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22.12.2017

Mehrere Milliarden US-Dollar fließen in den Bauxitabbau in Guinea

Zahlreiche Aufträge für Ausrüstungen / Auch Transportinfrastruktur muss gebaut werden / Von Carsten Ehlers

Conakry (GTAI) - Im westafrikanischen Guinea führen diverse internationale Investoren Großprojekte im Bauxitbergbau durch. Nach Angaben von Experten handelt es sich um den derzeit weltweit größten Zubau an Minenkapazitäten. Mehrere Milliarden US-Dollar werden umgesetzt. Für deutsche Zulieferer kam es bereits zu diversen Aufträgen. Weitere dürften folgen. Benötigt wird nicht nur Bergbau- und Fördertechnik sondern auch Infrastruktur für den Abtransport des Bauxits sowie für die Versorgung des Minenpersonals.

Im westafrikanischen Guinea vollzieht sich fast unbemerkt ein Investitionsboom im Bergbau. Mehrere Milliarden US-Dollar fließen in den Ausbau der Bauxitproduktion. Nicht zuletzt aufgrund dieser Großprojekte gewinnt die wirtschaftliche Dynamik des Landes deutlich an Fahrt. Im Jahr 2017 dürfte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei deutlich über sechs Prozent gelegen haben. Ein ähnlich optimistisches Bild zeichnet sich für die Jahre 2018 und 2019 ab. Damit rückt der bislang in Westafrika eher unbedeutende Liefermarkt plötzlich in den Fokus von Zulieferern aus verschiedenen Bereichen. Auch deutsche Zulieferer erhalten Aufträge im Rahmen der Großprojekte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Exportvolumen Deutschlands in das westafrikanische Land im Zeitraum Januar bis September 2017 bei 92,4 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um etwa 36 Prozent.

Sämtliches Gerät muss aufwändig importiert werden. Neben Bergbau- und Fördertechnik müssen zahlreiche Ausrüstungen für die Versorgungsinfrastruktur der teilweise abgelegenen Minen beschafft werden. Für die Unterbringung der Minenarbeiter müssen spezielle Camps inklusive Großküchen und sonstige Versorgungseinrichtungen errichtet werden.

Internationale Subkontraktoren führen die Arbeiten durch

Auch kommt es zu umfangreichen Arbeiten an der Infrastruktur für den Abtransport des Bauxits. Bahnlinien werden neu gebaut oder modernisiert. Wagons, Lokomotiven und Signaltechnik werden ebenso bestellt wie Flotten an Lastkraftwagen. Auch die Verladehäfen werden mit neuen Terminals versehen. Die Bergbaukonzessionäre haben fast ausschließlich Unterauftragnehmer mit hohem Professionalisierungsgrad für den Aufbau der Minen engagiert, darunter WBHO aus Südafrika, Colas und Bouygues aus Frankreich und Fluor aus den USA.

Der Run auf das Bauxit hat seine Ursache im hohen Bedarf an Aluminium auf den Weltmärkten. Aluminium verzeichnete seit etwa Ende 2015 eine hohe Preissteigerung von etwa 1.450 US-Dollar (US$) je Tonne auf nun über 2.100 US$ je Tonne. Das entspricht einem Wertzuwachs von fast 45 Prozent. In Guinea befinden sich die größten bekannten Bauxitlagerstätten der Welt Insgesamt werden die Reserven an Bauxit in Guinea auf sieben Milliarden Tonnen geschätzt, mehr als ein Viertel der Weltvorkommen. Auch die Qualität gilt als die beste weltweit. In China wurden die Produktionskapazitäten für Aluminium in den letzten Jahren deutlich auf 50 Millionen Tonnen jährlich erhöht. Gleichzeitig gehen die chinesischen Bauxitreserven zur Neige oder liefern immer geringere Qualität.

EGA aus Dubai investiert in das größte Projekt

Das wohl größte Projekt realisiert die Emirates Global Aluminium (EGA) aus Dubai in Boké im Westen Guineas. EGA ist dabei eine Bauxitmine mit einer Kapazität von 12 Millionen Tonnen pro Jahr über seine lokale Tochter Guinea Alumina Corporation (GAC) aufzubauen. Die Mine soll 2019 mit der Produktion beginnen. Verschifft werden soll das Bauxit von der Mine über den Hafen in Kamsar, mit dessen Ausbau die GAC die China Harbour Engineering Company beauftragt hat. Unter anderem soll der Verschiffungsterminal für Schiffe der Größe Capesize und Newcastlemax zugänglich gemacht werden. Ebenfalls im Gespräch ist der Bau einer Raffinerie nahe der Mine für etwa 4 Milliarden US$. Hierfür werden derzeit Machbarkeitsstudien erstellt.

Ein weiteres neues Projekt wird ebenfalls in Boké von der französischen Alliance Minière Responsable (AMR) durchgeführt. Die in Paris gelistete AMR hat bislang wenig Erfahrung im Bergbau, verfügt aber über eine Abbaukonzession, in der sich Reserven im Umfang von etwa 400 Millionen Tonnen Bauxit befinden. Mitte 2017 hat AMR mit der Société Minière de Boké (SMB) einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. SMB ist ein französisch-chinesisch-singapurisches Joint Venture, welches den Abbau übernehmen soll. Ausrüstungen werden vor allem von der französischen United Mining Supply (UMS) beschafft. AMR will das Bauxit entweder per Eisenbahn oder per Flussschiff zum Verschiffungshafen nach Kamsar transportieren. Mit dem Abbau soll ebenfalls 2019 begonnen werden.

CBG erweitert seine Produktion massiv

Unter dem Namen "Compagnie des Bauxites de Guinée (CBG) Expansion" firmiert eine weitere Milliardeninvestition. Im Rahmen des Projektes ist die CBG dabei, ihre Minenkapazitäten massiv aufzustocken. Ausgebaut werden die beiden Minen in Kamsar und Sangarédi. Die Produktionskapazität der Mine in Kamsar soll von derzeit 13,5 auf 18,5 Millionen Tonnen pro Jahr aufgestockt werden. CBG gehört zu 51% dem Halco-Mining-Consortium, an dem Alcoa, Rio Tinto und Dadco Investments beteiligt sind. Mit 200 Millionen US$ beteiligt sich auch die International Finance Corporation an dem Projekt. So soll mit dem Geld unter anderem der Transportkorridor von Sangarédi nach Kamsar modernisiert werden. Die Transportkapazität soll von derzeit 15 Millionen Tonnen auf 42 Millionen Tonnen aufgestockt werden. Neue Loks, Wagons und Signaltechnik für die Strecke wurden bereits beschafft.

Der in London firmierende Junior Miner Alufer Mining baut seit Februar 2017 eine weitere Bauxitmine ein paar Hundert Kilometer östlich von Kamsar. Die bei Bel Air gelegene Mine liegt nur etwa 15 Kilometer vom Verschiffungshafen entfernt und soll im 2. Halbjahr 2018 mit der Produktion beginnen. In Bel Air wird der Verschiffungshafen ausgebaut. Etwa 5,5 Millionen Tonnen Bauxit sollen jährlich abgebaut werden. Der Transport dorthin wird per Lastkraftwagen abgewickelt. Alufer hat kürzlich 400 neue Trucks von Renault bestellt. Private Kapitalgeber sowie der multilaterale Geber African Finance Corporation (AFC) brachten die 205 Millionen US$ an Investitionskapital auf.

Rusal baut Mine in Dian-Dian aus

Auch die russische Rusal, die seit den 1970er Jahren in Guinea aktiv ist, will ihre Kapazitäten ausbauen. Allerdings berichten potenzielle Zulieferer, dass es schwierig ist, an die Entscheidungsträger heranzukommen. Die Einkäufe scheinen vor allem über Russland zu laufen. Rusal plant, die Mine in Dian-Dian erst auf eine Kapazität von jährlich drei Millionen Tonnen und bis 2021 dann auf sechs Millionen Tonnen auszubauen. Insgesamt liegen die Investitionen bei 216 Millionen US$.

Im Jahr 2016 kündigte auch die Société des Bauxites de Dabola-Tougué (SBDT), an der der iranische Staat einen Anteil von 51 Prozent hält, Investitionen an. Die Konzessionen der SBDT erstrecken sich über verschiedene Bauxitvorkommen bei Dabola und Tougue in Zentralguinea mit Gesamtreserven von angeblich über 600 Millionen Tonnen. Iranian Mines & Mining Industries Development & Renovation (IMIDRO), ein iranisches Staatsunternehmen, soll die 505 Millionen Euro für das Projekt aufbringen. Für den Abtransport soll eine Straße über 325 Kilometer entstehen, die die Abbauregion mit dem Verschiffungshafen in Conakry verbindet. Informationen darüber, wie weit der Minenausbau inzwischen vorangeschritten ist, waren Ende 2017 indes nicht erhältlich.

Bauxitprojekte in Guinea auf einen Blick
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand
Compagnie des bauxites de Guinée (CBG), Ausbau der Mine in Kamsar 200 Im Bau.
Compagnie des bauxites de Guinée (CBG), Ausbau der Mine in Sangarédi 1.000 Im Bau.
Bauxitmine von Emirates Global Aluminium (EGA)in Boké 1.000 Im Bau. Erwarteter Produktionsbeginn 2018.
Alufer Mining in Bel Air 205 Im Bau. Erwarteter Produktionsbeginn ab Ende 2018.
Bauxitmine von Alliance minière responsable (AMR)in Boké 200 Geplant. Angestrebter Produktionsbeginn 2019.
Société des bauxites de Dabola-Tougué (SBDT) 553 k.A.
Bauxitmine von Rusal in Dian-Dian (Tinquituta) 220 (in erster Phase) Im Bau.
Aluminium Corporation of China (Chalco) 500 Geplant.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Dieser Artikel ist relevant für:

Guinea Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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