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15.06.2018

Mexikanischer Außenhandel stark trotz Nafta-Debatte

Export profitiert trotz Handelsdifferenzen von guter US-Konjunktur / Von Florian Steinmeyer (Mai 2017)

Mexiko-Stadt (GTAI) - Für Mexiko bleiben die USA der mit Abstand wichtigste Exportmarkt. Da die Wirtschaft des nördlichen Nachbarn kräftig wächst, legen die Ausfuhren zweistellig zu. Das beflügelt gleichzeitig die Importe, da viele Vorprodukte für die Elektronik-, Chemie- und Metallindustrie im Ausland eingekauft werden. Daneben stieg die Pkw-Einfuhr in den vergangenen Jahren stark an. Für Deutschland wird Mexiko insbesondere als Absatzmarkt für Maschinen immer wichtiger.

Weder die mexikanischen Ein- noch die Ausfuhren ließen sich bislang von der schärfer geführten Diskussion um den nordamerikanischen Freihandel beeindrucken. 2017 lagen die Zuwächse jeweils bei rund 9 Prozent. Das kann sich 2018 allerdings ändern, da die US-Regierung Ende Mai ihre Zölle auf Stahl und Aluminium auf Mexiko ausweitete. Die mexikanische Regierung erließ daraufhin Anfang Juni Strafzölle unter anderem auf US-Nahrungsmittel und -Spirituosen.

Die seit Mitte 2017 laufende Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta ist angesichts der neuen Zölle und genereller Differenzen ins Stocken gekommen. Da in Mexiko am 1. Juli 2018 Präsidentschafts- und in den USA im November Midterm-Wahlen anstehen, ist eine Einigung frühestens für 2019 zu erwarten.

Mittlerweile erscheint jedoch auch möglich, das Nafta in seiner bisherigen Form aufgelöst und durch bilaterale Abkommen der USA mit Mexiko und Kanada ersetzt wird. US-Präsident Trump hatte sich für eine solche Lösung ausgesprochen. Zentrale Streitpunkte in den Nafta-Verhandlungen sind die Mindestwertschöpfung in der Kfz-Industrie, die Streitschlichtung sowie die Sunset Clause, wonach das Abkommen alle fünf Jahre neu verhandelt werden müsste.

Mexiko schließt neue Handelsabkommen

Erklärtes Ziel der mexikanischen Regierung ist es, den Außenhandel zu diversifizieren. Im März 2018 schloss Mexiko das TPP-11-Abkommen (Trans-Pacific Partnership 11) mit weiteren zehn Pazifikanrainern ab. Mit der Europäischen Union einigte man sich im April auf die Aktualisierung und Ausweitung des bestehenden Freihandelsvertrags.

Marktbeobachter begrüßen die neuen Handelsabkommen. Sie weisen jedoch darauf hin, dass sich die mexikanische Industrie modernisieren muss, um diese Verträge tatsächlich nutzen zu können und mehr außerhalb Nordamerikas zu exportieren. Wichtige Voraussetzung dafür sei es, flexibler und hochwertiger zu fertigen und in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Außenhandel Mexikos (in Mio. US$; Veränderung in %)
Indikator 2012 2017 Veränderung 2017/2012
Importe 370.751,4 420.369,1 13,4
Exporte 370.706,7 409.451,4 10,5
Handelsbilanzsaldo -44,7 -10.917,7 -

Quelle: UN Comtrade

Außenhandel nach Handelspartnern

Asiatische Lieferanten drängen nach Mexiko

Mit der VR China, Malaysia und Südkorea konnten zwischen 2012 und 2017 vor allem asiatische Schwellenländer ihre Lieferungen nach Mexiko steigern. Sie versorgen den Markt mit Vorprodukten, werden aber auch stärker im Geschäft mit Maschinen und Elektrotechnik. Im Fall Chinas (BAIC, Great Wall, JAC Motor) und Koreas (Hyundai, Kia) nimmt auch die Präsenz in der Kfz-Industrie zu. Etablierte Industriestaaten wie Japan und Italien verloren hingegen Marktanteile.

Deutschland steigerte den Anteil an den mexikanischen Importen auf 3,9 Prozent und baute so die Stellung als wichtigster europäischer Lieferant aus. Alleine 2017 nahm der Warenfluss um 17 Prozent zu, was vor allem auf höhere Lieferungen an Maschinen und Kfz-Teilen zurückzuführen ist. Durch neue Investitionen von BMW und Daimler (zusammen mit Nissan) wird der Automobilsektor auch in den kommenden Jahren an Bedeutung im deutsch-mexikanischen Handel gewinnen.

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Bei seinen Exporten ist Mexiko in den vergangenen fünf Jahren trotz Diversifizierungsbemühungen abhängiger vom US-Geschäft geworden. Deutschland hat für Mexiko leicht an Bedeutung gewonnen, alleine 2017 stiegen die Ausfuhren um 45 Prozent. Dies ist vorrangig auf die Lieferung von in Mexiko gefertigten Pkw zurückzuführen. Unter den restlichen Handelspartnern gab es aus mexikanischer Sicht keine bedeutenden Verschiebungen.

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Außenhandel nach Warengruppen

Maschinen und Kfz mit starker Importsteigerung

Mexiko importiert vorrangig Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen sowie Vorprodukte aus dem Elektro-, Chemie- und Metallbereich. Neben Maschinen (Importplus von 22 Prozent) stieg die Fahrzeugeinfuhr, darunter vor allem Pkw, von 2012 bis 2017 am stärksten. Unter den deutschen Firmen ist Mexiko in den vergangenen Jahren besonders für Maschinenbauer zu einem immer wichtigeren Markt geworden. 2017 kauften Mexikaner Maschinen für 5,1 Milliarden US-Dollar in Deutschland (SITC 71-74) und somit 24 Prozent mehr als 2012.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2012 2017
Gesamt 370.751,4 420.369,1
Elektronik 75, 76, 776 60.474,1 60.786,7
Maschinen 71-74 48.865,3 59.720,0
Vorerzeugnisse 6 52.211,6 56.349,6
Chemische Erzeugnisse 5 41.779,6 44.176,4
Straßenfahrzeuge 78 32.140,4 41.394,3
Fertigerzeugnisse 8 31.250,8 38.870,5
Elektrotechnik 77 minus 776 28.919,0 35.723,5
Mineralische Brennstoffe 3 33.332,7 35.529,6
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 18.238,1 19.603,8
Sonstiges 9 10.612,8 15.182,7
Rohstoffe 2 8.699,9 9.195,2
Tierische/pflanzliche Öle 4 1.495,7 1.443,8
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.749,9 1.290,3
Getränke/Tabak 1 981,5 1.102,8

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) findet sich unter: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: UN Comtrade

Unter den mexikanischen Exporten gab es bei Straßenfahrzeugen (darunter vor allem Pkw) zwischen 2012 und 2017 ein besonders großes Plus. Die Lieferungen sind zu 75 Prozent für den US-Markt bestimmt. Zusammen mit anderen Industrieprodukten wie Fertigerzeugnissen sowie Maschinen und -teilen konnten sie die niedrigere Ausfuhr von Erdöl und -gas mehr als ausgleichen.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2012 2017
Gesamt 370.706,7 409.451,4
Straßenfahrzeuge 78 69.875,1 101.472,6
Elektronik 75, 76, 776 63.438,5 66.968,7
Fertigerzeugnisse 8 31.487,9 41.841,3
Maschinen 71-74 33.127,6 41.031,3
Elektrotechnik 77 minus 776 32.342,4 39.867,8
Vorerzeugnisse 6 28.193,3 28.198,4
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 17.374,7 25.903,3
Mineralische Brennstoffe 3 52.164,4 22.617,8
Chemische Erzeugnisse 5 15.395,7 14.182,2
Sonstiges 9 12.481,6 9.782,1
Rohstoffe 2 8.097,6 7.725,4
Getränke/Tabak 1 3.732,3 5.879,5
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.795,0 3.722,5
Tierische/pflanzliche Öle 4 200,7 258,4

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) findet sich unter: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: UN Comtrade

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Mexiko Außenhandel / Struktur, allgemein

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