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27.11.2017

Kuba bietet Chancen bei Tourismus und Energie

Die Tourismusbranche boomt / Große Ausbaupläne für Bioenergie / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Interessante Sektoren für ausländische Unternehmen in Kuba sind der Tourismus, die Energie- und Wasserversorgung, Medizintechnik, Bergbau und Informationstechnik. Auch deutschen Unternehmen bieten sich Geschäftschancen. Doch obwohl der Nachhol- und Erneuerungsbedarf in allen Teilen des Landes sichtbar ist, bestimmt die Regierung, welche Bereiche die begehrten Devisen erhalten. Außerhalb dieser Branchen ist ein erfolgreicher Geschäftsabschluss sehr unwahrscheinlich.

Bei einem Rundgang durch Havanna fällt an jeder Ecke der Bedarf an Produkten verschiedenster Art ins Auge. Für die Restaurierung der Gebäude wären Baumaterialien erforderlich, die Auslage in den Geschäften ist nur rar bestückt und nachts ist die Stadt aufgrund des knappen Stromangebots eigentümlich dunkel. Unternehmer aus dem Ausland sollten daraus jedoch nicht zwangsläufig auf Absatzchancen schließen. Die Prioritäten der Regierung entscheiden darüber, was in der staatlich gelenkten Wirtschaft eingekauft wird.

Zwei Arten von Branchen kommen dafür in Frage: Zum einen sind es Bereiche, die für die Versorgung der Bevölkerung wichtig sind. Dazu gehören Energie, Wasser, Gesundheit, Nahrungsmittel und in eingeschränkter Form die Infrastruktur. Zum anderen werden Sektoren gefördert, die wiederum Devisen erwirtschaften können und somit zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen. Dies betrifft Tourismus, Bergbau, Tabak und Spirituosen sowie Pharmazie.

Tourismus ist wichtigster Devisenbringer

Der Tourismus hat in Kuba in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erfahren und ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes. Für 2017 erwarteten Beobachter zunächst 4,2 Millionen Gäste und damit um 5 Prozent steigende Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr. Neue Reisebeschränkungen der Trump-Regierung für US-Amerikaner sowie die Verwüstungen des Sturms Irma machen es jedoch unwahrscheinlich, dass dieser Zielmarke erreicht wird.

Diese Faktoren werden den weiteren Zuwachs angesichts des Potenzials jedoch längerfristig kaum aufhalten. Zum Vergleich: Die Dominikanische Republik, in Größe und Klima dem kubanischen Markt sehr ähnlich, zieht jedes Jahr 8 Millionen Touristen an. Auf diesem Weg haben die kubanischen Verantwortlichen - insbesondere im Servicebereich - allerdings noch viel zu tun und genau dort liegen die Chancen für deutsche Reiseunternehmen, Hotelausstatter und Tourismusdienstleister.

Hotelbetreiber wie Meliá und Marriott verstärken ihr Kubaengagement. Die Kreuzfahrtlinien Carnival Cruise Lines, Norwegian Cruise Lines und Royal Caribbean planen, Kuba als Anlaufpunkt ihrer Schiffe zu stärken. Unter deutscher Beteiligung gibt es zudem Pläne, in den kommenden Jahren eine Reihe von Themenparks aufzubauen, um das Freizeitangebot zu diversifizieren.

Saubere Energien im Kommen

In der Stromwirtschaft steht Kuba unter starkem Druck, den veralteten Kraftwerkspark durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen. Biomasse, Photovoltaik sowie Wind- und Wasserkraft sollen bis 2030 knapp ein Viertel der Stromerzeugung ausmachen. 2016 waren es lediglich 5 Prozent. Ausländische Unternehmen werden im kubanischen Elektrizitätssektor vorwiegend über Joint Venture sowie über Build-Own-Operate-Modelle (BOO) aktiv, bei dem das ausländische Unternehmen selbstständig im Land tätig wird.

Die größten Ausbaupläne gibt es für die Bioenergie, wo Strom in bestehenden Zuckerfabriken aus der Bagasse sowie aus dem Maribú-Baum generiert werden soll. 2030 wird nach Vorstellung der Regierung 14 Prozent des Stroms aus Biomasse gewonnen. Ein erstes Projekt wurde 2016 an ein Joint Venture mit der britischen Havanna Energy vergeben. Deutsche Firmen zeigen ebenfalls Interesse an der Branche.

Mit der britischen Hive Energy, der spanischen Yield Energía sowie dem deutschen Unternehmen EFF sicherten sich bereits die ersten Firmen Solarparkprojekte. Photovoltaik soll 2030 rund 3 Prozent der Stromerzeugung stellen. In der Windkraft sehen die Projektionen für 2030 einen Anteil von 5 Prozent vor. Derzeit gibt es vier Windparks, die zusammen mit spanischen und chinesischen Firmen entstanden. Auch konventionelle Kraftwerke haben weiterhin Chancen. Von deutscher Seite haben MAN und MTU moderne Dieselkraftwerke bereitgestellt, die einen wichtigen Pfeiler der Stromwirtschaft bilden.

Industrie braucht ausländische Maschinen

Im verarbeitenden Gewerbe liegt das Interesse Kubas vor allem darin, die heimische Produktion zu stärken und Importe zu ersetzen, die in vielen Bereichen auf den Staatshaushalt drücken. Aufgrund eines nur schwach ausgeprägten Maschinenbaus müssen die kubanischen Firmen und ihre internationalen Partner die Ausrüstung dafür zumeist im Ausland einkaufen.

Von kubanischer Seite besteht das größte Interesse in den Bereichen Nahrungsmittel, Hygieneprodukte und Baustoffe. Kuba muss trotz bester klimatischer Bedingungen Nahrungsmittel im Wert von rund 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Ausland einkaufen, das sind rund 20 Prozent der Gesamtimporte des Landes. Der aufstrebende Tourismus verschärft die Situation. Daneben soll die internationale Vermarktung von Rum und Zigarren gestärkt werden.

Obwohl die kubanische Wirtschaftsfördergesellschaft ProCuba in ihrer jährlich aktualisierten Liste der Investitionsmöglichkeiten (Cartera de Opportunidades) zahlreiche Projekte in den genannten Branchen anbietet, halten sich ausländische Partner bislang noch zurück. Lediglich in der Sonderwirtschaftszone Mariel gibt es einige Investitionszusagen, für die Maschinen und Ausrüstung importiert werden.

Weitere Sektoren

Weitere interessante Sektoren sind Wasserwirtschaft, Medizintechnik, Bergbau und Informationstechnik. In der Wasserversorgung hat Kuba immer wieder mit Dürren zu kämpfen, zudem müssen die Schäden durch den Sturm Irma behoben werden. Bislang sind spanische Firmen in der Installation von Kläranlagen führend. In der Gesundheitswirtschaft ist Kuba trotz eines guten nationalen Versorgungssystems von Einfuhren an Medizintechnik abhängig. Auch aufgrund der alternden Bevölkerung und des aufkommenden Medizintourismus nimmt der Absatz mittelfristig um 7 bis 10 Prozent pro Jahr zu.

Im Bergbau öffnete nach Jahren der Stagnation eine neue Mine, die jährlich 100.000 Tonnen an Zink- und 50.000 Tonnen an Bleikonzentrat produzieren soll. Das Projekt ist ein Joint Venture des schweizerischen Unternehmens Trafigura und der kubanischen Staatsfirma GeoMinera. Wichtigstes Minenprodukt Kubas ist jedoch Nickel, der 2015 rund 15 Prozent der Exporte des Landes ausmachte.

Die Informationstechnik war lange Zeit kein wichtiges Thema in Kuba, doch mittlerweile hat die politische Führung erkannt, dass sie Internet auch in Privathaushalten zulassen muss. Nach einem Ende 2016 gestarteten Pilotprojekt zwischen der staatlichen Etecsa und Google können mittlerweile alle Haushalte einen Zugang beantragen. Die Leistungsfähigkeit des Internets ist jedoch gering und die Nutzungskosten sind sehr hoch.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuba finden Sie unter http://www.gtai.de/kuba

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Geschäftspraxis allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Tourismus

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