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15.02.2018

Kuwaits Außenhandel zeigt Aufwärtstrend

Wieder steigende Öleinnahmen / Auch Zuwachs bei Importen / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Nach drei Jahren mit starken Rückgängen ist Kuwaits Handelsbilanzplus 2017 auf geschätzte 25 Milliarden US-Dollar (US$) gestiegen. Dies ist allerdings nur etwa ein Viertel des 2012 erreichten Spitzenwertes. Sollte der Ölpreis 2018 nicht mehr signifikant zulegen, könnten Kuwaits steigende Importe den Handelsbilanzüberschuss erneut schrumpfen lassen. Deutschland ist Kuwaits führender EU-Lieferant und dürfte 2017 im Gesamtranking der Lieferländer Position 5 gehalten haben.

Nach einer Talfahrt des kuwaitischen Außenhandelsvolumens 2014 bis 2016 ging es 2017 bergauf. Nach Angaben der kuwaitischen Zentralbank lag der Wert der Ein- und Ausfuhren 2016 bei insgesamt 72,9 Milliarden US$, rund 131 Milliarden US$ waren es 2014. In den ersten neun Monaten 2017 erhöhte sich der Außenhandelswert gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 61,7 Milliarden US$. Die Ausfuhren stiegen auf 40,2 Milliarden US$, die Einfuhren auf 21,6 Milliarden US$.

Erholung des Ölpreises lässt Exportwert wachsen

Das Exportplus geht im Wesentlichen auf gestiegene Preise für Rohöl zurück. Der Anteil der Ölexporte an der Gesamtausfuhr hatte 2012 bei 95 Prozent gelegen und war bis 2016 auf 90 Prozent abgefallen, 2017 blieb die Quote stabil. Eine weitere Steigerung der Einnahmen aus dem Ölexport ist derzeit nur bei weiter anziehenden Preisen zu realisieren. Eine mengenmäßige Ausweitung der Ölausfuhr wäre erst nach Aufhebung oder Erhöhung der seit Januar 2017 für Kuwait geltenden OPEC-Förderquote von 2,7 Millionen barrel per day möglich. Offiziellen Verlautbarungen zufolge soll Kuwaits Förderkapazität in Kürze 3,3 Millionen barrel per day erreichen, als langfristiges Ziel (bis 2040) werden 4,8 Millionen barrel per day angestrebt.

Unter der Kategorie Nicht-Ölexporte erfasst das Statistikamt auch Kuwaits Re-Export. In den ersten neun Monaten 2017 hatten die Wiederausfuhren einen Anteil am Nicht-Öl-Export von etwa einem Drittel. Bei der Ausfuhr von Erzeugnissen mit Ursprung in Kuwait dominieren petrochemische Erzeugnisse. Der Wert des Petrochemie-Exports war 2014 bis 2016 aufgrund des Preisverfalls um mehr als ein Drittel gesunken, 2017 dürfte es ein Plus gegenüber dem Vorjahr von etwa 20 Prozent gegeben haben.

Kuwait: Außenhandel (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)
2014 2015 2016 2017 (Jan. bis Sep.) *)
Importe (fob) 27.035 26.532 26.414 21.556
Exporte (fob) 104.708 54.425 46.530 40.174
.Öl 97.722 48.442 41.480 35.727
.Nicht-Öl-Erzeugnisse 6.986 5.983 5.050 4.447
Handelsbilanzsaldo 77.673 27.894 20.116 18.618

*) vorläufig

Quelle: Central Bank of Kuwait

Straßenfahrzeuge und Maschinen wichtigste Importkategorien

Auf Straßenfahrzeuge und Maschinen entfielen 2016 und auch im ersten Halbjahr 2017 fast 40 Prozent der Einfuhren. Die Entwicklung des Maschinenimports hängt wesentlich von der Realisierung großer industrieller Projekte (wie Raffinerien, Petrochemie) oder von Baufortschritten im Infrastrukturbereich (wie Kraftwerke, Wasserwirtschaft) ab.

Der Großteil der Fahrzeugimporte entfällt auf Pkw-Einfuhren. Die seit 2014 anhaltende Talfahrt der Pkw-Nachfrage hat sich 2017 verlangsamt. Der Absatz von Pkw und leichten Lkw (SUV, Pick-ups) erreichte 2013 mit 153.800 Einheiten einen Höhepunkt. Auf leichte Rückgänge 2014 und 2015 folgte 2016 ein Einbruch um 24 Prozent auf 115.043 Einheiten. In den ersten elf Monaten 2017 wurde mit 92.115 Fahrzeugen nur noch 8 Prozent weniger verkauft als in der entsprechenden Vorjahresperiode, so die Daten des Fachinformationsdienstes "Best Selling Cars".

Marktführer Toyota musste im Elfmonatszeitraum überdurchschnittliche Verluste verbuchen (-19 Prozent auf 26.713 Fahrzeuge), der Marktanteil schrumpfte auf 29 Prozent. Nissan wurde von Mitsubishi auf Platz 3 verdrängt, Nissans Absatz sank um 22 Prozent (8.295 Fahrzeuge), Mitsubishi hingegen legte 22 Prozent zu (9.583 Fahrzeuge). Chevrolet hielt die vierte Position (+6 Prozent auf 7.978 Fahrzeuge), es folgte Kia (+8 Prozent auf 7.627 Fahrzeuge). Den Angaben zufolge konnte BMW 1.860 Fahrzeuge absetzen (einschließlich MINI), Volkswagen 840.

Ausfuhren der EU28 Gruppe nach Kuwait 2014 bis 2017 (in Millionen Euro)
2014 2015 2016 2017 (Januar bis November)
EU28 5.063 5.999 5.446 5.170
.Deutschland 1.423 1.319 1.407 1.209
.Italien 743 774 1.095 1.050
.Vereinigtes Königreich 653 756 606 619
.Niederlande 447 636 553 541
.Frankreich 504 1.120 432 417

Quelle: Eurostat

Abweichende Außenhandelsdaten der Lieferländer

Die Angaben der kuwaitischen Statistik zu den Importen weichen teilweise deutlich von den Angaben der Lieferländer ab. Nach kuwaitischen Daten ist China der wichtigste Lieferant, deutlich vor den USA. Kuwait gibt für 2016 die Einfuhren aus China mit 4,7 Milliarden US$ an, es folgen die USA mit 2,9 Milliarden US$, die VAE mit 2,8 Milliarden US$, Japan mit 2 Milliarden US$ und Deutschland mit 1,9 Milliarden US$. Eine besonders große Differenz gibt es im Fall China, hier meldet die chinesische Statistik für 2016 Exporte nach Kuwait von nur 3 Milliarden US$ und 3,1 Milliarden US$ für 2017. Kuwaitische Daten für das Gesamtjahr 2017 liegen noch nicht vor.

Ausfuhren wichtiger Lieferländer nach Kuwait (in Millionen US$)
2014 2015 2016 2017
EU28 6.726 6.656 6.028 6.372 1)
USA 3.649 2.741 3.295 5.167
China 3.429 3.773 3.001 3.112
Vereinigte Arabische Emirate 2) 5.402 3.136 2.511 k.A.
Japan 1.903 1.865 1.696 1.423
Saudi-Arabien 1.502 1.556 1.758 k.A.
Indien 1.187 1.215 1.412 k.A.
Korea (Rep.) 1.976 925 1.406 1.163

1) Schätzung; 2) vor allem Re-Exporte über Dubai

Quelle: Nationale Statistikämter der Lieferländer

Lieferungen aus USA stark gewachsen

Basierend auf den Angaben der Lieferländer konnten die USA 2017 ihre Position als Kuwaits führender Lieferant erheblich ausbauen und damit den Abstand zu China stark vergrößern. Nach Angaben des U.S. Department of Commerce expandierten 2017 die Ausfuhren nach Kuwait um fast 57 Prozent auf 5,2 Milliarden US$. Die Lieferungen von Flugzeugen (SITC 792) stiegen um 150 Prozent auf 1,3 Milliarden US$.

Aber auch in anderen Bereichen gab es dreistellige Zuwächse. Die US-Exporte elektrischer Maschinen (SITC 77) verdoppelten sich auf 349 Millionen US$. Bei Telekommunikationsausrüstungen (SITC 76) wird ein Anstieg um 165 Prozent auf 231 Millionen US$ gemeldet, bei Kraftmaschinen um 115 Prozent auf 141 Millionen US$. Kräftige Erhöhungen gab es auch bei Maschinen für verschiedene Zwecke (SITC 74; 84 Prozent auf 437 Millionen US$), bei chemischen Erzeugnissen (SITC 59; 61 Prozent auf 221 Millionen US$) sowie bei Mess-, Prüf- und Kontrollinstrumenten (SITC 87; 43 Prozent auf 198 Millionen US$). Die Lieferungen von Straßenfahrzeugen (SITC 78) legten nur um 3 Prozent auf 701 Millionen US$ zu.

Deutsche Ausfuhren nach Kuwait nach wichtigen Warengruppen 2014 bis 2017 (in Millionen Euro)
SITC Bezeichnung 2014 2015 2016 2017 (Jan. bis Nov.)
Alle Warengruppen 1.423 1.319 1.407 1.209
78 Straßenfahrzeuge 421 333 356 278
74 Maschinen für verschiedene Zwecke 113 115 168 136
77 Elektrische Maschinen 110 114 130 92
12 Tabak und Tabakerzeugnisse 54 85 85 72
54 Medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse 68 76 81 96
87 Mess-, Prüf- und Kontrollinstrumente etc. 55 55 59 75
69 Metallwaren 34 43 55 44
71 Kraftmaschinen 119 48 54 83
72 Arbeitsmaschinen 30 30 33 29
59 Chemische Erzeugnisse 21 39 29 34

Quelle: Eurostat

Deutschland führender EU-Lieferant

Eurostat zufolge hat die EU28 Gruppe in den ersten elf Monaten 2017 die Exporte nach Kuwait um 7,5 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro erhöht. Allerdings gibt es innerhalb der Ländergruppe keinen einheitlichen Trend. Deutschland war zwar im Elfmonatszeitraum weiterhin mit 1,2 Milliarden Euro Kuwaits führender EU-Lieferant, musste aber ein Minus von 3,9 Prozent hinnehmen. Andere große EU-Exporteure konnten hingegen deutliche Zuwächse verbuchen. Für Italien meldet Eurostat eine Steigerung um 6,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, für das Vereinigte Königreich um 15,2 Prozent auf 0,6 Milliarden Euro, für die Niederlande um 11,2 Prozent auf 0,5 Milliarden Euro und für Frankreich um 22 Prozent auf 0,4 Milliarden Euro.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

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