordnung ohne eine U-Bahn. Bürgermeister Enrique Peñalosa entschied, die Metro entgegen ursprünglicher Pläne ober- und nicht unterirdisch zu bauen, was angesichts des begrenzten Budgets sinnvoll erscheint. Die erste Metrolinie soll vom Südwesten der Stadt auf einer Länge von 24 Kilometern bis hin zum Finanzzentrum im Norden laufen, 15 Stationen haben und zukünftig weiter ausgebaut werden.

Die Kosten von 4,7 Milliarden US$ wird zu 70 Prozent die Zentralregierung stemmen, die restlichen 30 Prozent die Stadt Bogotá. Im September 2017 erklärte das nationale Planungsdepartment (Departamento Nacional de Planeación) die Metrolinie für strategisch wichtig, wodurch das Budget der Regierung für das Projekt garantiert ist. Den Plänen zufolge soll die Metrolinie schon 2018 in Auftrag gehen. Sollte das Projekt umgesetzt werden, entstünden für deutsche Unternehmen interessante Möglichkeiten als Zulieferer von Technologie, Baumaschinen oder Ingenieursdienstleistungen.

Flughäfen werden an das steigende Passagieraufkommen angepasst

Wegen der schlechten Qualität der Straßen und der nicht vorhandenen Zugstrecken ist in Kolumbien das Flugzeug das begehrteste Transportmittel. Flüge von Bogotá in die Großstädte Medellín, Cali und Barranquilla dauern rund eine Stunde, während bei Pkw oder Bus mit 8 bis 24 Stunden gerechnet werden muss. Das Aufkommen von Low-Cost-Carriern wie VivaColombia und Wingo hat in den letzten Jahren Flugreisen auch für weniger wohlhabende Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht. Zusammen mit dem boomenden Tourismus hat sich das Passagieraufkommen daher zwischen 2004 und 2016 auf 36 Millionen Personen verdreifacht.

Um mit diesem Wachstum Schritt zu halten, wurde bereits in die Flughäfen in Bogotá und Cali investiert. Medellín (Flughafen Rio Negro), Cúcuta und Barranquilla befinden sich aktuell im Ausbau. Die ANI kündigte zwischen 2018 und 2020 Investitionen von 545 Millionen US$ in die Modernisierung weiterer Flughäfen an. Zudem gibt es Pläne für den Ausbau des Flughafens Cartagena für rund 200 Millionen US$ sowie einen zweiten internationale Flughäfen in Bogotá (1 Milliarde US$).

An Kolumbiens Küsten entstehen neue Häfen

Kolumbiens zunehmende Verflechtung in den internationalen Handel steigert die Bedeutung seiner Häfen an der Karibik- und Pazifikküste. Cartagena, schon jetzt Lateinamerikas viertwichtigster Containerhafen, soll weiter wachsen. Die Betreibergesellschaft Compas (Compañia de Puertos Asociados) will für 200 Millionen US$ die Kapazität des Hafens erweitern und außerdem in das Kohleterminal in Tolú investieren. Kürzlich erwarb Goldman Sachs 50% von Compas, was den wachsenden Stellenwert Kolumbiens unter internationalen Investoren beweist. Auch die philippinische ICTSI und PSA aus Singapur haben bereits 650 Millionen US$ in einen neuen Hafen in Buenaventura an der Pazifikküste investiert, welcher Anfang 2017 eingeweiht wurde.

Ein neuer Hafen soll auch für 1 Milliarde US$ an der Karibikküste von Antioquia entstehen. Der geplante Darién International Port ist von Medellín, Bogotá und Colón (Panama) aus schneller erreichbar als die anderen Karibikhäfen Kolumbiens und könnte daher zu echter Konkurrenz für Cartagena, Barranquilla und Santa Marta werden. Noch warten die Unternehmen Conconcreto und Grupo Elemental auf die Umweltlizenz für den Bau des Hafens. Ab 2020 soll dieser dann jährlich 680.000 Tonnen befördern und bis 2040 auf 13 Millionen Tonnen ausgebaut werden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kolumbien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

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