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10.09.2015

Malaysias Holzverarbeitung braucht mehr moderne Maschinen

Holzproduktion legt wieder stärker zu / Deutscher Maschinenbauer errichtet Großprojekt / Von Rainer Jaensch

Kuala Lumpur (gtai) - Die holzverarbeitende Industrie in Malaysia muss stärker mechanisieren und innovativer werden. Denn die knappen Produktionsfaktoren sind Holz und Arbeitskräfte. Beides muss teilweise importiert werden. Ein Beispiel, wie den Engpässen mit maschineller Unterstützung beizukommen ist, liefert der deutsche Maschinenbauer Dieffenbacher. Auch anderen deutschen Anlagenherstellern bietet die Branche Geschäftschancen und Zuliefermöglichkeiten.

Die Herstellung von Holz- und Holzerzeugnissen zieht in Malaysia wieder stärker an. So legte der Produktionsindex 2014 um real 7,8% zu. Damit knüpfte er, nachdem er im Vorjahr um 3,1% rückläufig war, an das 8,7-prozentige Wachstum von 2012 an. Auftrieb erhielt die Branche 2014 vom boomenden Bausektor im Land. Aber auch der Export sorgte für Wachstum. So stieg die Ausfuhr von Holz und Holzerzeugnissen im Jahr 2014 um 5,6% und brachte Devisen in Höhe von 20,4 Mrd. malaysischen Ringgit (RM; 4,7 Mrd. Euro; 1 RM = 0,23 Euro) in die Kassen der Industrie. Im 1. Halbjahr 2015 flachte sich jedoch der Exportzuwachs auf 1% ab. Deutlich stärkere Zuwächse zeigten hingegen Schnittholz, Formteile und Möbel.

Ausfuhr von Holz und Holzerzeugnissen (in Mio. RM, Veränderung 2014 zum Vorjahr in %)
Art der Holzprodukte 2013 2014 Veränderung
Sägerundholz 1.865 2.075 11,3
Schnittholz 2.514 2.655 5,6
Faserplatten 1.052 1.058 0,6
Sperrholz 5.311 5.202 -2,1
Ausbauelemente und Fertigteilbauten 958 1.008 5,2
Formteile 626 722 15,3
Möbel aus Holz und Rattan 5.966 6.542 9,7
Sonstige Holzprodukte 1.003 1.118 11,5
Insgesamt 19.295 20.380 5,6

Quelle: Department of Statistics, Malaysia

Da Malaysias Holzindustrie stark exportorientiert ist, spiegelt sich in der Exportstruktur auch die Produktion im Land wider. Zweifellos ist dabei ein Trend zur Weiterverarbeitung festzustellen, der sich fortsetzen dürfte. Malaysia ist in Sachen Holz kein überwiegender Rohstoffexporteur mehr. So stellen Sägerundholz und Schnittholz lediglich 10 beziehungsweise 13% der holzbasierten Deviseneinnahmen. Das Gros wird mit zunehmender Tendenz durch weiter verarbeitete Produkte erwirtschaftet.

Trotz steigender Produktion noch kein Investitionsboom

Mit der wachsenden Nachfrage nach Holz und Holzprodukten im In- wie im Ausland müssen auch die Fertigungskapazitäten im Land erweitert und modernisiert werden. Es ist aber bislang kein überwältigender Investitionsschub, sondern eher ein langsamer Trend, konstatierten Hersteller und Verbandsvertreter gegenüber Germany Trade & Invest.

Dieses belegen auch die genehmigten Investitionen der holzverarbeitenden Industrie außerhalb der Möbelbranche. Sie beliefen sich 2014 auf 348 Mio. RM gegenüber 358 Mio. RM im Vorjahr. Wie die Investitionsförderbehörde Malaysian Investment Development Authority (MIDA) weiter meldete, kamen 2014 ähnlich wie im Jahr zuvor 85% des Engagements von lokalen Investoren, der Rest aus dem Ausland. Die beabsichtigten Investitionen zielen laut MIDA auf Panelprodukte, Formstücke und Bauholz aber auch andere Holzerzeugnisse wie Holzpellets und Schnittholz ab.

Neben der wachsenden Nachfrage nach Holz- und Holzerzeugnissen werden die Investitionen der Branche von der Notwendigkeit zu mehr Automatisierung und zu höherer Innovation angetrieben. Schließlich sind die knappen Ressourcen in Malaysias holzverarbeitender Industrie Holz und Humankapital. Die Branche - von der Forstwirtschaft bis zur Holzplattenherstellung - muss deshalb innovativer werden. Sie hält nach neuen Rohstoffen im Land Ausschau; neben Gummiholz nun auch nach Palmölholz. Auch setzt sie durch Arbeitskräftemangel und steigende Löhne angetrieben zunehmend auf Mechanisierung.

Automatisierung durch deutschen Maschinenbauer

Nur mit vollautomatischen Anlagen läuft es bei den Kunden des deutschen Anlagenbauers Dieffenbacher. Der Konzern hat 2014 eine große Anlage zur Herstellung von Grobspanplatten (OSB) für das Unternehmen Pioneer OSB errichtet. Dieses gehört zur Unternehmensgruppe Besgrade Products Sdn Bhd, einem der größten Sperrholzhersteller Malaysias. Mit einer jährlichen Kapazität von 150.000 cbm OSB-Platten ist diese Anlage in Alor Setar im Norden Malaysias eine der größten dieser Art in Südostasien, erklärte Andy Müller, General Manager von Dieffenbacher Asia Pacific. Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass dieser von Dieffenbacher entwickelte Produktionsprozess auch krumme und damit preiswerte Gummibaumstämme nutzbar machen kann.

Wenn dieses Beispiel Schule macht, könnten weitere OSB-Anlagen dieser Art folgen, räsoniert Müller. Denn Gummibäume gibt es im Kautschukland Malaysia zur Genüge, auch wenn sich in den letzten Jahren auf deren Kosten Palmölplantagen wesentlich stärker breit gemacht haben. Palmenstämme eignen sich aber weniger zur Herstellung von Holzerzeugnissen, selbst wenn Forschungen in diese Richtung betrieben werden.

Auch gehen Untersuchungen der Frage nach, ob sich die im ostmalaysischen Teilstaat Sarawak angepflanzten und großenteils ungenutzten Akazienplantagen zur Holzverarbeitung eignen. Dies zeigt, dass der Rohstoff Holz in Malaysia zu den knappen Ressourcen zählt. Etwa die Hälfte des Holzbedarfs wird importiert, teilweise aus nordischen Ländern für die Möbelindustrie und teils aus Nachbarländern wie Indonesien und Thailand. Doch diese wollen ihr Holz lieber zur eigenen Verarbeitung nutzen.

Somit sieht Müller zur Zeit eher Geschäftsmöglichkeiten für neue Anlagen in den anderen südostasiatischen Ländern. Das Geschäft in Malaysia ist vorerst auf Ersatzbedarf und Modernisierung beschränkt. Im Umfeld der Dieffenbacher Anlagen bieten sich darüber hinaus Zuliefermöglichkeiten für deutsche Hersteller von Spezialprodukten. So werden beispielsweise im Zuge der Brandschutzmaßnahmen Geräte zur Funkenerkennung benötigt.

Präzision, Verlässlichkeit und Bedienerfreundlichkeit gefragt

Während bei den Dieffenbacher Anlagen die Produktion schon vollautomatisch läuft, haben die malaysischen Sägewerke in Sachen Mechanisierung noch durchaus Spielraum nach oben. In diesen Betrieben wie auch in der Weiterverarbeitung ist ein Trend zur Automatisierung zu erkennen, erklärte Ken Tan gegenüber Germany Trade & Invest. Als Geschäftsführer des Sägewerks und der Fabrik für Holzformstücke Perusahaan Perkayuan Wan Feng Sdn. Bhd. ist er dabei, seine Produktionsstätte zu modernisieren. Angetrieben wird der Mechanisierungstrend im Wesentlichen von zwei Ursachen: Erstens Knappheit und Unsicherheiten bei der Holzversorgung drücken den Preis nach oben. Präzisere und stärker automatisierte Maschinen können helfen, den Ausschuss zu reduzieren.

Der zweite Engpass liegt in der Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Vor allem an qualifizierten Fachkräften und Maschinisten für komplexe Maschinen mangelt es. Dieses zeigt sich auch darin, dass zahlreiche ausländische Arbeitskräfte für diese Arbeiten angelernt werden. Zum einen ist Ausbildung notwendig, zum anderen aber auch mehr Automatisierung, um knappe und teure Arbeitskräfte zu ersetzen. Wichtige Kriterien für den Kauf einer Maschine sind für Tan - der bereits Produktionsmittel von Weinig im Einsatz hat - Genauigkeit, Beständigkeit, Bedienerfreundlichkeit sowie eine reibungslose Ersatzteilversorgung und technische Unterstützung.

(R.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Malaysia Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein

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Anna Westenberger

Wirtschaft

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