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08.11.2018

Künftiger Präsident will mexikanische Energiewirtschaft stärken

Neue Raffinerie und Ausbau der Wasserkraft geplant / Ländliche Telekominfrastruktur im Blick / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Andrés Manuel López Obrador will Mexikos Abhängigkeit von Energieimporten senken. Auch andere Infrastrukturbereiche erhalten hohe Investitionen.

Die künftige mexikanische Regierung unter dem designierten Präsidenten Andrés Manuel López Obrador schiebt derzeit zahlreiche Infrastrukturprojekte an. Alleine in die sieben Projekte, welche die künftige Regierung als dringend einstuft, sollen 25 Milliarden US-Dollar (US$) fließen. López Obrador wird am 1. Dezember 218 vereidigt. Die ersten Ausschreibungen sollen direkt im Anschluss erfolgen.

Zu den wichtigsten Bereichen gehören Energiewirtschaft, Telekommunikation und der Aufbau von insgesamt acht Sonderwirtschaftszonen. Daneben gibt es mehrere Vorhaben in der Transportinfrastruktur:

- Schienenprojekte: http://www.gtai.de/MKT201808238001

- Flughäfen, Häfen und Straßen: http://www.gtai.de/MKT201811078007

Petrochemie: Neue Raffinerie soll Importabhängigkeit verringern

Um sein Wahlkampfversprechen zur Steigerung der Kraftstoffproduktion zu halten, will López Obrador ab 2019 eine neue Raffinerie bauen lassen. Die Anlage soll innerhalb von drei Jahren nahe der Hafenstadt Dos Bocas im südlichen Bundesstaat Tabasco entstehen und rund 8 Milliarden US$ kosten. Die ersten Mittel sind laut Vertretern des Übergangsteams López Obradors bereits für 2019 reserviert. Aktuell muss Mexiko trotz großer Erdölvorkommen rund 75 Prozent seines Kraftstoffbedarfs importieren, bei Benzin und Diesel sind es 80 Prozent.

Nach Fertigstellung wird die Raffinerie laut den Plänen rund 400.000 Barrel pro Tag an Kraftstoffen produzieren. Ebenfalls in Dos Bocas ist gerade ein Hafenterminal für die Speicherung und Verladung von petrochemischen Produkten ausgeschrieben, das noch im November 2018 vergeben werden soll. Verantwortliche Stelle ist das Transportministerium SCT.

Weitere wichtige Vorhaben der neuen Regierung betreffen die Modernisierung der bestehenden Raffinerien in Cadereyta (Bundesstaat Nuevo León), Tula (Hidalgo), Salamanca (Guanajuato), Minatitlán (Veracruz), Salina Cruz (Oaxaca) und Ciudad Madero (Tamaulipas). Dafür sollen von 2019 bis 2020 rund 2,6 Milliarden US$ fließen. In den Raffinerien gibt es aufgrund technischer Probleme immer wieder Produktionsausfälle, zudem gilt die Qualität der Kraftstoffe als verbesserungswürdig.

Elektrizität: Künftige Regierung setzt auf Wasserkraft

Unter der künftigen Regierung wird es zum Ausbau der Stromerzeugung vermutlich weiterhin öffentliche Ausschreibungen geben. In den vergangenen Vergaberunden traten Anbieter von Fotovoltaik- und Windstrom als große Gewinner hervor. Die Entwicklerfirmen müssen nun die zugehörigen Parks aufbauen, um den Strom wie vereinbart an den staatlichen Versorger CFE liefern zu können.

Die neue Regierung will aber auch eigene Akzente setzen. López Obrador kündigte an, dass die Wasserkraft wieder eine größere Rolle spielen wird. Mexiko verfügt im Süden des Landes über große Wasserkraftwerke, die in den vergangenen Jahren aber kaum ausgebaut wurden. Bis 2024 sollen von öffentlicher Seite 13 neue Anlagen mit einer installierten Leistung von 840 Megawatt entstehen. Zusätzlich soll der Privatsektor rund 6,3 Milliarden US$ in 112 Kleinwasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von 1.095 Megawatt investieren. Unter welchem Schema öffentliche und private Investitionen erfolgen werden, ist bislang noch nicht bekannt.

In der Netzinfrastruktur sind von der künftigen Regierung vorerst keine Initiativen zu erwarten, da die aktuelle Administration bereits große Vorhaben angestoßen hat. Wichtigstes Projekt ist die 1,2 Milliarden US$ teure Trasse von der Landenge Istmo de Tehuantepec im Bundesstaat Oaxaca in das Landeszentrum. Sie wird vor allem Strom aus den Windparks des Isthmus in das bevölkerungsreiche Zentrum transportieren. Das Projekt kam nach mehreren Verzögerungen im Februar 2018 zur Ausschreibung und soll im Dezember vergeben werden. Presseberichten zufolge interessieren sich unter anderem General Electric, Iberdrola, Mitsubishi, Sinohydro und Siemens für das Vorhaben.

Ein weiteres Großprojekt ist die Verbindung des Inselnetzes von Baja California Sur mit dem Hauptnetz durch ein Unterseekabel. Die 1.308 Kilometer lange Leitung, wovon 110 Kilometer auf das Unterseekabel entfallen, würde die Versorgungssicherheit erhöhen und die Umwelt entlasten, so ein CFE-Sprecher. Ebenso gibt es Pläne für den Anschluss des Inselnetzes im nördlichen Teil der Halbinsel Baja California an das US-Netz. Beide Ausschreibungen haben einen Wert von 1,1 Milliarden US$ und sollen im November 2018 vergeben werden.

Telekommunikation: Internetausbau im ländlichen Raum

Im Telekomsektor liegt der Fokus der neuen Regierung auf der Internetversorgung des ländlichen Raums. Laut dem Statistikamt Inegi verfügen rund 45 Millionen Personen und damit 36 Prozent der Bevölkerung über keine Internetverbindung. Dies betrifft vor allem ländliche Gebiete, in denen es für die großen Internetanbieter Telmex, Telefónica und AT&T unattraktiv ist, Leitungen zu bauen.

Die künftige Regierung plant daher, lokale Internetanbieter zu unterstützen, die in vielen Fällen bereits auf privater oder genossenschaftlicher Basis Netzanbindungen für Schulen, Krankenhäuser und andere öffentliche Orte bereitstellen. Abel Hibert, Telekomexperte im Übergangsteam von López Obrador, will dafür einen Fonds schaffen, der sich unter anderem aus den Konzessionszahlungen der großen Telekomanbieter speisen soll. Auch bereits existierende Programme wie México Conectado sollen erweitert werden. Die notwendigen Mittel für den Ausbau veranschlagt Hibert auf rund 300 Millionen US$ pro Jahr.

Sonderwirtschaftszonen: Bestehende Vorhaben werden fortgeführt

Nachdem die noch amtierende Regierung bereits Sonderwirtschaftszonen im Süden und Westen des Landes einrichtete, plant die künftige Administration zusätzlich eine Zone im Norden an der Grenze zu den USA. Dort sollen ab Anfang 2019 ein um die Hälfte geminderter Mehrwertsteuersatz von 8 Prozent und weitere Steuervergünstigungen gelten; ebenso ist geplant, den Mindestlohn zu verdoppeln. Die Änderungen werden laut Befürwortern dazu führen, neue Investitionen anzuziehen und gleichzeitig die Konsumbereitschaft zu steigern.

Die bereits eingerichteten Zonen liegen in Seybaplaya (Bundesstaat Campeche), Dos Bocas (Tabasco), Lázaro Cárdenas (Michoacán), Coatzacoalcos (Veracruz), Salina Cruz (Oaxaca), Puerto Chiapas (Chiapas) und Progreso (Yucatán). Damit Unternehmen tatsächlich vor Ort investieren, wird es von öffentlicher Seite jedoch nötig sein, die Infrastruktur zu verbessern. Die neue Regierung hat versprochen, die Entwicklung der Zonen fortzuführen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Energía http://www.gob.mx/sener Mexikanisches Energieministerium
Petróleos Mexicanos (PEMEX) http://www.pemex.com Staatliche Ölgesellschaft
Comisión Federal de Electricidad (CFE) http://www.cfe.gob.mx Staatliche Elektrizitätsgesellschaft
Proyectos México http://www.proyectosmexico.gob.mx Staatliche Projektinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk), Petrochemie

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‎+49 228 24 993 267

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