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23.02.2018

Mexikanischer Markt für Flüssiggas und LNG wandelt sich

Speicher und andere Infrastruktur müssen stark ausgebaut werden / Pemex verliert Vormachtstellung / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die zunehmende Flüssiggasnachfrage und Brennstoffdiebstähle erfordern in Mexiko den Ausbau und die bessere Überwachung der Infrastruktur. Auch verflüssigtem Erdgas kommt angesichts der steigenden Gasimporte eine größere Bedeutung zu. Private Firmen investieren seit der Liberalisierung des Gasgeschäfts in Transport und Speicher, während die staatliche Erdölgesellschaft Pemex Marktanteile verliert. (Kontaktadressen)

Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas - LPG) kommt in Mexiko in sieben von zehn Haushalten zum Einsatz. Dem Branchenverband Amexgas zufolge nutzen rund 90 Millionen Mexikaner Flüssiggase wie Propan und Butan zum Kochen und zum Erhitzen von Wasser. Der Thinktank CIDAC schätzt den Jahresumsatz mit LPG in Mexiko zur Zeit auf 7,5 Milliarden US-Dollar (US$).

Durch die Liberalisierung des Verkaufs Anfang 2016 ist der Markt im Wandel. Dem Energieministerium Sener zufolge steigt die Nachfrage nach LPG von 2017 bis 2031 um 14 Prozent. Der Anstieg wird in den Jahren 2020 und 2021 besonders hoch sein, da der staatliche Ölkonzern Pemex dann verstärkt auf Propangas als Ausgangsstoff für seine Kunststoffproduktion umsteigen wird.

Prognostizierte Nachfrageentwicklung von LPG 2017 bis 2031 (in 1.000 Barrel pro Tag)
Sektor 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029 2031
LPG-Nachfrage 273,6 268,3 306,6 307,6 306,7 307,9 309,8 311,5

Quelle: Energieministerium Sener

Pemex hat seit der Freigabe des Flüssiggasgeschäfts für Privatfirmen Anfang 2016 rund 40 Prozent seines LPG-Umsatzes eingebüßt (berechnet in mexikanischen Peso). Von Januar bis Oktober 2017 kam das Staatsunternehmen auf Verkäufe von umgerechnet 2 Milliarden US$. Zwei Jahre zuvor, und damit vor der Marktöffnung, waren es noch 4,1 Milliarden US$. Rund 55 Prozent des LPG stammen mittlerweile aus dem Ausland, da die Produktion von Pemex immer weiter zurückgeht. Prognosen zufolge könnte der Importanteil bis 2020 auf 75 Prozent ansteigen.

Lagerung gewinnt an Bedeutung

Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs gewinnt die flexible Lagerung von Flüssiggas stark an Bedeutung. Die Speicherkapazitäten reichen momentan lediglich für fünf Tage. Die rund 20 LPG-Importeure, unter ihnen die führenden Unternehmen Pemex, Uribe, Sonigas, Grupo Fuentes und Metropolitano, beliefern ihre insgesamt rund 980 Verteilstationen praktisch just-in-time. Von dort aus wird das Gas direkt an die Endkunden weiter geliefert.

Im November 2017 ging Lateinamerikas erstes Speicherprojekt in einem ehemaligen Salzstollen an den Start. Der mexikanische Salzproduzent Cydsa eröffnete die Anlage in Coatzacoalcos im Bundesstaat Veracruz mit einem Fassungsvermögen von 1,8 Millionen Barrel. Die tägliche Ein- beziehungsweise Auslasskapazität liegt bei 120.000 Barrel. Der Transport des LPG erfolgt durch Pipelines in Kooperation mit der kanadischen Firma Atco. Die Speicherleistungen sind exklusiv für Pemex bestimmt, mit der Cydsa bereits 2014 einen entsprechenden Vertrag schloss. Pemex betreibt ebenfalls in Coatzacoalcos mehrere Raffinerien und petrochemische Anlagen.

Mehr Überwachung notwendig

Der LPG-Preis ist 2017 um rund 40 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür sind die Marktöffnung und die damit einhergehende geringere Subventionierung des Brennstoffs. Daneben haben Wirbelstürme im Herbst 2017 zu zwischenzeitlichen Einschränkungen der Produktion in Mexiko und den USA gezwungen. Durch den höheren Preis steigt die illegale Entnahme von LPG an Pipelines und Verteilzentren. Dem Gashändlerverband Adigas zufolge verkaufen die darauf spezialisierten Gruppen den Brennstoff weit unter Marktpreis vorwiegend in den Bundesstaaten Hidalgo, Puebla und Tlaxcala.

Die Überwachung der Gasleitungen wird daher immer wichtiger. Alleine Pemex hat von 2008 bis 2017 insgesamt 15 Programme zur Sicherung seiner Infrastruktur aufgelegt, die den Staatskonzern rund 1,5 Milliarden US$ kosteten. Technologieanbieter verstärken ihr Angebot an digital gestützter Sicherheitstechnik, darunter Sensoren, Drohnen und Satellitenaufnahmetechnik. Im Februar 2018 gab beispielsweise der US-Konzern Honeywell bekannt, dass Überwachungsequipment für Öl- und Gaspipelines zu den künftigen Schwerpunkten seines Mexikogeschäfts gehöre.

Die Kostensteigerung verleitet auch Händler dazu, weniger als angegeben in Gasflaschen und -tanks zu füllen. Haushalte fragen daher Geräte zur Überprüfung des Füllstands nach. Die Verbraucherschutzbehörde Profeco kontrolliert ebenfalls verstärkt die Verteilzentren und Tanklaster der Gashändler.

Neue Terminals für verflüssigtes Erdgas möglich

Der steigende mexikanische Import von Erdgas kann darüber hinaus in den kommenden Jahren zusätzliche Anlagen zur Rückumwandlung von verflüssigtem Import-Erdgas (Liquefied Natural Gas - LNG) an den Einfuhrhäfen notwendig machen. Momentan verfügt Mexiko über drei solcher Anlagen in den Häfen Manzanillo und Costa Azul an der Pazifikküste sowie in Altamira am Golf von Mexiko. In allen drei Werken wird vornehmlich LNG aus dem US-Hafen Sabine Pass verarbeitet. Schon heute reichen die Pipelinekapazitäten aus den USA trotz Ausbau nicht aus, um genügend Erdgas auf dem Landweg in die Verbraucherzentren Mexiko-Stadt und Guadalajara zu bringen.

Mexiko will mittelfristig auch in den Export von verflüssigtem Erdgas einsteigen. Das Unternehmen IEnova plant derzeit in Costa Azul die landesweit erste LNG-Verflüssigungsanlage im Wert von 0,5 bis 1 Milliarde US$. Sie soll täglich bis zu 1,3 Milliarden Kubikfuß Erdgas in LNG umwandeln können. Das Unternehmen erwartet die Genehmigung der mexikanischen Energieregulierungsbehörde im Jahresverlauf 2018.

Über die derzeitigen Investitionen in des Netz an Gaspipelines informiert folgender GTAI-Beitrag: http://www.gtai.de/MKT201802228005

Langfristige Speicherung angestrebt

Ähnlich wie im Fall von Flüssiggas kommt auch Bewegung in die Speicherung von LNG. Das Energieministerium Sener machte dazu Ende 2017 einen Regulierungsvorschlag, der weiter in Arbeit ist. Demnach muss die Gasbehörde Cenagas als Betreiberin des nationalen Gaspipelinenetzes bis 2025 rund 1.274 Millionen Kubikmeter an langfristigen Speicherkapazitäten aufbauen. Derzeit verfügt Mexiko nur über knapp 1 Million Kubikmeter an kurzfristigen Kapazitäten in den Terminals Manzanillo, Costa Azul und Altamira.

Als beste Möglichkeit für die Speicher hat Sener 15 ehemalige Erdöl- und Erdgaslagerstätten in den Regionen Burgos, Veracruz und Macuspana-Muspac ausgemacht. Cenagas soll nach dem Willen des Ministeriums 2018 den Bau der Speicher ausschreiben. Die Kosten für Bau und Betrieb wird die Behörde auf die Nutzer des Pipelinesystems umlegen. Zukünftig können neben Cenagas auch private Pipelinebetreiber zur Speicherung von verflüssigtem Erdgas verpflichtet werden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Energieministerium (Secretaria de Energia - Sener) http://www.gob.mx/sener
Nationales Kontrollzentrum für Erdgas (Centro Nacional de Control del Gas Natural - Cenagas) http://www.gob.mx/cenagas Aufsichtsbehörde für den Erdgassektor; Betreiberin des nationalen Gaspipelinenetzes
Verband der Flüssiggashändler und verwandter Unternehmen (Asociacion Mexicana de Distribuidores de Gas Licuado y Empresas Conexas - Amexgas) http://www.amexgas.com.mx Gashändlerverband
Verband der Gashändler (Asociacion de Distribuidores de Gas del Interior - Adigas) http://adigas.mx Gashändlerverband

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Wärme- und Gasversorgung, Öl, Gas

Ulrich Binkert Ulrich Binkert | © GTAI

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‎+49 228 24 993 267

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