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03.03.2017

Maritime Autobahn in Indonesien soll Logistikkosten senken

Entlastung vor allem für den weniger entwickelten Osten / Neue gesetzliche Regelungen wirken kontraproduktiv / Von Roland Rohde

Jakarta (GTAI) - Indonesien will seine hohen Logistikkosten spürbar reduzieren. Kernstück des Plans ist der Aufbau einer sogenannten maritimen Autobahn, die insbesondere die östlichen Gebiete entlasten soll. Dort kann ein Sack Zement zehnmal mehr kosten als in Jakarta. Doch Pläne werden in dem riesigen Archipel oft nur zögerlich umgesetzt. Zugleich konterkarieren neue gesetzliche Maßnahmen die Ziele. Ein Halal-Gesetz etwa dürfte im Logistiksektor zu deutlichen Kostensteigerungen führen. (Internetadresse)

Indonesien hat ein großes Problem: Die Logistikkosten sind viel zu hoch. Sie liegen je nach Quellenlage im Landesdurchschnitt bei 24 bis 27% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Damit belegt der Archipel innerhalb Asiens einen der hintersten Ränge. Besonders stark leiden die weniger entwickelten östlichen Regionen. Sie müssen nahezu alle industriellen Produkte aus dem Westen des Landes beziehen - insbesondere aus der Hauptstadtregion, wo die allermeisten Fabriken stehen.

Während daher die Logistikkosten in und um Jakarta relativ niedrig sind, liegen sie beispielsweise in der über 3.000 km weiter östlich gelegenen Provinz Papua (dort gibt es kaum verarbeitendes Gewerbe) um ein Vielfaches höher. Deshalb kostet dort ein Sack Zement mehr als das Zehnfache im Vergleich zum Preis in der Hauptstadt.

Der im Oktober 2014 angetretene Präsident Joko Widodo will das nun ändern. Er treibt mit allem Nachdruck die Modernisierung der veralteten und unterdimensionierten Infrastruktur voran. Vor allem ein Projekt soll dabei die Logistikkosten im Osten senken: Der Aufbau einer sogenannten maritimen Autobahn. Im Rahmen dieses Vorhabens sollen zahlreiche Häfen neu gebaut oder erweitert werden. Daneben sind die Schaffung vieler neuer Schifffahrtslinien mit zusätzlich Hunderten Fähren und Tankern geplant.

Maritime Autobahn soll - auf dem Papier - über 50 Mrd. US$ kosten

Laut der indonesischen Planungsbehörde Bappenas müssten zur Erfüllung der Zielvorgaben zwischen 2015 und 2019 rund 700 Bill. Rupiah (Rp, rund 52 Mrd. US$, 1 $ = rd. 13.500 Rp, im Januar 2017) investiert werden. Für 24 strategische Hafenprojekte sind dabei 18 Mrd. $ vorgesehen. Weitere 15 Mrd. $ sollen der Entwicklung von rund 1.500 kleineren Häfen zugute kommen. Der Kauf von Wasserfahrzeugen wird fast 8 Mrd. $ verschlingen.

Dadurch sollen die Logistikkosten bis 2020 auf 19% zum BIP fallen. Dass dieses Ziel innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens erreicht wird, halten Landeskenner Anfang 2017 für so gut wie ausgeschlossen. Pläne besitzen in Indonesien traditionell einer eher unverbindlichen Charakter und werden selten 1:1 (und praktisch nie pünktlich) umgesetzt. Dafür sorgt schon die ineffiziente und korruptionsanfällige Bürokratie. Außerdem steht die Finanzierung vielfach auf wackeligen Füßen. Die Regierung setzt auf PPP (Private-Public Partnerships), doch private Kapitalgeber sind oft zurückhaltend mit einem Engagement.

Der Logistiksektor spürt daher bislang noch keinerlei Erleichterungen. Im Gegenteil: Durch mehrere neue Regelungen hat sich die Situation in jüngster Zeit sogar noch verschlechtert. Mit Schrecken wartet die Branche beispielsweise auf die Durchführungsbestimmungen für ein neues Halal-Gesetz. Laut Analysten dürfte es noch strenger als in Saudi-Arabien ausfallen. Dabei gehört Indonesien zu den liberalsten islamischen Ländern der Welt.

Selbst Container werden zukünftig wohl als nicht mehr als Halal gelten, wenn sie ein einziges Mal Schweinfleisch oder alkoholische Getränke transportiert haben. Wie sich so etwas nachweisen lässt, ist allerdings unklar. Zudem müssten die Logistikfirmen zukünftig getrennte Lagerräume einrichten. Die geplante Senkung der Logistikosten wird dadurch konterkariert.

Rückstufung im Logistics Performance Index 2016 um zehn Ränge

Es wundert daher auch niemanden, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in Sachen Logistik spürbar verschlechtert hat. Im Logistics Performance Index der Weltbank wurde Indonesien 2016 um zehn Plätze gegenüber 2014 zurückgestuft. Der Archipel landete auf Rang 63 und lag damit hinter wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern wie Indien, Uganda oder Tansania. Insgesamt wurden 160 Staaten bewertet.

Logistics Performance Index, Auswahl asiatischer Staaten (Rang)
Land 2016 2014
Singapur 4 5
Hongkong (SVR) 9 15
VR China 27 28
Malaysia 32 25
Indien 35 54
Thailand 45 35
Indonesien 63 53
Vietnam 64 48
Philippinen 71 57
Kambodscha 73 83
Myanmar 113 145
Laos 152 131

Quelle: Weltbank

Länderrankings haben eine begrenzte Aussagekraft. Doch im Falle Indonesien scheint die Herabstufung glaubwürdig. Allerdings machen die Voraussetzungen mit Tausenden bewohnten Inseln auf einer Fläche von 2.000 km mal 5.000 km die Reduzierung der Logistikkosten schwierig. Daher muss man die ehemalige holländische Kolonie eher mit den geografisch ähnlichen Philippinen (2016: Platz 71) vergleichen.

Dominanter Schiffsverkehr, rudimentäres Schienennetz

Nicht umsonst hat der Schiffsverkehr in Indonesien eine dominante Stellung. 2015 gab es nach Angaben des Verkehrsministerium landesweit über 3.000 Häfen. Ihre Anzahl hat sich damit - auf dem Papier zumindest - gegenüber 2012 nahezu verdoppelt. Das Schienennetz ist hingegen nur rudimentär ausgebaut. 2015 waren lediglich 5.200 km in Betrieb und damit weniger als zu holländischen Kolonialzeiten.

Verkehrsinfrastruktur Indonesiens
2012 2015
Straßennetz (in km) 501.969 523.974
Aktives Schienennetz (in km) 4.825 5.200
Flughäfen (Anzahl) 210 298
Seehäfen (Anzahl) 1.552 3.089

Quelle: Indonesisches Verkehrsministerium

2015 wurden laut Verkehrsministeriums Waren im Wert von über 1.000 Mrd. t über das Wasser befördert. Fast 60% davon entfielen auf die Binnenschifffahrt. Die Bahn kam derweil nur auf 32 Mrd. t. Die Luftfracht summierte sich auf 0,8 Mio. t. Fast 50% davon wurden am internationalen Airport in Jakarta umgeschlagen.

Gütertransport in Indonesien, nach Verkehrsträgern (in 1.000 t)
Verkehrsträger 2012 2015
Straßentransport k.A. k.A.
Schienentransport 22.079 32.035
Schiffstransport, davon 962.689 1.029.504
.Binnenschifffahrt 356.024 590.645
.Hochseeschifffahrt 597.665 438.859
Lufttransport, davon 662 794
.Inlandsflüge 572 598
.Internationale Flüge 91 196

Quelle: Indonesisches Verkehrsministerium

Internetadresse

Weltbank

Internet: http://www.worldbank.org (Startseite); http://lpi.worldbank.org/international/global (Logistics Performance Index 2007 bis 2016)

(R.R.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien finden Sie unter http://www.gtai.de/indonesien. Einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik finden Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Wasser-, Hafenbau, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Schiffsverkehr / Häfen, Logistik / Speditionen

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