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04.03.2016

Mexiko ist bei Maschinen auf Importe angewiesen

Kfz- und Luftfahrtindustrie haben hohen Bedarf / Messe Expomaq mit großer deutscher Beteiligung im April 2016 / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (gtai) - In- und ausländische Industrieunternehmen steigern ihre Fertigung in Mexiko und verwandeln das Land in die wichtigste Produktionsplattform Lateinamerikas. Die dafür benötigten Werkzeugmaschinen kommen fast ausschließlich aus dem Ausland - eine Chance für deutsche Lieferanten. In den ersten elf Monaten 2015 lagen die mexikanischen Importe von entsprechenden Maschinen bei knapp 2,4 Mrd. US$ und somit um 13,8% über dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums. (Internetadressen)

Produzenten von Kfz-Teilen zufolge gibt es nur wenige Maschinenbauer in Mexiko, deren Anlagen den hohen Qualitätsansprüchen genügen, denn in Mexiko hergestellte Kfz-Teile beziehungsweise die daraus montierten Fahrzeuge sind vorrangig für den Weltmarkt bestimmt. Auch die benötigten Werkzeuge kommen hauptsächlich aus dem Ausland. Der mexikanische Wissenschaftsrat Conacyt (Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología) geht davon aus, dass nur rund 5 bis 10% aller verwendeten Formen und Werkzeuge aus Mexiko stammen.

Deutschland lag 2014 mit einem Marktanteil von 15,0% an dritter Stelle unter den größten Werkzeugmaschinenanbietern in Mexiko. In den ersten elf Monaten 2015 konnten deutsche Anbieter ihren Anteil um knapp 3 Prozentpunkte ausbauen. Auf das Gesamtjahr 2014 hin gesehen steht Japan an der Spitze der Maschinenlieferanten (Anteil von 29,1%), gefolgt von den USA (24,5%). Auf den Positionen vier und fünf folgen Italien (6,0%) und Korea (Rep.; 4,9%).

Die Messe Expomaq vom 12. bis 15.4.16 in León wird einen großen Gemeinschaftsstand deutscher Unternehmen umfassen, unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.

Einfuhr von Werkzeugmaschinen (in Mio. US$; Veränderung und Anteil in %)

HS-Code Kurzbezeichnung 2015 *) Veränderung 2015/2014 *) Deutscher Anteil 2015 *)
8456 Werkzeugmaschinen zum Abtragen durch Laser etc. 167,0 19,4 17,6
8457 Bearbeitungszentren, Mehrwegemaschinen und Transfermaschinen 350,7 -9,6 23,1
8458 Drehmaschinen 215,8 10,7 10,6
8459 Spanabhebende Werkzeugmaschinen 109,0 15,9 24,3
8460 Werkzeugmaschinen zum Entgraten, Schärfen, Schleifen, Honen, Läppen, Polieren etc. 163,9 4,3 19,1
8461 Werkzeugmaschinen zur spanabhebenden Bearbeitung 83,0 17,7 23,9
8462 Werkzeugmaschinen und Pressen zum Schmieden, Hämmern und Biegen etc. 834,8 40,4 16,3
8463 Andere Werkzeugmaschinen zum spanlosen Be- und Verarbeiten 78,3 -16,6 21,8
8466.93 Teile und Zubehör für Maschinen der Positionen 8456 bis 8461 189,4 19,5 21,5
8466.94 Teile und Zubehör für Maschinen der Positionen 8462 oder 8463 173,2 -7,0 10,4
Gesamt 2.365,2 13,8 17,9

*) jeweils Januar bis November

Quelle: UN Comtrade

Hinsichtlich der Konkurrenzsituation gehören für Martín Cortés vom Anlagenplaner und -integrator FTM Sourcing im Bereich der Massenproduktion die Unternehmen Grob, Heller, Okuma und Makino zu den führenden Werkzeugmaschinenanbietern. Bei Anlagen für die Spezialteileherstellung dominieren unter anderem Hermle, Micro und DMG Mori. Technisch gehe der Trend auch in Mexiko hin zu großen Bearbeitungszentren mit mehreren aufeinanderfolgenden Modulen, so Cortés.

Kfz-Industrie zieht Zulieferer an

In der Kfz-Industrie könnten die aktuellen Expansionspläne der Automobilkonzerne die jährliche Produktion von rund 3,4 Mio. 2015 auf 5,0 Mio. Fahrzeuge 2020 steigen lassen. Eine Übersicht der konkreten Investitionsvorhaben bietet die Publikation "Branche kompakt Kfz Mexiko" (http://www.gtai.de/branche-kompakt). Die neuen Werke der Kfz-Bauer lassen die Zulieferbasis in Mexiko wachsen.

Die Teilefertigung legte laut dem Branchenverband INA (Industria Nacional de Autopartes) 2015 um 5% auf 85,5 Mrd. US$ zu. 2017 wird der Absatz Prognosen zufolge bei 96 Mrd. US$ und 2021 bei 100 Mrd. US$ liegen. Nachfrage nach weiteren Zulieferern besteht vor allem in den Arbeitsbereichen Metallguss, Stanzen, Schmieden und Zerspanen, so die mexikanische Investitionsfördergesellschaft ProMéxico.

Aktuelle Investitionsprojekte deutscher Kfz-Zulieferer (Auswahl; Investitionssummen in Mio. US$) *)
Akteur/Projekt Investitionssumme Anmerkungen
ThyssenKrupp 78 Werk für jährlich 1,4 Mio. elektrisch unterstützte Lenksysteme in Puebla
ThyssenKrupp 50 Werk für Zylinderkopfhauben mit integrierten Nockenwellen im Bundesstaat Guanajuato
Bosch 30 Bremsanlagenwerk in Aguascalientes
Saargummi 17 Investitionen an den beiden Standorten in Saltillo und Guadalajara
Benecke-Kaliko 11 Werkshalle für Tepeo- und Tepeo-2-Folien in San Luis Potosí
Boysen k.A. Werk für Abgaskomponenten in San Luis Potosí

*) zwischen Juni 2015 und Februar 2016 bekanntgegebene Projekte

Quelle: Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

Luftfahrtindustrie mit neuen Projekten

Im Luftfahrtbereich baut Mexiko seine Stellung als Teilelieferant für Flugzeughersteller, vor allem Bombardier und Boeing, aus. Hauptstandorte sind die nördlichen Bundesstaaten Baja California, Sonora und Chihuahua sowie Querétaro im Landeszentrum. Vertreter von Bombardier gehen davon aus, dass die mexikanischen Branchenexporte von schätzungsweise 7,5 Mrd. US$ 2015 bis 2020 um 40% steigen werden. Der Zeitschrift Mexiko Now zufolge investierten Flugzeug- und Hubschrauberzulieferer 2015 etwa 1,1 Mrd. US$ in Mexiko.

Zu den größten zwischen Mitte 2015 und Anfang 2016 bekannt gewordenen Investitionsvorhaben gehört ein neues Werk des französischen Konzerns Safran in Querétaro. Die 74 Mio. US$ teure Anlage soll ab 2017 Teile für LEAP-Turbinen fertigen. Bereits im März 2015 hatte Safran angekündigt, 14 Mio. Euro in den Standort des Tochterunternehmens Messier Bugatti Dowty in Querétaro zu investieren, um die Fertigung von Fahrwerkgestellen auszubauen.

Boeing steigerte laut eigenen Angaben das Einkaufsvolumen in Mexiko 2015 auf rund 1 Mrd. US$, darunter Teile für Klimaanlagen, Wälzlager, Stecker, Fahrwerke und Düsen. Alcoa, Anbieter von Metallteilen für die Flugzeugindustrie, baut für 37,7 Mio. US$ eine neue Fabrik in Coahuila. Bell Helicopter gab bekannt, die Innenausstattung für das neue Modell SLS in Mexiko zu beschaffen. Airbus Helicopters (Eurocopter) veröffentlichte Projektionen, wonach sich die Fertigung von Türen und anderen Komponenten im Werk Querétaro in den kommenden 20 Jahren vervierfachen könnte.

Neben dem Kfz- und Luftfahrzeugbau gelten die Medizintechnik, die Elektroindustrie sowie die Öl- und Gaswirtschaft als Industriezweige, die in den kommenden Jahren eine hohe Nachfrage nach Werkzeugmaschinen haben dürften.

Bestehendes Maschinenangebot mit Schwächen

Trotz des breiten Angebots an Maschinen und Ausrüstungen ausländischer Hersteller beklagen mexikanische Kunden verschiedene Schwachpunkte. Im Gespräch mit Germany Trade & Invest geben Kfz-Zulieferer aus Puebla an, dass sowohl der Wartungsservice als auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen bei vielen Anbietern verbesserungswürdig seien. Juan Carlos Cruz, Geschäftsführer des Messtechnikspezialisten Arce Tools, sagt beispielsweise: "Für die Wartung mangelt es den Herstellern und Händlern häufig an gut ausgebildetem Personal. Aus Angst, dass fähige Leute von Konkurrenten oder Kunden abgeworben werden, scheuen sie Investitionen in die Weiterbildung."

Bei der Verfügbarkeit von Ersatzteilen bemängeln die Unternehmer die häufig langen Lieferzeiten von europäischen und asiatischen Maschinenherstellern. Gleiches gelte für die Versorgung mit Werkzeugen. Durch Ersatzteillager in Mexiko oder den USA könnte der entfernungsbedingte Marktvorteil der US-Maschinenhersteller gebrochen werden. Ein weiterer Aspekt sei die Finanzierung, bei der oft asiatische Hersteller wie Mitsubishi besonders gute Konditionen bieten.

Internetadressen

Asociacion Mexicana de Distribuidores de Maquinaria (Mexikanischer Verband der Maschinenhändler, AMDM)

Internet: http://www.amdm.org.mx

Messe Expomaq (12. bis 15.4.16 in León)

Internet: http://expomaq.org.mx

Organisiert wird die deutsche Leistungsschau von der Deutschen Messe in Hannover (Kontaktperson: Tobias Zwingmann, E-Mail: tobias.zwingmann@messe.de)

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Werkzeugmaschinen, Luftfahrzeuge

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‎+49 228 24993-255

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